Ausstieg aus dem Ausstieg
Einen Vorgeschmack auf das, was uns in Sachen Atomkraft demnächst möglicherweise ins Haus steht, können wir uns derzeit in Schweden holen. Dort hat die konservativ-liberale Regierung den 1980 per Volksentscheid (!) beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie vor knapp acht Monaten einfach für ungültig erklärt. AKW-Betreiber Pannenfall Vattenfall wittert nun Morgenluft:
In Schweden soll womöglich ein neuer Atomreaktor gebaut werden. Am Freitag gaben der staatliche Energiekonzern Vattenfall und ein Industriekonsortium ihre Zusammenarbeit bekannt, um die Energieversorgung neu aufzustellen. Auch ein Reaktorneubau soll ‘vorbehaltlos’ geprüft werden.
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Der Ausstieg aus dem Ausstieg wurde mit dem Klimaschutz begründet: Man habe vor drei Jahrzehnten nicht wissen können, welche Probleme der Klimawandel mit sich bringe. Schweden dürfe sich eine Zukunft mit ‘nahezu CO2-freien’ Atomstrom nicht verbauen, wie ‘problematisch’ die Technik auch immer sein möge.
Das Zugeständnis an die Atomkraftgegner: In Schweden sollen nie mehr als die jetzt betriebenen zehn Reaktoren gleichzeitig laufen und nur an bestehenden Standorten darf neu gebaut werden. Vattenfall ist Mehrheitseigentümer an sieben der zehn jetzigen Reaktoren, die ältesten sind 33 und 34 Jahre alt. In spätestens zehn Jahren dürften sie ausgedient haben – und könnten ersetzt werden.
Der Betreiber des Reaktors im schwedischen Forsmark, in dem es vor drei Jahren fast zu einer Kernschmelze kam, ist übrigens auch eine Vattenfall-Tochtergesellschaft.
Die Neubaupläne könnten allerdings schon in kommenden Jahr wieder Makulatur sein – falls Sozialdemokraten und Grüne die Parlamentswahlen gewinnen sollten.

