Monatsarchiv für Mai 2011

 
 

Kim Jong-il nimmt mächtig übel

Wo leben die glücklichsten Menschen der Welt? Gut, in Deutschland schon mal nicht, das wissen wir ja nun. Also vielleicht in den USA? In Brasilien? Oder gar down under in Australien? Alles falsch, gaaaaanz falsch:

So findet man Nordkorea im Global Happy Index von 2001 nur als datenlose graue Fläche, [...].

[...]

Was immer ein solches Ranking aussagen mag, offenbar fühlte sich Nordkorea provoziert und hat selbst ein Ranking vorgenommen, von dem man allerdings nicht weiß, wer dies überhaupt ernst nehmen will. Aber ideologische, vor allem machtbesessene Gehirne ticken wohl anders.

Vorgestellt wurde der Index zur gefälligen Freude der sich vom bösen Rest der Welt abgesperrten Landeskinder vom nordkoreanische Fernsehsender Chosun Central, die südkoreanische Zeitung Chosung berichtete davon. Auf dem wie immer zustande gekommenen Glücklichkeitsindex steht immerhin Nordkorea nur an zweiter Stelle, was ein wenig den bekannten Wahlergebnissen in kommunistischen Regimen gleicht, wo man auch immer knapp unter 100 Prozent gewonnen hatte. An die erste Stelle hievte man den mit der nordkoreanischen Diktatur befreundeten kommunistischen Staat China. Dort und in Nordkorea leben also die glücklichsten und zufriedensten Menschen der Welt.

Südkorea findet man erst auf Platz 152 – und ganz an den Schluss wurde der Erzfeind USA platziert. Dafür kamen Kuba auf den dritten, Iran auf den vierten und Venezuela auf den fünften Platz, woran man wahrscheinlich die politischen Präferenzen ablesen kann


So ist das eben im selbstgelobten Land, in dem zwar nicht Milch und Honig fließen, dafür aber das Blut der Regimegegner.

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Vielen Dank an Robert für den Hinweis.

Frohe Pfingsten mit der Bahn

Zum bevorstehenden Pfingstfest – an dem sicherlich mehr Menschen als sonst die Züge der Deutschen Bahn AG nutzen – macht der Konzern seinen Kunden ein besonders tolles, hm, Geschenk:



Noch nicht realisierte, aber längst geplante PR-Kampagnen der Grube-Firma:

Bahnreisen – dank kaputter Klimaanlagen auch im Sommer ein ganz heißer Tipp!
Weihnachten erwartet sie ein cooles Heizungsdesaster!
Stuttgart 21: Pfingsten war erst der Anfang!

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World of Zwangsarbeit

Zwangsarbeit hat in China viele Gesichter:

[...] in einer Kohlemine Steine schleppen, mal Essstäbchen oder Zahnstocher schnitzen, mal Sitzbezüge für ausländische Pkw-Hersteller zusammennähen [...]


Aber fehlt da nicht noch etwas? Stimmt:

Was Liu Dali (Name geändert) durchmachen musste, könnte manchem Rollenspiel-Fan auf den ersten Blick wie ein Traum erscheinen: Drei Jahre lang wurde er gezwungen, das Online-Rollenspiel ‘World of Warcraft’ zu spielen. Jeden Tag wurde er im Gefängnis stundenlang vor einem Computer gesetzt und musste virtuelle Reichtümer anhäufen. Ein Spaß war das nicht, nicht für Liu und nicht für die 300 Mitgefangenen im Arbeitslager Jixi, die sein Schicksal teilten, [...].

Lukrativ war das aber nur für die Gefängniswärter, denn die verdienten so umgerechnet bis zu 650 Euro – pro Tag. Wie das funktionierte? Ganz einfach:

Zu den Grundprinzipien gehört es, dass sich der Spieler seinen Aufstieg innerhalb der Hierarchie mühsam erarbeiten muss. Nur wer lange und ausdauernd mitspielt, kann etwa in ‘World of Warcraft’ das virtuelle Gold erarbeiten, das er braucht, um sich neue Ausrüstungsgegenstände oder Fähigkeiten zu kaufen. Und die sind nötig, um weiter voranzukommen.

Der Weg zum virtuellen Reichtum aber ist nicht nur mühsam, sondern auch langweilig. ‘Farming’ oder ‘Goldfarming’ nennen ‘WoW’-Spieler das wiederholte Ausführen bestimmter Aufgaben, um an Spielwerte wie Gold zu kommen: immer wieder an einer bestimmten Stelle im Spiel Mineralien abbauen oder immer wieder in einer bestimmten Region Monster erschlagen.

Weil aber viele Spieler keine Lust haben, sich stunden-, tage- oder wochenlang abzuplagen, um den nächsten Level zu erreichen, hat ein schwunghafter Handel mit virtuellen Waren, vor allem mit virtuellem Gold, eingesetzt. Schon seit den neunziger Jahren werden solche Waren und Währungen gegen echtes Geld gehandelt. Während dieser Handel allerdings lange Zeit von Amateuren betrieben wurde, die ihre Güter über Plattformen wie Ebay anbieten, hat sich die Branche in den vergangenen zehn Jahren stark professionalisiert. Portale wie IGE.com bieten Spielgold in fixen Stückelungen zu festen Preisen zum Sofortkauf an. 10000 Goldstücke kosten dort derzeit zwischen 20 und 70 Euro, je nachdem, über welchen ‘WoW’-Server man online geht. Wer bereit und in der Lage ist, entsprechend tief in sein Portemonnaie zu greifen, kann sich mühelos seinen Aufstieg erkaufen.

Die Nachfrage ist immens.

Was es nicht alles gibt.

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Vielen Dank an Robert für den Hinweis.

Schwarz-gelb steigt aus sich selbst aus

Es ist nicht der versprochene schnellstmögliche Ausstieg aus der Kernernergie, aber es ist trotzdem ein beispielloser Vorgang und das Eingestehen des kompletten Scheiterns der Energiepolitik der schwarz-gelben Koalition: Nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Verlängerung der Laufzeiten um durchschnittlich 12 Jahre hat das Bundeskabinett heute beschlossen, alle 17 deutschen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2022 komplett abzuschalten. Die sieben ältesten Atommeiler sowie der Pannenreaktor in Krümmel, die bereits jetzt keinen Strom mehr produzieren, werden nie mehr ans Netz gehen. Zudem bleibt die im Rahmen der Laufzeitenverlängerung eingeführte Brennelementesteuer bestehen. Flankiert wird der Atomausstieg von der Ankündigung, den Ausbau erneuerbarer Energien durch entsprechende gesetzliche Regelungen massiv voranzutreiben. Wie hoch die Ausstiegskosten sein werden und wer sie letzten Endes bezahlt, ist dagegen noch offen.

Keine Frage: Für die Kanzlerin persönlich, aber auch für die Koalition aus Union und FDP insgesamt ist die Rückkehr zur Vernunft eine politische Katastrophe, denn es wird sicherlich nicht in Vergessenheit geraten, dass dieser Atomausstieg nur der Katastrophe in Fukushima geschuldet ist. Zwar hat die Bundesregierung durch ihre heutigen Beschlüsse eine gewisse Flexibilität bewiesen, die man ihr so vielleicht gar nicht zugetraut hätte, aber unter dem Strich bleibt trotzdem festzuhalten, dass die erwungene Kehrtwende in der Energiepolitik nicht zu einer Erfolgsgeschichte dieser Regierung umgedeutet werden kann. Ganz im Gegenteil: Wer sich in so kurzer Zeit unter dem Druck der Ereignisse um 180 Grad drehen muss, beweist damit einmal mehr nur seine eigene Kurzsichtigkeit.

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Die unbekannte Stuttgart-21-Revolution

Die renommierte Schweizer Fachzeitschrift Eisenbahn-Revue International befasst sich in ihrer aktuellen Ausgabe unter anderem mit der vermeintlichen Leistungsfähigkeit des geplanten unterirdischen Stuttgarter Durchgangsbahnhofs. Fazit des Autors Christoph M. Engelhardt:

Um den in der Schlichtung beschlossenen Stresstest zu überstehen, müsste die Bahn einen ‘unbekannten revolutionären technischen Fortschritt’ nachweisen. [...] Kein Bahnhof in Deutschland erreiche heute die für die unterirdische Durchgangsstation versprochene Leistung: Während die Bahnhöfe Köln und Hamburg mit größten Mühen vier Züge pro Gleis in der Spitzenstunde schafften, sollen in Stuttgart sechs Züge pro Stunde abgefertigt werden.


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Malta lässt sich scheiden

Zugegeben: Malta ist mit seinen gut 400000 Einwohnern der Zwerg unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU). In die internationalen Schlagzeilen gerät die Insel im Mittelmeer nur selten. Am Wochenende hat es Malta jedoch geschafft, weil die stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger in einem Volksentscheid darüber abstimmen durften, ob zerrüttete Ehen künftig geschieden werden können. Der Ausgang des Referendums galt bis zuletzt als völlig offen, am Ende votierten allerdings 54 Prozent für die Einführung der zivilrechtlichen Scheidung. Zwar hat dieses Ergebnis für die Regierung keine bindende Wirkung, der konservative Ministerpräsident Lawrence Gonzi kündigte unmittelbar nach der Bekanntgabe des Abstimmungsresultats aber an, den Mehrheitswillen der Bevölkerung zu respektieren und ein entsprechendes Gesetz verabschieden zu wollen.

Die Niederlage der Scheidungsgegner ist vor allem eine Niederlage der katholischen Kirche und Papst Benedikt XVI. Das Land, in dem sich 95 Prozent der Menschen zum römisch-katholischen Glauben bekennen, gilt als eine der letzten Bastionen des Vatikans, in der das Wort des Pontifex und das seiner Kirche noch etwas gelten. Vor zwei Jahren hatte der Papst die Malteser noch dafür gelobt, dass sie stolz darauf sein sollten, ein stabiles Familienleben zu fördern, indem sie Abtreibung und Ehescheidung ablehnten. Und die Bischöfe des Landes hatten in einem Brief an die Priester all jenen mit irreparablen Konsequenzen gedroht, die für die Aufhebung des Scheidungsverbots stimmen. Davon ist jetzt zwar keine Rede mehr – die Kirchenleitung hat sich dafür heute sogar offiziell entschuldigt – aber der Vorgang an sich zeigt, in welcher Machtposition sich die Kirche vor dem Volksentscheid noch wähnte. Nun dürfte den Kirchenoberen jedoch klar geworden sein, dass sich selbst das treueste Kirchenvolk nicht länger mit mittelalterlichen Parolen abspeisen lässt – wie etwa der, dass sich die Einstellung zur Ehe und nicht das Gesetz ändern müsse.

Das Volk ist eben längst nicht mehr so dumm, wie die Kirche das gerne hätte.

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Nicht undenkbar

Der folgende CDU-Werbespot zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses im September ist gefaked – aber jetzt mal ganz ehrlich: Wenn man die fremdenfeindliche Propaganda der Parteikollegen aus Mecklenburg-Vorpommern berücksichtigt, würde man da ein Filmchen wie dieses nicht doch für möglich halten?

Quelle (via Oreo_Pirat)

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Noch ein Kretschmann für Hollywood

Nein, nicht Thomas, sondern Winfried:


Video: Zur Sache Baden-Württemberg!, 26. Mai 2011 (via Monstropolis)

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Kein Platz an der Sonne für Monica Lierhaus

Monica Lierhaus hat eine schwere Zeit hinter sich. Im Januar 2009 musste sich die 41-jährige Sportmoderatorin einer Operation unterziehen, bei der ein Hirn-Aneurysma entfernt wurde. Es kam zu Komplikationen, Lierhaus musste in ein künstliches Koma versetzt werden. Als sie nach vier Monaten aufgeweckt wurde, hatte Lierhaus nicht nur den Großteil ihrer motorischen Fähigkeiten verloren, sie konnte auch nicht mehr sprechen. Es folgte eine langwierige Rehabilitationsphase, die auch heute noch nicht abgeschlossen ist. Als Monica Lierhaus Anfang Februar bei der Verleihung der Goldenen Kamera erstmals wieder in der Öffentlichkeit auftrat, konnte sie zwar gehen und sprechen, die Folgen der schweren Erkrankung waren ihr jedoch deutlich anzumerken.

Bei den Verantwortlichen der ARD-Fernsehlotterie Ein Platz an der Sonne hatte Lierhaus’ TV-Auftritt trotzdem soviel Eindruck hinterlassen, dass man ihr anbot, die Nachfolge von Frank Elstner als Botschafter der Lotterie anzutreten. Für drei Fernseh-Kurzauftritte in der Woche – die insgesamt wohl keine fünf Minuten dauern – sollte Lierhaus ein fürstliches Salär in Höhe von sage und schreibe 450000 Euro (!) erhalten. Nach dem Bekanntwerden des absurden Deals kündigten viele Mitspieler jedoch ihre Lotterie-Abonnements – von der öffentlichen Debatte über den Werbevertrag einmal ganz abgesehen. Nun wollen die ARD-Bosse Lierhaus gegen ein – wie es heißt

bekanntes Gesicht

austauschen. Eine Gage soll dieses Mal nicht gezahlt werden.

Fehler haben hier alle Beteiligten gemacht. Die ARD-Fernsehlotterie – und auch Monica Lierhaus selbst, die das äußerst großzügige Angebot der Lotterie offenbar nicht unanständig fand. Denn das war es. Bei allem Verständnis für die sicherlich alles andere als einfache Situation der früheren Sportschau-Moderatorin: So etwas macht man nicht. Schließlich steht bei der renommierten TV-Lotterie nicht der Gewinngedanke im Vordergrund, sondern die Absicht zu helfen. So werden aus den Reinerlösen der Lotterie unter anderem Senioren- und Behindertenheime, Hospize, heilpädagogische und Rehabilitationseinrichtungen, Sozialstationen und gemeinnützige Träger der Kinder- und Jugendhilfe gefördert. Das lässt sich nur schwer mit der überzogenen Lierhaus-Gage in Einklang bringen. Sie ist damit nicht nur für den Imageverlust von Ein Platz an der Sonne mitverantwortlich, sie hat sich dadurch auch selbst keinen Gefallen getan. Genauso hart muss man allerdings mit den Aufsichtsgremien der ARD-Fernsehlotterie ins Gericht gehen, denn die haben den Lierhaus-Kontrakt einfach durchgewinkt, ohne die zu erwartenden Konsequenzen zu bedenken.

Wenn man also jemanden auszutauschen gedenkt, dann sollte das bei Monica Lierhaus weder anfangen noch enden.

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Drum prüfe ewig, wer sich scheiden lassen will

Malta hat eine beneidenswert niedrige Scheidungsrate: Sie beträgt genau null Prozent. Sind die Ehen auf der Mittelmeerinsel etwa glücklicher als im Rest Europas? Nein, natürlich nicht, auf Malta kann man sich nur nicht scheiden lassen. Das Zivilrecht des Landes sieht diese Möglichkeit schlicht und einfach nicht vor. Die einzige Möglichkeit, den ungeliebten Partner wieder loszuwerden, ist die Annullierung der Ehe durch die alles beherrschende katholische Kirche. Allerdings werden so nur 150 bis 200 Ehen pro Jahr aufgelöst. Darüber hinaus haben die Malteser die Möglichkeit, sich im Ausland scheiden zu lassen – aber nur, wenn einer der Ehepartner seinen Wohnsitz dort hat oder die Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes besitzt.

Heute hatten die Menschen auf Malta nun jedoch die Möglichkeit, sich in einer Volksabstimmung für die zivilrechtliche Scheidung auszusprechen. Das Referendum hat für die christdemokratische Regierung und das Parlament aber keine bindende Wirkung. Und es ist alles andere als sicher, dass sich die Malteser mehrheitlich gegen die mächtige katholische Amtskirche und sich damit auch den manchmal eben alles andere als erfreulichen Realitäten des Ehelebens stellen: Letzten Umfragen zufolge war jeder zweite Stimmberechtigte noch unentschieden – und wirklich modern wäre das maltesische Scheidungsrecht so oder so nicht ausgestaltet. Die zwingend vorgeschriebene Trennungszeit beliefe sich auf mindestens vier Jahre. Zudem dürfte keine Chance auf Versöhnung mehr bestehen.

Mit dem Ergebnis der Volksabstimmung wird nicht vor morgen Nachmittag gerechnet.

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