Monatsarchiv für Juli 2008

 
 

Des Führers kleiner Kunstirrtum

Unser erfolgloser Wiener Postkartenmaler auf dem Nürnberger Reichsparteitag 1934:

Noch vor zwanzig Jahren war die künstlerische Darstellung der Schnelligkeit eines Körpers verbunden mit der Konstruktion der Spitze nach vorn und der Verdickung nach rückwärts. In zwanzig Jahren, von heute ab gerechnet, wird das Schönheitsempfinden gebieterisch die umgekehrte Tropfenform identisch finden mit der Vorstellung von Schnelligkeit. Der Künstler ist daher in der inneren Ahnung solcher Naturgesetzlichkeiten sowohl der Wissenschaft wie damit überhaupt der Menschheit stets voraus. Er hat die Pflicht, seine ihm von Gott gegebene Ahnung und Einsicht einer nachstrebenden Menschlichkeit als Richtpunkt nach vorn aufzustellen und nicht diese wieder nach rückwärts zu führen.

Alles verstanden? Nein? Wie gut, dass Adi sein verquastes Geschwurbel für die Nachwelt illustriert hat:

Wirklich tragisch, dass das nicht Hitlers einzige Fehleinschätzung blieb.

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Vielen Dank an Frank von Citronengras – und seine Freundin.

Unwetterwarnung

Der POLITISCH KORREKTE Wetterdienst (PKW) warnt in einem kommentierten Streifen von Politically bis Incorrect (PI) vor heftigen Stahlgewittern, die zum Teil rechtsextrem ausfallen können:

#56 Sauerkraut mit Ripple (31. Jul 2008 12:48)

Ob Schwarz ob Rot, ob Gelb ob Grün – Untergang – Deutschlands Ruin!

Ob Schwarz ob Rot, ob Gelb ob Grün-
Untergang – Deutschlands Ruuuuuiiiiiiiiin!!!

Die heutigen Politversager sind völlig abgehoben, sie verfolgen uns, während sie alle Fremde loben!!

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Vielen Dank an TLagemann für den sachdienlichen Hinweis.

PI lügt (58)


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Na also, geht doch.

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Vielen Dank an Chester für ein wirklich nützliches Script.

Echte Schnellmerker

Nehmen wir mal an, du bist Ordnungshüter und beobachtest die Bestattung eines polizeibekannten Nazis. Dabei fällt dir unter anderem auf, dass jemand eine Hakenkreuz-Fahne auf den Sarg des Verblichenen legt (was nach § 86a StGB strafbar ist). Was tust du?

1. Ich schaue seelenruhig zu, melde die Straftat später aber der Staatsanwaltschaft. Die kann die Totenruhe anschließend ja stören und das Grab wieder öffnen lassen.

2. Ich schreite ein, rufe vorher aber noch Verstärkung herbei und warte, bis meine Kollegen eintreffen. Ich kann mir nämlich denken, dass zumindest ein Teil der Trauergäste keine ausgesprochenen Pazifisten sind. Auch bei Beerdigungen nicht.

3. Ich bin so ergriffen von der Zeremonie und muss weinen. Dadurch ist mein Sehvermögen leider etwas eingeschränkt. Sorry!

Dass in diesem konkreten Fall, den ich mir keineswegs aus den Fingern gesogen habe (nicht mal den Teil, in dem es um die braune Gewaltbereitschaft geht), Antwort 1 die tatsächliche Reaktion des Polizisten beschreibt, scheint mir nicht gerade ein Beleg dafür zu sein, dass jeder unserer uniformierten Freunde und Helfer weiß, wofür er bezahlt wird.

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Via Lawblog.

John McJoke

John McCain entdeckt den Humor. Also das, was die frischgebackene republikanische Stimmungskanone darunter versteht. Die aufwändige Suche nach der Pointe seines neuesten Kampagnenspots gestaltet sich jedoch sehr viel schwieriger, als man das bei dem Thema Obamania in Berlin eigentlich erwarten durfte, denn daraus hätte man wirklich ein witziges Filmchen basteln können. Aber was will man auch von einem alten Mann erwarten, der verzweifelt darum ringt, in den Medien endlich auch mal stattzufinden.

Weiterhelfen wird McCain in dieser Hinsicht allerdings ein weiterer ziemlich missglückter Schenkelklopfer – wenn auch nicht unbedingt in der beabsichtigten Art und Weise:

Wer keine guten Schlagzeilen hat, sorgt eben zumindest für schlechte. Nach dieser Weisheit scheint derzeit der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain zu handeln. In einem seiner Wahlwerbespots benutzten seine Kampagnenmanager ein Musikstück, obwohl sie das gar nicht durften. Für den Song ‘Can’t Take My Eyes Off You’ von Frankie Valli besitzt McCain nämlich keine Lizenz, und solche Urheberrechtsverletzungen sehen die Rechteinhaber immer sehr humorlos. In diesem Fall war es Musikriese Warner Music, der den Werbeclip von Youtube entfernen ließ.

Der Clip trägt den Titel ‘Obama Love’ und macht sich über US-Journalisten lustig, die allzu begeistert über den Kandidaten der Demokraten sprechen und dabei, so suggeriert das Video, alle Objektivität fahren lassen.

Nun amüsiert sich eine Reihe von US-Bloggern und Medien königlich über das Copyright-Missgeschick, weil McCain in der Vergangenheit wiederholt als Streiter für einen starken Urheberrechtsschutz aufgetreten war und sich gegen eine erweiterte ‘fair use’-Politik bei geschützten Werken ausgesprochen hatte.

Nach dem Verschwinden seines Wahlkampfspots ließ McCain sein Team den inkriminierten Clip wieder einstellen – diesmal mit einem schmalzigen Saxophon-Track unterlegt. Das Original ist aber weiterhin zu finden, etwa bei Liveleak. Dabei kann sich der US-Senator auch unter großzügigster Auslegung nicht auf die von ihm wenig geliebten Fair-Use-Regeln berufen – denn die setzen einen öffentlichen Nutzen der Verwendung von geschütztem Material voraus. Mit dem aktuellen Filmchen sollen jedoch auch Spendengelder eingeworben werden, und dieser letztlich kommerzielle Nutzen würde nur einem zugutekommen: McCain.

Wohlgemerkt: Der Mann will amerikanischer Präsident werden. Schon wieder so ein schlechter Scherz.

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Richtig zitieren leicht gemacht

PIppi Langstrumpf lebt:

Um die ‘leichten und freundlichen Seiten’ zu finden, hat Masood Khan keine Mühen gescheut. Zunächst einmal hat er seinen Beruf als Ingenieur an den Nagel gehängt, und alles nur, um als Filmemacher der Welt zu zeigen, wie der Islam wirklich ist. Aber was dabei herausgekommen ist, hat sich wirklich gelohnt:

Zu diesem Zweck haben sie sich des Namens Osama angenommen, des Vornamens des meistgesuchten Mannes der Welt, der seit dem 11. September 2001 stellvertretend für Terror, Tod und Zerstörung steht. Farrah Jarral und Masood Khan wollen beweisen, dass nicht jeder, der Osama heißt, die Welt verwüsten und ‘die Ungläubigen’ vernichten will. Dass nicht jeder Moslem ein Terrorist ist. (…) 50 Tage haben sich Jarral und Khan Zeit gegeben, um weltweit 500 Osamas ausfindig zu machen. In einem eigenen kurzen Video erzählt jeder Osama von einer Leidenschaft. Der eine liebt besonders die Farbe Grün, ein anderer ein bestimmtes Mädchen, und wieder ein anderer liebt einfach die Freiheit.

Wir geben zu, das überzeugt uns. Die Beweislast ist erdrückend. Es gibt den real existierenden Frieden im Islam, denn es gibt Muslime, die Osama heißen und keine Terroristen sind. Gut, dass das endlich mal gesagt wurde.

Und weiter unten schreiben die peinlichen Intellektamputierten (PI) dann:

#2 Katharina Henot (31. Jul 2008 08:34)

[...]

PI: Aber eben darum geht es doch! Oder ist es auch ein Beweis für die Harmlosigkeit des Nationalsozialismus, dass nicht jeder Adolf ein böser Mensch ist?

[...]

Nein. Aber die eigentliche Absicht, die hinter dem Vorhaben steckt, ist ja auch eine ganz andere. Um das seinen Lesern zu vermitteln – woran die tumben Hetzer allerdings keinerlei Interesse haben – müsste man den verlinkten Artikel aus der Welt nur ein klein wenig vollständiger zitieren:

‘Indem ich 500 Menschen finde, die nichts als ihren Vornamen miteinander teilen, will ich zeigen dass wir alle, unabhängig von unserem kulturellen Hintergrund oder der Religion, dieselben Dinge im Leben lieben’, sagt Jarral über das Projekt.

Genau das passt aber nicht in die kleine PI-Welt. Und da muss dann eben wieder einmal Pippi Langstrumpf herhalten.

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Vielen Dank an shell für den sachdienlichen Hinweis.

Schlaues Google

Na also, geht doch.

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Vielen Dank an DhimmiDerHund für den sachdienlichen Hinweis – und an Malte Welding, dem das aufgefallen ist.

Am Nasenring durch die Manege

Wir erinnern uns:

Weiter unten im Beitrag heißt es dann:

So kann man auch seine Unfähgkeit zum politischen Diskurs mit Andersdenkenden dokumentieren. Merket, Ihr Grünen: Nicht überall, wo pi draufsteht, ist auch PI drin!

Das veranlasste einen Herrn namens Niklas Ewert, sich in dieser Sache erneut an Volker Beck zu wenden. Zitat:

Problematisch erscheint mir in Ihrer Antwort nur der Hinweis an den Fragestellenden, er und seine ‘Freunde bei PI können ganz beruhigt sein […] Erlauben Sie noch folgende Anmerkung: Die Art und Weise wie der schreckliche ‘Ehrenmord’ an Ahmet Yildiz von PI und anderen extremistischen Diskussionsforen im Internet ausgeschlachtet wird, […] finden wir beschämend.’

[...]

Als medienaffiner und politisch interessierter Mensch weiß ich allerdings die Internetadresse ‘pi-news.net’ als Webseite, auf die Sie sich in Ihrer Antwort scheinbar beziehen, und ‘www.pinknews.co.uk’ (anscheinend ein englischsprachiges Schwulen/Lesben-Nachrichtenportal), auf welches sich der Verfasser der Frage bezog, zu unterscheiden.

Wenn Ihr Umgang mit Fragen schon auf einer reinen Informationsplattform wie abgeordnetenwatch.de derart gravierende Mängel aufweist, dass sich nicht nur ‘Rechts’, sondern auch ‘Links’, ‘Mitte’ und ‘allen Himmelsrichtungen’ die Haare sträuben, wie ist denn dann Ihr Umgang mit wirklich relevanten politischen Fragen zu bewerten? Dies soll jetzt kein persönlich gefärbter Angriff sein, aber als Außenstehender kann man bei so etwas nur den Kopf schütteln und durchaus mit der Meinung einiger Medien konform gehen, dass die Politik sich Etliches an Glaubwürdigkeit verspielt und verspielt hat.

Das Büro von Volker Beck blieb jedoch ganz cool und packte einfach mal den XXL-Nasenring aus. Die Antwort an Herrn Ewert im Volltext:

Sehr geehrter Herr Ewert,

glauben Sie im Ernst wir hätten pinknews.co.uk und PI verwechselt? Dass Sie uns dies ernsthaft zutrauen, schmerzt doch sehr. Wäre dies der Fall, müssten wir uns tatsächlich dringend bei pinknews.co.uk entschuldigen.

Herr Lee hat jedoch in seiner Frage lediglich auf eine Nachrichtenmeldung von Pinknews.co.uk zum ‘Ehrenmord’ an Ahmet Yildiz verlinkt.

An keiner Stelle in unserer Antwort beziehen wir uns auf die Webseite pinknews.co.uk.

Unser Verweis auf den extremistischen Blog ‘PI’ bezog sich auf die Kommentierung des ‘Ehrenmordes’ in jenem Blog und der Aufruf dort, Fragen hierzu an Herrn Beck auf abgeordnetenwatch.de zu stellen. Prompt geschah dies auch durch Herrn Lee. Dies kann natürlich auch Zufall sein.

Übrigens findet sich auch der Link zu pinknews.co.uk in der ursprünglichen Meldung von PI (www.pi-news.net/2008/07/schwulen-ehrenmord-in-der-tuerkei/).

Honi soit qui mal y pense …

Wilhelm Busch hat einmal gesagt, Entrüstung sei ‘ein erregter Zustand der Seele, der meist dann eintritt, wenn man erwischt wird’.

Die derzeitige Diskussion zu unserer Antwort auf ‘PI’, wie auch die dadurch ausgelöste Mail- und Anfrageflut, lassen vermuten, dass wir so falsch in unserer Einschätzung nicht lagen. Unter anderem postet ein User in der Diskussion zu unserer Antwort auf ‘PI’ einen Hinweis, wie zukünftig ein Rückschluss auf ‘PI’ vermieden werden könnte:

‘Also mein Tip: Auch wenn hier ein Link anklickbar ist, ist es besser die URL per Hand in den Browser zu kopieren. So erscheint im Serverlogfile nicht PI als Ursprung. Gerade bei Links zu Umfragen oder Leserkommentare kann so was wichtig sein siehe FR oder Tagesspiegel. Vielleicht besteht ja bei PI die Möglichkeit das automatische umwandeln von URLs in Links im Text zu unterbinden.’

(In den Kommentaren zu www.pi-news.net )

Eine Bemerkung noch: Schaut man sich die Beiträge und Kommentare auf ‘PI’ zu Homosexuellen an, so wird schnell deutlich, dass Redaktion und Teilnehmer von ‘PI’ ungefähr genauso homophob sind wie die Islamisten, die sie vorgeblich bekämpfen wollen. Dies sieht man auch an den abschätzigen Bezeichnungen von homosexuellen Persönlichkeiten in den Diskussionsforen von ‘PI’. Homosexuelle werden nur dann vermeintlich verteidigt, wenn man diese Verteidigung dazu benutzen kann, um gegen den Islam zu wettern.

Mit freundlichen Grüßen

Büro Volker Beck

Der Vollständigkeit halber:

Treffer. Versenkt. Ende.

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Vielen Dank an Naruto für den sachdienlichen Hinweis.

Olmert-Gate(chen)

Man könnte sich ja schon über die vorschulhafte Grammatik dieses Satzes königlichst amüsieren,

die eigentlichen Böcke schießen Herre und Co. aber erst im folgenden Absatz:

Wie wir direkt aus Israel hören, wird der Entschluss Olmerts von der Bevölkerung begrüßt. Bei Neuwahlen rechnet man insbesondere wegen der fortbestehenden Bedrohungslage durch Iran mit guten Chancen für einen Wahlsieg der Konservativen. Israels neuer Präsident könnte dann wieder Benjamin Netanjahu – genannt Bibi (Foto) – vom Likud heißen.

Der Reihe nach:

1. Olmert ist und wird auch nicht israelischer Präsident (der heißt nach wie vor Schimon Peres), sondern israelischer Ministerpräsident.

2. Neuwahlen stehen in Israel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht an:

Außenministerin Livni wiederum hat bislang zweimal öffentlich Olmerts Rücktritt gefordert: einmal nach der Veröffentlichung des israelischen Untersuchungsberichts zum jüngsten Libanon-Krieg, der Olmert schwerwiegende Fehler angelastet hatte, und zuletzt vergangene Woche indirekt bei einer Pressekonferenz.

Livni ist die populärste Politikerin in Israel. Sie steht im Ruf, unbestechlich und fair zu sein. Livni führt derzeit das israelische Team an bei den Verhandlungen mit den Palästinensern, die bis Ende des Jahres zu einem Friedensabkommen führen soll.

Olmert hatte erst am Dienstag relativiert, das Ziel eines Abkommens bis Dezember sei wegen des Streits um den Status von Jerusalem nicht realistisch. Die frühere Mossad-Agentin Livni hat gute Chancen, an die Spitze der Kadima-Partei gewählt zu werden und damit automatisch das Amt der Premierministerin zu übernehmen.

Barak hatte mehrfach erklärt, er werde mit einer neuen Kadima-Führung die derzeitige Koalition fortsetzen. Weder Barak noch Livni haben Interesse an vorgezogenen Wahlen. Baraks Chancen, der Arbeitspartei zu einem Sieg zu verhelfen, wären gering. Auch die Kadima-Partei würde bei Neuwahlen keine ausreichende Mehrheit erzielen.

Barak und Livni wollen mit einer Fortsetzung der Koalition verhindern, dass Oppositionsführer Benjamin Netanjahu und dessen rechte Likud-Partei an die Macht gelangen.

Wenn man sich schon damit brüstet, über wahnsinnig tolle Israel-Connections zu verfügen, sollte man wenigstens darauf achten, dass die eigenen Quellen keinen solchen Unsinn verzapfen – wobei der Herre’sche Größenwahn sowieso in den rasenden Galopp übergegangen zu sein scheint. Denn es ist gerade einmal 24 Stunden her, dass die monströse Profilneurose unseres Sportskameraden aus Bergisch-Gladbach einen neuen, offenbar jedoch nur äußerst vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte:

Aus Los Angeles berichtet Jan Dreier.

Will heißen: Schaut her, wie polyg(l)ott ich doch bin! Ich bin nämlich der supitollste Blogger der Welt!

Nun ja, die unendlich traurig Realität wird ihn auch dieses Mal wieder ganz schnell und höchst unangenehm auf dem Boden der Realitäten aufschlagen lassen.

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Antidurbanismus

Dass sich der eine oder andere angebliche Freund Israels jede (!) kritische Anmerkung zur israelischen Politik verbittet, ist nach wie vor der keineswegs neue und immer noch genauso wenig originelle Versuch, in der Öffentlichkeit ein einseitig positives Israel-Bild zu zeichnen. Dass dieses Bild nur einen Teil der manchmal wenig positiven Realität zeigt – wen juckt das schon? Schließlich wird Israel in diesen Kreisen als Speerspitze gegen die vermeintliche Islamisierung missverstanden, da sind solche Kollateralschäden einfach unvermeidlich und müssen hingenommen werden. Wer es wagt, dem zu widersprechen, der wird einfach als Antisemit diffamiert. Das funktioniert außerhalb des pseudo-isrealfreundlichen Dunstkreises in der Regel zwar nicht, aber das stört die selbsternannten Israel-Verteidiger selbstverständlich überhaupt nicht.

Wie die faktenresistenten Israel-Lobbyisten ticken, lässt sich beispielhaft wieder einmal an Lizas Welt demonstrieren. Dort heißt es zur Durban Review Conference – der Nachfolgeveranstaltung der World Conference against Racism, Racial Discrimination, Xenophobia and Related Intolerance, die vor sieben Jahren im südafrikanischen Durban stattfand – unter anderem:

Und nun veranstaltet der Rat im April 2009 in Genf auch noch die Durban Review Conference, eine Art Remake jener zu trauriger Berühmtheit gelangten UN-Antirassismuskonferenz, die im September 2001 in der südafrikanischen Stadt Durban vonstatten gegangen war. Dort sollte Israel nur wenige Tage vor 9/11 – so wollten es die beteiligten islamischen Länder – als ‘rassistischer Apartheidstaat’ verurteilt werden. Der französische Essayist und Romancier Pascal Bruckner erinnert sich: ‘Man verdammte den Zionismus als gegenwärtige Form des Nazismus und der Apartheid, aber auch den ‘weißen Furor’, der ‘mit dem Menschenhandel, der Sklaverei und dem Kolonialismus in Afrika einen Holocaust nach dem anderen verursacht hat’. Israel sollte verschwinden, seine Politiker sollten vor einem internationalen Strafgericht ähnlich dem von Nürnberg verurteilt werden. Antisemitische Karikaturen machten die Runde, Exemplare von ‘Mein Kampf’ und der ‘Protokolle der Weisen von Zion’ wurden herumgereicht: Unter einem Foto Hitlers hieß es, dass Israel niemals existiert hätte und die Palästinenser ihr Blut nicht hätten vergießen müssen, wenn er gesiegt hätte. Einige Delegierte wurden physisch bedroht, man rief ‘Tod den Juden’.

Was Lizas Welt natürlich schamhaft verschweigt, ist die Tatsache, dass unter ausdrücklicher Beteiligung der arabischen Staaten Kompromissvorschläge erarbeitet wurden, die immerhin so gut waren, dass der demorkratische US-Kongressabgeordnete Tom Lantos, der seinerzeit der amerkanischen Delegation angehörte, sie als durchaus akzeptabel bezeichnete. Allerdings hatten sowohl die Bush-Regierung als auch Israel von Anfang an nur ein einziges Ziel – nämlich die Konferenz zu diskreditieren. Das Ganze gipfelte dann erwartungs- und wunschgemäß im Abzug beider Delegationen.

Für die Neuauflage dieser Tragikomödie im kommenden Frühjahr wurde ausgerechnet das Teheraner Mullah-Regime von den Vereinten Nationen mit einer Regiefunktion betraut. Ein ‘Durban 2′ befürchtet daher nicht nur die NGO Eye on the UN: ‘Mit der Wahl des Iran in die Vorbereitungskonferenz werden Rassisten zu UN-Sprechern gegen Rassismus.’ Ihre Sprecherin Anne Bayefsky sagte bereits vor knapp einem Jahr: ‘Den führenden Exponenten des Antisemitismus – gleich, ob dieser sich nun gegen einzelne Juden oder gegen den jüdischen Staat richtet – wird von den Vereinten Nationen erneut eine globale Plattform gewährt.’ Gleiches gilt für Libyen, das der Vorbereitungskommission für die Konferenz vorsteht: [...]

Auch das ist nicht mal die halbe Wahrheit, denn im Vorbereitungskomitee sitzen Vertreter aus insgesamt 21 Ländern – darunter ganze fünf aus islamischen Ländern. Dabei wird dann gleich noch so getan, als ob es auf der Konferenz ausschließlich um Israels Rolle im Nahen Osten ginge. Das war allerdings schon 2001 nicht der Fall – und wird auch 2009 in Genf nicht so sein.

Nur unfreiwillig komisch sind dagegen die jämmerlichen Versuche der peinlich irrwitzigen (PI) Fangemeinde, das Logo der Antirassismus-Konferenz zur Hakenkreuz-Variante zu erklären (wobei ich mich sowieso frage, warum das ausgerechnet PI-Anhänger so stört). Aber bildet euch einfach selbst ein Urteil:


Hakenkreuz oder Yin-Yang-Symbolik?

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Vielen Dank an BrehmKassinFein für den sachdienlichen Hinweis.

Hinweis in eigener Sache: Die Darstellung des Hakenkreuzes in diesem Beitrag ist nach § 86a Absatz 3 in Verbindung mit § 86 Absatz 3 Strafgesetzbuch zulässig.