Monatsarchiv für Dezember 2010

 
 

Happy New Year

Bevor ich für dieses Jahr die Pforten schließe, bedanke ich mich bei allen, die mich auch 2010 mit viel Kritik und noch mehr Lob begleitet haben. Dieses Jahr war erneut ein sehr erfolgreíches für das Blog, die Besucherzahlen haben sich innerhalb der letzten 12 Monate mehr als verdreifacht (mehr dazu morgen). Zwar wird sich das 2011 nur schwer wiederholen lassen – auch, weil ich aus beruflichen Gründne erheblich kürzer treten muss – aber den POLITBLOGGER wird es selbstverständlich auch 2011 geben. In diesem Sinne und mit dem unvergesslichen Frank Sinatra im Ohr wünsche ich euch ein gesundes, glückliches und friedvolles neues Jahr.



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Stuttgart-21-Kwizz: Wer bin ich? (18)



a) J.R. Ewing (siehe auch hier)
b) J.R. Kefer (siehe auch hier)

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Politikwissen: Einwandererkinder genauso informiert wie deutsche Kinder

In der Grundschule gibt es noch große Unterschiede beim Wissen über die Politik hierzulande, aber schon in der sechsten Klasse liegen Einwandererkinder mit ihren deutschen Altersgenossen gleichauf:

Das ergab eine Studie der Universitäten Würzburg, Hamburg und Mannheim, die Anfang 2011 veröffentlicht werden soll.

Einwandererkinder erreichten im Politik-Test 6,2, deutsche Jugendliche 6,3 Punkte. Der winzige Unterschied ist statistisch nicht relevant. Auch Jugendliche mit türkischen Wurzeln, die bei Schülerstudien meist besonders schlecht abschneiden, lagen mit 6,1 Punkten im Durchschnitt.

Die Forscher befragten im Frühjahr fast 1600 Sechstklässler in Hamburg und Bayern. 40 Prozent der Jugendlichen gingen auf Hauptschulen, 23 Prozent auf Realschulen, neun Prozent auf Gymnasien und drei Prozent auf Gesamtschulen. Sechs von zehn Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund, von ihnen hatten rund 40 Prozent türkische Wurzeln.

Die Kinder mussten Fragen beantworten und Politiker auf Fotos erkennen.


Woran es liegt, dass Einwandererkinder so schnell aufholen, wissen die Forscher nicht. Am Schulunterricht kann es eigentlich nicht liegen, denn die Lehrpläne sehen erst ab in der sechsten Klasse die intensivere Beschäftigung mit dem politischen Sytem in Deutschland vor. Insofern deutet einiges darauf hin, dass es die Kinder von Einwanderern selbst sind, die ihre vormals so großen Lücken mit Wissen auffüllen.

Ein gutes Zeichen, wie ich finde.

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‘Sehr geehrtes Verfassungsgericht!’

Es gibt wirklich Parteien, die kein Mensch braucht. Zum Beispiel die Sarazzistische Partei – für Volksentscheide (SPV), die sich gleich auf der Einstiegsseite ihrer Präsenz im Internet von eigenen Namenspatron distanziert. Naja, zumindest ein bisschen:

Öffentliche Entschuldigung

Der Bundesvorstand der SPV entschuldigt sich für alle vergangenen und etwaigen zukünftigen etwas härteren Äußerungen von Herrn Dr. Thilo Sarrazin.
Wir gehen davon aus, dass das Meiste davon gar nicht so gemeint ist, wie es von manchen verstanden wird, und unsere Partei hat zum Parteiprogramm nur die sachlichen, behutsamen Teile der neuesten überarbeiteten Auflagen seines Mega-Bestsellers: ‘Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen.’

Wie man an all den anderen Inhalten unseres Parteiprogramms ablesen kann, lieben wir alle Menschen und streben eine vollkommen friedliche und pazifistische Welt an.


An ungesundem Selbstbewusstsein scheint es der Partei allerdings nicht zu mangeln, denn:

Die SPV als die neue große Volkspartei in der Mitte zwischen SPD und CDU, der 56% der Wählerstimmen vorausgesagt werden, [...].

Wofür die SPV eigentlich steht, erschließt sich dem interessierten Leser nicht auf den ersten Blick. Und auf den zweiten auch nicht. Aber eigentlich will man das auch gar nicht wissen. Außerdem ist das wirre Drumherum sowieso viel lustiger. Zum Beispiel eine per E-Mail eingereichte Verfassungsbeschwerde:

An

bverfg@bundesverfassungsgericht.de

Verteiler: Auch: alle Medien.

Sehr geehrtes Verfassungsgericht,

wir, die Sarazzistische Partei – für Volksentscheide [...], stellen den Eilantrag, dass die Landtagswahl Hamburg entweder später stattfindet oder die Unterstützungsunterschriften-Sammlung entfällt.

Begründung:

In unserer Wahlvorbereitung für Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und besonders Baden-Württemberg stellen wir fest, dass unsere programmatische Aussage stimmt: Deutschland ist noch nur eine Schein-Demokratie und muss durch uns erst zu einer echten Demokratie werden:

Kaum überwindbare Hürden überall, die alle daraufhin wirken, dass es neue Reformkonzepte möglichst nicht schaffen sollen, in Konkurrenz mit den Altparteien zu treten, z.B. sollen in Baden-Württemberg Neuparteien 70 Kandidaten in 70 Bezirken aufstellen.

Die Altparteien verlieren Mitglieder und haben die Politikverdrossenheit der Bürger derart ins Unendliche gesteigert, dass kaum noch ein Bürger überhaupt parteipolitisch in Erscheinung treten möchte. Aber die Neuparteien sollen gewaltige Mitgliederzuwachsraten schaffen und Tausende Unterstützungsunterschriften von einer durch alles Politische nur noch genervten Bevölkerung sammeln, bevor sie auf dem Stimmzettel stehen dürfen.

Das ist nicht nur ein Messen mit zweierlei Mass, sondern das vollständige Verhindern von Demokratie.

Mit freundlichen Grüssen
Kai Schulze
Bundesvorsitzender (SPV)

Das dürfte doch selbst unter hartgesottenen Juristen für einige Erheiterung sorgen, oder?

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Israelischer Ex-Präsident wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen

Von 2000 bis 2007 war Mosche Katzav israelischer Staatspräsident. Heute wurde Katzav von einem Gericht in Tel Aviv wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung schuldig gesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Katzav eine frühere Mitarbeitern zweimal vergewaltigt und zwei weitere Angestellte sexuell belästigt hat.

Wann das Straßmaß verkündet und wie hoch es ausfallen wird, ist noch nicht bekannt. Im günstigsten Fall drohen Katzav, der alle Vorwürfe nach wie vor vehement bestreitet und sich selbst als unschuldiges Opfer einer Hexenjagd sieht, vier Jahre Haft, im ungünstigsten Fall 16 Jahre. Dass das erstinstanzliche Urteil rechtskräftig wird, gilt jedoch als unwahrscheinlich.

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Stuttgart-21-Kwizz: Wer bin ich? (17)



a) Edward Norton alias Der unglaubliche Hulk
b) Tanja Gönner alias Die unsägliche Spalterin

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Das passiert 2011

Januar: Die Bundespolizei verhindert in letzter Minute einen verheerenden Bombenanschlag auf den Kölner Dom. Bei den Durchsuchungen der Wohnungen der beiden Hauptverdächtigen – einem ehemaligen Sportlehrer aus Bergisch Gladbach und einem früheren Pressesprecher der Münchner CSU – werden in gebrochenem Arabisch abgefasste Bekennerschreiben einer bislang völlig unbekannten islamistischen Terrorzelle gefunden, die von den Ermittlen jedoch als nicht sehr authentisch eingestuft werden.

Februar: Bei der vorgezogenen Bürgerschaftswahl in Hamburg wird die SPD stärkste Partei. Der neue Erste Bürgermeister Olaf Scholz kündigt Koalitionsverhandlungen mit der GAL an. Die CDU muss erdrutschartige Verluste hinnehmen und landet nur knapp vor der FDP, die knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert.

März: Während nach den Landtagswahlen in Sachen-Anhalt und Rheinland-Pfalz alles beim Alten bleibt, wird Baden-Württemberg künftig von einer grün-roten Koalition regiert. Zwar erreicht Stefan Mappus mit der CDU noch einmal 39,9 Prozent der Stimmen, der bisherige Koalitionspartner FDP geht den Christdemokraten allerdings verloren, weil die Liberalen in ihrem Stammland deutlich unter drei Prozent bleiben. Großer Gewinner sind die Grünen, die ein Rekordergebnis von 35,8 Prozent erzielen. Die SPD fällt auf ein historisches Tief und kommt nur noch auf 15,2 Prozent. Die Linken bleiben wie die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde hängen. Der neue Ministerpäsident Boris Palmer erklärt noch am Wahlabend, das Volk über das Bahnprojekt Stuttgart 21 entscheiden lassen zu wollen.

April: Der abgewählte baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus wird von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Nachfolger von EU-Verkehrskommissar Guenther Oettinger vorgeschlagen, der als neuer deutscher Botschafter nach London geht.

Mai: Nach der Bremer Bürgeschaftswahl bleibt der rot-grüne Senat im Amt, während die FDP schon wieder die Fünf-Prozent-Hürde reißt. FDP-Chef Westerwelle lehnt einen Rücktritt erneut ab und wird deshalb auch von seinem neuen Büroleiter bei Wikileaks angeschwärzt. Die unmittelbar danach veröffentlichten Dokumente belegen, dass Westerwelle gar nicht homosexuell ist. Westerwelles Lebensgefährte Michael Mronz kündigt juristische Schritte gegen Wikileaks an.

Juni: Nach der Entlassung von Guido Westerwelle aus dem Kabinett verlassen auch die verbliebenen FDP-Minister fluchtartig die Regierung. Die Kanzlerin bildet eine CDU/CSU-Minderheitsregierung, schließt vorzeitige Neuwahlen im Bund aber kategorisch aus.

Juli: Beim Volksentscheid über Stuttgart 21 votiert eine überraschend klare Mehrheit der Baden-Württemberger für die Sanierung des bestehenden Kopfbahnhofs und für die Neubaustrecke nach Ulm. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG ziehen daraus die Konsequenzen und lösen den Vertrag mit Bahnchef Rüdiger Grube vorzeitig auf. Nachfolgerin von Grube wird die frühere baden-württembergische Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner.

August: Die Deutsche Bahn AG muss bei tropischen Außentemperaturen den Betrieb vorübergehend komplett einstellen, nachdem zahlreiche Fahrgäste durch die in allen Zügen neu installierten Klimaanlagen aus kostengünstiger nordkoreanischer Produktion erfroren sind.

September: Auch bei den letzten Landtagswahlen des Jahres gelingt der CDU keine Trendwende mehr. In Mecklenburg-Vorpommern scheidet die CDU aus der Großen Koalition mit der SPD aus, die jetzt mit Linken und Grünen koalieren will. In Berlin wird Renate Künast die zweite grüne Regierungschefin in einem deutschen Bundesland. Juniorpartner werden die bisher den Regierenden Bürgermeister stellenden Sozialdemokraten. Die Kanzlerin stellt im Bundestag die Vertrauensfrage und verliert erwartungsgemäß. Merkel bittet Bundespräsident Christian Wulff, den Bundestag aufzulösen und kündigt Neuwahlen im Januar 2012 an.

Oktober: Beim um einen Monat verschobenen Deutschlandbesuch des Papstes erlaubt Benedikt XVI. völlig überraschend die uneingeschränkte Benutzung von Verhütungsmitteln. Außerdem sollen das Zölibat ersatzlos gestrichen werden und Frauen künftig die Priesterweihe empfangen dürfen. Eine Woche später stirbt der Papst im Schlaf. Als offizielle Todesursache nennt der Vatikan plötzliches Herzversagen.

November: SPD-Kanzlerkandidat Sigmar Gabriel reist nach Washington und wird von US-Präsident Barack Obama zu einem mehrstündigen Meinungsaustausch empfangen. Als Merkel eine Woche später ebenfalls in die USA fliegen will, kommt ihr dabei ein bereits einschlägig bekannter isländischer Vulkan in die Quere. Der isländische Botschafter in Deutschland wird von der kommissarischen Außenministerin Kristina Schröder ins Auswärtige Amt zitiert.

Dezember: Knapp zwei Monate vor der Bundestagswahl wird Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf den außerordentlichen Parteitagen von CDU und CSU jeweils einstimmig zum Unionskanzlerkandidaten gekürt. Amtsinhaberin Angela Merkel erleidet daraufhin einen schweren Mundwinkelinfarkt.

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Google sei Dank!

Angela Merkel ist ein Nazi, Sarah Palin ein Witz, Nicolas Sarkozy ein Pirat – und Barack Obama ein Kaktus. Woher ich das alles weiß? Nicht verzagen, Google fragen!



Schön, dass wir mal darüber geredet haben.

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Vielen Dank an Provokateur für den sachdienlichen Hinweis. Via.

Der ‘Held der deutschen Sprache’

Zugegeben: Die deutsche Sprache ist viel zu oft von Anglizismen durchsetzt, die wirklich kein Mensch mit halbwegs intaktem Sprachgefühl braucht. Das bedeutet aber keineswegs, dass englischsprachige Begriffe an sich schlecht sind. Im Gegenteil: In einer zunehmend globalisierten Welt zeugt es von von hinterwäldlerischer Ignoranz, längst gebräuchliche Ausdrücke zwanghaft durch lächerlich klingende deutsche Übersetzungen ersetzen zu wollen. Das hat nichts mit dem Schutz unserer Sprache zu tun, sondern vielmehr mit tumber Deutschtümelei. Davon lässt sich Bundesverkehrminister Peter Ramsauer allerdings gar nicht beeindrucken. Der hat den Angliszismen nämlich den Kampf angesagt – und zwar bedingungslos: In Ramsauers Minsierium dürfen Angliszismen nämlich überhaupt nicht mehr verwendet werden. Und so heißt der Laptop dort eben nicht mehr Laptop, sondern Klapprechner – und aus dem Flipchart wurde der Tafelschreibblock. Ramsauer sieht sich dabei von den Bürgerinnen und Bürger unterstützt:

Die Kampagne habe ihm ‘Tausende Zuschriften und Anrufe’ auch aus der Bevölkerung einbracht, sagte Ramsauer, und zwar mit ‘Hundert Prozent Zustimmung’. Die Einsicht daraus sei für ihn als Politiker: ‘Dem Volk aufs Maul geschaut! Und schon weiß ich, was die Nöte, Sorgen und Probleme der Menschen sind. Und vor allen Dingen, was ich zu tun habe, um Abhilfe zu schaffen’.


Ich bin mir zwar sicher, dass das Volk sehr viel lieber pünktliche und funktionierende Züge hätte – deren flächendeckende Nichtexistenz direkt in Ramsauers Zuständigkeit und Verantwortung fällt – aber wenn er schon Angliszismen aus dem öffentlichen verbannen will, dann ist die Deutsche Bahn dafür ja regelrecht prädestiniert. So ließen sich zum Beispiel aus den DB Service Points sicherlich ganz schnell Ausreden- und Dauervertröstungsstellen machen.

Das wäre nicht nur lustiger, sondern auch ehrlich.

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Stuttgart-21-Kwizz: Wer bin ich? (16)



a) Louis de Funés alias Gendarm von St. Tropez
b) Siegfried Stumpf alias Gendarm von Stuttgart

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