Man kann der Stadt Hannover sicherlich vorwerfen, Geld für ein Gutachten ausgegeben zu haben, das Aufschluss über das militärische und politische Wirken von Paul von Lettow-Vorbeck geben sollte. Denn dass der preußische General alles andere als ein integrer Soldat war, ist nicht erst seit gestern bekannt. So schrieb die ZEIT schon vor zwei Jahren:
Erstaunlicherweise fehlte bisher jedoch eine fundierte wissenschaftliche Studie zum politischen Wirken des Generals. Der Osnabrücker Historiker Uwe Schulte-Varendorff schafft nun Abhilfe. Auf der Grundlage eines breiten Quellenfundus zeichnet der Autor ebenso materialreich wie sachlich den Lebensweg Lettow-Vorbecks nach. Die ersten Kapitel sind dem ‘Kolonialoffizier’ und ‘Kriegshelden’ gewidmet. Bevor Lettow-Vorbeck 1914 das Kommando der deutschen ‘Schutztruppen’ in Ostafrika übernahm, hatte er sich bereits an der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China sowie am Vernichtungskrieg gegen die Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika beteiligt. Der Autor zeigt noch einmal nachdrücklich, dass Lettow-Vorbeck während des Ersten Weltkriegs ‘mitnichten eine ritterliche Kampfesweise, sondern eine brutale, rücksichtslose und menschenverachtende Kriegsführung praktizierte’.
Besonders barbarisch sprang er mit der afrikanischen Zivilbevölkerung um. Aber auch seine angeblich treu ergebenen Askari gaben ihm nicht ohne Grund den Beinamen ‘der Herr, der unser Leichentuch schneidert’.
In den Jahren der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus unterstrich der stramme Antidemokrat und Antisemit Lettow-Vorbeck, wegen seiner Beteiligung am Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920 aus der Reichswehr verabschiedet, in zahllosen Vorträgen und Büchern den deutschen Anspruch auf Kolonien. In der Öffentlichkeit genoss er große Popularität. Mit dem Nationalsozialismus verband Lettow-Vorbeck die Hoffnung zur Rückgewinnung der Besitzungen in Afrika, und er ließ sich gern vor den Karren der neuen Machthaber spannen. Auch im Rückblick hatte er dem NS-Regime wenig vorzuwerfen, seine Distanzierung beschränkte sich lediglich auf das militärische Versagen Hitlers. Die von Schulte-Varendorff zusammengetragenen Fakten machen deutlich, dass Lettow-Vorbeck weder ein ‘harter, aber fairer’ Kolonialoffizier war noch etwa zum Namenspatron einer demokratischen Armee taugt.
Dass man in Hannover die historische Altlast Lettow-Vorbeck endlich loswerden will, kann man ihr also kaum ankreiden.
Das ist eben kein Akt übertriebener politischer Korrektheit – wie Primimitiv Irrsinig (PI) in gewohnter Unkenntnis der geschichtlichen Fakten behauptet – sondern vielmehr eine Angelegenheit notwendiger politischer Hygiene. Dass Herre und Konsorten davon grundsätzlich nichts halten, ist allerdings nicht neu und hat sich schon bei vielen Gelegenheiten erwiesen – zum Besipiel, als der Bloggründer keine Probleme damit hatte, von einem verurteilten Terroristen und dessen Organisation geschmiert zu werden (siehe hier, hier und hier). Oder als sich PI offiziell mit Rechtsextremisten verbündete.
Es kommt also wirklich nicht darauf an, was PI von der bevorstehenden Umbenennung der Straße in Hannover hält.
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31. Juli 2009 | Allgemein | Kommentare deaktiviert