Ein paar Worte zu Herrn Erdogan
Am Sonntag hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan – nach seinem umstrittenen Auftritt vor drei Jahren in Köln – erneut eine Rede vor türkischen Landsleuten und türkischstämmigen Deutschen gehalten. Dabei sagte er vor 10000 Menschen in Düsseldorf unter anderem:
‘Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen.’
Zwar wäre es falsch und ungerecht, Erdogans Ansprache nur auf diesen einen Satz zu reduzieren, aber es wäre angesichts der real existierenden Probleme bei der Intergration türkischer Staatsbürger und türkischstämmiger Deutscher grob fahrlässig, über diese Aussage einfach hinwegzugehen. Denn erstens verwässert sie all das Kluge und Richtige, was Erdogan gesagt hat – und zweitens steht die Forderung, dass Kinder zuerst die türkische und dann erst die deutsche Sprache erlernen sollen, in krassem Gegensatz zu allem, was Integration bereits im frühen Kindesalter spürbar erleichtern kann. Viele Probleme, mit denen sich Kinder türkischer Herkunft spätestens in Kindergarten und Schule konfrontiert sehen, sind nun einmal darauf zurückzuführen, dass sie weder die Muttersprache der Eltern noch die deutsche Sprache so beherrschen, dass sie sich im Umgang mit gleichaltigen Kindern ohne Migrationshintergrund, Betreuern und Lehrern zurechtfinden können. Daraus jedoch abzuleiten, man müsse zunächst türkisch und dann erst deutsch lernen, entspricht im Groben zwar dem Konzept des muttersprachlichen Unterrichts, dabei darf aber nicht vergessen werden, dass dieses Konzept nur die Antwort auf bereits bestehende Sprachdefizite von Migrantenkindern sein kann. Der Idealfall ist der, dass diese besondere Form des Unterrichts gar nicht erst notwendig ist. Das geht allerdings nur, wenn das Erlernen der deutschen Sprache von Anfang an Vorrang hat. Und hier sind nach wie vor zu allererst die Eltern in die Pflicht zu nehmen.
Es hat rein gar nichts mit Ausländerfeindlichkeit, Islamophobie oder gar mit der von Herrn Erdogan den Deutschen ständig unterstellten Assimilationsabsicht zu tun, das immer wieder unmissverständlich klarzustellen.




