Monatsarchiv für Dezember 2007

 
 

Auge um Auge

Wie funktioniert Rassismus? Ganz einfach: Man greife sich eine x-beliebige Gruppe von Menschen, stufe sie aufgrund irgendwelcher Eigenschaften als minderwertig ein und behandele sie entsprechend. So simpel ist das wirklich – ob es nun um die Farbe der Haut, die Nationalität, den ethnischen Hintergrund oder die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauung geht. Der Begriff Rassismus hat dabei im Laufe der Zeit eine notwendige Erweiterung erfahren (siehe auch hier und hier).

Es gibt heutzutage viele Ansätze, um rassistischem Denken und Handeln den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein solch wirksamer Ansatz ist die so genannte eyetoeye-Methode der amerikanischen Lehrerin Jane Elliott, die am Tag nach der Ermordung von Martin Luther King vor dem Problem stand, wie sie das ihren rein weißen und rein christlichen Schülern in einer rein weißen und rein christlichen Dorfgemeinde in den Vereinigten Staaten erklären sollte. Im Laufe der Jahre entwickelte sie deshalb eine Übung, die auf der Aufteilung einer Gruppe von Menschen in Braunäugige und Blauäugige basiert. Blauäugige werden als unterlegen eingestuft und als solche behandelt. Als Folge dieser Behandlung beginnen die Blauäugigen, sich unterlegen zu fühlen und bestätigen damit die auf sie übertragenen Stereotype, denen sich Nicht-Weiße, Ausländer oder auch Muslime in unserer Gesellschaft Tag für Tag und rund um die Uhr ausgesetzt sehen.

Das ZDF-Heute-Journal berichtete am 18. Dezember über ein Anti-Rassismus-Training nach Jane Elliotts Methode, das für die jugendlichen Teilnehmer eine ziemlich heftige Erfahrung war, wie das Video zur Sendung eindrucksvoll zeigt.

Oh Großer Geist, bewahre mich davor, einen anderen Menschen zu beurteilen, bevor ich nicht eine Meile in seinen Mokkasins gelaufen bin.

Gebet der Sioux-Indianer

Happy New Year

Matthias Richling gibt uns – wie immer zum Jahresende – das Bundes-Horschtl:

Damit wünsche ich euch alles Gute, jede Menge Glück und vor allem viel Gesundheit für 2008.

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Ein kleines Mis(t)verständnis

Stipendien sind schon eine feine Sache. Sie sind allerdings immer an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Diese können politischer, sozialer oder leistungsabhängiger Natur sein. Das ist das Wesen eines Stipendiums.

Die gemeinnützige Hertie-Stiftung gehört mit ihren 11 Stipendienprogrammen zu den größten privaten Förderern schulischer und akademischer Ausbildung in Deutschland. Eines dieser Programme – Horizonte genannt – richtet sich an angehende Lehrer, die selbst oder deren Eltern nicht in Deutschland geboren und zu einem späteren Zeitpunkt eingewandert sind:

Derzeit haben rund ein Drittel der Schüler, aber nur ein Prozent der Lehrkräfte in Deutschlands Schulen einen Migrationshintergrund.

Mit der Einrichtung des neuen Stipendienprogramms für Lehramtsstudierende und künftige Lehrkräfte mit Migrationshintergrund möchte die gemeinnützige Hertie-Stiftung die gesellschaftliche Realität verstärkt in den Klassenräumen abbilden und Vorbilder schaffen.

Für Pädagogisch Irritiert (PI) ist das natürlich schon deshalb höchst verdächtig, weil es ja wohl überhaupt nicht angehen kann, dass ausländische Schüler durch Vorbilder lernen, dass sie es in diesem Land wirklich zu etwas bringen können. Am Ende will sich die Migrantenbrut gar noch integrieren! Autobahn!

Außerdem diskriminiert die Hertie-Stiftung unseren toitschen Nachwuchs! Jawohl! Jetzt haben wir schon so ein rot-grün-linksfaschistisches Anti-Dingenskirchen-Gesetz, und dann bringt das gar nichts!

Nur mal so ganz nebenbei, PI: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – so heißt das nämlich – greift hier wegen der Ausnahmeregelung in § 5 AGG nicht:

Ungeachtet der in den §§ 8 bis 10 sowie in § 20 benannten Gründe ist eine unterschiedliche Behandlung auch zulässig, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile wegen eines in § 1 genannten Grundes verhindert oder ausgeglichen werden sollen.

Wer lesen kann, ist halt immer noch klar im Vorteil. Vielleicht legt die Hertie-Stiftung deshalb irgendwann mal ein Programm für dyslektische Ausländerhasser auf. Man würde es ja nur gut meinen.

Boot Camp

Volker Kauder, CDU/CSU-Fraktionschef im Bundestag, will wiederholt straffällig gewordene Jugendliche in Erziehungslager stecken, also – wie er es ausdrückt – in

geschlossene Einrichtungen mit therapeutischem Gesamtkonzept.

Zwar spricht Kauder nach den ausländerfeindlichen Wahlkampfentgleisungen des hessischen Ministerpräsidenten, überführten Parteispendenlügners und brutalstmöglichen Populisten (O-Ton Frank Walter Steinmeier) Roland Koch nicht mehr ausdrücklich von nichtdeutschen Jugendlichen, aber sein Nachsatz verrät dann doch, wer gemeint ist:

Kriminelle Jugendliche brauchen kein Multi-Kulti-Gesäusel, sondern einen Warnschuss vor den Bug.

Die Diskussion über eine härtere Gangart im Jugendstrafrecht flammt immer wieder mal auf. Auch die Idee, junge Straftäter in Erziehungslager – in den USA nennt man sie Boot Camps – zu stecken, ist weder besonders neu, noch übermäßig originell. Hinter all dem steckt auch nicht das ehrliche Bemühen, der Kriminalität Jugendlicher mit einem wirksameren Konzept als dem bisherigen zu begegnen. Es geht dabei einzig und allein um die persönliche Profilierung tumber Law-and-order-Politiker, die – meist mit willfähriger Unterstützung aus dem Hause Springer – extreme Einzelfälle zum existenziellen gesellschaftlichen Problem aufblasen und so tun, als ob das geltende Strafrecht für Jugendliche völlig versagen würde.

Dabei wird in der Regel verschwiegen, dass die Probleme des Jugendstrafrechts nicht durch die vermeintliche Unwirksamkeit seiner Instrumente (Erziehungsmaßregel, Zuchtmittel und Jugendstrafe), sondern durch die völlig ungenügende finanzielle, sachliche und personelle Ausstattung verursacht werden. Das Gleiche gilt für die Institutionen der Jugendhilfe, die häufig auf freiwillige Zuschüsse der öffentlichen Hand oder von privater Seite angewiesen sind. Wer wirklich etwas gegen die Jugendkriminalität tun will, der findet in diesem Bereich genügend Ansatzpunkte.

Boot Camps verbieten sich jedoch schon aus ganz anderen Gründen. Es gibt bis heute nicht einen einzigen Beweis dafür, dass solche Lager irgendetwas Positives bewirken. Im Gegenteil: Untersuchungen haben ergeben, dass die Absolventen solcher Einrichtungen häufig an extremen Unterwerfungs- und Minderwertigkeitskomplexen leiden, was daran liegt, dass sie konzeptionell darauf ausgelegt sind, den Willen der Jugendlichen zu brechen. Wie ein solches Vorgehen jugendliche Kriminalität eindämmen soll, ist nicht nur Psychologen und Pädagogen ein ziemliches Rätsel.

Vergessen werden darf auch nicht, dass bisher etwa 70 Jugendliche in Boot Camps gestorben sind, entweder durch Fremdeinwirkung oder (wie in den meisten Fällen) durch Selbstmord – von den viel häufigeren schweren Verletzungen ganz zu schweigen. Die Herren Unionspolitiker sollten sich deshalb vielleicht doch mal Fälle wie diesen zu Gemüte führen. Danach können wir dann gerne weiter diskutieren.

Bildungslücken

20000 Aleviten haben heute vor dem Kölner Dom friedlich gegen den Tatort-Krimi Wem Ehre gebührt demonstriert, den die ARD vor eine Woche ausgestrahlt hat. Im Vorfeld der Protestkundgebung hatte der verantwortliche NDR-Programmchef Volker Herres eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht:

Wir nehmen die Kritik der alevitischen Gemeinden ernst. Angesichts der jahrhundertealten Ressentiments, denen sich diese Gemeinschaft ausgesetzt sieht, und vor dem religiösem Hintergrund kann ich die massiven Reaktionen und Proteste durchaus nachvollziehen.

Der ARD-’Tatort’ ‘Wem Ehre gebührt’ hat hier etwas ausgelöst, was in keiner Weise intendiert war und aus dem Inhalt des Films selbst auch nicht abzuleiten ist. Der Krimi ‘Wem Ehre gebührt’ steht ebenso wenig wie seine Drehbuchautorin und Regisseurin Angelina Maccarone unter Verdacht, religiöse Gruppen diffamieren und übelste Stereotypen gegenüber Aleviten nähren zu wollen. Es handelt sich bei dieser fiktionalen Darstellung ganz eindeutig um eine individuelle Tragödie, in der das Motiv der Handlung in keiner Weise einem religiösen Milieu zugeschrieben oder gar generalisiert wird.

Wenn dieser Film gleichwohl in die Konfliktlinien fremder Kulturen geraten ist und sich Mitglieder der alevitischen Glaubensrichtung diffamiert fühlen, so bedauere ich dies. Ich appelliere aber auch an die alevitischen Gemeinden, nicht unangemessen zu reagieren, sondern mit der, dieser Gemeinschaft eigenen Liberalität, auch die Kunst-und Rundfunkfreiheit zu respektieren. Dazu gehört es auch, den jeder Grundlage entbehrenden Vorwurf der Volksverhetzung zurückzunehmen. Unverändert gilt das Angebot des NDR zum Gespräch mit Vertretern der alevitischen Gemeinden.

Dem kann ich mich nur anschließen.

Propagandistisch Infiltriert (PI) war heute übrigens vor Ort und gab sich anschließend überraschend selbstkritisch:

Es gab da doch einige vor dem Dom, denen man nicht unbedingt in einer nächtlichen U-Bahn begegnen möchte.

Dann kommt allerdings wieder der übliche ungebildete Quatsch:

Es ist wohl richtig, dass sich die alevitische Variante des Islam in einigen Punkten von den traditionellen Schiiten unterscheidet. Das Kopftuch für Frauen ist unüblich, und die Sekte, die in mehreren Völkern des nahen Ostens verbreitet ist, hat kulturell bedingt einige Elemente anderer Religionen aufgenommen. Von den Buddhisten etwa die Idee der ständigen Wiedergeburt der Seele [...]

Falsch geraten. Die Aleviten berufen bei ihrem mystischen Reinkarnationsglauben vor allem auf zwei Koran-Suren:

Wie könnt ihr Gott verleugnen, wo ihr tot wart und Er euch lebendig gemacht hat? Dann lässt Er euch sterben und macht euch wieder lebendig, und dann werdet ihr zu Ihm zurückgebracht.

Sure 2, 28

Du lässt die Nacht in den Tag übergehen, und Du lässt den Tag in die Nacht übergehen. Du bringst das Lebendige aus dem Toten, und Du bringst das Tote aus dem Lebendigen hervor, und Du bescherst Unterhalt, wem Du willst, ohne viel zu rechnen.

Sure 3, 27

Wenn Aleviten ‘Ya Allah, ya Mohammed, ya Ali’ in einem Atemzug nennen, ist das sicher von der christlichen Idee einer Dreifaltigkeit inspiriert, was sie besonders bei sunnitischen Gläubigen in den Verdacht bringt, vom strikten Monotheismus abzuweichen, der auch zwischen dem Propheten und Allah eine deutliche Trennlinie fordert.

Die so genannte alevitische Dreifaltigkeit hat gar nichts mit der christlichen Trinitätslehre zu tun und beschreibt – vereinfacht ausgedrückt – nur die Einheit von Gott, Mensch und Natur. Aleviten lehnen die christliche Dreifaltigkeit ausdrücklich ab.

Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eben nicht Jesus und der Heilige Geist der Christen sind, die Gott beigeordnet werden, sondern der blutrünstige Prophet Mohammed und sein nicht minder kriegerischer Schwiegersohn Ali, als erster der zwölf schiitischen Imane. Deren Verehrung ist bei den Aleviten eher höher als bei klassischen Muslimen – und damit auch der Opfer-, Leidens- und Todeskult verbreitet, der so charakteristisch für Schiiten im Ganzen ist.

Soviel uninformiertes Gesülze ist wirklich nur schwer zu ertragen. Aleviten werden zwar dem schiitischen Zweig des Islam zugerechnet, ihre Lehren weisen aber ganz erhebliche Unterschiede zur imamitischen Schia auf. Das betrifft auch, aber nicht nur den vermeintlichen Opfer-, Leidens- und Todeskult. Die Aufmerksamkeit der Aleviten gilt dem Leben – und nicht dem Tod beziehungsweise dem, was danach passiert.

Auf Schildern findet sich immer wieder die alevitische Interpretation des Deutschen Grundgesetzes: Die Freiheit der Kunst endet da, wo die Würde des Menschen verletzt wird. Und die wird da verletzt, wo ein Alevit als Täter in einem Fernsehkrimi erscheint.

Muslime waren in TV-Krimis schon oft Täter. Um nicht zu sagen: sehr oft. Und niemand hat sich darüber aufgeregt. Ist das nicht irgendwie komisch?

Wie nicht anders zu erwarten, ermahnt er die Deutschen, sich mit Islamkritik zurück zu halten:

Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte unterdessen vor einem religiösen Kulturkampf. ‘Drehbuchautoren und Künstler müssen wissen: Gegenüber religiösen Gefühlen der Menschen, egal um welchen Glauben es sich handelt, sind Respekt, Umsicht und Behutsamkeit geboten’, sagte Steinmeier der ‘Bild am Sonntag’.

Ja, wir Deutschen sind schon ein Volk aus lauter Drehbuchautoren und Künstlern. Wie konnte ich das nur vergessen!

TV-Tipps (2)

Die Wiederholung der Scheibenwischer-Gala von gestern Abend:

Gegen Ende der Sendung befasst sich Hagen Rether mit, äh, Islamkritikern. Unbedingt anschauen!

Wer nicht solange warten will:

Fanposcht

Ein Ratko Mladic, der als Website islam-deutschland.info (so eine Art Klein-PI) angibt, schreibt mir:

Geh mal arbeiten, Du Spast! Da boc da ti djeca na joystick hodala.

Der zweite Satz klingt irgendwie schweinisch. Kann da jemand weiterhelfen? Verschärften Dank!

“Landesverräterin” Claudia Roth

Wie völlig derangiert muss man eigentlich für sowas sein?

Vielen Dank an Isa für den sachdienlichen Hinweis.

Sonntagsschule

Pfui Igitt (PI), obacht! Die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) klärt euch auf:

Die Behauptung, Ausländer seien um ein Vielfaches krimineller als Deutsche, gehört zum Repertoire rechtsradikaler Propaganda, aber auch einiger konservativer Politiker, die damit die Forderung nach geschlossenen Grenzen untermauern. Zum Beweis wird die Kriminalstatistik zitiert, die angeblich dokumentiert, dass nahezu ein Drittel aller von der Polizei ermittelten Tatverdächtigen einen ausländischen Pass hatten, während aber höchstens neun Prozent der Wohnbevölkerung in Deutschland ‘Ausländer’ sind. Jugendliche Ausländer gar seien in Großstädten viermal so häufig wie junge Deutsche als Tatverdächtige oder Täter auffällig. Solchen simplen Behauptungen steht eine vielfältigere Wirklichkeit gegenüber.

Hm, konservative Politiker seid ihr nicht. Viel übrig bleibt da aber nicht mehr, oder?

Um ein richtiges Bild zu bekommen, muss man zunächst die Delikte in der Kriminalstatistik gesondert betrachten, die nur Ausländer begehen können, weil sie mit ihrer besonderen Lage in Verbindung stehen: Meldevergehen, falsche Angaben über die Herkunft oder die Einreisewege, illegaler Grenzübertritt.

[...]

Grundtatsache ist, dass integrierte Ausländer in Deutschland, und sie bilden die überwältigende Mehrheit, nicht öfter mit dem Gesetz in Konflikt kommen als Deutsche. Ein Viertel bis ein Drittel der Ausländer, die in der Kriminalstatistik erscheinen, sind dagegen Touristen, Illegale und alle, die ausschließlich zum Zweck ungesetzlicher Taten (Diebstahl, Raub, Drogenhandel, Prostitution und Zuhälterei, Schmuggel) ins Land einreisen. International operierende Verbrecherbanden können allenfalls in vordergründiger demagogischer Absicht mit den Ausländern verglichen werden, die zum Teil in dritter Generation in Deutschland leben.

Nochmal zum Mitschreiben: v-o-r-d-e-r-g-r-ü-n-d-i-g und d-e-m-a-g-o-g-i-s-c-h.

Weiterhin muss beachtet werden, dass Ausländer (ohne Rücksicht darauf, ob sie Arbeitsmigranten, Touristen, Grenzgänger, Bandenkriminelle sind) generell schneller unter Tatverdacht geraten als Deutsche (‘Tatverdachteffekt’), unter anderem, weil die Anzeigefreudigkeit der Bevölkerung gegenüber ‘Ausländern’ größer ist als gegenüber Deutschen (‘Anzeigeeffekt’).

Hand hoch: Wer von euch fällt unter dieses Verhaltensmuster? Aber nicht alle auf einmal, sonst komme ich mit dem Zählen nicht nach.

Zur Verzerrung des Bildes trägt zusätzlich bei, dass die Kriminalstatistik Tatverdächtige aufführt, die nicht notwendigerweise auch Täter sein müssen.

Uiuiuiuiui! So richtig dick kommt es für euch aber erst jetzt:

Experten verweisen außerdem darauf, dass Kriminalstatistiken nur aussagefähig sind, wenn das Sozialprofil der Täter bzw. Tatverdächtigen in die Betrachtung einbezogen wird. Als Ergebnis einer differenzierenden Auswertung der Kriminalstatistik ergibt sich, dass die Kriminalität der ausländischen Wohnbevölkerung (Arbeitsmigranten) gegenüber vergleichbaren deutschen sozialen Gruppen geringer ist. Ausländer, die ständig in Deutschland leben, sind also gesetzestreuer als Deutsche in gleicher sozialer Position.

Kleiner Trostpreis:

Eine Tatsache steht freilich fest: Auch in einer bereinigten Kriminalstatistik, die nach Statusgruppen unterscheidet, sind jugendliche Ausländer, insbesondere 14- bis 17-Jährige, im Vergleich zu deutschen Altersgenossen mit mehr Straftaten (Eigentums- und Gewaltdelikten) vertreten.

Aber:

Das hat verschiedene Gründe, zu denen unter anderem wirtschaftliche Probleme, mangelnde Integrationshilfen, unzureichende Sprachkenntnisse und fehlende Chancen auf dem Arbeitsmarkt gehören. Jugendkriminalität ist, bei Ausländern wie bei Deutschen, nicht zuletzt eine Folge der Bildungsmisere.

So, und bis morgen lest ihr als Hausaufgabe diesen schönen Aufsatz.

Sehr geehrter Herr Dr. Ulfkotte!

Auf Ihrer Internetseite Akte Islam (AI) bin ich auf einen Beitrag gestoßen, in dem unter anderem folgendes behauptet wird:

Das nachfolgende Foto würde die Zeitung ‘Die Welt’ ganz bestimmt nicht zu dem Artikel stellen, doch es demonstriert wie kaum ein anderes, was mit Barbarei im Islam der Gegenwart gemeint ist: Auf dem Foto verspeisen grölende Palästinenser in Gaza die noch warmen rohen Eingeweide eines Gegners, den sie soeben getötet haben. All das geschah vor laufenden Fernsehkameras und es ist eines von vielen aktuellen Beispielen dafür, dass der Westen in der islamischen Welt einfach wegschaut, wenn er die dortige Barbarei nicht wahrhaben will. Das Foto wurde – wie auch der dazu gehörende Film – im palästinensischen Fernsehen ausgestrahlt:


Barbarei unter Palästinensern: Sie essen lächelnd die
Eingeweide ihrer Gegner

Die Recherchen meiner Leser – für die ich mich bei dieser Gelegenheit herzlich bedanke – und meine eigenen Nachforschungen erbrachten keine Belege für die in dem Beitrag erhobenen Vorwürfe. Ich will Sie aber nicht im Unklaren darüber lassen, was wir von POLITISCH KORREKT herausgefunden haben:

Bei dem Foto scheint es sich um einen Ausschnitt aus einem Film zu handeln, den ein italienischer Privatsender nach dem in der Tat von Palästinensern begangenen grausamen Lynchmord an zwei israelischen Soldaten am 12. Oktober 2000 gedreht hat. Die Authentizität des Fotos wird also nicht bestritten. Allerdings – und damit komme ich zu dem, was meiner Ansicht nach Ihrer Darstellung eindeutig widerspricht – wurden diese Morde nicht in Gaza, sondern in Ramallah begangen, wie die Rheinzeitung seinerzeit berichtete:

Mehr als 1000 Palästinenser bedrängten die Polizeiwache von Ramallah, wo Polizisten vier irrtümlich in die Stadt gefahrene Soldaten in ihren Schutz genommen hatten. Doch das Gerücht, die Soldaten gehörten einer Spezialeinheit zum Aufspüren von geflohenen Häftlingen an, war stärker als die kleine Polizeitruppe. Sprechchöre brandeten gegen die Mauern: ‘Tod den Todesschwadronen!’

Schließlich brachen etwa zehn Männer durch ein Fenster in den ersten Stock der Wache ein, wo sich die Israelis aufhielten. Als sie zurück kamen, hatten sie mit Blut beschmierte Hände – zwei der Soldaten wurden Augenzeugen zufolge mit einem Schuss ins Gesicht getötet. Ihre toten Körper wurden auf die Straße geworfen, wo wütende Männer noch mit Eisenstangen auf sie einschlugen. Aus dem Fenster schwenkten junge Palästinenser die Faust und spreizten Zeige- und Mittelfinger zum ‘Victory’-Zeichen. In der Gewaltorgie wurden den palästinensischen Behörden zufolge auch 13 Polizisten verletzt.

Der AI-Beitrag liegt also nicht nur beim Ort des Geschehens daneben, sondern stellt auch falsch dar, was tatsächlich passiert ist, wie es zu den Morden kam und in welchem Zusammenhang sie stehen. Insbesondere für die Unterstellung, die Palästinenser hätten lächelnd die Eingeweide ihrer Gegner gegessen, gibt es aus meiner Sicht keinen einzigen Beweis.

Natürlich kann nichts diese Taten rechtfertigen oder gar entschuldigen. Entsetzliche Vorfälle wie dieser geschehen aber nie im luftleeren Raum. Sie haben eine Vorgeschichte. Zum Beispiel diese:

In October 2000, Nazareth was again the site of violence, this time occasioned by pogrom-like raids into Nazareth by Jewish mobs from Natzerat Illit one week after the outbreak of the second Intifada. Three Palestinian citizens of Israel were killed by police forces in the melée.

Auch Gush Shalom, eine israelische Friedensinitiative, berichtete am 9. Oktober 2000 – also drei Tage vor den Morden von Ramallah – darüber:

At about 7.00 PM today, a mob numbering at 1000 left the Jewish town Upper Nazareth and descended upon the neighboring Arab town of Nazareth, some holding clubs and other having firearms. They broke into the Eastern Neighborhood of Nazareth and started hitting and shooting indiscriminately at its inhabitants. The police stood aside and did not interfere, but when inhabitants of Nazareth rallied to defend themselves, the police attacked them – first with tear gas and later with live ammunition. There are many wounded, and at least one Arab inhabitant was killed. At the time of writing, the police is still shooting at inhabitants of Nazareth.

Today’s attack followed an attack yesterday upon the Arabs who live in Upper Nazareth itself, which included an attack upon the home of Knesset Member Azmi Bishara. Then, too, the police stood aside.

What is happening in Nazareth today is a pogrom, bearing all the hallmarks which were well known to Jews in Czarist Russia – primarily te collusion between the racist attackers and the police. This is a day of shame for the state of Israel – and it is a warning sign for the disaster in store, if the country does not rid itself of the racist scourage.

Herr Dr. Ulfkotte, warum findet man in dem AI-Beitrag keinen Hinweis auf die Menschenjagd militanter jüdischer Siedler – mit Unterstützung israelischer Sicherheitskräfte – wenige Tage vor den Morden von Ramallah? Sehen Sie da wirklich keinen Zusammenhang? Oder ist Ihnen diese pogromartige Gewalt etwa nicht barbarisch genug? Wenn ja, wieso nicht? Ist Ihnen womöglich nicht mal bewusst, dass die Spirale der Gewalt, die seinerzeit mit zum Ausbruch der zweiten Intifada beitrug, vom gut vier Monate später zum israelischen Ministerpräsidenten gewählten Ariel Scharon durch dessen Besuch auf dem Tempelberg am 28. September 2000 gezielt provoziert wurde?

Ganz ehrlich, Herr Dr. Ulfkotte: Es würde mich überhaupt nicht in Erstaunen versetzen, wenn das alles für AI überhaupt keine Relevanz hätte. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. In diesem Zusammenhang bin ich übrigens auch gerne bereit, mich zu korrigieren, falls Sie die Richtigkeit der Anschuldigungen, die in dem zitierten AI-Beitrag enthalten sind, doch noch belegen können. Irren ist schließlich menschlich. Nicht wahr, Herr Dr. Ulfkotte?

Mit freundlichem Gruß

Dietmar Näher