Monatsarchiv für Januar 2009

 
 

Auf dem Weg der Besserung

Man muss nicht unbedingt Michael Moores oscarnominierten Dokomentarfilm Sicko gesehen haben, um den desolaten Zustand des amerikanischen Gesundheitssystems beurteilen zu können. In einem Land, in dem rund 50 Millionen (!) Menschen beispielsweise über gar keinen Krankenversicherungsschutz verfügen, sprechen schon die reinen Zahlen und Fakten eine traurige Sprache. Die neuen demokratischen Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus haben nun aber einen ersten wichtigen Schritt getan, um wenigstens bedürftigen Kindern eine ausreichende Gesundheitsversorgung zu garantieren. Das SCHIP (State Children’s Health Insurance Program) genannte Gesetzespaket, das Präsident Obama voraussichtlich schon in der kommenden Woche unterzeichnen wird, hat ein Volumen von insgesamt fast 58 Milliarden Dollar und hilft Kindern, deren Eltern zuviel für das ebenfalls staatliche Medicaid verdienen, aber zu wenig, um sich eine private Krankenversicherung leisten zu können. Von SCHIP werden insgesamt 11 Millionen Kinder in den USA profitieren. Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass weitere fünf Millionen Kinder in den USA trotzdem auch in Zukunft nicht krankenversichert sein werden.

George W. Bush hat während seiner Präsidentschaft ähnliche Gesetze übrigens gleich zweimal per Veto blockiert.

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PI und die ‘Türkentüte’

Ein panisch islamophober (PI) Blogwart hat im real-Markt in Neuss ein paar Einkaufstüten entdeckt, auf die die türkische Nationalflagge gedruckt wurde. So ein schändlicher Verrat am toitschen Vaterlande musste von PI-Geheimagent Puseratze natürlich umgehend dokumentiert werden. Dabei ist die Erklärung für diese speziellen Plastiktaschen wirklich simpel: Die gab es bei real während der Fußball-Europameisterschaft 2008 – wie übrigens auch die Nationalflaggen der anderen 15 teilnehmenden Länder als Motive für die garantiert auf heimtückischem muselmanischem Erdöl basierenden Polyetyhlen-Tüten.

Zwar wissen selbst einige PIpifanten, warum real Restbestände der Tüten offensichtlich heute noch in seinem Sortiment hat, das kann aber weder das strunzdämliche redaktionelle Geschwafel in einem besseren Licht erscheinen lassen, noch Leserkommentare wie den folgenden verhindern:

#15 PI_GE_RE (31. Jan 2009 16:55)

Bewusst Einkaufen!!!!!

Aber sicher doch,ich kaufe nur Produkte aus NICHT-ISLAMISCHEN-LÄNDERN.

Ähm, eine Frage, PI_GE_RE: Fragst du den Pächter der Tankstelle deines Misstrauens beim Tanken eigentlich jedes Mal, woher das Benzin stammt, mit dem dein Auto fährt? Nein?

Verräter!

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Vielen Dank an Felsenschwein für den sachdienlichen ciao-Link.

Rechtsextremisten und die Kunst

Es kann natürlich schon sein, dass es die belgischen Rechtsextremisten vom Vlaams Belang in ihrer ganzen Tumbheit schlicht und einfach gar nicht gerafft haben, dass diese Montage des Hamburger Künstlers Till Nowak kein echtes Foto ist. Gegen Ausländer gehetzt wird aber auf jeden Fall:

Die flämische Rechtspartei Vlaams Belang hat sich das Foto-Kunstwerk offenbar einfach heruntergeladen und in mehr als zwei Millionen Exemplaren ihrer Parteizeitung veröffentlicht. Um das Copyright scherte man sich nicht. Der ‘Vlaams Belang’ ging wohl davon aus, dass der Künstler – ehemals in Mainz, jetzt in Hamburg ansässig – nichts davon mitbekommen würde.

[...]

Denn der Vlaams Belang macht mit nationalistischen und ausländerfeindlichen Sprüchen Werbung für die eigene rechte Sache. In Flandern ist die Formation damit ziemlich erfolgreich, im Juni stehen dort Regionalwahlen an. Ein Hochhaus mit übermäßig vielen Satelliten-Schüsseln: Für den belgischen Rechtsausleger ist es das Sinnbild für ungebremste Zuwanderung. Der Vlaams Belang sieht Europa von islamischer Migration förmlich überrollt.

Nur: Der Künstler Till Nowak hatte eine ganz andere Idee, als er 2007 die Montage anfertigte. ‘Das war eine Karikatur über den Einfluss von Medien auf uns, über die Reizüberflutung. Auch ironisch und selbstironisch, weil ich ja selbst in den Medien arbeite. Das war für mich eine witzige Illustration und stand nie im Zusammenhang mit Nationalitäten oder Immigration, wie es jetzt verwendet wurde.’

[...]

Jetzt hat er auch einen Anwalt im belgischen Antwerpen. Der geht gegen die Rechtspartei Vlaams Belang gerichtlich vor. Das Mindeste, so erzählt Anwalt Vander Velpen, sei, dass alle 2,4 Millionen Parteizeitungen eingestampft werden. Das fordert auch der Künstler: ‘Für mich ist es schockierend, weil es in dem politischen Zusammenhang gar nicht dem entspricht, was ich denke oder sagen will. Ich bin ein toleranter und offener Mensch. Das zerstört auch mein Kunstwerk. Ich fühle mich dadurch angegriffen.’

Einen Gerichtstermin gab es bereits, demnächst muss das Gericht über eine einstweilige Verfügung entscheiden. Auch Schadensersatz will der Anwalt erklagen.

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Vielen Dank an Erdbeerbaum für den sachdienlichen Hinweis.

Angstkultur

In regelmäßigen Abständen warnen Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt vor der Gefahr terroristischer Anschläge in Deutschland. Zwar enthalten diese Warnungen immer nur die üblichen nichtssagenden Satzbausteine, und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, wem die permanente Panikmache eigentlich etwas bringen soll – von den Verfassungschützern und Bundeskriminalern einmal abgesehen. Die jubeln Politik und Bevölkerung ihre Terrorangst nämlich ganz sicher nicht deshalb unter, weil sie sich davon mehr Sicherheit versprechen, sondern weil sie gerne noch mehr Ermittlungsbefugnisse hätten. Und wie macht man das? Natürlich indem man dafür sorgt, dass der Angstlevel nicht zu sehr absackt. So einfach ist das. Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt handeln also vor allem aus reinem Eigeninteresse.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich befürchte genauso, dass es in absehbarer Zeit hierzulande zu einem Anschlag islamistischer Terroristen kommen wird. Aber kein Staat der Welt kann sich dagegen zu 100 Prozent schützen – auch nicht durch immer weniger Rechtsstaat. Und genau das ist der Knackpunkt.

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USA: Premiere auch bei der Grand Old Party

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben die Republikaner mit Michael Steele einen Afroamerikaner an die Parteispitze gewählt. Steele gilt als sehr konservativer, aber pragmatischer Politiker. Seine Wahl ist eine Überraschung, weil er bisher nicht im Vorstand der Partei vertreten war. Steele löst Mike Duncan ab, einen bedingungslosen Unterstützer von George W. Bush.

Der wortgewandte ehemalige stellvertretende Gouverneur von Maryland – ein Ex-Schwager des früheren Schwergewichts-Boxweltmeisters Mike Tyson – kündigte in seiner ersten Rede als Parteichef an, mit jedem zusammenarbeiten zu wollen, der für eine konstruktive Politik steht.

Amerika im Aufbruch. Gut so.

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Herre vertuscht türkische Ahnen?

Ausgerechnet Stefan Herre, der die Türkei am liebsten an Hugo Chavez verkaufen würde, stolpert über seine eigene Familienchronik. Der Schwippschwager eines engen Vertauten des Freundes einer Stiefschwester des Bergisch Gladbacher Sportskameraden behauptet, Herre habe seinen ursprünglichen Namen Hürrü einst ändern lassen, um seine türkische Herkunft zu verbergen. Darin liege auch der Grund, warum er die Türkei und die Türken so sehr angreife, er wolle auf keinen Fall mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Herres Türkenhass könnte demnach neben aller fremdenfeindlichen Ideologie auch eine serh, sehr tragische Komponente haben: Selbsthass.

Im Ernst: Was Pathologisch Informationsverhindernd (PI) in seinem Beitrag über die angeblichen jüdischen Wurzeln des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad irgendwie, äh, vergessen hat zu erwähnen, ist die Tatsache, dass Mahdi Khazali, der Urheber des Gerüchts – denn mehr ist es nicht – ein Sohn des ultrakonservativen Ayatollah-Hardliners Abu Al-Kassam Khazali ist. Ob der tatsächlich Ahmadinedschad unterstützt, darf jedoch getrost bezweifelt werden. Weiter muss man wissen, dass im Iran im Juni Präsidentschaftswahlen stattfinden – und Ahmadinedschad macht keine Anstalten, sich in den Vorruhestand zurückzuziehen. Insofern sollte man nicht den Fehler begehen, jeden Mist zu glauben, der aktuell im Iran verbreitet wird (was man unabhängig davon aber sowieso nie tun sollte).

Völlig unterschlagen hat PI auch, dass Mahdi Khazali nicht nur ein Gerücht verbreitet hat:

Writing on his oft-visited blog, Khazali blamed ‘Crypto-Jews’ for Iran’s growing politico-economic plight. Arguing that the time has come to ‘reveal the truth’ about the Jewish role in Iran, Khazali accused two Grand Ayatollahs, an influential businessman, and the Iranian President of hiding their true Jewish identity, whereby perpetuating the misery of the Iranians.

Mit anderen Worten: Khazali ist ein Antisemit, denn für ihn sind – wie originell – wieder einmal die Juden an allem schuld. Dass der Antisemit Khazali unverhofft zum PI-Kronzeugen mutiert, dürfte – vorsichtig ausgedrückt – einigen PIpifanten allerdings ganz prima ins Konzept passen.

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Keine Macht den Drogen!

Ob Argutus rerum existimator beim Verfassen dieses phöllig irrwitzigen (PI) Pamphlets, in dem er sich über die islamische Mondsichel hermacht, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war, weiß ich natürlich nicht. Allerdings spricht nicht viel dafür, dass dem so gewesen ist:

Das Symbol des Islam ist die – meist fälschlich ‘Halbmond’ – genannte Mondsichel. Das ist bemerkenswert, weil damit (wenn auch ohne historische Kontinutiät, denn zu Mohammeds Zeiten wurde dieses Symbol noch nicht verwendet) eine Brücke zu dem heidnischen Mondgott Sin geschlagen wird, der bereits in vorislamischer Zeit Allah genannt wurde.

Was daran liegt, dass Allah nicht der Eigenname Gottes ist, sondern nur das arabische Wort für Gott.

Dennoch ist die enge Beziehung zwischen dem Islam und dem Mond bis heute deutlich erkennbar. Sie liegt auch dem hartnäckigen Festhalten des islamischen Kulturkreises an dem überaus unpraktischen Mondkalender zugrunde.

Nun, wir fortschrittlichen Christen berechnen das Datum unseres wichtigsten religiösen Festes ebenfalls nach den Mondphasen. So gibt es für Ostern kein festes Datum, als Hauptfeiertag ist der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Das Osterfest findet also immer zwischen dem 22. März und dem 25. April statt. Diese Berechnung ist allerdings nicht ohne Tücken, denn der astronomische Frühlingsbeginn (19. bis 21. März) ist nicht immer mit dem kirchlichen Frühlingsbeginn (21. März) identisch (was unter anderem an den Schalttagen liegt, einer Errungenschaft des Sonnenkalenders). Im Jahr 2000 beispielsweise wäre der Ostersonntag eigentlich auf den 21. März gefallen (astronomischer Frühlingsanfang und gleichzeitig Vollmond: 20. März), weil die Kirche den Frühling aber immer am 21. März beginnen lässt, fand das Osterfest in diesem Jahr erst am 23. April statt.

Wie unpraktisch, gell!

Interessant ist übrigens ein Detail an dieser Mondsichel: sie hat die konkave Seite fast immer rechts. Das bedeutet, dass sie den abnehmenden, nicht den zunehmenden Mond zeigt. Für eine Religion, die die Welt erobern möchte, ist das eher peinlich, aber vermutlich bisher noch keinem aufgefallen.

Der Mond – ein Islamkritiker! Wer hätte das gedacht! Früher soll der Erdtrabant übrigens das Nordfriesentum abgelehnt haben.

Übrigens: Die Jungfrau Maria wird im Katholizismus häufig ebenfalls auf einer Mondsichel stehend dargestellt.

Ein Anti-Islam-Symbol gibt es offiziell nicht. Allerdings gibt es seit kurzem ein Symbol, das sich plausibel als Verneinung des islamischen Symbols deuten läßt. Ich meine damit das Euro-Zeichen (€), das sehr einer doppelt durchgestrichenen islamischen Mondsichel ähnelt. Wer das Euro-Zeichen auch nur einmal bewusst unter diesem Aspekt betrachtet hat, wird die sich aufdrängende anti-islamische Assoziation wohl nie wieder los werden.

[...]

Sehr häufig ist die islamische Mondichel mit dem Stern-Symbol verknüpft (beispielsweise in der türkischen Flagge). Auch hier spannt sich wieder der Bogen zu Sin-Allah, der ja als Vater der Sterne galt. Dieser Stern ist fünfzackig.

Demgegenüber ließe ein sechzackiger Stern insbesondere in der Strichform wie beim Asterisk-Zeichen (*) sehr leicht auch anti-islamisch interpretieren: Ein senkrechter Strich wird durch zwei gekreuzte Striche (die ein x bilden) doppelt durchgestrichen. Dieser senkrechte Strich kann nicht nur für das große lateinische I stehen, mit dem das Wort ‘Islam’ beginnt, sondern auch für den arabischen Buchstagen alif, den Anfangsbuchstaben des arabisch geschriebenen Wortes ‘Islam’.

Möchte man nun ein ganz eindeutig anti-islamisches Symbol haben, so bietet sich die Kombination aus Euro-Zeichen und Asterisk an (€*), was sich auch bandartig wiederholen läßt.

Das sieht dann so aus: €*€*€*€*€*€*€*€*€*€*€*€*€*€*

Selbst wer bis dahin noch dachte, dass Apotus Argutus rerum existimator nicht unter Drogeneinfluss gestanden haben kann, als er seinen Gastbeitrag schrieb, wird spätestens jetzt seinen bedauerlichen Irrtum einsehen müssen. Was kommt wohl als Nächstes? Das Dollarzeichen ($) als antiamerikanisches Symbol?

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Neues aus der Baumschule

Mann, Mann, Mann – selbst einfachst zu recherchierende Tatsachen stellen für Herres virtuelles Schoßhündchen Yaab unüberwindliche geistige Hindernisse dar:

[...], in Deutschland gibt es nicht nur das Angebot an Kinder und Jugendliche, kostenlos unsere hervorragenden Schulen besuchen zu können, sondern es besteht – darüber hinaus – auch eine Schulpflicht und zwar bis zum 18. Lebensjahr.

Hm, da muss ich die Unabhängigkeitserklärungen der, äh, ehemaligen deutschen Bundesländer Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen wohl irgendwie verpasst haben.

Ein Türke zeugte viele Kinder und schickte sie zur Oma in der Türkei, kassierte jedoch fleißig Kindergeld für die Abwesenden. Das geht allerdings nicht, denn der Staat macht zur Bedingung, dass die Kinder in Deutschland aufwachsen. Aus gutem Grund, denn hier erhalten sie die notwendige Bildung und Sozialisierung für ihr künftiges Bürgerleben.

Das ist genauso falsch. Kindergeld gibt es auch für Kinder, die innerhalb der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) wohnen. Und selbst für in der Türkei lebende Kinder haben Eltern unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Kindergeld.

Angesichts seiner inzwischen fast täglichen Fehltritte sollte sich Yaab vielleicht doch wieder mehr um sein eigentliches Hobby kümmern:

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PI geht staatlichem iranischem Nachrichtensender auf den Leim

Al-Kaida will die Grabeskirche in Jerusalem in die Luft sprengen. Das behauptet jedenfalls Pathologisch Irrlichternd (PI) heute – und zwar unter Berufung auf eine Quelle, die man nicht gerade als unabhängig oder gar seriös bezeichnen kann, denn PressTV ist nichts anderes als ein von der Mullah-Regierung in Teheran kontrollierter iranischer Nachrichtensender (Betreiber ist die staatliche Islamic Republic of Iran Broadcasting – IRIB). Alleine diese Tatsache hätte PI eigentlich schon stutzig machen müssen, aber Herre und Konsorten war sicherlicher wieder einmal nicht bewusst, auf wen sie da hereingefallen sind.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum diese Meldung mit äußerster Vorsicht zu genießen ist. Dazu muss man allerdings wissen, dass Al-Kaida auch die iranischen Schiiten für religiöse Sektierer und damit für Verräter an der Sache Allahs hält, die es gnadenlos zu vernichten gilt. Umgekehrt hat der Iran nach dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes in Afghanistan über die Grenze geflüchtete Al-Kaida-Kämpfer entweder an ihre Heimatländer ausgeliefert – oder sie in eigene Gefängnisse gesperrt. In diesem Zusammenhang hatte der Iran ausgerechnet den Amerikanern (!) sogar vorgeschlagen, die inhaftierten Al-Kaida-Gefolgsleute gegen oppositionelle iranische Volksmudschaheddin, die die USA im Irak festhielten, auszutauschen. Der Austausch scheiterte jedoch, weil George W. Bush angeblich seine Zustimmung verweigerte.

Ob die ihm von PressTV zugeschriebenen Äußerungen tatsächlich von Benjamin Netanjahu stammen, vermag ich auf die Schnelle nicht zu beurteilen. Sicher ist aber, dass der wahrscheinliche nächste israelische Ministerpräsident den Terroranschlägen vom 11. September 2001 durchaus auch eine positive Seite abgewinnen konnte:

‘Wir profitieren von einer Sache, und das sind die Angriffe auf die Zwillingstürme und das Pentagon sowie der amerikanische Kampf im Irak’, sagte Netanjahu einem Bericht der israelischen Tageszeitung ‘Ma’ariv’ zufolge bei einem Vortrag an der Bar-Ilan-Universität. Diese Ereignisse hätten die öffentliche Meinung in den USA ‘zu unseren Gunsten umschwenken lassen’, sagte der Chef des rechtsgerichteten Likud demnach.

Aber PI ist ja sowieso nicht mehr proamerikanisch. Das wird Herre und seine Anhänger also genauso wenig stören wie der Umstand, dass PI iranische Quellen neuerdings für glaubwürdig hält.

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USA-Iran: Ende der Eiszeit?

In der Onlineausgabe des Handelsblattes findet sich heute ein sehr lesenswerter Artikel über die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage im Iran. Auszüge (Hervorhebung von mir):

Vor 30 Jahren kehrte Ajatollah Chomeini aus dem Exil zurück und schuf einen islamischen Staat. Präsident Ahmadinedschad will dessen Erbe retten und strebt eine zweite Amtszeit an. Doch vor allem die Jugend tummelt sich lieber im Netz statt in Moscheen.

[...]

Iran 30 Jahre nach der islamischen Revolution: Vor allem die Jugend ist im Netz statt in den Moscheen. Dort, wo in Teheran im September 1978 Millionen Perser den Soldaten Blumen in die Gewehrläufe steckten und so die Armee im Kampf gegen das Schah-Regime auf ihre Seite zogen, dort auf dem heutigen Märtyrerplatz befindet sich mittlerweile ein Internet-Café. Drinnen, im Keller des grauen Hauses, diskutieren junge Menschen im World Wide Web auch über die Geschichte des Landes: Vor 30 Jahren, am 1. Februar 1979, kehrte Ajatollah Ruhollah Chomeini aus dem Pariser Exil nach Teheran zurück. Und dessen Erbe ist vielen Jugendlichen mittlerweile verhasst. 30 Jahre nach der Revolution steht Iran am Scheideweg.

[...]

‘Sie haben eine Riesenangst, dass der neue US-Präsident Barack Obama seine Ankündigung wahr macht und tatsächlich direkte Beziehungen zu Iran aufnimmt’, sagt ein langjähriger ausländischer Beobachter in Teheran und fügt zur Begründung an: ‘Dann wird mit langen Schlangen vor dem US-Konsulat jeden Tag die Unzufriedenheit der Iraner demonstriert – mit Visumsanträgen für das Land des bisher als ,Großer Satan’ verteufelten Erzfeindes.’

[...]

Die Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran gleich nach der Machtübernahme der Mullahs hat das bilaterale Verhältnis seither auf den Gefrierpunkt gebracht. Nun setzt, trotz oder wegen des umstrittenen Atom-Programms, Tauwetter ein: Ahmadinedschad gratulierte Obama überraschend per Brief zu dessen Wahl. Und Obama signalisierte Iran in seinem ersten Interview nach seiner Vereidigung im arabischen Fernsehsender Al-Arabija die Bereitschaft zu direkten Kontakten.

Dabei fällt auf, dass Ahmadinedschad nicht zu wissen scheint, wie er damit umgehen soll. Denn einerseits wählte er ähnliche Worte wie Obama. Wenn Länder wie Iran bereit seien, auf ihre geballte Faust zu verzichten, dann fänden sie eine ausgestreckte Hand der USA vor, hatte der neue Chef des Weißen Hauses gesagt. Amerika habe Iran immer eine geballte Faust gezeigt, antwortete Ahmadinedschad am Mittwoch darauf im Staatsfernsehen. Dabei deutete er Entgegenkommen an: Wenn Washington darauf verzichte, dann werde man Amerika eine ‘Hand der Kooperation’ entgegenstrecken. Zugleich aber stellte Ahmadinedschad für Obama unüberwindliche Hürden auf: ‘Diejenigen, die von Wandel sprechen, müssen sich erst beim iranischen Volk entschuldigen und versuchen, die schlechten Handlungen und Verbrechen der Vergangenheit wiedergutzumachen.’ Das Poker um Chomeinis Erbe geht also weiter.

All das zeigt, wie wichtig es ist, dass vor allem die USA ihre einfallslose Achse-des-Bösen-Politik endlich aufgeben, denn die macht letztendlich nur die hoffnungslos verbohrten Hardliner vom Schlage eines Mahmoud Ahmadinedschad stark. Und das kann nicht im Interesse Amerikas sein. Oder in dem Israels.

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