Monatsarchiv für Februar 2011

 
 

Ein paar Worte zu Herrn Erdogan

Am Sonntag hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan – nach seinem umstrittenen Auftritt vor drei Jahren in Köln – erneut eine Rede vor türkischen Landsleuten und türkischstämmigen Deutschen gehalten. Dabei sagte er vor 10000 Menschen in Düsseldorf unter anderem:

‘Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen.’


Zwar wäre es falsch und ungerecht, Erdogans Ansprache nur auf diesen einen Satz zu reduzieren, aber es wäre angesichts der real existierenden Probleme bei der Intergration türkischer Staatsbürger und türkischstämmiger Deutscher grob fahrlässig, über diese Aussage einfach hinwegzugehen. Denn erstens verwässert sie all das Kluge und Richtige, was Erdogan gesagt hat – und zweitens steht die Forderung, dass Kinder zuerst die türkische und dann erst die deutsche Sprache erlernen sollen, in krassem Gegensatz zu allem, was Integration bereits im frühen Kindesalter spürbar erleichtern kann. Viele Probleme, mit denen sich Kinder türkischer Herkunft spätestens in Kindergarten und Schule konfrontiert sehen, sind nun einmal darauf zurückzuführen, dass sie weder die Muttersprache der Eltern noch die deutsche Sprache so beherrschen, dass sie sich im Umgang mit gleichaltigen Kindern ohne Migrationshintergrund, Betreuern und Lehrern zurechtfinden können. Daraus jedoch abzuleiten, man müsse zunächst türkisch und dann erst deutsch lernen, entspricht im Groben zwar dem Konzept des muttersprachlichen Unterrichts, dabei darf aber nicht vergessen werden, dass dieses Konzept nur die Antwort auf bereits bestehende Sprachdefizite von Migrantenkindern sein kann. Der Idealfall ist der, dass diese besondere Form des Unterrichts gar nicht erst notwendig ist. Das geht allerdings nur, wenn das Erlernen der deutschen Sprache von Anfang an Vorrang hat. Und hier sind nach wie vor zu allererst die Eltern in die Pflicht zu nehmen.

Es hat rein gar nichts mit Ausländerfeindlichkeit, Islamophobie oder gar mit der von Herrn Erdogan den Deutschen ständig unterstellten Assimilationsabsicht zu tun, das immer wieder unmissverständlich klarzustellen.

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Der Vatikan zwischen Zukunft und Moderne


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Vielen Dank an schlammungeheuer für den sachdienlichen Hinweis.

Letzter Aufruf

Spektakuläre Amateuraufnahme aus einem Verkehrsflugzeug vom letzten Start des NASA-Spaceshuttles Discovery am 24. Februar:



Der mit 28 Jahren älteste der noch in Betrieb befindlichen drei Raumgleiter war insgesamt 39 mal im All. Dabei hat die Discovery insgesamt rund 230 Millionen Kilometer zurückgelegt. Nach ihrer für den 7. März geplanten Rückkehr von der Internationalen Raumstation (ISS), an der sie am Sonntag zum 13. Mal angedockt hat, wird sie außer Dienst gestellt. Danach finden nur noch zwei weitere Shuttlemissionen statt, bevor diese von vielen Erfolgen, aber auch von zwei furchtbaren Katastrophen geprägte Ära des bemannten Raumflugs – wahrscheinlich im Frühsommer – zu Ende sein wird.

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Die Leiden des jungen G.


BILD AM SONNTAG (BamS), 27. Februar 2011 (Titelseite)

Wenn Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wenigstens ein Mindestmaß an vorzeigbarem Charakter besäße, dann würde er nicht mit Hilfe des Springer-Propagandablatts um jeden Preis Bundesverteidungsminister bleiben wollen. Dass er nämlich genau das versucht, zeigt sich auf Seite 4 der heutigen BamS. Dort berichtet BILD-Reporter Martin S. Lambeck ausführlich von seiner Privataudienz, die ihm am Samstag im Hause der von und zu Guttenbergs in Anwesenheit des Ex-Doktors offenbar gewährt wurde:

Da kann einem eigentlich nur noch speiübel werden.

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Der Finanzminister und die Taliban

Kriegsrhetorik im baden-württembergischen Landtagswahlkampf:

SPD und Grüne werfen dem baden-württembergischen Finanzminister Willi Stächele (CDU) Kriegsrhetorik im Wahlkampf vor. ‘Ihr seid meine Talibane, ihr müsst kämpfen’, hatte Stächele bei einer Wahlkampf-Veranstaltung in Horb zu Mitgliedern der Jungen Union gesagt.


Und was ist dann Willi Stächele? Vielleicht so eine Art Osama Bin Laden für geistig ganz, ganz Arme?

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Das sind Helden

Passend zum vorigen Aritkel: Die Antwort von Judith Holofernes, Sängerin von Wir sind Helden, auf die Anfrage der Werbeagentur Jung von Matt, ob die Band bereit ist, für BILD zu werben:

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bezüglich Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaube, es hackt.

Die laufende Plakat-Aktion der Bild-Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (auch Kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick … Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend … Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll’s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: Wisst Ihr was, Ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass’ auf, jetzt kommt’s: Ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendein pseudo-distanziertes Gewäsch aus, irgendwas ‘total Spitzfindiges’, oder Clever-Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… … Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -Zeitung, die traut sich was.

Und die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die Ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was Ihr tut. Außer vielleicht, wenn Ihr auf die Idee kommt, ‘Wir sind Helden’ für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die …

Das Problem dabei: Ich habe wahrscheinlich mit der Hälfte von Euch studiert, und ich weiß, dass Ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein ‘Gutes im Schlechten’ gibt. Das heißt: Ich weiß, dass Ihr wisst, und ich weiß, dass Ihr drauf scheißt.

Die Bild -Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-Kulturgut und kein harmloses ‘Guilty Pleasure’ für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bild-Zeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: Ich glaube, es hackt.

Mit höflichen Grüßen

Judith Holofernes


Das kann man so stehen lassen.

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SPIEGEL: BILD ist eine rechtspopulistische Partei

Das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL knöpft sich in seiner morgen neu erscheinenden Ausgabe die BILD-Zeitung vor:

Im Namen des Volkes: Die ‘Bild’-Zeitung, Springers Boulevardblatt, eilte in der vergangenen Woche täglich dem wankenden Verteidigungsminister zu Hilfe, in dieser Form beispiellos. Die Zeitung teilt sich die Rolle eines deutschen Leitmediums zu, tatsächlich übernimmt sie die Rolle einer rechtspopulistischen Partei, die im deutschen Politikbetrieb fehlt.



SPIEGEL-Titel 9/2011

Und:

Immer wieder Hymnen auf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, 39 – egal, wie massiv er bei seiner Doktorarbeit gemogelt hat. Immer wieder Elogen auf Thilo Sarrazin, 66 – egal, wie populistisch seine Thesen gegen muslimische Immigranten sind. Der politische Standort der ‘Bild’-Zeitung, rechts von der Mitte, ist von jeher eindeutig. Neu ist allerdings, dass ihre Macher glauben, ihr Blatt markiere die gesellschaftliche Mitte. Ein Team von SPIEGEL-Redakteuren überprüfte die ethischen Standards und die journalistische Qualität der größten europäischen Tageszeitung und kam zu einem wenig schmeichelhaften Urteil: Das Springer-Blatt, so SPIEGEL-Reporter Ullrich Fichtner [...] spiele ‘die Rolle einer rechtspopulistischen Partei, die es in Deutschland noch nicht gibt’. Aus Rücksicht auf die bis zum vorvergangenen Wochenende in Iran inhaftierten ‘Bild am Sonntag’- Kollegen hielt der SPIEGEL das Stück zurück, es galt, jedes Risiko diplomatischer Komplikationen zu vermeiden. Der Fall Guttenberg gibt dem Fall ‘Bild’ nun eine neue Wendung [...].

Da schließe ich mich doch glatt Sascha Lobo an:

Klingt nach einer soliden Attacke: [...].

Wurde aber auch Zeit.

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Der etwas andere Stuttgart-21-Stresstest

Für die Stuttgarter wird das Bahnprojekt Stuttgart 21 über mindestens ein Jahrzehnt enorme Belastungen mit sich bringen. Da sind zum Beispiel die 437500 Rammschläge, mit der keineswegs nur die Bewohner der Innenstadt monatelang in den Wahnsinn getrieben werden sollen. Nein, auch der aberwitzig zunehmende LKW-Verkehr von und zur Baustelle mitten in der City wird die Menschen genauso lang auf eine harte Geduldsprobe stellen (Hervorhebungen von mir)

Die wichtigste Baustraße [...] verläuft von der Innenstadt zur zentralen Logistikfläche, die vom 1. April an im Äußeren Nordbahnhof angelegt wird. Die zweispurige, etwa acht Meter breite und vier Kilometer lange Baustraße liegt weitgehend auf heutigen Gleiskörpern. Im Bereich Rosenstein- und Ehmannstraße werden Lärmschutzwände aufgebaut. Bis zur geplanten Inbetriebnahme von Stuttgart 21 zum Jahreswechsel 2019/2020 werden auf der zentralen Baustraße etwa 4,1 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein aus den Baugruben und Tunneln mit endlosen Lastwagenkolonnen zum Nordbahnhof transportiert und dort überwiegend auf Güterzüge verladen.

In Gegenrichtung werden etwa eine Million Kubikmeter Beton, Stahl und Baustoffe zu den Baustellen gebracht. Durch die Logistik auf Bahngebiet sollen das Stuttgarter Straßennetz in Spitzenzeiten um bis zu 2400 Lkw-Fahrten am Tag entlastet werden, verspricht die Bahn. Insgesamt fallen bei Stuttgart 21 etwa zwölf Millionen Kubikmeter Erd- und Gesteinsaushub an. Würde man diese Menge in Würfel mit einer Kantenlänge von einem Meter pressen und hintereinander legen, reichte die Kette 10000 Kilometer weit. Außerdem werden weitere Millionen Kubikmeter Erde zurückgeliefert, um Gruben zu verfüllen und Gelände zu modellieren.

Nur ein Teil der gewaltigen Massen wird auf Bahngelände transportiert: Die 2,7 Millionen Kubikmeter Aushub aus dem Fildertunnel beispielsweise, die auf den Fildern und beim Zwischenangriff Sigmaringer Straße anfallen, werden per Lkw über die B27 und die Mittlere Filderstraße zur A8 transportiert. Auch die 1,8 Millionen Kubikmeter Aushub, die beim Tunnel nach Obertürkheim anfallen, werden teilweise auf öffentlichen Straßen abtransportiert. Allein durch den Stadtteil Wangen sollen 1,3 Millionen Kubikmeter abtransportiert werden – wobei jede Trassenvariante Wohngebiete beeinträchtigt. In Spitzenzeiten rechnet man am Neckar mit rund 750 Lastwagen mit Erd- und Gesteinsaushub pro Tag.


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Via.

Das kleine Zitate-Quiz am Samstagabend

Frage: Von wem und aus welchem Jahr stammt das folgende Zitat?

Wir müssen uns dagegen verwahren, daß ein akademisches und militärisches Maulheldentum Stimmträger der deutschen Gesinnung wird.


a) Adolf Hitler, 1939
b) Karl-Theodor zu Guttenberg, 2011
c) Theodor Heuss, 1913

Richtig ist Antwort c) (Quelle).

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Vielen Dank an schlammungeheuer für den sachdienlichen Hinweis.

PI: Nach wie vor zu dämlich für ein bisschen Recherche



Text:

Bombenanschlag vor Moskauer Supermarkt

Vor dem Haupteingang eines Moskauer Supermarkts hat sich heute ein Mann mit einer Granate selbst in die Luft gesprengt. Die russische Nachrichtenagentur meldet, der Selbstmordattentäter sei tot, es gebe aber keine weiteren Toten oder Verletzten. Augenzeugen zufolge hat er etwas gemurmelt (Allahu akbar?), eine Granate herausgezogen, den Zünder entfernt und sich gesprengt.

(Spürnase: Knuesel)

Kategorie: Russland, Terrorismus

Quelle (Hervorhebungen von mir)

Tja, da haben der permanent inkompetente (PI) Blogführer Stefan Herre und seine dauerpeinliche Spürnase Knuesel wieder einmal Pech gehabt: Der Täter ist ein Russe aus Irkutsk und heißt der Nachrichtenagentur Itar-Tass zufolge Jewgenij Jurov. Und mit Terrorismus hatte das Ganze auch nichts zu tun:

Der 41-Jährige habe die Selbsttötung kurz zuvor seinem Sohn telefonisch angekündigt, teilte die Polizei am Samstag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Grund für die Verzweiflungstat war vermutlich ein Familienstreit.

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Vielen Dank an schlammungeheuer für den sachdienlichen Hinweis.