Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus ist noch kein Jahr im Amt, aber trotzdem steckt er schon jetzt – zwei Monate vor der Landtagswahl – bis zum Haaransatz in Schwierigkeiten. Und das keineswegs nur wegen Stuttgart 21, sondern auch wegen des von ihm ganz alleine zu verantwortenden EnBW-Milliardendeals (siehe auch hier), der nach der Landesverfassung vor der Vertragsunterzeichnung vom Parlament genehmigt hätte werden müssen. Mappus wusste das natürlich und erklärte deshalb am 6. Dezember unter anderem:
‘Zu dieser Frage wurde vorab ein verfassungsrechtliches Gutachten der beratenden Anwaltskanzlei eingeholt, [...].’
Dumm nur für Mappus, dass diese Aussage nachweislich falsch ist, denn:
Das Gutachten der Kanzlei Gleiss Lutz ist jedoch auf den 15. Dezember 2010 datiert – rund zehn Tage nach der Vertragsunterzeichnung.
Aus der Schlinge, die sich Mappus selbst um den Hals gelegt hat, glaubt ihn dessen Staatsminister Helmut Rau jedoch herauswinden zu können:
In einem Begleitschreiben zu dem Gutachten erklärt der zuständige Staatsminister Helmut Rau: ‘Diese Stellungnahme datiert zwar vom 15. Dezember 2010, basiert jedoch auf internen Memos der Anwaltskanzlei aus der Zeit vor dem 6. Dezember 2010.’ Die Memos seien von der Kanzlei aber ‘nicht zur Weitergabe freigegeben’.
Einmal abgesehen davon, dass die internen Memos einer Anwaltssozietät kein Gutachten ersetzen: Wenn diese angeblichen Memos nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, dann kann sich Mappus damit vielleicht den Allerwertesten abwischen, sie können jedoch keinesfalls die verfassungsrechtliche Legitimität eines offensichtlichen Kuhhandels begründen.
Mappus scheint übrigens noch in in einem weiteren Punkt gelogen zu haben:
Im Landtag hatte er beteuert, die Franzosen hätten einen Parlamentsvorbehalt ausdrücklich abgelehnt. Eine Sprecherin der EDF wollte diese Äußerung jedoch nicht bestätigen: ‘Das Unternehmen hat lediglich ein Angebot angenommen, das ihm vom Land Baden-Württemberg unterbreitet wurde.’
Wer diesem Mann, seiner Partei und seiner Regierung am 27. März trotzdem seine Stimme gibt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
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