Monatsarchiv für Januar 2008

 
 

Nieder mit der Brut! Und tilge die Schmach mit Feindesblut!

Keine Sorge, ich zitiere nur zwei Zeilen aus der Wacht am Rhein, einem von Karl Wilhelm vertonten Gedicht von Max Schneckenburger. Den Text kennt zwar fast niemand mehr, die Melodie dürfte einigen aber schon noch geläufig sein. Die ersten acht Noten kündigten von 1939 bis 1941 die Sonderberichte des Oberkommandos der Wehrmacht an. Außerdem war die Wacht am Rhein der Deckname der deutschen Ardennenoffensive im Dezember 1944, in deren Verlauf innerhalb von nur fünf Wochen über 70000 alliierte und deutsche Soldaten einen völlig sinnlosen Tod starben – darin eingeschlossen auch die bei Massenerschießungen durch SS-Truppen kriegsvebrecherisch hingerichteten amerikanischen Kriegsgefangenen.

Ich gehe nur deshalb relativ ausführlich darauf ein, um zu verdeutlichen, von welch unseligem Geist jener Gastbeiträger besessen ist, der unter dem Pseudonym Wacht am Rhein mit dieser kleinen Hetzschrift eine politisch indiskutable (PI) Gesinnung an den Tag legt, für die man sich wirklich nur noch fremdschämen kann. Da werden Muslime ganz pauschal als ein

Haufen unzivilisierter [respektive rückständiger, PK] Barbaren

bezeichnet, als

asoziale Elemente

die sich wegen

mangelnder Intelligenz

irgendwann allerdings

selbst ausgelöscht

haben werden. Die Ursache allen Übels ist natürlich wieder

der Koran, diese Anleitung zu Unmoral, Mord, Verrat, Kinderschänder und Vergewaltiger

Da fließt aus fast jedem Wort der pure blindwütige Hass, der jemanden wie die Wacht am Rhein zu solchen Entgleisungen treibt und vor dem selbstverständlich auch die

hiesigen sozialistischen Gutmenschenmedien

nicht sicher sind. Mit

Kultur

und

Menschsein

hat das zwar nichts mehr gemein, aber das ist einem so stolzen Deutschen und dem begeistert Beifall klatschenden PI-Mob sicherlich völlig egal.

Das einzig Gute an solch strunzblöden Pamphleten ist, dass den wenigen PI-Lesern, deren Hirn sich durch den permanenten PI-Konsum noch nicht in eine breiartige Masse verwandelt hat, dadurch unmissverständlich vor Augen geführt wird, woher der Wind in Herres Blog weht und in welch eindeutige Richtung er bläst.

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Die “urdeutschen” Irrtümer

Seyran Ates – Rechtsanwältin, Buchautorin und Visionärin von eigenen Gnaden – hat gestern wieder einen ihrer sicherlich gut bezahlten Vorträge gehalten. Stefan Herre war dabei und berichtet für Pro Integrationsfeindlich (PI) mit der ihm ganz eigenen Ignoranz:

Hauptthema des Abends war der Multikulti-Irrtum, [...]

Echt? Das ist ja mal was ganz Neues! Der Islamophobe an sich wirft nun mal nichts in den Mülleimer der Geschichte, selbst wenn diese Platte durch ständiges Abspielen schon einen gewaltigen Sprung hat.

Deutschland leidet am Multikulturalismus.

Falsch. Eine kleine Minderheit leidet an behandlungsbedürftigen Wahnvorstellungen. Davon abgesehen ist Multikulti längst kein Dogma mehr, sondern nur noch die zutreffende Beschreibung des Ist-Zustandes – den fehlgeleitete Individuen wie Herre gerne mit – ich will es mal so nennen – urdeutschen Methoden ändern wollen. Alles schon mal dagewesen.

Aus lauter gut gemeinter Scham wegen der schlimmen Nazivergangenheit und wohlgemeinten Integrationsbemühungen, lässt man gerade das zu, was man mit alldem eigentlich verhindern wollte: die Ausbreitung eines neuen extrem-totalitären Systems, [...]

Also ich schäme mich nicht für die Verbrechen der Nazis. Aber ich kann dazu beitragen, die Erinnerung daran nicht verblassen zu lassen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann. Das ist die eigentliche Aufgabe der Nachkriegsgenerationen. Von Scham hat niemand etwas, am allerwenigsten die, denen man damit zeigen will, dass man die richtigen Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat. Scham und das Engagement für eine offene und eine im besten Sinne tolerante Gesellschaft schließen sich gegenseitig zwar nicht aus, aber nur Letzteres kann den Beweis der Lernfähigkeit erbringen. Unter diesem Licht betrachtet sind Leute wie Ates und Herre allerdings jämmerliche Totalversager. Sie stehen für Ausgrenzung und Diskriminierung. Daran kann auch das selbst umgehängte Deckmäntelchen eines vermeintlichen Kampfes für Freiheit und Menschenrechte nichts ändern.

Zwangsverheiratungen von Minderjährigen sind auch in Deutschland an der Tagesordnung, auch hier gibt es Ehrenmorde. Die Straße ist für deutsche Jugendliche zum Kampfplatz geworden, sie werden angegriffen, deutsche Mädchen als Schlampen und Huren beschimpft.

Niemand bestreitet die existierenden Missstände, aber nur ideologisch Verblendete erklären sie zum multikulturellen Regelfall. Im übrigen ist unser Land – ja, Deutschland ist auch mein Land, Sportskamerad Herre – genauso zum Kampfplatz für Ausländer jeglichen Alters geworden, die sich nahezu täglich den rassistischen Sprüchen und Angriffen ihrer ach so tollen urdeutschen Mitmenschen erwehren müssen.

Eine mögliche Lösung des Problems wäre, wenn sich die verschiedenen Völkergruppen in Deutschland nach dem teilweise gut gelungenen Vorbild der USA unter einer gemeinsamen Flagge verbunden fühlen würden. Dort ist man hauptsächlich stolz darauf, Amerikaner zu sein, das schweißt zusammen und überwindet Differenzen.

Die deutsche Leitkultur soll also die Probleme lösen? Dass ich nicht lache. Wohin diese so genannte Kultur führt, lässt sich auch, aber natürlich nicht nur bei PI beobachten. Wenn das das Beispiel für ein lebenswertes Deutschland sein soll, dann müssen sich nicht die ändern, die sich dagegen wehren, sondern jene, die – siehe oben – aus der deutschen Vergangenheit wirklich nicht das Geringste gelernt haben. Und komme mir bitte auch keiner mehr mit Amerika: Dort werden nach wie vor große ethnische Gruppen nur wegen ihrer Hautfarbe und/oder wegen ihrer Andersartigkeit massiv diskriminiert, obwohl sie schon über Generationen hinweg im Land leben und alles tun, um endlich als Amerikaner anerkannt zu werden.

Deutschland braucht zuerst eine eigene Identität, um andere Menschen in die Gesellschaft einbinden zu können.

Deutschland hat diese Identität längst, allerdings eine, die so gar nicht mit dem absurden Weltbild der politisch Inkorrekten kompatibel ist. Wir sind ein weltoffenes und tolerantes Volk, das zwar seine Fehler hat, sich heute aber trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen hinter keinem anderen Land der Welt mehr verstecken muss.

Das gilt es zu bewahren – auch wenn es ein paar ewiggestrigen Wirrköpfen partout nicht in den Kram passen will.

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Fragging

Fragging bezeichnete im Vietnamkrieg das Töten oder Verletzen des eigenen inkompetenten Vorgesetztenpersonals durch Splitterhandgranaten (im Englischen umgangssprachlich frag genannt), die nachts oder während eines Angriffs in Zelte oder einen Schützengräben geworfen wurden. Offiziell wurde in solchen Fällen behauptet, das Opfer sei durch Feindbeschuss gestorben. Begründet wurde diese extreme Maßnahme damit, dass Einheiten vor Befehlshabern, die ihre Soldaten durch Unfähigkeit oder Übermut gefährdeten, geschützt werden mussten.

Die von Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zum Wahlkampf des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, aus der tagesschau.de heute zitiert, könnte man in übertragenem Sinne durchaus als fragging bezeichnen, auch wenn der Vergleich freilich etwas martialisch anmutet. Vernichtend ist die Kritik, die die Stiftung an dem einstigen konservativen Musterknaben übt, aber auf jeden Fall:

Es war in erster Linie die Debatte über Jugendkriminalität. Sie habe der hessischen CDU ein schwerwiegendes
‘Glaubwürdigkeitsdefizit’ beschert, heißt es in der Studie. Dagegen hätten 74 Prozent der Wähler der SPD mit ihrem Hauptthema Mindestlohn ‘Ernsthaftigkeit’ attestiert.

[...]

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eher eine ‘hochgradige kurzfristige Emotionalisierung’ den Ausschlag für die Wahlentscheidung gegeben habe und nicht etwa langfristige politische Überzeugungen der Wähler. Der nach einem Koch-Interview entbrannte Wahlkampf zum Thema Jugendkriminalität habe die politische Stimmung innerhalb kurzer Zeit stark verändert: Die Union rutschte demnach in ein ‘negatives Meinungsklima’.

[...]

Aus Sicht der Adenauer-Stiftung führte Kochs Wahlkampf kurzfristig zu einer starken Polarisierung und Lagerbildung mit schweren Konsequenzen. ‘Er erschwerte für die Wechselwählerschaft den Wechsel zur CDU und für die Stammwähler den Verbleib bei der Partei.’

[...]

Die SPD habe von der angezettelten Polarisierung und dem damit einhergehenden Vertrauensverlust der CDU profitieren können.

[...]

Ein schlimmeres Wahlkampfzeugnis kann eine CDU-nahe Stiftung dem Wahlkämpfer Koch kaum ausstellen.

Stellt sich nur die Frage, wann die CDU die logische Konsequenz aus dem von Koch persönlich verschuldeten Wahldebakel zieht und den angeschossen taumelnden Ministerpräsidenten endlich aus dem politischen Verkehr zieht. Möglicherweise wartet man in der Partei nur noch darauf, dass Koch selbst diesen längst überfälligen Schritt tut. Ein Abschied in Ehren wäre das allerdings nicht mehr – ganz gleich, ob er sich nun selbst aus seinen Ämtern entfernt oder ob er erst dazu überredet werden muss. Koch hat zuviel Porzellan zerschlagen. Dieser Scherbenhaufen ist einfach nicht mehr zu kitten.

Der politischen Kultur in Deutschland würde es wirklich gut tun, wenn Leute wie Koch künftig keinerlei Rolle mehr spielten.

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Meiner ist größer als deiner

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Dezember einen interessanten Vorschlag zum Bau islamischer Gotteshäuser gemacht:

Minarette und Moscheekuppeln dürfen nicht höher gebaut werden als Kirchtürme.

Die Pfarrerstochter steht damit keineswegs alleine da. Ihre wie immer nicht eindeutig einer Stimmlage zuzuordnende Alt-Stimme wird im Kirchenhöhenchor von den christsozialen bajuwarischen Sängerknaben Martin Neumeyer (Tenor), Edmund Stoiber (Bass) und Markus Söder (Vibrato in allen Stimmlagen) mehr oder weniger sinnvoll ergänzt (lausche auch hier und hier). Der Sprecher des Koordinierungsrates des Muslime (KRM), Bekir Alboga, hörte erstmal andächtig zu, wollte dann aber wissen, dass wenn es schon um die Höhe von Gebäuden gehe, ob dann

Verwaltungshochhäuser oder Kirchtürme das verbindliche Maß

sein sollen. Wir dagegen fragen uns, warum zur

Erhaltung des Christentums im öffentlichen Raum

(wie es CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ausdrückte) denn noch niemand an die Erhöhung der Kirchtürme gedacht hat? Vielleicht sogar über das Maß von Verwaltungshochhäusern hinaus? Und dürfen wir aus Merkels Vorschlag nun schlussfolgern, dass wir uns zum Beispiel in Ulm und Köln auf 160 Meter hohe Minarette und Kuppeln freuen dürfen?

Fragen über Fragen.

(Gemeinsamer Beitrag von hakimakarima und PK)

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Doppel-Duell

Der Eine – John Edwards – zieht sich erhobenen Hauptes zurück, der Andere – Rudy Giuliani – muss sich wie ein geprügelter Hund davon schleichen. Zwar konnte auch der demokratische Senator keine Vorwahl für sich entscheiden, im Gegensatz zum New Yorker Ex-Bürgermeister kann Edwards aber wenigstens für sich in Anspruch nehmen, mit einem stimmigen Programm um Wählerstimmen gebuhlt zu haben. Giulianis 9/11-Mantra hat sich dagegen als fataler Boomerang erwiesen, der ihm bei jeder republikanischen Vorwahl um die Ohren flog und ihn am Ende immer zu Boden streckte. Selbst im Staate Florida, wo Giulianis letzte Hoffnungen lagen und in den er jede Menge Geld, Personal und persönliches Engagement gesteckt hatte, gelangte er vorgestern nicht mal annähernd in Schlagdistanz zu seinen beiden Hauptkonkurrenten.

So spitzt sich rechtzeitig vor dem Super Tuesday in fünf Tagen mit Vorwahlen in mehr als 20 US-Bundesstaaten alles auf ein Doppel-Duell zu: Bei den Demokraten zwischen Barack Obama und Hillary Clinton, deren Vorwahlsieg in Florida wegen der Nichtberücksichtigung der Delegierten aufgrund parteiinterner Querelen allerdings völlig wertlos ist, bei den Republikanern zwischen der am Dienstag erneut siegreichen Politmumie John McCain und Mitt Romney. Allen anderen Protagonisten – soweit sie die Sinnlosigkeit ihrer Bewerbung um die Kandidatur für das wichtigste politische Amt der Welt noch nicht eingesehen haben – werden keinerlei Chancen mehr eingeräumt.

Giuliani hat sich mit seiner Wahlempfehlung schon festgelegt: Er riet seinen Wählern gestern, bei den verbleibenden Vorwahlen für seinen alten Kumpel John McCain zu stimmen. Viele Stimmen bringt das dem greisenhaften Hardliner zwar nicht, aber zusätzlicher Rückenwind kann schließlich nicht schaden. John Edwards ziert sich noch ein wenig, wohl wissend, dass seine Empfehlung unter Umständen entscheidenden Charakter haben könnte. Denn seine bisherigen Wahlergebnisse waren zwar nicht gut genug, um einen Staat für sich zu entscheiden, aber sie waren auch nicht so schlecht, dass sie keine Bedeutung für den Fortgang der Geschehnisse hätten. Allgemein wird erwartet, dass er sich für Obama ausspricht – und dem charismatischen Senkrechtstarter der Demokraten würde das vielleicht genau die Wähler in die Arme treiben, die ihm einen entscheidenden Vorteil gegenüber der ehemaligen First Lady verschaffen könnten.

In Amerika will sich im Moment aber niemand mehr so richtig festlegen. In beiden Lagern könnte es schlussendlich sogar zu einem toten Rennen kommen, was die Nominierungsparteitage zu hochinteressanten Angelegenheiten machen würde, deren Ausgänge völlig ungewiss wären.

Wie auch immer: Mein persönlicher Favorit ist nach wie vor Barack Obama. Das ist zweifellos ohne jede Bedeutung, und wer mich ein bisschen kennt, der wusste das sowieso schon.

Ich wollte es ja auch nur nochmal gesagt haben.

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“Dann will ich sehen, wie sie fliegt”

Die radikal-islamistische Terrororganisation Hamas ist eines der Haupthindernisse für einen Friedensprozess in Nahost, der diesen Namen auch verdient. Jeden Tag schlagen vom Gaza-Streifen aus abgeschossene primitive Raketen im israelischen Grenzgebiet ein und richten dabei erheblichen Schaden an – bis hin zum Verlust von Menschenleben. Hamas vertritt zwar nicht die Mehrheit der palästinensischen Zivilbevölkerung, trotzdem darf man aber nicht leugnen, dass die Hamas zumindest im Gaza-Streifen über eine Vielzahl von Helfern verfügt, ohne deren Arbeit das mörderische Treiben der Radikalislamisten nicht möglich wäre.

Spiegel-Autorin Ulrike Putz beschreibt heute in in einem lesenswerten Artikel in der Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins, wie fanatisiert ein Teil dieser palästiensischen Helfer ist und wozu das in letzter Konsequenz führt:

Sie schlagen auf Feldern ein, in Dörfern und Kibbuzen. Jeden Tag gehen archaische Kassam-Geschosse aus dem Gaza-Streifen auf von Israelis bewohntem Gebiet nieder. Junge Männer wie Abdul gehen tagsüber studieren – und bauen nachts Raketen für den ‘Islamischen Dschihad’.

Der junge Mann zieht die Tür des Taxis hinter sich zu. Er ist nass, draußen geht ein dünner Nieselregen auf Gaza herab. Er dreht sich kurz um, begrüßt die Fahrgäste auf der Rückbank mit knappem Handschlag. ‘Seid ihr bereit?’, fragt er sie. ‘Ab jetzt können wir jede Minute ins Paradies eingehen.’ Die Autoinsassen schweigen, der Fahrer des Mercedes tritt aufs Gas. ‘Ich hätte meine Frau anrufen sollen’, sagt er nach einer Weile. ‘Sie soll schon mal nach einem neuen Ehemann Ausschau halten.’

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Bemerkenswert finde ich, dass Frau Putz wohltuend nüchtern Abduls Alltag beschreibt. Sie verzichtet auf wertende Anmerkungen genauso wie eine auf eine Emotionalisierung des Themas. Dadurch gelingt es ihr, dem Leser mit einfachen Mitteln einen Einblick in die Gedankenwelt eines Fanatikers zu verschaffen. Und dieser Einblick ist wichtig, wenn man verstehen will, was junge Menschen dazu bringt, sich an der gnadenlosen Gewalt gegen unschuldige israelische Zivilisten zu beteiligen.

Natürlich hat nicht jeder ein Interesse daran, etwas über die Denkweise von Fanatikern zu erfahren. Im Falle der permanenten Intellektabwesenheit (PI) dürfte das allerdings nur daran liegen, weil ihnen damit der eigene Spiegel vorgehalten wird. Bei PI tummeln sich jede Menge fanatischer Wirrköpfe, die ebenfalls zur Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung greifen würden, wenn sie über die Mittel und Möglichkeiten dazu verfügen würden. Die zunehmende Radikalisierung des Blogs offenbart immer mehr, wie weit einige Leser inzwischen schon gehen würden, wenn sie sich das trauen würden, was in den Kommentaren bisher nur angedeutet wird. Ob es bei diesen bloßen Ankündigungen bleibt, wird die Zukunft zeigen.

Es wäre aber auf jeden Fall ein Fehler, PI und seine Anhänger in der Zwischenzeit nicht weiter aufnerksam zu beobachten.

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In aller Offenheit

16 namhafte Unionspolitiker – unter ihnen Armin Laschet, Ole von Beust, Friedbert Pflüger, Peter Altmaier, Rita Süssmuth und Ruprecht Polenz – antworten morgen in der Printausgabe der Zeit auf den ebenso offenen Brief von 21 prominenten Deutschtürken, den die Zeit am 24. Januar veröffentlicht hatte. Einen Vorgeschmack gibt uns Jörg Lau in seinem Blog:

Deutschland hat sich verändert! Die politischen Lager sind enger zusammengerückt. Dabei musste die Union erkennen, dass Deutschland de facto ein Einwanderungsland ist und es in der jahrzehntelang verschlafenen Integrationspolitik einen dringenden Nach­holbedarf gibt. Das linke politische Lager ist ebenfalls zu der Erkenntnis gelangt, dass eine mul­tikulturelle Einwanderungsgesellschaft kein immerwährendes Straßenfest ist und man auch klare Anforderungen formulieren muss. Und Daniel Cohn-Bendit hat recht, wenn er für die politische Linke einräumt, man habe die Einwanderer idealisiert und zu spät die deutsche Sprache als zentrales Integrationsproblem erkannt. Dies führte dazu, dass Migranten Objekte der Politik waren und nicht deren Träger.

Integrationspolitik muss über Parteiengrenzen hinweg erfolgen. Integrationspolitik ist so fundamental für die Zukunft unseres Landes, dass sie nicht zum Wahlkampfthema degradiert werden darf.

[...]

Wir brauchen politische Vorbilder, Erfolgsgeschichten, für die Sie stehen und die in dieser Klarheit sagen, dass abscheuliche Vorgänge wie in der Münchner U-Bahn ‘die ganze Härte unserer bestehenden Gesetze’ erfahren müssen. Wir, Mitglieder der CDU und der CSU, wissen, dass das, was der 17-jährige Grieche und der 20-jährige Türke gegenüber dem 76-jährigen Rentner getan haben, untypisch ist für die Kultur ihrer Eltern und Großeltern. Respekt vor dem Alter wird in Zuwandererfamilien oft höher geschätzt als bei deutschen Jugendlichen.

Gewalt und Kriminalität gedeihen, wo Respektlosigkeit, mangelnde Bildung und Erziehung herrschen. Dumm schlägt gut – hat die ‘taz’ getitelt. Umso mehr müssen wir anerkennen, dass Gewalt kein ethnisches, sondern ein Bildungsproblem ist.’

Das kann ich so ohne weiteres unterschreiben – auch wenn ich mir dieses klare Statement natürlich schon vor drei Wochen gewünscht hätte. Dennoch: Die Bereitschaft zum sachlich-konstruktiven ist deutlich erkennbar und kann meiner Ansicht nach nicht nur als bloße Wahlkampfhilfe für Herrn von Beust abgetan werden, der sich mit seiner Partei am 24. Februar in Hamburg dem Wählervotum stellen muss.

Die Zukunft wird zeigen, wie ernst es nicht nur CDU und CSU mit einer vernünftigen Integrationspolitik ist.

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PI kurz berichtigt (11)

Fiktion:

Am Donnerstag den 25.01.2008 habe ich an einer der letzten Wahlkampfveranstaltungen der CDU in Hessen teilgenommen. Zu Gast waren Dr. Angela Merkel, Roland Koch uvm. Es waren ca. 4000 CDU’ler innerhalb, 1000 Polizisten und gut 1500 Zuschauer und Antifanten außerhalb der Absperrung.

Fakt:

Koch sprach gestern von 5000 Zuhörern, der CDU-Kreisvorsitzende Udo Corts schätzte ‘mindestens 4000′, die tatsächliche Zahl dürfte aber deutlich darunter gelegen haben, der Opernplatz war lediglich zur Hälfte gefüllt.

Fakt:

Mehr als 2000 Anhänger haben die Einladung angenommen.

[...]

Die Antifa Frankfurt hat die Losung ausgegeben: ‘Wenn Roland kommt, dann sind wir auch da.’ 300 Leute demonstrieren ‘für Solidarität und Freie Bildung – gegen Rassismus und Überwachungswahn’.

Fiktion:

Nach der Rede der Frankfurter Oberbürgermeisterin und des extra angereisten bayrischen Ministerpräsidenten spitzte sich die Lage außerhalb der Absperrung schlagartig zu. Erste Beschimpfungsparolen und Durchbruchsversuche, sowie vereinzelte Rauchbomben drangen zu uns hindurch. Als Roland Koch das Wort ergriff flogen erste Lebensmittel. Eine Orange traf mich am Rücken. Junge Linke, der schwarze Block und pöbelnde Studenten drangen immer weiter vor und pressten mit aller Gewalt friedliche Zuschauer in der ersten Reihe gegen die Absperrung.

Nach einiger Zeit wurden aus den Lebensmitteln auf einmal Flaschen und Steine. Ein JU’ler neben mir bekam eine Flasche an den Kopf und ging zu Boden. Trotz des Einsatzes unserer Ordnungskräfte mit Schlagstöcken und Ähnlichem war in den linken Mob keine Ruhe zu bringen. (Wo bleiben Wasserwerfer wenn man sie braucht!!?) Das zog sich bis zum Ende der Veranstaltung weiter so hin. Sogar ein Rollstuhlfahrer wurde mit Eiern beworfen, als er die Veranstaltung früher verlassen wollte.

Fakt:

Von lautstarken, aber friedlichen Protesten ist gestern Abend der Wahlkampfauftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Roland Koch (beide CDU) auf dem Opernplatz begleitet worden. Mehrere hundert, überwiegend junge Leute störten mit Trillerpfeifen und Sprechchören die Ansprachen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vertreten, schützte die Bühne und riegelte den Platz mit Fahrzeugen und der Reiterstaffel ab. Zu gravierenden Zwischenfällen kam es beim Wahlkampf-Höhepunkt der Frankfurter CDU nicht.

[...]

Auf dem Opernplatz blieb ein einzelner Pflasterstein liegen. Unbenutzt, zum Glück.

Zu Risiken und Nebenwirkungen eines seit der Pubertät andauernden CDU-Engagements lies bitte diesen phaktisch inkorrekten anonymen (PI) Gastbeitrag und frage dich lieber nicht, was in selbigem sonst noch alles frei erfunden ist. Aber vielleicht war unser CDU-Aktivist einfach nur auf der falschen Veranstaltung – was daran liegen würde, dass am Donnerstag nicht der 25. Januar, sondern der 24. war. Aber ich will jetzt mal nicht so pingelig sein. Irren ist schließlich menschlich.

Fakten nachlesen? Bitte hier und hier lang.

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Augen zu und durch

Vor drei Tagen kassierte Roland Koch eine Wahlklatsche, die es in diesem Ausmaß in der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat: Die CDU büßte mehr als 12 Prozentpunkte ein und steht nun vor dem Scherbenhaufen des ausländerfeindlichen Wahlkampfs ihres heftig abgewatschten Spitzenkandidaten. Während sich parteiintern mittlerweile die Einsicht durchzusetzen scheint, dass eine Kampagne, die gezielt auf die Stigmatisierung einer sozialen Minderheit setzt, vom Wähler nicht goutiert wird, scheint diese Botschaft bei einigen Ewiggestrigen immer noch nicht angekommen zu sein. So schreibt Alexander Gauland heute in der Welt:

Dass Roland Koch serienkriminelle jugendliche Ausländer zum Wahlkampfthema gemacht hat, war richtig. Ein Rechtsaußen ist er deshalb noch lange nicht. Wer das behauptet, geht von völlig falschen politischen Maßstäben aus. Das eigentliche Problem dieser Republik sind die gesellschaftlichen Utopien der Linken und der Bündnisgrünen.

[...]

Wenn Roland Koch Fehler gemacht hat, dann nicht die, die ihm deutsch-türkische Verbände und der ‘Zentralrat der Juden’ in Deutschland vorwerfen, sondern den der Halbherzigkeit.

[...]

Nicht das Thema war falsch, die Glaubwürdigkeit fehlte.

Mit anderen Worten: Koch hätte noch kräftiger draufschlagen müssen. Und nicht so viele Richter und Polizisten entlassen dürfen. Aber sonst hat er alles richtig gemacht. An und für sich müsste man dieses Dummgeschwätz nicht weiter kommentieren. Allerdings lohnt sich in diesem Fall ein genaues Hinsehen, soweit es die Person Alexander Gauland betrifft. Der war zu Zeiten des hessischen CDU-Ministerpräsidenten Walter Wallmann nämlich Staatssekretär in dessen Staatskanzlei. Und als solcher ist er vor allem wegen einer Personalaffäre in Erinnerung geblieben, die Martin Walser in seinem Buch Finks Krieg verarbeitet hat. Die Zeit schrieb dazu 1996:

Im April 1987 gewinnt eine Koalition aus CDU und FDP äußerst knapp die hessischen Landtagswahlen. Walter Wallmann wird zum Ministerpräsidenten gewählt, zum Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei bestimmt er seinen Vertrauten Alexander Gauland. Gauland wiederum will einen politischen Protegé Wallmanns belohnen und im Wege der politischen Patronage in die Staatskanzlei hieven. Zu diesem Zweck muss Gauland nur den für die Verbindung zu den Kirchen zuständigen Leitenden Ministerialrat Rudolf Wirtz abschieben, eine neue Abteilung ‘K’ (Kirchen, innerdeutsche Beziehungen, Brauchtum) einrichten und auf die Stelle eines Ministerialdirigenten den politischen Spezi Wolfgang Egerter setzen.

Die Sache hatte freilich mehrere Haken. Jener Egerter zum Beispiel war lange Jahre Mitglied im völkischen Witiko−Bund. Einen solchen Rechtsausleger ausgerechnet auch der jüdischen Kultusgemeinde als staatlichen Verbindungsmann anzubieten, war eine Instinktlosigkeit sondergleichen.

[...]

Gaulands doppelter Mißgriff führte zwar nicht zu seiner Entlassung als Staatssekretär, wie es die Opposition verlangt hatte. Aber lästig muss ihm die langwierige Auseinandersetzung um seinen ‘bräunlich schimmernden Spezi’ Egerter (so der damalige Oppositionssprecher Joschka Fischer) und den übereifrigen Beamten Wirtz schon geworden sein. Wie unangenehm, das erkennt man auch daran, daß die ‘FAZ’ den Vorabdruck des Walserschen Romans durch einen langen Artikel Gaulands flankieren ließ, in dem dieser seine damalige Rolle ins sanfte Licht des Weichzeichners tauchen durfte.

Es ist doch immer wieder erfrischend zu wissen, mit wem man es eigentlich zu tun hat.

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Nachtrag: Die Aussage

[...] eine Wahlklatsche, die es in diesem Ausmaß in der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat: [...]

stimmt so nicht. Es hat tatsächlich schon vergleichbare und sogar schlimmere Wahlschlappen gegeben. Sorry für den Fehler.

“Dieser reiche Türke”

Ilhan Dogan ist 37 Jahre alt und hat mit dem Direktvertrieb von Kosmetikartikel viel Geld verdient. Er hat einen zwei Jahre älteren Bruder, der seit einem Autounfall querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. Dogan möchte der Witwe des ebenfalls bei einem furchtbaren Autounfall schwerverletzten und vor einigen Tagen verstorbenen Rentners Johann K. (siehe auch hier) nun wenigstens die materiellen Sorgen nehmen, wie die Bild-Zeitung berichtet:

Ich würde sämtliche Kosten, die durch den Unfall angefallen sind, übernehmen. Außerdem möchte ich Frau Maria K., der mein besonderes Mitgefühl gilt, die monatliche Miete in Höhe von 500 Euro bezahlen. Bis an ihr Lebensende.

Natürlich kann er sich das leisten. Das ist aber nicht der Punkt. Während andere nur reden, handelt Dogan. Das verdient mehr als nur Hochachtung und Respekt. Und es zeigt, dass Mitgefühl und Hilfsbereitschaft keine Frage der Religion, der Ethnie, der Nationalität oder der Hautfarbe sind. Warum die Bild trotzdem die Schlagzeile


Dieser reiche Türke sorgt jetzt für die Opfer-Witwe

für ihren Artikel gewählt hat, nun ja, das kann man sich zwar denken, spielt aber eigentlich keine Rolle. Alles was zählt, ist der Charakter. Dogan beweist ihn. Viele andere nicht.

Maria K. war halt nur im hessischen Wahlkampf nützlich.

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