Monatsarchiv für Juli 2009

 
 

Dharma is back!



Irgendwie erinnert mich das Video an die Orientierungsfilme der Dharma-Inititiative aus Lost:

Die Dharma-Initiative hat übrigens nicht überlebt. Hoffen wir, dass der SPD ein ähnliches Schicksal erspart bleibt.

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Vielen Dank an NineBerry, der die Frosch-Doku hier gefunden hat, für den sachdienlichen Hinweis.

Eine Frage der politischen Hygiene

Man kann der Stadt Hannover sicherlich vorwerfen, Geld für ein Gutachten ausgegeben zu haben, das Aufschluss über das militärische und politische Wirken von Paul von Lettow-Vorbeck geben sollte. Denn dass der preußische General alles andere als ein integrer Soldat war, ist nicht erst seit gestern bekannt. So schrieb die ZEIT schon vor zwei Jahren:

Erstaunlicherweise fehlte bisher jedoch eine fundierte wissenschaftliche Studie zum politischen Wirken des Generals. Der Osnabrücker Historiker Uwe Schulte-Varendorff schafft nun Abhilfe. Auf der Grundlage eines breiten Quellenfundus zeichnet der Autor ebenso materialreich wie sachlich den Lebensweg Lettow-Vorbecks nach. Die ersten Kapitel sind dem ‘Kolonialoffizier’ und ‘Kriegshelden’ gewidmet. Bevor Lettow-Vorbeck 1914 das Kommando der deutschen ‘Schutztruppen’ in Ostafrika übernahm, hatte er sich bereits an der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China sowie am Vernichtungskrieg gegen die Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika beteiligt. Der Autor zeigt noch einmal nachdrücklich, dass Lettow-Vorbeck während des Ersten Weltkriegs ‘mitnichten eine ritterliche Kampfesweise, sondern eine brutale, rücksichtslose und menschenverachtende Kriegsführung praktizierte’.

Besonders barbarisch sprang er mit der afrikanischen Zivilbevölkerung um. Aber auch seine angeblich treu ergebenen Askari gaben ihm nicht ohne Grund den Beinamen ‘der Herr, der unser Leichentuch schneidert’.

In den Jahren der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus unterstrich der stramme Antidemokrat und Antisemit Lettow-Vorbeck, wegen seiner Beteiligung am Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920 aus der Reichswehr verabschiedet, in zahllosen Vorträgen und Büchern den deutschen Anspruch auf Kolonien. In der Öffentlichkeit genoss er große Popularität. Mit dem Nationalsozialismus verband Lettow-Vorbeck die Hoffnung zur Rückgewinnung der Besitzungen in Afrika, und er ließ sich gern vor den Karren der neuen Machthaber spannen. Auch im Rückblick hatte er dem NS-Regime wenig vorzuwerfen, seine Distanzierung beschränkte sich lediglich auf das militärische Versagen Hitlers. Die von Schulte-Varendorff zusammengetragenen Fakten machen deutlich, dass Lettow-Vorbeck weder ein ‘harter, aber fairer’ Kolonialoffizier war noch etwa zum Namenspatron einer demokratischen Armee taugt.


Dass man in Hannover die historische Altlast Lettow-Vorbeck endlich loswerden will, kann man ihr also kaum ankreiden.

Das ist eben kein Akt übertriebener politischer Korrektheit – wie Primimitiv Irrsinig (PI) in gewohnter Unkenntnis der geschichtlichen Fakten behauptet – sondern vielmehr eine Angelegenheit notwendiger politischer Hygiene. Dass Herre und Konsorten davon grundsätzlich nichts halten, ist allerdings nicht neu und hat sich schon bei vielen Gelegenheiten erwiesen – zum Besipiel, als der Bloggründer keine Probleme damit hatte, von einem verurteilten Terroristen und dessen Organisation geschmiert zu werden (siehe hier, hier und hier). Oder als sich PI offiziell mit Rechtsextremisten verbündete.

Es kommt also wirklich nicht darauf an, was PI von der bevorstehenden Umbenennung der Straße in Hannover hält.

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Ja nicht anecken!

Die Ansage der im Iran tätigen deutschen Firma Knauf Gips KG an seine einheimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist unmissverständlich (Übersetzung von mir):

Liebe Kollegen,

aufgrund der jüngsten Vorkommnisse erachte ich es als notwendig, Sie alle darauf hinzuweisen, dass Knauf grundsätzlich eine unpolitische Firma ist. Wir billigen in keinem Fall Aktionen, die gegen die aktuelle Regierung gerichtet sind. Wir erinnern alle unsere Beschäftigten daran, dass sie nicht nur ihre privaten Ansichten äußern, wenn sie sich politisch engagieren, sondern dass ihre Aktivitäten auf die Knauf-Unternehmen im Iran zurückfallen.

Deshalb wird ab sofort jeder, der bei Demonstrationen gegen die aktuelle Regierung festgenommen wird, unverzüglich entlassen.

Mit besten Grüßen

Isabel Knauf


Im Zeitalter globaler elektronischer Kommunikation bleiben solche Drohbriefe natürlich nicht lange unbemerkt. Nachdem das Wall Street Journal den unglaublichen Vorgang heute publik gemacht hat, ist man in der Firmenzentrale im unterfränkischen Iphofen wenigstens ein bisschen um Schadensbegrenzung bemüht, nachdem das Unternehmen eineinhalb Wochen lang offensichtlich nichts gegen das Schreiben der iranischen Dependance des Unternehmens einzuwänden hatte. In einer Presseerklärung teilt Manfred Grundke, geschäftsführender Gesellschafter der Knauf-Gruppe, lapidar mit:

[...] Sicherlich ist das Schreiben der Knauf Iran P.J.S.C. unglücklich formuliert und bedarf einer Korrektur.

Zu den Grundsätzen unserer Geschäftspolitik gehört es, dass wir in allen Ländern, in denen wir tätig sind, politische Zurückhaltung üben und uns als Unternehmen nicht an politischen Meinungsäußerungen für oder gegen bestehende Regierungen des jeweiligen Gastlandes beteiligen. Diese Grundsätze gelten nicht nur im Iran, sondern in allen Ländern dieser Erde.

Mit diesem Grundsatz ist jedoch in keinem Fall eine Einschränkung des Grundrechtes der freien Meinungsäußerung für unsere Mitarbeiter, wo immer sie auch eingesetzt sind, verbunden. Selbstverständlich können unsere Mitarbeiter jederzeit an politischen Demonstrationen teilnehmen, ohne dass sie mit arbeitsrechtlichen Sanktionen rechnen müssen.

Leider gehört es nicht zu den Knauf’schen Grundsätzen, überhaupt keine Geschäfte mit dem brutalen Mullah-Regime zu machen.

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Vielen Dank an Hakimakarima für den sachdienlichen Hinweis.

Fesselspiele oder: Outsourcing im Strafvollzug

Baden-Württemberg hat vor zwei Tagen die Einführung der elektronischen Fußfessel beschlossen. Zwar geschieht das vorerst nur im Rahmen eines Modellversuchs, für den Straftäter ausgewählt werden können, die ihre Geldstrafe nicht bezahlen können und deshalb eigentlich in den geschlossenen Vollzug müssten – oder Strafgefangene zur Vorbereitung ihrer Haftentlassung. In beiden Fällen gilt: Die Versuchskaninchen müssen über einen festen Wohnsitz verfügen. Alle anderen ziehen nicht über Los und begeben sich direkt ins Gefängnis (beziehungsweise bleiben dort). Doch die eigentliche Kritik an den Ländle-Fesselspielen entzündet sich an der praktischen Umsetzung des baden-württembergischen Gesetzes, denn überwacht werden die Kriminellen nicht vom Staat, sondern von einem privaten Wachdienst. Konrad Freiberg, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sieht darin ein grundsätzliches Problem:

Gegen den Versuch, die elektronische Fußfessel zur Verbüßung von Geldstrafen in bestimmten Fällen zu verhängen, ist nichts einzuwenden. Keinesfalls aber darf eine solche freiheitsberaubende Maßnahme an private Firmen abgetreten werden. Der Strafvollzug insgesamt ist eine staatliche Aufgabe mit dem Ziel der Resozialisierung, also Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Diese Aufgabe hat ihren Preis. Wo da noch Profit für private Unternehmen herausgeschlagen werden soll, erschließt sich mir nicht.


So ganz falsch dürfte der GdP-Chef damit nicht liegen. Stellt sich nur die Frage, was als Nächstes kommt. Etwa private Gefängnisse?

Ach nein, das geht ja nicht. Die gibt es nämlich schon.

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Jüngster Guantanamo-Häftling kommt frei

Mohammed Dschawad war möglicherweise erst 12 Jahre alt, als er 2002 in Afghanistan festgenommen und ins Gefangenenlager Guantanamo gebracht wurde. Zwar wiegen die Vorwürfe gegen ihn schwer – er soll einen US-Konvoi mit einer Granate attackiert haben – doch stichhaltige Beweise dafür existieren auch nach sieben Jahren (!) Haft offensichtlich nicht. Ein US-Miltärgericht hatte bereits im vergangenen Jahr den Großteil des Belastungsmaterials gegen Dschwad für nicht verwertbar erklärt, weil es unter Folter zustande gekommen war. Trotzdem hatte sich die Bundesregierung in Washington bisher geweigert, Dschawads Freilassung in die Wege zu leiten. Doch gestern hat Bezirksrichterin Ellen Segal Huvelle angeordnet, dass der junge Mann spätestens Ende August aus der Haft entlassen werden muss. Nach anfänglichem Zögern hatte kurz zuvor auch die US-Regierung eingelenkt: Dschawad kommt tatsächlich frei.

Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob Dschawad als Kind oder Jugendlicher das getan hat, was ihm angelastet wurde. Aber eigentlich spielt das nach sieben Jahren Haft keine Rolle mehr. Die Ermittler haben es bis heute nicht geschafft, verwertbares Beweismaterial gegen Dschwad vorzulegen. In einem Rechtsstaat kann das nur eine Konsequenz haben.

Bedauerlich ist nur, dass es so lange dauerte, bis auch die neue amerikanische Regierung eingesehen hat, dass Mohammed Dschawad zumindest im juristischen Sinne unschuldig ist.

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PI lügt (182)

Hinter Terroranschlägen stehen meist Muslime.

Quelle: Bombenterror auf Mallorca (PI | 30. Juli 2009)

Falsch. Grottenfalsch.

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Malcolm X im Weißen Haus

Er war Steve Biko, Malcolm X, der Anwalt eines AIDS-Kranken, Rubin Carter, aber auch ein korrupter Polizist und Frank Lucas. Zweimal wurde er mit dem Oscar ausgezeichnet. Nur einen US-Präsidenten (dazu noch einen amtierenden) hat Denzel Washington noch nie gespielt – bis jetzt:

Die Entscheidung ist gefallen: Routinier Denzel Washington wird den populären amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf der großen Leinwand darstellen. Das Rennen um die attraktive Rolle war spannend bis zur letzten Sekunde. Will Smith wollte unbedingt den mächtigsten Mann der Welt verkörpern. Kontrahent Washington wollte das auch, fühlte sich aber eigentlich zu alt für den Part. Deshalb war die Freude im Hause Washington umso größer als bekannt wurde, dass sich die Filmemacher für den Star aus ‘American Gangster’ entschieden hatten. Die Entscheidung ist ganz nach Barack Obamas Geschmack. ‘Es war sein Vorschlag’, freut sich der 54-jährige Washington. Der Hollywoodstar sieht nur ein Problem in dem Ganzen: ‘Er hat größere Ohren als ich.’


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Nanu, heute so selbstkritisch?

# #18 Kritischer-Anthroposoph (30. Jul 2009 19:07)

gelöscht. Rassistisches Geschwätz ist hier unerwünscht, egal ob es sich auf Steiner oder andere beruft. PI ist keine Waldorfschule.

Quelle: Merkel hat Kommunismus nicht richtig durchlebt (PI | 30. Juli 2009 | Kommentare)

Stimmt. Das Stefan-Herre-Blog und seine Anhänger bewegen sich geistig allenfalls auf Baumschulniveau. Neu ist allerdings, dass Primitiv Indigen (PI) dem Rassismus abgeschworen haben will. Muss also ein Witz sein. Ha, ha, ha!

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Vielen Dank an Thielus (der die PI-Erklärung wieder einmal schneller sicherte als Herre sie löschen konnte) für den sachdienlichen Hinweis.

Wie sich PIpifanten den Klimawandel vorstellen

Stefan Herres Klimabeauftragte Kybeline erklärt den globalen Anstieg der Temperaturen:



Und das meint das Mädel auch noch ernst.

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Der gefälschte Heine

Text:

Ein höchst unkorrektes Gedicht. Wer mag der Dichter sein – oder muss man angesichts des fremdenfeindlichen und ein Stück weit islamophoben Inhalts vielleicht schon von einem ‘Schmierfinken’ sprechen – der uns das folgende Verslein hinterlassen hat?

[...]

Oder sollte es etwa der linke jüdische Dichter Heinrich Heine ausgedacht haben, auf den Düsseldorf so stolz ist? Ja tatsächlich, der war’s:

Inder, Türken, Hottentotten, sind sympathisch alle drei,
wenn sie leben, lieben, lachen, fern von hier in der Türkei.
Doch wenn sie in hellen Scharen, wie die Maden in dem Speck,
in Europa nisten wollen, ist die Sympathie schnell weg!

Erstaunlich: Es gibt eine Zeitung im deutschsprachigen Raum, die ihre Lesern die Rubrik ‘Das freie Wort’ einräumt. In der österreichischen Krone fanden wir das Heine-Zitat, mit einem passsenden Kommentar:

Heine hatte keine Ahnung davon, was die, vom Ergebnis her, nahezu kriminelle Zuwanderungs- und Asylpolitik der Politiker der letzten 60 Jahre den von ihnen regierten Völkern antun würde! Von den politisch Korrekten unter uns müsste dieser Dichter allerdings posthum als ‘Rechter’ und als ‘Rassist’ an den Pranger!

Ob Düsseldorf seinen alten Ehrenbürger, nachdem auch besonders gerne Gesamtschulen benannt werden (Foto), aus Rücksicht auf die Ehre vieler Neubürger jetzt in Schanden entlassen muss?

Quelle: Ein sehr unkorrektes Gedicht (PI | 30. Juli 2009)

Keine Sorge, Phaktisch Inkorrekt (PI): Heinrich Heine bleibt vollkommen unangetastet. Warum? Ganz einfach: Das Gedicht stammt nicht von ihm. Es ist eine plumpe Fälschung. Es taucht in keiner Werkausgabe Heines auf, wohl aber auf braunen Hetzseiten wie Altermedia oder in der Sprüchesammlung der NPD Göttingen – was allerdings nicht mal ein schlechter Witz ist, denn Heines Werke waren im Dritten Reich verboten und fielen auch den Bücherverbrennungen im Jahr 1933 zum Opfer.

Spätestens mit diesem Beitrag ist das Blog von Stefan Herre endgültig in der Nazi-Ecke angekommen. Dabei hätte der peinlichste Sportlehrer südlich des Nordpols auch ganz ohne Recherche darauf kommen können, dass das Gedicht auf keinen Fall Heinrich Heine zugeordnet kann, denn zu Lebzeiten des Dichters gab es weder eine Türkei, noch Inder, Türken und Hottentotten, die in hellen Scharen in Europa nisten wollten.

Solch naheliegende Gedankengänge setzen jedoch ein Mindestmaß an Bildung und Intelligenz voraus.

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