Monatsarchiv für Oktober 2007

 
 

Gewaltfantasien

Es ist schon ein Kreuz mit dieser verdhimmifatzten Medienver-schwörung gegen die Möchtegern-Menschenrechtler von rechts außen. Da schickt man ein widerliches Gewaltvideo vermutlich an sämtliche Fernsehsender – und keiner zeigt es. Natürlich geht es Christenfundamentalistin Christine Dietrich nicht um Gewaltver-herrlichung, Schadenfreude und Hetzerei, wenn sie genau dieses Video dann bei den politisch Inkompetenten (PI) veröffentlicht. Wie könnte man auch nur auf so eine Idee kommen!

Aber der Reihe nach.

Kennen Sie das auch? Vom kleinsten Privatsender bis zum größten Medienunternehmen wird man immer wieder dazu angestachelt, sofort zu melden, wenn man etwas Spektakuläres beobachtet hat – die Massen wollen doch was sehen.

Nein, eigentlich kenne ich das so nicht. Eigentlich fallen mir da nur die so genannten Leser-Reporter der Bild-Zeitung ein. In diesem speziellen Fall muss man allerdings tatsächlich das Wort anstacheln verwenden. Es ist charakteristisch für Frau Dietrich, dass das bei ihr offenbar ganz hervorragend funktioniert.

Umso interessanter, dass gewisse Videos nicht gezeigt werden dürfen, weil sie den falschen Inhalt haben.

Falscher Inhalt? Was sieht man in dem unscharf-verwackelten 23-Sekunden-Filmchen denn überhaupt? Eine Gruppe Jugendlicher, die einen anderen Jugendlichen verprügelt und tritt. Mehr nicht. Rückschlüsse auf den Hintergrund der Täter und des Opfers lassen sich daraus nicht ziehen. Genauso wenig wird klar, warum und wie es zu der Attacke kam. Nur die Dietrich weiß es natürlich ganz genau: Die Gewalttäter waren Asiaten, aber keine normalen Asiaten, sondern welche aus Indien, Pakistan und arabischen Staaten. Diese Unterstellung und die Behauptung, das Opfer sei an seinen Verletzungen gestorben, enspringt allerdings nur ihrer und der blühenden Gewaltfantasie ihrer dubiosen Informantin.

Eines dieser Videos wurde uns von einer Leserin zugespielt.

Das ist dann auch schon die einzige Quellenangabe. Kein Wort darüber, wo genau, wann und unter welchen Umständen dieses Video entstanden ist oder wer es aufgenommen hat.

Warum darf so etwas nicht gezeigt werden? [...] Weil es nicht ins Bild passt, das die Medien zeigen wollen? Nicht der Wirklichkeit entspricht, die man herstellen will?

Einmal abgesehen davon, dass kein seriöses Medium ein solches Video zeigt, weil es aus den bereits genannten Gründen unverwertbar ist: Wenn über Gewalt berichtet werden muss – ganz gleich, von wem sie ausgeht – geschieht das auch, jedoch nicht – wie das bei PI der Fall ist – in hetzerischer Absicht. Das ist der ganz große Unterschied, der gar nicht oft genug betont werden kann.

Es geht uns um unabhängige Berichterstattung.

Was in diesem Zusammenhang bei PI passiert, ist nicht unabhängig, sondern in höchstem Maße unanständig. Das ist der eigentliche Kern der politischen Inkorrektheit, wie sie auf PI praktiziert wird. Es geht dort eben nicht um Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit, sondern um das genaue Gegenteil. Nichtdeutsche und Muslime mit oder ohne Migrationshintergrund werden hemmungslos ausgegrenzt und stigmatisiert. Das alles folgt einem Muster, das nicht erst im Dritten Reich erfunden wurde. Sehen will man das jedoch nicht. Im Gegenteil: Es sind alle Andersdenkenden – also die übergroße Mehrheit der Menschen, die ihre Geschichtslektionen gelernt haben – die als Bedrohung wahrgenommen werden. Diese absurde Verdrehung der Realität ist die bizarre Scheinwelt, in der Leute wie Herre, Dietrich und Konsorten ihr fast schon bemitleidenswertes Dasein fristen.

Dass dabei nichts Vernünftiges herauskommen kann, liegt auf der Hand.

Kein Gerücht

Mohammed El-BaradeiFriedensnobelpreisträger haben es bei den politisch Inkompetenten (PI) von Haus aus nicht leicht. Denn Frieden ist etwas, was bei PI gar nicht gerne gesehen wird. Ins Fadenkreuz der Möchtegern-Kreuzritterin Christine Dietrich ist deshalb nun der Präsident der Internationalen Atomenener-giebehörde (IAEO), Mohammed El-Baradei, geraten, weil der es doch tatsächlich gewagt hat, darauf hinzuweisen, dass es keinen Beweis für die Existenz eines iranischen Atomwaffen-programms gibt. El-Baradei sagte weiter, dass die Diplomatie zum jetzigen Zeitpunkt das Mittel der Wahl ist. Für die angebliche Christenpfarrerin Dietrich ist das natürlich völlig inkzeptabel.

Wir erinnern uns: Es war vor allem El-Baradei, der schon vor Bushs illegalem Überfall auf den Irak klargestellt hat, dass es keine Massenvernichtungswaffen im Irak gibt. Und er hat Recht behalten. Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass er auch im Fall Iran richtig liegt, aber ehrlich gesagt vertraue ich einem so besonnenen Mann wie El-Baradei viel mehr als einem Regime, das sich an die Macht betrogen und einen völkerrechtswidrigen Krieg angezettelt hat, in dem nach wie vor viele Unschuldige ihr Leben lassen müssen. Von den Verbrechen, für die die Amerikaner inner- und außerhalb des Iraks verantwortlich sind, ganz zu schweigen.

Für die PI-Leserschaft ist El-Baradei allerdings nur eines:

Ein Ägypter, der die atomaren Ambitionen muslimischer Staaten gegen das Eigeninteresse des nichtgläubigen Westens verteidigt.

Es muss irgendwie schön sein, in einer so kleinen Welt zu leben, in der das eigene Gehirn nur noch so eine Art Platzhalter ist. Für was auch immer.

Verbraucherhinweis

Seyran Ates leidet mal wieder unter ihrem anämischen Gehirn:

Die soziale Abwertung der Einwanderer in Deutschland spiegle sich bereits in der Schwierigkeit wider, sie angemessen zu bezeichnen. Aus Gastarbeitern wurden zunächst Ausländer, dann ausländische Mitbürger, später Deutsche türkischer Herkunft – und nach dem 11. September schließlich Muslime. Ates selbst schlägt den Begriff Deutschländer vor – auch wenn er für in Deutschland lebende Türken in der Türkei zunächst negativ konnotiert gewesen sei.

Also das geht ja wohl wirklich zu weit:

Oder habe ich da nur was falsch verstanden?

Gefahr im Verzug

Was Muslimen in den Flitterwochen mitten in der Lüneburger Heide passieren kann, schildert Musafira in ihrem Blog (Link aus dem Lawblog):

Am Donnerstagabend hatten wir grade eine Partie Scrabble beendet, die ich leider verloren habe. Ich bin eine ganz schlechte Verliererin und legte mich aufs Sofa. Omar ging ins Bad, als es heftig an der Haustür klopfte. Ich schrak auf, konnte mich aber vor Herzklopfen nicht rühren. Dann klopfte es ein zweites Mal heftig. Omar eilte schon aus dem Badezimmer und rief mir zu, dass er an die Tür gehen würde. Ich versuchte mir noch schnell mein Gebetskleid überzuziehen, da ich in dem Moment natürlich kein Kopftuch trug.

Omar rief unterdessen Einen Augenblick, bitte in Richtung Tür und schaute durch den Vorhang der vor der Glastür hing. Polizei, bitte aufmachen rief es von draußen.

Weiterlesen

Getarnter Islamist in der Lüneburger HeideJa, das ist natürlich schon wahnsinnig verdächtig, wenn man samstags im Dunkeln als orientalisch aussehendes Pärchen in einem Kaff in der Lüneburger Heide ohne Auto ankommt. Da muss doch was faul sein! Man hört und liest ja heute so wahnsinnig viel! Deshalb ist es nur zu verständlich, dass die Polizei da gleich mit acht Mann anrückt und das Ferienhaus dieser elenden Bombenbastler durchsucht. Natürlich kann man bei sowas auch keinen Richter aus dem Wochenende holen. Da ist schließlich Gefahr im Verzug! Da muss man doch handeln! Scheißegal, wenn der Rechtsstaat dabei auf der Strecke bleibt.

Update politblog.net hat sich ebenfalls mit dem Vorfall beschäftigt und nachrecherchiert. Mehr dazu hier.

Fragen an PI (1)

Unterstützen Sie die Arbeit von PI. Danke für ihre Spende! So wirbt Politically Incorrect (PI) aktuell um Geldzuwendungen seiner Anhänger. In diesem Zusammenhang habe ich da mal ein paar Fragen:

• Ist PI eine gemeinnützige Organisation, zum Beispiel ein eingetragener Verein?

• Wenn ja: Nachweis?

• Wenn nein: Werden die gegebenenfalls eingehenden Gelder (einschließlich eventuell sprudelnder Werbeeinnahmen) von Stefan Herre nach deutschem Recht ordnungsgemäß versteuert? Wurde zu diesem Zweck möglicherweise sogar ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit angemeldet?

• Handelt es sich bei dem hier angegebenen Konto um das Privatkonto von Stefan Herre?

• Wer kontrolliert die korrekte Verwendung der gegebenenfalls eingehenden Gelder? Werden entsprechende Nachweise geführt?

• Wie oft und in welcher Form wird den Spendern offengelegt, wofür die gegebenfalls eingehenden Gelder verwendet werden?

Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass bei Stefan Herre und PI alles mit rechten Dingen zugeht. Trotzdem hoffe ich auf eine rasche Beantwortung meiner Fragen – auch im Interesse der PI-Leser. In diesem Sinne: Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.

PI kurz berichtigt (2)

Beate Klein behauptet unter der ziemlich dämlichen Überschrift Samtpfötchen für kriminelle Migranten-Kids, dass minderjährige Gewalttäter mit Migrationshintergrund statt mit Gefängnisstrafen nur mit Gesprächstherapien rechnen müssen. Das ist natürlich völliger Humbug.

In dem konkreten Fall aus der Schweiz, bei dem während einer Schlägerei in einer Diskothek ein Jugendlicher verletzt wurde, soll lediglich die Untersuchungshaft aufgehoben werden, weil nach Ansicht der Jugendanwaltschaft keine Verdunkelungsgefahr mehr besteht und ein psychiatrisches Gutachten den mutmaßlichen Haupttäter als ungefährlich einstuft. Nach eidgenössischem Recht entfällt damit die Grundlage für die Untersuchungshaft. Allerdings soll derselbe Täter bereits vor einem dreiviertel Jahr einen 39-jährigen Mann während einer Schlägerei getötet haben. Das Gerichtsverfahren steht jedoch noch aus. Möglich ist jetzt, dass beide Fälle zusammen verhandelt werden.

Unter Berücksichtigung der Gesamtumstände halte ich es auch nicht gerade für angebracht, diesen gewalttätigen Jugendlichen aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Aber den Eindruck erwecken zu wollen, als würden damit beide Fälle quasi zu den Akten gelegt, ist nicht nur grob irreführend und entspricht schon deshalb dem üblichen PI-Niveau, sondern zeigt einmal mehr, dass politisch inkompetent gleichbedeutend mit dummdreister Hetze ist.

Und das auch deshalb, weil es selbstverständlich keinerlei Hinweise dafür gibt, dass der Migrationshintergrund des Täters irgendeine Rolle in den beiden Verfahren spielt.

Quod erat demonstrandum

Nein, eigentlich muss nicht mehr bewiesen werden, dass die politisch Inkompetenten (PI) hassen und hetzen, was das islamophobe Zeug hält. Stefan Niggemeier tut es trotzdem.

Wir erinnern uns: Vor gut einer Woche erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sein in jeder Hinsicht zutreffender Artikel über PI.

Die Reaktionen darauf sprechen für sich.

Fremdenfeindlichkeit im Alltag (1)

Aus der Online-Ausgabe des Tagesspiegels:

Zwei Rechtsextremisten haben in Magdeburg einen Asylbewerber aus Sierra Leone angegriffen und verletzt, ehe sie von einem couragierten Autofahrer vertrieben wurden. Die beiden jungen Männer hätten den 31-jährigen Afrikaner am Samstag zunächst beleidigt und dann geschlagen, berichtete die Polizei. Das Opfer flüchtete, wurde aber eingeholt und erneut verprügelt. Ein Autofahrer hielt an und versuchte, die Schläger von ihrem Opfer abzubringen. Der 24-Jährige alarmierte dann die Polizei und verfolgte die Täter.

[...]

Bei einem anderen Vorfall warf in der Nacht zum Sonntag ein der Polizei als rechtsradikal bekannter 18-Jähriger in Abstatt bei Heilbronn einen Brandsatz auf eine Gruppe Menschen. Nach Polizeiangaben verfehlte der Wurf aber sein Ziel. Die Angegriffenen, ein 32-jähriger Deutscher und zwei 18 und 42 Jahre alte Türken, blieben unverletzt.

Wird fortgesetzt. Leider.

Menschenrechte in Israel

Aus dem Jahresbericht 2007 von amnesty international (ai) für Israel und die besetzten Gebiete (Berichtszeitraum: 1. Januar bis 31. Dezember 2006):

Die zunehmende Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern ließ die Zahl der durch israelische Truppen getöteten Palästinenser gegenüber dem Vorjahr auf das Dreifache ansteigen. Die Zahl der durch palästinensische bewaffnete Gruppen getöteten Israelis reduzierte sich um die Hälfte. Insgesamt wurden mehr als 650 Palästinenser, unter ihnen etwa 120 Kinder, sowie 27 Israelis getötet. Im Zuge von Luft- und Artillerieangriffen bombardierten die israelischen Streitkräfte den Gazastreifen. Außerdem setzte Israel die Ausweitung illegaler Siedlungen sowie den Bau einer 700 Kilometer langen Sperrmauer auf palästinensischem Land in den besetzten Gebieten fort. Blockaden des Militärs, vermehrt von Israel verhängte Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Palästinensern und die Einbehaltung von Steuergeldern der Palästinensischen Autonomiebehörde hatten eine signifikante Verschlechterung der Lebensbedingungen der palästinensischen Einwohner der besetzten Gebiete zur Folge. Armut, die Abhängigkeit von Nahrungsmittelhilfe, Gesundheitsprobleme und Arbeitslosigkeit erreichten im Berichtsjahr einen kritischen Punkt. Israelische Soldaten benutzten Palästinenser im Zuge von mehreren militärischen Operationen als menschliche Schutzschilde, obwohl israelische Gerichte ein solches Verhalten für illegal erklärt hatten. Israelische Soldaten und Siedler waren für schwere Menschenrechtsverstöße verantwortlich, darunter ungesetzliche Tötungen von Palästinensern. Die Täter gingen meist straffrei aus. In den besetzten Gebieten nahmen israelische Truppen Tausende Palästinenser unter dem Verdacht fest, gegen die Sicherheit Israels gerichtete Straftaten begangen zu haben. Darüber hinaus befanden sich Hunderte Palästinenser in israelischer Verwaltungshaft. Nach wie vor wurden israelische Kriegsdienstverweigerer inhaftiert, weil sie die Ableistung des Militärdienstes abgelehnt hatten. Im Juli und August machten sich die israelischen Streitkräfte in einem 34 Tage währenden Krieg gegen die Hisbollah im Libanon schwerer Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht schuldig, darunter auch Kriegsverbrechen. Bei israelischen Bombenangriffen im Libanon wurden fast 1200 Menschen getötet sowie Zehntausende Wohnhäuser und andere Infrastruktur zerstört oder beschädigt. Die israelischen Streitkräfte warfen außerdem über dem Südlibanon rund eine Million Streubomben ab, durch deren nicht detonierte Bomblets auch nach dem Ende des bewaffneten Konflikts Zivilpersonen getötet oder verstümmelt wurden.

Vollständiger Jahresbericht

Ich will den ai-Bericht gar nicht weiter bewerten. Aber ich denke, dass die Menschenrechtssituation in Israel nach wie vor als sehr kritisch eingestuft werden muss. Darüber wird allerdings selten gesprochen, wenn es um den Nahost-Konflikt geht. Umso wichtiger ist es, dass Organisationen wie etwa ai die Lage in Palästina objektiv dokumentieren. Auch wenn das einige zweifellos nicht so gerne sehen – vor allem die nicht, die sich selbst gerne als proisraelisch bezeichnen. Dabei bestreitet niemand, der ernst genommen werden will, das Selbstverteidigungsrecht Israels. Der Missbrauch dieses legitimen Rechts muss jedoch als das bezeichnet werden, was es ist: ein Verbrechen.

Blogbruch

Ich muss etwas beichten: Ich bin heute fremdgegangen. Blogtechnisch. Aber nur ganz kurz. Mea culpa! Trotzdem will ich euch meinen kurzen, äh, Fehltritt mit dem Watchblog Islamophobie nicht vorenthalten:

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