Noch ein Schwank aus dem schier unerschöpflichen Kuriositäten-Kabinett von Pro Köln:
Der pro-Köln-Politiker Jörg Uckermann ist seit kurzem in einer 63minütigen Dokumentation zum Thema ‘Political Correctness – Gegen den Strom’ im neuen Internetfernsehkanal secret.tv zu sehen. Der renommierte Filmemacher Prof. Dr. Michael Voigt hat Uckermann [...] interviewt. Nach dem kürzlich erschienen Anti-Islamisierungsvideo ‘Hat pro Köln doch Recht?’ ein weiterer hoch professioneller filmischer Appell für [...]
Website Pro Köln, 22. Mai 2009
Werfen wir zunächst einen Blick auf secret.tv. Betrieben wird der Sender vom Holey-Clan, über dessen bekanntestes Mitglied – Jan Udo Holey alias Jan van Helsing – das Bundesamt für Verfassungsschutz 2005 schrieb:
Einen in mehrfacher Hinsicht beachtenswerten Sonderfall stellt die rechtsextremistische Esoterik dar. Anknüpfend an den esoterischen Theorien häufig immanenten Hang zu verschwörungstheoretischem Denken nutzen zunehmend Rechtsextremisten die Gelegenheit, die an sich unpolitische esoterische Szene mit antisemitischem und revisionistischem Gedankengut zu infiltrieren. Eine Vorreiterfunktion hatte dabei der auch heute noch bekannteste Esoteriker und Rechtsextremist Jan Udo Holey, der unter dem Pseudonym Jan van Helsing veröffentlicht. Sein Anfang der neunziger Jahre in zwei Bänden erschienenes Werk ‘Geheimgesellschaften und ihre Macht im zwanzigsten Jahrhundert’ erreichte eine Auflage von circa 100000 Exemplaren. Eine stetig steigende Zahl von rechtsextremistisch beeinflussten Büchern überschwemmt seitdem den esoterischen Markt. Die Inhalte gleichen einander häufig bis auf mar ginale Unterschiede. Zumeist wird eine weltweite Verschwörung der – als jüdischen Ursprungs gekennzeichneten – ‘Illuminaten’ zum Nachteil der Welt und insbesondere Deutschlands propagiert. Diese sei sowohl für beide Weltkriege, als auch für die totale Kontrolle des politischen und gesellschaftlichen Lebens zur Errichtung der „Eine-Welt-Regierung“ verantwortlich. Offenbar ist dabei die Verwendung der ‘Protokolle der Weisen von Zion’ eine unverzichtbare Argumentationsbasis der Autoren, die sie – in unterschiedlichster Form und mit diversen Ursprungsmythen versehen – nahezu durchgängig als Beleg anführen. Selbst die bekannte Tatsache, dass es sich bei den ‘Protokollen’ um Fälschungen handelt, führt nicht zu einem Verzicht auf deren Verwendung zur ‘Beweisführung’.
In der rechtsextremistischen Esoterik finden Versatzstücke unterschiedlicher antisemitischer Klischees Anwendung. Neben den bereits erwähnten im weiteren Sinn revisionistischen Behauptungen tauchen immer wieder auch Verweise auf das religiös konnotierte Vorurteil der Juden als ‘Kinder Satans’ auf. Ein Gefahrenpotenzial für die freiheitliche demokratische Grundordnung folgt aus der Tatsache, dass mit der Leserschaft esoterischer Werke eine bislang überwiegend unpolitische, formal häufig höher gebildete Szene mit rechtsextremistischem Gedankengut in Kontakt kommt. Perspektivisch könnte dies zur Entstehung eines Meinungsklimas führen, in dem antisemitische Ressentiments teilweise auch über die rechtsextremistische Szene hinaus größere Akzeptanz finden.

Screenshot: Homepage secret.tv
Dass sich Pro Köln bei Holey wohlfühlt, ist also kein Zufall. Noch weniger zufällig ist die Verbindung des Kölner Bürgerhäufchens Elend zu Michael Vogt, denn der nahm im September 2007 an jenem ominösen Treffen der Rechtsextremisten in Straßburg teil, bei dem neben NPD-Chef Udo Voigt (der sich im Gegensatz zu Fast-Namensvetter Michael tatsächlich mit i schreibt) und Gerhard Frey von der DVU eben auch der Pro-Köln-Vorsitzende Markus Beisicht anzutreffen waren.
SPIEGEL ONLINE befasste sich am 12. November 2007 mit Michael Vogt:
Im Kern geht es um zwei Vorwürfe: erstens um Vogts Vorträge und Filme über die Nazi-Zeit und den Zweiten Weltkrieg, zweitens um ein dubioses Treffen in Straßburg.
Grund für die Anschuldigungen: Am 26. September 2007 tauchte Vogts Name auf der Homepage der NPD auf. Er habe am Vortag an einer Veranstaltung der rechtsextremen Fraktion ‘Identität, Tradition, Souveränität’ (ITS) des Europäischen Parlaments teilgenommen, stand dort zu lesen. Eingeladen hatte der österreichische Europapolitiker und FPÖ-Veteran Andreas Mölzer. Im Europäischen Parlament ist er der einzige FPÖ-Vertreter, doch nach der Wahl 2009 sollen ein paar deutsche Kollegen die Fraktion stärken; das ist sein Plan.
Die Presseerklärung der NPD scheint eindeutig: Neben Michael Vogt stehen auf der Liste der rund 20 Teilnehmer die Namen der NPD-Führungsriege, darunter der niedersächsische Spitzenkandidat Andreas Molau, und von Politikern der Republikaner sowie der DVU, darunter Gerhard Frey.
Vogt streitet jegliche Beteiligung ab: ‘Ich kann mir nicht erklären, warum mein Name dort auftaucht, ich war an diesem Tag definitiv nicht in Frankreich, ich habe deshalb sofort veranlasst, dass mein Name gelöscht wird’, sagte er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.
Mehrere Veranstaltungsteilnehmer äußern sich ganz anders. So erinnert sich der stellvertretende Republikaner-Chef Johann Gärtner: ‘Ich war geschockt, auf Leute wie Udo Voigt und Holger Apfel von der NPD zu treffen. Mit denen wollen wir nichts zu tun haben. Da war ich erfreut, Professor Michael Vogt zu sehen, den kenne ich schon lange.’ Auch Rolf Schlierer, Bundesvorsitzender der Republikaner, sagte SPIEGEL ONLINE, er habe Michael Vogt am 25. September in Straßburg getroffen: ‘Ja, er war da, wir haben sogar miteinander gesprochen.’
[...]
Klar ist: Vogt und Republikaner-Chef Schlierer waren schon vor 30 Jahren Weggefährten und während ihrer Studentenzeit Mitte der siebziger Jahre beide Funktionäre der Deutschen Burschenschaft aktiv. Schlierer war Mitglied der Gießener Burschenschaft Germania, Vogt in der pflichtschlagenden Münchener Verbindung Danubia.
Seit 2001 taucht die Danubia regelmäßig im Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes auf. Die Verfassungsschützer stufen die fechtenden Kommilitonen als rechtsextrem ein. Vogt behauptet, heute nichts mehr mit der Danubia zu tun zu haben: ‘Ich bin weder aktiv noch assoziiert.’ Immerhin findet sich noch 2005 in der ‘Danubenzeitung’ ein Artikel über den ‘Bundesbruder’ Vogt, nebst Foto, das ihn mit Burschenschaftler-Schärpe zeigt. Er referierte über den ‘Mythos Heß’, eines seiner Lieblingsthemen.
2004 hatte Vogt den Film ‘Geheimakte Heß’ gedreht, eine Dokumentation über Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß, der nach dem Krieg als einer der Hauptkriegsverbrecher angeklagt und verurteilt wurde. In diesem 70-minütigen Film, der in abgespeckter Version mehrfach beim Nachrichtensender n-tv ausgestrahlt wurde, ließ Vogt als Hauptquelle den englischen Historiker Martin Allen zu Wort kommen. Allen behauptete, bei seinen Recherchen in London auf ein Dokument gestoßen zu sein, wonach Hitler angeblich mit England Frieden schließen wollte und die Wehrmacht sich vollständig aus dem besetzten Frankreich und Polen zurückziehen sollte. Ein Jahr später kam Allen in Verruf. Dokumente, die belegen sollten, dass der britische Geheimdienst 1945 Heinrich Himmler ermordet haben soll, erwiesen sich als plumpe Fälschungen. Der Briefkopf wurde per Laserdrucker ausgedruckt – anno 1945 unmöglich. Er selbst sagte damals, er sei der Fälschung aufgesessen.
Vogts Koautor des Heß-Films war Olaf Rose, Historiker mit zweifelhaftem Ruf. Ab 2001 arbeitete Rose an einer Chronik der westfälischen Stadt Herne – bis ihm 2003 fristlos gekündigt wurde, weil er die Zahl der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in Herne von 30.000 auf 9000 Opfer herunterrechnete. Vogt gibt an, während der Dreharbeiten davon nichts gewusst zu haben.
Inzwischen hat Rose als Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen angeheuert. Neben dem Bürojob in Dresden tingelt Rose zu NPD-Ortsvereinen und tritt bei Kameradschaftsabenden auf, um seine Geschichtsauffassung zu verbreiten.
Für den Heß-Film (der heute vom Deutschen Buchdienst aus dem Imperium des rechtsextremen Verlegers Gerhard Frey vertrieben wird) brauchten Vogt und Rose noch einen renommierten deutschen Wissenschaftler. Am 4. Mai 2004 kamen sie zu Rainer F. Schmidt, Professor für Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Universität Würzburg. Er forscht seit Jahren über den Hitler-Stellvertreter. ‘Vogt stellte sich mir als Professor und freier Mitarbeiter des Fernsehsenders n-tv vor’, sagt Schmidt. ‘Ich habe mir nichts dabei gedacht und den beiden ein 30-minütiges Interview gegeben.’ Nachdem er den Film gesehen hatte, bedauerte Schmidt seine Offenheit.
In einem Brief an Vogt fällte der Würzburger Wissenschaftler ein vernichtendes Urteil: ‘Insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass es offenbar das Anliegen der DVD ist, gezielt eine Klientel zu bedienen, die gar nicht an einer wissenschaftlich haltbaren Aufklärung der Causa Heß interessiert ist, sondern nur dunklen Verschwörungstheorien nachhängt.’
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31. Mai 2009 | Allgemein | Kommentare deaktiviert