Auf Ihrer Internetseite Akte Islam (AI) bin ich auf einen Beitrag gestoßen, in dem unter anderem folgendes behauptet wird:
Das nachfolgende Foto würde die Zeitung ‘Die Welt’ ganz bestimmt nicht zu dem Artikel stellen, doch es demonstriert wie kaum ein anderes, was mit Barbarei im Islam der Gegenwart gemeint ist: Auf dem Foto verspeisen grölende Palästinenser in Gaza die noch warmen rohen Eingeweide eines Gegners, den sie soeben getötet haben. All das geschah vor laufenden Fernsehkameras und es ist eines von vielen aktuellen Beispielen dafür, dass der Westen in der islamischen Welt einfach wegschaut, wenn er die dortige Barbarei nicht wahrhaben will. Das Foto wurde – wie auch der dazu gehörende Film – im palästinensischen Fernsehen ausgestrahlt:

Barbarei unter Palästinensern: Sie essen lächelnd die
Eingeweide ihrer Gegner
Die Recherchen meiner Leser – für die ich mich bei dieser Gelegenheit herzlich bedanke – und meine eigenen Nachforschungen erbrachten keine Belege für die in dem Beitrag erhobenen Vorwürfe. Ich will Sie aber nicht im Unklaren darüber lassen, was wir von POLITISCH KORREKT herausgefunden haben:
Bei dem Foto scheint es sich um einen Ausschnitt aus einem Film zu handeln, den ein italienischer Privatsender nach dem in der Tat von Palästinensern begangenen grausamen Lynchmord an zwei israelischen Soldaten am 12. Oktober 2000 gedreht hat. Die Authentizität des Fotos wird also nicht bestritten. Allerdings – und damit komme ich zu dem, was meiner Ansicht nach Ihrer Darstellung eindeutig widerspricht – wurden diese Morde nicht in Gaza, sondern in Ramallah begangen, wie die Rheinzeitung seinerzeit berichtete:
Mehr als 1000 Palästinenser bedrängten die Polizeiwache von Ramallah, wo Polizisten vier irrtümlich in die Stadt gefahrene Soldaten in ihren Schutz genommen hatten. Doch das Gerücht, die Soldaten gehörten einer Spezialeinheit zum Aufspüren von geflohenen Häftlingen an, war stärker als die kleine Polizeitruppe. Sprechchöre brandeten gegen die Mauern: ‘Tod den Todesschwadronen!’
Schließlich brachen etwa zehn Männer durch ein Fenster in den ersten Stock der Wache ein, wo sich die Israelis aufhielten. Als sie zurück kamen, hatten sie mit Blut beschmierte Hände – zwei der Soldaten wurden Augenzeugen zufolge mit einem Schuss ins Gesicht getötet. Ihre toten Körper wurden auf die Straße geworfen, wo wütende Männer noch mit Eisenstangen auf sie einschlugen. Aus dem Fenster schwenkten junge Palästinenser die Faust und spreizten Zeige- und Mittelfinger zum ‘Victory’-Zeichen. In der Gewaltorgie wurden den palästinensischen Behörden zufolge auch 13 Polizisten verletzt.
Der AI-Beitrag liegt also nicht nur beim Ort des Geschehens daneben, sondern stellt auch falsch dar, was tatsächlich passiert ist, wie es zu den Morden kam und in welchem Zusammenhang sie stehen. Insbesondere für die Unterstellung, die Palästinenser hätten lächelnd die Eingeweide ihrer Gegner gegessen, gibt es aus meiner Sicht keinen einzigen Beweis.
Natürlich kann nichts diese Taten rechtfertigen oder gar entschuldigen. Entsetzliche Vorfälle wie dieser geschehen aber nie im luftleeren Raum. Sie haben eine Vorgeschichte. Zum Beispiel diese:
In October 2000, Nazareth was again the site of violence, this time occasioned by pogrom-like raids into Nazareth by Jewish mobs from Natzerat Illit one week after the outbreak of the second Intifada. Three Palestinian citizens of Israel were killed by police forces in the melée.
Auch Gush Shalom, eine israelische Friedensinitiative, berichtete am 9. Oktober 2000 – also drei Tage vor den Morden von Ramallah – darüber:
At about 7.00 PM today, a mob numbering at 1000 left the Jewish town Upper Nazareth and descended upon the neighboring Arab town of Nazareth, some holding clubs and other having firearms. They broke into the Eastern Neighborhood of Nazareth and started hitting and shooting indiscriminately at its inhabitants. The police stood aside and did not interfere, but when inhabitants of Nazareth rallied to defend themselves, the police attacked them – first with tear gas and later with live ammunition. There are many wounded, and at least one Arab inhabitant was killed. At the time of writing, the police is still shooting at inhabitants of Nazareth.
Today’s attack followed an attack yesterday upon the Arabs who live in Upper Nazareth itself, which included an attack upon the home of Knesset Member Azmi Bishara. Then, too, the police stood aside.
What is happening in Nazareth today is a pogrom, bearing all the hallmarks which were well known to Jews in Czarist Russia – primarily te collusion between the racist attackers and the police. This is a day of shame for the state of Israel – and it is a warning sign for the disaster in store, if the country does not rid itself of the racist scourage.
Herr Dr. Ulfkotte, warum findet man in dem AI-Beitrag keinen Hinweis auf die Menschenjagd militanter jüdischer Siedler – mit Unterstützung israelischer Sicherheitskräfte – wenige Tage vor den Morden von Ramallah? Sehen Sie da wirklich keinen Zusammenhang? Oder ist Ihnen diese pogromartige Gewalt etwa nicht barbarisch genug? Wenn ja, wieso nicht? Ist Ihnen womöglich nicht mal bewusst, dass die Spirale der Gewalt, die seinerzeit mit zum Ausbruch der zweiten Intifada beitrug, vom gut vier Monate später zum israelischen Ministerpräsidenten gewählten Ariel Scharon durch dessen Besuch auf dem Tempelberg am 28. September 2000 gezielt provoziert wurde?
Ganz ehrlich, Herr Dr. Ulfkotte: Es würde mich überhaupt nicht in Erstaunen versetzen, wenn das alles für AI überhaupt keine Relevanz hätte. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. In diesem Zusammenhang bin ich übrigens auch gerne bereit, mich zu korrigieren, falls Sie die Richtigkeit der Anschuldigungen, die in dem zitierten AI-Beitrag enthalten sind, doch noch belegen können. Irren ist schließlich menschlich. Nicht wahr, Herr Dr. Ulfkotte?
Mit freundlichem Gruß
Dietmar Näher