Monatsarchiv für Mai 2009

 
 

Rechnen mit Silvana Koch-Mehrin

120 Tage nachgewiesene Anwesenheit im Europaparlament
+ 22 Tage nachgewiesene Teilnahme an namentlichen Abstimmungen
+ 12 Tage (nicht belegte?) Teilnahme an nicht-namentlichen Abstimmungen
+ 59 Tage Mutterschutz
= 213 Tage Anwesenheit

Sitzungstage insgesamt: 282/288
Anwesenheitsquote: 75,5/73,9 Prozent

Quelle

Warum ich das hier aufführe? Nun, um Frau Koch-Mehrins Anwesenheitszeiten im Europaparlament ist ein heftiger Streit entbrannt, der mit einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) begann. Dort hieß es am 21. April 2009:

Ins Parlament zurückkehren dürfte dagegen die FDP-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin. Mit einer Präsenzquote von 38,9 Prozent landete sie nicht nur an letzter Stelle der 105 deutschen Abgeordneten, sondern auf Platz 914 der Gesamtliste. Offenbar unberücksichtigt ist in der Statistik, dass Koch-Mehrin einen Mutterschaftsurlaub von acht Monaten nahm. Nach der Geschäftsordnung des Parlaments würde die monatlich gewährte ‘Sekretariatszulage’ entfallen, wenn die Anwesenheitsquote unter 50 Prozent fällt.

Obwohl die FAZ ausdrücklich darauf hingewiesen hatte (und das zwei Tage später noch einmal tat), dass Koch-Mehrins Mutterschaftsurlaub nicht berücksichtigt worden war, zog die prominente FDP-Politikerin gegen die FAZ vor das Hamburger Landgericht und versuchte mit einer eidesstattlichen Versicherung eine einstweilige Verfügung gegen das Blatt zu erwirken. Dummerweise war ausgerechnet an diesem Tag – es war der vergangene Freitag – der Blogger David Schraven zufällig Zeuge des Verfahrens, in dem es um diesen Fall ging. Anschließend warf er Koch-Mehrin in seinem Blog vor, möglicherweise unter Eid gelogen zu haben, denn selbst unter Berücksichtigung ihrer Mutterschaftszeiten ergäbe sich für sie nur eine Anwesenheitsquote von 62 Prozent – statt der von Koch-Mehrin behaupteten 75 Prozent. Und so kam es, wie es kommen musste: Koch-Mehrins Anwälte übten offenbar massiv Druck auf Schraven aus. Zitat:

Seit dieser Bericht in den Ruhrbaronen hochgefahren ist, setzen uns die Anwälte von Koch-Mehrin zu. Sie sagen, wir würden uns strafbar machen, wenn wir schreiben, dass es einen Widerspruch gibt zwischen den Zahlen in der eidesstattliche Versicherung und den offiziellen Zahlen des EU-Parlamentes. Sie drohen offen mit einer Strafanzeige, wenn wir fragen, ob hier eine falsche strafbewehrte eidesstatliche Versicherung vorliegt.

Schraven zufolge ist Koch-Mehrin mit dem Versuch, eine einstweilige Verfügung gegen die FAZ zu erwirken, übrigens gescheitert. Gut so, denn die FAZ hat sich meiner Anischt nach absolut korrekt verhalten.

Mich stören an der ganzen Geschichte vor allem drei Dinge. Erstens, dass Silvana Koch-Mehrin juristisch versucht hat, die weitere Veröffentlichung zweier FAZ-Artikel zu verhindern, in denen nichts Unwahres stand. Zweitens, dass sie einen Blogger einschüchtern ließ, der aus seiner Sicht und zu diesem Zeitpunkt berechtigte Fragen gestellt hat. Und drittens ist es Koch-Mehrins Rechnung selbst, die ich zum Teil nach wie vor nicht schlüssig finde, denn woher weiß sie denn, dass sie an den 12 Tagen, an denen sie an nicht-namentlichen Abstimmungen teilgenommen haben will, im Parlament anwesend war? So wie ich das verstanden habe, wurde sie an diesen Tagen nicht auf der Anwesenheitsliste des Parlaments eingetragen. Unter Berücksichtigung ihrer sonstigen Anwesenheitsquote ist es aus meiner Sicht auch nicht zulässig, alle 59 Tage des Mutterschaftsurlaubs auf ihre Anwesenheitsquote anzurechnen – zumindest soweit es dabei darum geht, ihre Bereitschaft zu Teilnahme an Parlamentssitzungen zu beurteilen. Das würde doch nur dann Sinn machen, wenn sie ansonsten auch an jeder einzelnen Sitzung teilgenommen hätte – was definitiv nicht der Fall war.

Es besteht also weiterer Aufklärungsbedarf.

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Wilders mehrheitsfähig?

Neueste Umfragen sehen Geert Wilders als Sieger der Europawahlen in den Niederlanden. Wilders zeigt: Mit weißer Weste und ohne erklärungsbedürftige Verbindungen in Vergangenheit und Gegenwart ist bürgerliche und verfassungskonforme Kritik am Islam in europäischen Gesellschaften mehrheitsfähig.

Quelle: Wilders führt in Umfragen (PI | 31. Mai 2009)

Nun ja, die Realität sieht dann doch nicht nur ein bisschen anders aus. Aktuellen Umfragen zufolge kann Wilders’ Partij voor de Vrijheid (PVV) bei den Wahlen zum Europäischen Parlament heute in einer Woche mit rund einem Fünftel der Wählerstimmen in den Niederlanden rechnen. Damit würde die PVV zwei oder drei der insgesamt 12 niederländischen Sitze im Europaparlament für sich verbuchen können. Eine Mehrheit sieht irgendwie ganz anders aus.

In den Niederlanden selbst sieht es auch nicht gerade rosig für Wilders und die PVV aus. Selbst wenn sie dauerhaft Erfolg hätten – was ich ehrlich gesagt sehr bezweifle – es gibt keine Partei, der mit den manischen Islamhassern koalieren will.

Und das liegt sicherlich nicht nur daran, dass vier von fünf Niederländern mit Wilders gar nichts am Hut haben. Wer will schon gerne mit Schmuddelkindern spielen?

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Unfassbar: Christen von Lesben und Schwulen verfolgt!

Text:

#26 Jens T.T (31. Mai 2009 10:51)

[...]

Christsein ist politisch inkorrekt. Den die Christenverfolgung ist die schlimmste Menschenrechtsverletzung die es gibt und auch in Europa werden Christenverfolgt, siehe Pro Homogesetze.

[..]

Quelle: Und wenn es ihn doch gibt
(PI | 31. Mai 2009 | Kommentare | Hervorhebung von mir)


Als paradiesisch intolerantes (PI) Biotop für, äh, verfolgte pseudochristliche Homophobiker bietet sich derzeit wohl Jamaika an:

Die Lage von Homosexuellen auf Jamaika ist dramatisch. Homosexualität ist illegal und Homophobie kulturell tief in der Gesellschaft verankert. Bis zu 15
Jahre Haft drohen für einfaches Händchenhalten. Körperverletzungen und Morde an Homosexuellen haben nach Presseberichten in den letzten Jahren immer mehr zugenommen [...]. Dabei kommt es häufig zu öffentlichen Mob- und Lynchszenen, an denen nicht selten auch die Polizei aktiv beteiligt ist.

Bei Wikipedia heißt es zur Situation der Schwulen auf Jamaika (Hervorhebung von mir):

Eine Umfrage zur sexuellen Identität und Menschenrechten auf dem amerikanischem Kontinent vom Dezember 2003 sagt aus:

‘Im karibischem Raum ist Jamaika der gefährlichste Ort für sexuelle Minderheiten. Dies ist begründet durch häufig schwerwiegende Angriffe gegen Schwule, die durch eine Popkultur von Reggae- und Dancehallsängern geschürt wird, da diese in ihren Liedtexten zum Verbrennen und Töten von Schwulen auffordern. Drakonische Gesetze gegen sexuelle Aktivitäten zwischen Gleichgeschlechtlichen gelten nicht nur weiterhin in Jamaika, sondern auch fast im gesamten englischsprachigen Karibikraum.’

Laut Amnesty International

‘ist die Schwulen- und Lesben-Community extremen Vorurteilen ausgesetzt [...] Schwule in Jamaika – oder Personen, die als schwul beschuldigt werden – sind regelmäßig Opfer von grober Misshandlung und Belästigungen seitens der Polizei, in seltenen Fällen kommt es sogar zur Folterung.’

[...]

Eine Umfrage aus jüngerer Zeit zeigte, dass sich 96 Prozent der Jamaikaner gegen eine Lockerung der Strafgesetze in Bezug auf gleichgeschlechtlichen Verkehr aussprachen. Viele Jamaikaner behaupten, ihre antischwule Haltung habe eine religiöse Begründung, da sie Homosexualität als unvereinbar mit ihrem christlichen Glauben erachten.

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Vielen Dank an schlammungeheuer für den sachdienlichen Hinweis.

Doppelt tot hält besser

Das Verbrechen, für das ein Mann in Saudi-Arabien zum Tode verurteilt wurde, war abscheulich: Einen 11-jährigen Jungen soll er vergewaltigt und den Vater des Kindes ermordet haben. Strafverschärfend war offensichtlich auch, dass der Angeklagte wegen homosexueller Handlungen und des Besitzes von Pornographie bereits vorbestraft war – was in Saudi-Arabien nach wie vor nicht erlaubt ist.

Nicht weniger abscheulich war allerdings auch die Vollstreckung des Todesurteils: Der Täter wurde erst enthauptet, dann gekreuzigt und – zur Abschreckung – auch noch öffentlich ausgestellt.

US-Präsident Obama trifft am Mittwoch in Riad ein. Ob man den Mann bis dahin wieder abhängt?

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Noch ein muslimischer Superheld

Oh, oh – wenn das mal nicht für noch einen empörten Beitrag im Herre-Blog sorgt:

Dazu möchte ich hier nur mal anmerken, dass der frühere Schwergewichtschampion im Boxen und bekennende Moslem Muhammad Ali (‘I am the Greatest!’) der bislang einzige Mensch auf Erden ist, der Superman im Zweikampf besiegt und auch noch dessen Geheimidentität (als Clark Kent) entlarvt hat – und zwar in der Comicstory Superman vs. Muhammad Ali aus dem Jahr 1978.


Wo er Recht hat, der Robert, da hat er einfach Recht:

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Sklaverei

Die Behörden im Elsass haben Ermittlungen gegen einen Deutschen eingeleitet, der Erntehelferinnen aus Rumänien und Polen zu sklavenähnlichen Bedingungen beschäftigt haben soll.

Wie die Gendarmerie am Freitag mitteilte, wurde der Mann am Vortag verhört. Nach Angaben der Gewerkschaft CGT ernten die rund 60 Frauen bei Brumath westlich von Straßburg Erdbeeren und Spargel und erhalten 20 Cent pro Kilo.

Damit kommen sie bei weitem nicht auf den in Frankreich vorgeschriebenen Mindestlohn von 8,71 Euro pro Stunde. Einige der Frauen hätten es in zehn Tagen nur auf sechs Euro gebracht.

Untergebracht seien die Erntehelferinnen auf einem eingezäunten, schlammigen Gelände in Fertighäusern, die ‘wie Käfige aussehen’.

Quelle

Ähnliche Zustände sind auch in Deutschland anzutreffen:

Wie krass die Zustände teilweise immer noch sind, machte im Herbst ein Prozess in Bayern gegen den Besitzer einer Erdbeerplantage deutlich. Laut Anklage ließ er 59 Rumänen illegal täglich zehn Stunden fast ohne Pause arbeiten. Den versprochenen Stundenlohn von 5,50 Euro wollte er nie zahlen. Von Anfang an plante er offenbar, nur 1,50 bis 1,80 Euro auszubezahlen. Schlafen mussten die Helfer in Containern unter unhygienischen Verhältnissen ohne Wasseranschluss, wofür ihnen pro Nacht noch drei Euro vom Lohn abgezogen wurden.

Kein Wunder also, dass viele osteuropäische Erntehelfer mittlerweile lieber woanders arbeiten:

Sigrun Heil von der zuständigen Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) sieht den Schwarzen Peter eher bei den hiesigen Arbeitgebern. ‘Die Landwirte sollten endlich verstehen, dass sie Löhne zahlen müssen, von denen sich leben lässt’, sagte sie mit Blick auf die Abwanderungstendenzen.

Ihr Kollege Hans-Joachim Wilms wies zum Jahreswechsel darauf hin, dass Deutschland an viertschlechtester Stelle in ganz Europa liege, was die Entlohnung betrifft. Die Saisonkräfte gingen lieber nach England, Irland, die Niederlande oder Belgien, weil sie dort mehr Lohn erhielten. ‘In Belgien sind 7,84 Euro mindestens garantiert, davon gehen höchstens 50 Euro für Wohnung und Verpflegung ab. In Deutschland erwartet Saisonarbeiter ein Lohn zwischen 5 und 6 Euro sowie hohe Abzüge für Wohnung und Essen.’

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Vielen Dank an Niclas für den sachdienlichen Hinweis.

Geheim-TV

Noch ein Schwank aus dem schier unerschöpflichen Kuriositäten-Kabinett von Pro Köln:

Der pro-Köln-Politiker Jörg Uckermann ist seit kurzem in einer 63minütigen Dokumentation zum Thema ‘Political Correctness – Gegen den Strom’ im neuen Internetfernsehkanal secret.tv zu sehen. Der renommierte Filmemacher Prof. Dr. Michael Voigt hat Uckermann [...] interviewt. Nach dem kürzlich erschienen Anti-Islamisierungsvideo ‘Hat pro Köln doch Recht?’ ein weiterer hoch professioneller filmischer Appell für [...]

Website Pro Köln, 22. Mai 2009

Werfen wir zunächst einen Blick auf secret.tv. Betrieben wird der Sender vom Holey-Clan, über dessen bekanntestes Mitglied – Jan Udo Holey alias Jan van Helsing – das Bundesamt für Verfassungsschutz 2005 schrieb:

Einen in mehrfacher Hinsicht beachtenswerten Sonderfall stellt die rechtsextremistische Esoterik dar. Anknüpfend an den esoterischen Theorien häufig immanenten Hang zu verschwörungstheoretischem Denken nutzen zunehmend Rechtsextremisten die Gelegenheit, die an sich unpolitische esoterische Szene mit antisemitischem und revisionistischem Gedankengut zu infiltrieren. Eine Vorreiterfunktion hatte dabei der auch heute noch bekannteste Esoteriker und Rechtsextremist Jan Udo Holey, der unter dem Pseudonym Jan van Helsing veröffentlicht. Sein Anfang der neunziger Jahre in zwei Bänden erschienenes Werk ‘Geheimgesellschaften und ihre Macht im zwanzigsten Jahrhundert’ erreichte eine Auflage von circa 100000 Exemplaren. Eine stetig steigende Zahl von rechtsextremistisch beeinflussten Büchern überschwemmt seitdem den esoterischen Markt. Die Inhalte gleichen einander häufig bis auf mar ginale Unterschiede. Zumeist wird eine weltweite Verschwörung der – als jüdischen Ursprungs gekennzeichneten – ‘Illuminaten’ zum Nachteil der Welt und insbesondere Deutschlands propagiert. Diese sei sowohl für beide Weltkriege, als auch für die totale Kontrolle des politischen und gesellschaftlichen Lebens zur Errichtung der „Eine-Welt-Regierung“ verantwortlich. Offenbar ist dabei die Verwendung der ‘Protokolle der Weisen von Zion’ eine unverzichtbare Argumentationsbasis der Autoren, die sie – in unterschiedlichster Form und mit diversen Ursprungsmythen versehen – nahezu durchgängig als Beleg anführen. Selbst die bekannte Tatsache, dass es sich bei den ‘Protokollen’ um Fälschungen handelt, führt nicht zu einem Verzicht auf deren Verwendung zur ‘Beweisführung’.

In der rechtsextremistischen Esoterik finden Versatzstücke unterschiedlicher antisemitischer Klischees Anwendung. Neben den bereits erwähnten im weiteren Sinn revisionistischen Behauptungen tauchen immer wieder auch Verweise auf das religiös konnotierte Vorurteil der Juden als ‘Kinder Satans’ auf. Ein Gefahrenpotenzial für die freiheitliche demokratische Grundordnung folgt aus der Tatsache, dass mit der Leserschaft esoterischer Werke eine bislang überwiegend unpolitische, formal häufig höher gebildete Szene mit rechtsextremistischem Gedankengut in Kontakt kommt. Perspektivisch könnte dies zur Entstehung eines Meinungsklimas führen, in dem antisemitische Ressentiments teilweise auch über die rechtsextremistische Szene hinaus größere Akzeptanz finden.


Screenshot: Homepage secret.tv

Dass sich Pro Köln bei Holey wohlfühlt, ist also kein Zufall. Noch weniger zufällig ist die Verbindung des Kölner Bürgerhäufchens Elend zu Michael Vogt, denn der nahm im September 2007 an jenem ominösen Treffen der Rechtsextremisten in Straßburg teil, bei dem neben NPD-Chef Udo Voigt (der sich im Gegensatz zu Fast-Namensvetter Michael tatsächlich mit i schreibt) und Gerhard Frey von der DVU eben auch der Pro-Köln-Vorsitzende Markus Beisicht anzutreffen waren.

SPIEGEL ONLINE befasste sich am 12. November 2007 mit Michael Vogt:

Im Kern geht es um zwei Vorwürfe: erstens um Vogts Vorträge und Filme über die Nazi-Zeit und den Zweiten Weltkrieg, zweitens um ein dubioses Treffen in Straßburg.

Grund für die Anschuldigungen: Am 26. September 2007 tauchte Vogts Name auf der Homepage der NPD auf. Er habe am Vortag an einer Veranstaltung der rechtsextremen Fraktion ‘Identität, Tradition, Souveränität’ (ITS) des Europäischen Parlaments teilgenommen, stand dort zu lesen. Eingeladen hatte der österreichische Europapolitiker und FPÖ-Veteran Andreas Mölzer. Im Europäischen Parlament ist er der einzige FPÖ-Vertreter, doch nach der Wahl 2009 sollen ein paar deutsche Kollegen die Fraktion stärken; das ist sein Plan.

Die Presseerklärung der NPD scheint eindeutig: Neben Michael Vogt stehen auf der Liste der rund 20 Teilnehmer die Namen der NPD-Führungsriege, darunter der niedersächsische Spitzenkandidat Andreas Molau, und von Politikern der Republikaner sowie der DVU, darunter Gerhard Frey.

Vogt streitet jegliche Beteiligung ab: ‘Ich kann mir nicht erklären, warum mein Name dort auftaucht, ich war an diesem Tag definitiv nicht in Frankreich, ich habe deshalb sofort veranlasst, dass mein Name gelöscht wird’, sagte er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Mehrere Veranstaltungsteilnehmer äußern sich ganz anders. So erinnert sich der stellvertretende Republikaner-Chef Johann Gärtner: ‘Ich war geschockt, auf Leute wie Udo Voigt und Holger Apfel von der NPD zu treffen. Mit denen wollen wir nichts zu tun haben. Da war ich erfreut, Professor Michael Vogt zu sehen, den kenne ich schon lange.’ Auch Rolf Schlierer, Bundesvorsitzender der Republikaner, sagte SPIEGEL ONLINE, er habe Michael Vogt am 25. September in Straßburg getroffen: ‘Ja, er war da, wir haben sogar miteinander gesprochen.’

[...]

Klar ist: Vogt und Republikaner-Chef Schlierer waren schon vor 30 Jahren Weggefährten und während ihrer Studentenzeit Mitte der siebziger Jahre beide Funktionäre der Deutschen Burschenschaft aktiv. Schlierer war Mitglied der Gießener Burschenschaft Germania, Vogt in der pflichtschlagenden Münchener Verbindung Danubia.

Seit 2001 taucht die Danubia regelmäßig im Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes auf. Die Verfassungsschützer stufen die fechtenden Kommilitonen als rechtsextrem ein. Vogt behauptet, heute nichts mehr mit der Danubia zu tun zu haben: ‘Ich bin weder aktiv noch assoziiert.’ Immerhin findet sich noch 2005 in der ‘Danubenzeitung’ ein Artikel über den ‘Bundesbruder’ Vogt, nebst Foto, das ihn mit Burschenschaftler-Schärpe zeigt. Er referierte über den ‘Mythos Heß’, eines seiner Lieblingsthemen.

2004 hatte Vogt den Film ‘Geheimakte Heß’ gedreht, eine Dokumentation über Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß, der nach dem Krieg als einer der Hauptkriegsverbrecher angeklagt und verurteilt wurde. In diesem 70-minütigen Film, der in abgespeckter Version mehrfach beim Nachrichtensender n-tv ausgestrahlt wurde, ließ Vogt als Hauptquelle den englischen Historiker Martin Allen zu Wort kommen. Allen behauptete, bei seinen Recherchen in London auf ein Dokument gestoßen zu sein, wonach Hitler angeblich mit England Frieden schließen wollte und die Wehrmacht sich vollständig aus dem besetzten Frankreich und Polen zurückziehen sollte. Ein Jahr später kam Allen in Verruf. Dokumente, die belegen sollten, dass der britische Geheimdienst 1945 Heinrich Himmler ermordet haben soll, erwiesen sich als plumpe Fälschungen. Der Briefkopf wurde per Laserdrucker ausgedruckt – anno 1945 unmöglich. Er selbst sagte damals, er sei der Fälschung aufgesessen.

Vogts Koautor des Heß-Films war Olaf Rose, Historiker mit zweifelhaftem Ruf. Ab 2001 arbeitete Rose an einer Chronik der westfälischen Stadt Herne – bis ihm 2003 fristlos gekündigt wurde, weil er die Zahl der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in Herne von 30.000 auf 9000 Opfer herunterrechnete. Vogt gibt an, während der Dreharbeiten davon nichts gewusst zu haben.

Inzwischen hat Rose als Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen angeheuert. Neben dem Bürojob in Dresden tingelt Rose zu NPD-Ortsvereinen und tritt bei Kameradschaftsabenden auf, um seine Geschichtsauffassung zu verbreiten.

Für den Heß-Film (der heute vom Deutschen Buchdienst aus dem Imperium des rechtsextremen Verlegers Gerhard Frey vertrieben wird) brauchten Vogt und Rose noch einen renommierten deutschen Wissenschaftler. Am 4. Mai 2004 kamen sie zu Rainer F. Schmidt, Professor für Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Universität Würzburg. Er forscht seit Jahren über den Hitler-Stellvertreter. ‘Vogt stellte sich mir als Professor und freier Mitarbeiter des Fernsehsenders n-tv vor’, sagt Schmidt. ‘Ich habe mir nichts dabei gedacht und den beiden ein 30-minütiges Interview gegeben.’ Nachdem er den Film gesehen hatte, bedauerte Schmidt seine Offenheit.

In einem Brief an Vogt fällte der Würzburger Wissenschaftler ein vernichtendes Urteil: ‘Insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass es offenbar das Anliegen der DVD ist, gezielt eine Klientel zu bedienen, die gar nicht an einer wissenschaftlich haltbaren Aufklärung der Causa Heß interessiert ist, sondern nur dunklen Verschwörungstheorien nachhängt.’

Noch Fragen?

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Vorsicht, bissige Nazis!

In Halberstadt (Sachsen-Anhalt) hat ein 17-jähriger Rechtsextremist erst versucht, einen Migranten mit einer Bierflasche niederzuschlagen – und biss dann einem der herbei geeilten Polizisten ins Bein (Quelle).

Halberstadt scheint ein ziemlich großes Nazi-Problem zu haben.

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Vielen Dank an 19stefan94 für den sachdienlichen Hinweis.

Auf keinem Auge blind

Linksgrünen Gutmenschen wird ja oft vorgeworfen, sie übersähen den Antisemitismus, wie er unbestritten auch bei Migranten und Muslimen vorhanden ist. Dass dieser Vorwurf falsch ist, zeigt beispielsweise eine Große Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen an die Bundesregierung. In der Antwort heißt es auf Seite 7 unter anderem:

Welche Programme zur Bekämpfung des Antisemitismus wenden sich besonders an Muslime?

Im Bundesmodellprogramm ‘VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie’ wurde im Modellthemencluster 1 ‘Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus’ das Unterthema ‘Antisemitismus bei jugendlichen Migranten’ aufgenommen. Im Vergleich zu den Vorgängerprogrammen ‘ENTIMON – gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus’ und ‘CIVITAS – initiativ gegen Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern’ kommt diesem Schwerpunkt somit erstmals gesonderte Aufmerksamkeit zu. Damit wird auf den von Fachleuten und Praktikern konstatierten Mangel an adäquaten pädagogischen Konzepten in diesem Feld reagiert. So fehlt es der Fachwelt zufolge in der pädagogischen Praxis an Wissen und Strategien, wie antisemitischen Einstellungen junger, insbesondere muslimischer Migrantinnen/Migranten und den dahinter stehenden spezifischen Erfahrungen und Bezügen begegnet werden kann. Zum einen werden Konzepte benötigt, die den spezifischen Erfahrungen und Bezügen dieser Jugendlichen Rechnung tragen. Zum anderen wird ein Bedarf an Ausund Weiterbildungen für mit dieser Zielgruppe arbeitenden (Sozial-)Pädagoginnen/Pädagogen konstatiert. (vgl. Task Force on Antisemitism, 2004). Diesen Bedarfen trägt der Förderschwerpunkt ‘Antisemitismus bei jugendlichen Migranten’ mit den folgenden vier geförderten Projekten Rechnung:

Projektträger: KIgA e. V.
Projektbezeichnung: Pädagogische Module gegen Antisemitismus für muslimisch geprägte Jugendliche
Hauptzielgruppe: Migrantinnen und Migranten

Projektträger: Anne Frank Zentrum e. V.
Projektbezeichnung: Entwicklung und Erprobung eines Materialpakets
Hauptzielgruppe: Migrantinnen und Migranten

Projektträger: Verein für Demokratische Kultur e. V.
Projektbezeichnung: Amira – Antisemitismus im Kontext von Migration und Rassismus
Hauptzielgruppe: Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Projektträger: American Jewish Committee
Projektbezeichnung: Aktiv gegen Antisemitismus – ein Programm mit drei Säulen
Hauptzielgruppe: Migrantinnen und Migranten

Da Teil des Bundesprogramms ‘VIELFALT TUT GUT’ auch die Identifizierung von Bereichen ist, in denen dringender Forschungsbedarf besteht, wird seit 1. Oktober 2008 ein Forschungsprojekt der Universität Bielefeld mit dem Titel ‘Antisemitische Einstellungen und Verhaltensweisen bei muslimischen Jugendlichen’ gefördert. Ziel des Projektes ist die Erfassung der spezifischen Formen, Ausmaße und Hintergründe von antisemitischen Einstellungen und Verhaltensweisen sowie die Frage, ob sich die Abwertung von Angehörigen anderer schwacher Gruppen bei muslimischen und christlichen Jugendlichen unterscheiden. Dabei werden die Hintergründe für die Abwertungsprozesse berücksichtigt.

Die vier genannten Programme werden von der Bundesregierung auch finanziell unterstützt.

Weiterführende Links:

KIgA e.V. (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V.)
Anne Frank Zentrum
Verein für Demokratische Kultur in Berlin e.V.
American Jewish Committee

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Also dieser Islam ist ja sowas von gefährlich!

Superman, Spiderman und Batman sind out, neu im Trend sind die am Koran orientierten islamischen Superhelden ‘The Ninety-Nine’, die aufgebrochen sind, die Welt zu islamisieren. Dies alles mit großzügiger Unterstützung von Endemol-Entertainment und des Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé.

Der Vater der Super-Muslime Naif Al-Mutawa (37) stammt aus Kuwait, verbreitet seine Geschichten bisher weitgehend in der arabischen Welt und ist speziell auf muslimische Jugendliche ausgerichtet. Dieses Zielpublikum soll jetzt mit Hilfe der Großkonzerne internationalisiert werden.

‘The Ninety-Nine’ haben ähnliche Superkräfte wie die Helden in westlichen Comics, doch sind sie strikt am Islam ausgerichtet. Sie verkörpern die 99 Namen Allahs, auch wenn der Islam – mit Absicht – nirgendwo wörtlich erwähnt wird: [...]

Allahs 99 Namen und seine ‘Kultur’ sollen also einen solchen Siegeszug bei uns feiern, dass es für uns nichts anderes mehr gibt. Den ersten Erfolg verbuchte ‘The Ninety-Nine’ übrigens nur wenige Tage vor dem plötzlich aufgebauschten Streit um die dänischen Mohammed-Karrikaturen. Zufall?

Quelle: Islamische Superhelden erobern Comic-Welt (PI | 30. Mai 2009)

Was! Erlaube! Muselmann! Habe gefälligst amerikanisch Helde anbet zu! Oder die PIpiman Herre! Basta!

Was genau Panisch Islamophob (PI) den 99 arabischen Superhelden eigentlich ankreidet (also außer der Tatsache, dass ihr Schöpfer Muslim ist) ist mir zwar auch nach mehrmaligem Durchlesen der Beitragsattrappe nicht klar, aber bitte: Im PI-Dunstkreis ist eben alles bäh, was nicht pseudochristlich ist – oder vom chronisch unlustigen Comic-Hilfsarbeiter Daniel Haw stammt.

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