Ach, wie tun sie mir doch leid, all die schwer frustrierten Islamophobiker, die es einfach nicht verwinden können, dass die Wilders-Schmonzette nicht die erhofften weltweiten islamischen Proteste und Ausschreitungen provoziert hat. Doch anstatt sich wenigstens ein einziges Mal selbstkritisch zu hinterfragen, werden dieselben dumpfen Phrasen und Floskeln heruntergebetet wie immer – als hätten die Muslime auf Fitna die ersehnten Reaktionen gezeigt. Dem kann sich natürlich auch Henryk M. Broder nicht entziehen. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt er unter anderem:
Falls fanatische Moslems wegen Wilders’ Film ‘Fitna’ ausrasten, liegt es also nicht daran, dass sie ein gestörtes Verhältnis zur Religions- und Meinungsfreiheit haben, sondern daran, dass sie von Wilders beleidigt und provoziert wurden.
Ja – falls. Aber weil die Moslems Broder und Konsorten diesen Gefallen ums Verrecken nicht tun, ergibt der Rest des Gesülzes – wie so oft – schlicht und einfach keinen Sinn.
So war es auch für Tom Buhrow ganz selbstverständlich, die ‘Tagesthemen’ am vergangenen Freitag mit einem Bericht über ‘das islamfeindliche Video des niederländischen Rechtspopulisten’ Geert Wilders anzufangen – als gäbe es in der ansonsten zensurfreien Bundesrepublik eine zentrale Stelle, die für die korrekte Sprachregelung in euro-islamischen Angelegenheiten zuständig wäre. Es folgte ein Bericht über die gelassenen Reaktionen holländischer Muslime, die in ihren Cafés sitzen und ganz friedlich Kaffee trinken, während Wilders draußen für Unfrieden sorgt.
Das ist schon hart. Da sitzen diese Musels einfach da und tun – nichts! Was für ein ungeheuerlicher Skandal!
Das Stück moderierte Buhrow mit dem Satz an: ‘Die Messer werden schon gewetzt, aber nur für den Döner’, wobei er zu erwähnen vergaß, dass zu diesem Zeitpunkt ‘Fitna’ bereits nicht mehr auf dem Videoportal ‘Live Leak’ zu sehen war. Der britische Provider hatte Morddrohungen bekommen, die er so ernst nahm, wie sie gemeint waren – eine nicht irrelevante Information, die der ARD-Anchorman wohl unter den Moderatorentisch fallen ließ, um die Zuschauer nicht mit Feinheiten zu irritieren.
Dass Liveleak das ernstgenommen hat, kann man den Verantwortlichen des Videoportals nicht verdenken. Aber hat eigentlich mal jemand versucht herauszufinden, woher diese Drohungen kamen, vom sie stammten? Wurden die Behörden eingeschaltet? Wenn ja, was konnte bisher ermittelt werden? Vergessen wir nicht: Die einzige Quelle für die Existenz der Drohungen ist Liveleak selbst – wobei es sich dabei auch nur um eine einzige ganz vage Information handelte.
Ich befürchte jedoch, dass Broder an solchen Feinheiten kein gesteigertes Interesse hat.
Selber schuld ist Wilders nach dieser Diktion auch daran, dass er nun rund um die Uhr von der Polizei beschützt werden und jede Nacht an einem anderen Ort schlafen muss.
Ehrlich, ich kann es langsam nicht mehr hören, wer vor wem wegen was auch immer beschützt werden muss und wer nicht. Als ob das ein Qualitätskriterium wäre, als ob nur Leute wie Wilders echte Islamkritiker sein können, weil sie unter Polizeischutz stehen. Demnach wäre Broder also außen vor, obwohl sich dessen eigene so genannte Islamkritik keineswegs hinter dem tumben Rechtspopulismus eines Geert Wilders verstecken muss. Wie ist das nur möglich? Und mal ganz ehrlich: Wenn ich all die Drohmails, die ich regelmäßig in meinen virtuellen Briefkästen vorfinde, für bare Münze nehmen würde, müssten die uniformierten Freunde und Helfer zusätzliches Personal einstellen.
Gibt es zu dem Mord an Theo van Gogh, der Enthauptung von Daniel Pearle, der Hinrichtung einer Frau im Stadion von Kabul, dem Aufhängen von Homosexuellen und dem Steinigen von Ehebrecherinnen in Iran eine Perspektive, die nicht einseitig wäre?
Natürlich gibt es diese Perspektive. Nämlich die, dass grob geschätzt 1,2 von 1,3 Milliarden Muslimen an all diesen entsetzlichen Verbrechen weder beteiligt waren, noch etwas dafür konnten. Eine solche Sichtweise hat man allerdings nur, wenn man anerkennt, dass jede pauschale Verurteilung einer ganzen Religion völliger Schwachsinn ist.
Und jetzt wird der ‘Rechtspopulist’ Wilders auf dem Altar der Appeasement-Politik geopfert. Er ist kein Cineast, und sein Film ist kein Meisterwerk für die Freunde der Filmkunst. Es ist eine brachiale Aufforderung, die Wirklichkeit wenigstens zur Kenntnis zu nehmen.
Welche Wirklichkeit denn? Nichts von dem, was Wilders in seinem Video zusammengeschnipselt hat, war oder ist neu. Es wurde bereits zur Kenntnis genommen, und ich kenne keinen vernünftigen Menschen, der all das nicht verurteilt. Das gilt ausdrücklich auch für die Ali Durchschnittsmoslem, der genauso wenig wie Otto Normalbürger verstehen kann, dass religiöse Fanatiker solche Greueltaten begehen.
Es bedarf in der Tat am allerwenigsten eines Geert Wilders, um irgendwen auf irgendwas hinzuweisen. Es sei denn, man nennt mir endlich mal auch nur einen einzigen Grund dafür, warum man einem ausgewiesenen rechtspopulistischen Fanatiker wie ihm überhaupt irgendeine Relevanz zugestehen sollte.
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