Monatsarchiv für August 2011

 
 

Erderwärmungsleugnerlogik

Die vom Menschen beeinflusste globale Erwärmung unseres Planeten ist zwar eine Tatsache, aber das ist eigentlich völlig egal, weil sich mit der Leugnung wissenschaftlicher Fakten doch so schön Stimmung gegen Linke machen lässt.

Keine Sorge, das sage nicht ich, sondern FOX-NEWS-Moderator Clayton Morris:

If you dive into the weeds a little bit on this global warming thing, you see that it seems that facts are certainly on Huntsman’s [gemeint ist der republikanische Politiker Jon Huntsman, der sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bewirbt] side on all of this and fact checkers have come out, we’re actually having our own brain room look at this right now that any of Perry’s [Rick Perry, siehe auch hier] comments don’t seem to hold a lot of water. It doesn’t matter. What’s resonating right now in South Carolina is helping Governor Perry tremendously and he fired back at Huntsman on global warming and gaining traction, facts or not.

Irgendwie herzerfrischend, diese Offenheit, oder?

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Vielen Dank an Antikraut für den Hinweis.

Politically Incorrect (PI): Ärger im Nazi-Paradies

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus? Falsch. Als im politisch inkorrekten (PI) Hass- und Hetzblog gestern eine wenig schmeichelhafte Bestandsaufnahme der extrem rechten Parteiattrappe Die Freiheit zu lesen war, konnte es eigentlich nur ein paar Stunden dauern, bis deren bayerischer Pressesprecher Michael Stürzenberger zum propagandistischen Gegenschlag ausholen würde. Und genau das passierte heute dann auch:

Mit dem gestrigen weitestgehend faktenfreien Diffamierungs-Artikel von Quotenqueen über die wichtigste islamkritische Veranstaltung des Jahres am kommenden Samstag mit Geert Wilders, Oskar Freysinger und Robert Spencer wird auch eine ganz grundsätzliche Frage aufgeworfen: Welche Partei ist die Richtige, um die drängende politische Kurskorrektur in diesem Land zu erreichen? Es ist kein Zufall, dass genau der Autor, der gestern in hinterhältiger Weise der islamkritischen Bewegung in den Rücken fiel, seit Wochen erstaunlich positiv über die Pro-Bewegung schreibt.

Und:

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe in den vergangenen Jahren einige Veranstaltungen von PRO in NRW besucht, unter anderem den Anti-Islamisierungskongreß, und habe dort sehr viele Bürger und auch Politiker kennengelernt, die meines Erachtens ganz ehrlich und aufrichtig für unsere islamkritische Sache kämpfen. Aber ich habe einen ganz entscheidenden Wendepunkt erlebt, und das war die Aufnahme des ehemaligen NPD-Funktionärs Andreas Molau in die PRO-Bewegung.


Sagt der Mann, der selbst das NPD-Parteiorgan Deutsche Stimme zitiert und auch sonst ein eher geschichtsklitterndes Verhältnis zum Nationalsozialismus pflegt.

Stürzenbergers scheinheilige Repklik war allerdings nicht die einzige mächtig aufgeregte Antwort auf den freiheitskritischen Beitrag von gestern, denn kurze Zeit später durfte sich mit Frank Furter ein weiterer von Blogchef Stefan Herres devoten Hauspudeln über den Autor des Artikels echauffieren:

Das war mal ein Paukenschlag: das Autorenteam ‘Quotenqueen’ veröffentlichte hier auf PI einen Beitrag über DIE FREIHEIT, der nicht nur kritisch, sondern gar diffamierend daher kam. Kein Wunder, bediente sich die Quotenkönigin doch jener Halb- und Unwahrheiten, mit denen seit Monaten auf dem parteinahen Blog der PRO-Bewegung gegen DIE FREIHEIT gehetzt wird.

Es versteht sich von selbst, dass weder Stürzenberger noch Frank Furter die vermeintlichen Halb- und Unwahrheiten durch entsprechende Tatsachen entkräften können. Stattdessen versteigt sich Frank Furter angesichts der absurd hohen Eintrittspreise für den von der Freiheit veranstalteten Geert-Wilders-Vortrag am kommenden Wochenende in Berlin zu einem unfreiwillig komischen Vergleich:

Tatsächlich wurde selbst an der Basis der FREIHEIT Kritik an der Höhe der Eintrittspreise für das Wilders-Event laut. Andererseits geben viele Menschen bisweilen das Doppelte aus, um den sinnbefreiten Worten und Klängen so genannter Popstars zu lauschen. Das wirft ein scheußliches Licht auf die deutsche Gesellschaft im Allgemeinen – [...].

Vielleicht sollte der wasserstoffblondierte Gaga-Politiker aus Holland also einfach ein bisschen singen. Wegen der Kultur. Und so.

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Ein Mörder für das Weiße Haus?

Cameron Todd Willingham wurde am 16. Februar 2004 im Todestrakt des Hochsicherheitsgefängnisses von Huntsville im US-Bundesstaat Texas hingerichtet. 12 Jahre zuvor war der damals 24 Jahre alte Familienvater wegen dreifachen Mordes an seiner Tochter Amber (2) und den einjährigen Zwillingen Karmon und Kameron zum Tode verurteilt worden. Die Kinder waren während eines Brandes im Haus der Willinghams ums Leben gekommen. Dem angeblichen Täter wurde vorgeworfen, das Feuer absichtlich gelegt zu haben, um zu vertuschen, dass er seine Kinder missbraucht habe. Außerdem hätten sie Willingham beim Biertrinken und Dartwerfen gestört.

Einen Beweis für diese selbst nach Ansicht der Kindsmutter absurden Motivbehauptungen blieb die Staatsanwaltschaft jedoch schuldig. Stattdessen beauftragte Chefermittler John Jackson einen Gerichtspsychologen, der Willingham zwar nie persönlich traf, dafür aber spekulierte, dass die in der Wohnung des arbeitslosen und vorbestraften Automechanikers aufgehängten Poster von Heavy-Metal-Bands, auf denen gefallene Engel und menschliche Schädel abgebildet waren, Willingham durchaus zu satanischen Aktivitäten angeregt haben könnten. Als dann auch noch der örtliche Feuerwehrchef aussagte, dass der Brand absichtlich von menschlicher Hand verursacht worden sei, war Willinghams Schicksal besiegelt. Der Todesstrafe hätte er zu diesem Zeitpunkt nur noch dadurch entgehen können, wenn er ein Geständnis abgelegt hätte. Doch das wollte Willingsham nicht – wofür es einen sehr guten Grund gab: Der Mann hatte seine Kinder nämlich nicht getötet.

Als die Kriminaltechnische Kommission des Staates Texas den Fall vor zwei Jahren neu aufrollte, kam der mit der Untersuchung beauftragte Brandexperte Craig Beyler zu dem Schluss, dass die damaligen Brandermittler anstelle der Ergebnisse einer wissenschaftlich basierten Untersuchung lediglich eine Sammlung persönlicher Ansichten zusammengetragen hatten. Beyler warf den offenbar voreingenommenen Ermittlern außerdem vor, dass ihnen jedes Verständnis für Feuer und für durch Feuer verursachte Verletzungen gefehlt habe. Sie hätten Esoterik betrieben, aber keine solide Wissenschaft. Tatsächlich sei der Brand durch einen defekten elektrischen Heizofen oder eine fehlerhafte Stromleitung ausgelöst worden. Erhebliche Zweifel an den offiziellen Untersuchungsergebnissen waren allerdings schon vor Willinghams Exekution aufgetaucht: Der renommierte Pyrowissenschaftler Gerald Hurst hatte nach dem Studium der Emittlungsunterlagen und zahlreicher Fotos ebenfalls Unverständnis für die abenteuerlichen Schlussfolgerungen seiner Kollegen geäußert. Genau hier wird der Fall heute aber wieder aktuell, denn der republikanische Gouverneur von Texas, Rick Perry, der vor zweieinhalb Wochen erklärt hat, in knapp eineinhalb Jahren ins Weiße Haus einziehen zu wollen, kannte Hursts Bericht, als er sich weigerte, Willinghams Hinrichtung aufzuschieben.

Wer einen Menschen trotz des Vorliegens entlastender Erkenntnisse töten lässt, ist nichts anderes als ein ganz gewöhnlicher Mörder. Und das trifft leider auch auf Rick Perry zu.

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Vielen Dank an Antikraut für den Hinweis.

Die Tea-Party-Bewegung

Ein Lehrfilm des Schweizer Fernsehens vom 21. März 2011 für politisch inkorrekte (PI) und andere ultrarechte Demokratiefeinde:



Aus dem Pressetext zur Dokumentation:

Sie sind gegen den Klimaschutz, gegen eine staatliche Krankenversicherung und vor allem gegen Obama. In den USA machen die Konservativen mobil gegen ihren Präsidenten, allen voran die wachsende Tea-Party-Bewegung. Sie gibt sich als spontaner Zusammenschluss besorgter Bürgerinnen und Bürger, und ihre Anhänger wehren sich vehement gegen Vorwürfe, sie würden von ein paar Superreichen finanziert. Doch was stimmt? Der australische Filmer Taki Oldham gab sich als interessierter Bürger aus und besuchte Tea-Party-Veranstaltungen in sechs US-Bundesstaaten. Seine Reise quer durch die USA zeigt auf, wie die Tea-Party-Bewegung funktioniert und wer sie orchestriert.

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Berliner Wahlk(r)ampf der etwas anderen Art

Normalerweise verteilen Parteien im Wahlkampf großzügig billigen Werberamsch, um Wähler für sich zu gewinnen. Insofern ist das Wahlkampfkonzept der Muslimenhasserpartei Die Freiheit wahrhaft revolutionär, denn bei den ultrarechten Kaspern muss man kräftig blechen, um anschließend seine Stimme sinnlos an sie verschenken zu dürfen. Wenn der holländische Extremrechtsausleger Geert Wilders am kommenden Samstag nicht zum ersten Mal in die Bundeshauptstadt kommt, um Die Freiheit im Wahlkampfendspurt um das Berliner Abgeordnetenhaus zu unterstützen, dann tut der wasserstoffblondgefärbte Islamallergiker das nämlich nicht gratis. Bis zu 100 Euro (!) Eintritt verlangt Die Freiheit, um dem wirren Gefasel des Niederländers von der eingebildeten Überlegenheit der abendländischen Herrenrasse lauschen zu dürfen – zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Selbst auf den billigsten Plätzen werden noch 35 Euro pro Person fällig, Parteimitglieder erhalten in der Fußvolkkategorie aber immerhin einen Nachlass in Höhe von 5 Euro.

Schaut man sich den interaktiven Belegungsplan des aus Angst vor was oder wem auch immer streng geheim gehaltenen Veranstaltunsgortes an, kann man sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass Wilders’ Vortrag irgendwie doch nicht zum Kassenschlager werden wird – was selbst bei den politisch inkorrekten (PI) Realitätsverweigerern gut zweieinhalb Wochen vor der Berliner Wahl für spürbare Ernüchterung sorgt:

Dass so etwas in einem Desaster enden muss, kündigt sich seit langem an. Weniger als die Hälfte der gerade einmal 1000 vorgesehenen Plätze [...] wurden bisher reserviert. Jetzt, wenige Tage vor der Veranstaltung, gibt die Partei die Karten zum Verramschen frei, [...].

Und jetzt alle so: Oooooch!

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Vielen Dank an schlammungeheuer für den Hinweis.

PI: Immer ganz nah dran an den Verfassungsfeinden

Mit einer reichlich dämlichen Anzeigenkampagne gegen die Grünen bestreiten die Deutschen Konservativen ihren aussichtslosen Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus – was selbstverständlich auch den begeisterten Applaus der politisch inkorrekten (PI) Braunhemden findet.

Chef der Deutschen Konservativen ist Dieter Jochim – und der hat wie soviele andere aus der ultrarechten Schmuddelecke bereits eine wenig vorzeigbare Politkarriere hinter sich, denn Jochim war zuvor in der vom Verfassungsschutz beobachteten Deutschen Partei aktiv. Die hatte 2003 mit der DVU-Abspaltung FDVP fusioniert und soll zwei Jahre später auch dem sogenannten Deutschlandpakt von DVU und NPD beigetreten sein – was jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Die Konservativen sehen sich selbst in der Tradition der Deutschen Konservativen Partei, die von 1946 bis 1955 existierte und als Sammelbecken für Rechtsextremisten aller Art bis hin zu Anhängern des Nationalsozialismus fungierte.

Wenn man das weiß, ist es sicherlich keine große Überraschung mehr, dass ein offener Brief Jochims an WDR-Intendantin Monika Piel Ende Februar 2011 im Nazi-Blog Ex-K3-Berlin veröffentlicht wurde. Inhaltlich bot das Schreiben allerdings nur Anlass für jede Menge ungläubiges Gelächter. Zitat:

[...], in Ihrer Sonntagssendung der Lindenstraße Folge 1317 wird suggeriert, dass die ‘Konservative Partei’ mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit auf Wahlkampf gehen würde. Es gibt in Deutschland nur eine konservative Partei, die ‘Deutsche Konservative Partei’ und diese nimmt an den Wahlen in Berlin und Bremen teil.

Wir empfinden ihre Sendung mit diesem Thema als diskriminierend und ehrabschneidend.

Vielleicht hätte sich Jochim doch ein bisschen mit diesem Handlungsstrang vertraut machen sollen, denn darin geht es natürlich nicht um seine Partei – die werden die Autoren vermutlich gar nicht kennen – sondern um eine fiktive konservative Partei, die über einen gewissen parlamentarischen Einfluss verfügt. Da die Lindenstraße zwar in Köln gedreht wird, aber in München spielt, dürfte damit wohl die CSU gemeint sein. Die Lindenstraße befasst sich derzeit übrigens auch recht intensiv mit der Scientology-Sekte, die in der Serie jedoch nur als Society in Erscheinung tritt.

So schwer ist das doch wirklich nicht zu verstehen, Volksgenosse Jochim, oder?

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Der heimliche Zwilling der Sarah Palin

Michele Bachmann – man mag es kaum glauben – kann sich tatsächlich Hoffnungen auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur machen. Die neue Ikone der Tea-Party-Radikalisten fiel zwar schon in der Vergangenheit nicht gerade durch ein Übermaß an Bildung und Intelligenz auf, aber das scheint die Chancen Bachmanns auf eine Erdrutsch-Niederlage gegen Barack Obama zumindest bis jetzt nicht geschmälert zu haben. Irgendwie scheint sie sich dadurch sogar ermutigt zu fühlen, immer neue Klöpse nachzulegen. Beispiel 1:

‘Washington, D.C., you’d think by now they’d get the message,’ she said. ‘An earthquake, a hurricane. Are you listening? The American people have done everything they can, and now it’s time for an act of God and we’re getting it.’


Hurrikan Irene und das Erdbeben an der Ostküste der USA in der vergangenen Woche waren also göttliche Botschaften an Washington. Als die Dame endlich merkte, dass das irgendwie gar nicht gut ankam, versuchte sie sich damit herauszureden, dass sie doch nur gescherzt hätte – angesichts von mindestens 32 Todesopfern durch Irene eine durchaus interessante Wahlkampftaktik.

Doch das war nicht Bachmanns einziger Ausrutscher in den letzten Tagen – womit wir zu Beispiel 2 kommen:

‘What people recognize is that there’s a fear that the United States is in an unstoppable decline. They see the rise of China, the rise of India, the rise of the Soviet Union and our loss militarily going forward.’

Wie jetzt? Die Sowjetunion ist 20 Jahre nach ihrem Ende immer noch eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten? Vielleicht wäre es jetzt wirklich einmal Zeit für eine Botschaft – und zwar an den Allmächtigen:

Oh Herrn, schmeiß’ Hirn runter!

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Vielen Dank an Robert für den Hinweis.

Nazis als Stichwortgeber für Politically Incorrect (PI)

Weil Michael Stürzenberger alias byzanz in einem Artikel schrieb, dass der Journalist Tobias Bezler in Schlägereien mit Rechtsextremisten verwickelt gewesen sein und jugendliche Linksextremisten in handgreifliche Auseinandersetzungen mit Rechtsextremisten geführt haben soll, hat der politisch inkorrekte (PI) Autor und Pressesprecher der ultrarechten Partei Die Freiheit in Bayern nun juristischen Ärger mit Bezler. Denn der bestreitet die von Stürzenberger augestellten Behauptungen und verlangt von diesem die Erstattung seiner Anwaltsauslagen. Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem aber, wen Stürzenberger zu seiner Entlastung zitiert.

Da ist zum einen das NPD-Parteiorgan Deutsche Stimme:

Kaum weniger braun ist Stürzenbergers zweiter Kronzeuge gegen Bezler, denn im Blog Der Nonkonformist

kommen regelmäßig Neonazi-Größen wie etwa Michael Winkler zur Wort. Winkler tritt des öfteren auch bei Altermedia in Erscheinung. Auf seiner eigenen Website hetzt er gegen Überfremdung, fordert Arbeitslager für Asylsuchende und schwärmt vom Deutschen Reich, das von drei (reichs-)fremden Mächten besetzt gehalten werde. Für die sächsische NPD schrieb er vor knapp drei Jahren, dass Deutschland in den Zweiten Weltkrieg getrieben worden sei, um im größten Raubkrieg der Menschheitsgeschichte restlos ausgeplündert zu werden.

Doch zurück zum Nonkonformist. Dort wird selbstverständlich auch der Holocaust geleugnet. So hieß es dort erst vor wenigen Tagen unter der Überschrift Die Absurdität des Vorwurfs der ‘Holocaustleugnung’:

Jemand, der den ‘Holocaust’ für eine Lüge hält, der leugnet und lügt also nicht, wenn er sagt, daß er den ‘Holocaust’ für eine Lüge hält, sondern er sagt die Wahrheit. Lügen würde dann, wenn er, z.B. unter dem Zwang der Strafandrohung sagte, der ‘Holocaust’ sei wahr, obwohl er ihn doch insgeheim für eine Lüge hält.

Wenn ein solcher Mensch also sagt, der ‘Holocaust’ sei eine Lüge – dann spricht er die Wahrheit!

Das sind die Kreise, die Michael Stürzenberger für sich bemüht. Wirklich erstaunlich finde ich das jedoch nicht, ist doch Stürzenberger selbst keineswegs über jeden Zweifel erhaben.

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Der Papst könnte sich ja unwohl fühlen

In dreieinhalb Wochen kommt Papst Benedikt XVI. nach Deutschland. Stationen der Visite des römisch-katholischen Oberhirten sind Berlin, Erfurt und Freiburg. Die sich formierenden Proteste gegen den viertägigen Besuch des Papstes scheinen Politik und Verwaltung allerdings eine gewaltiger Dorn im Auge zu sein, denn:

Die Veranstalter von Demonstrationen gegen den bevorstehenden Papstbesuch stoßen bei den Behörden auf Widerstand. So verbietet die Berliner Versammlungsbehörde wegen angeblicher Sicherheitsbedenken nach SPIEGEL-Informationen den Start einer ‘Karawane zum Papst’ am Brandenburger Tor.

Auch die Freiburger Stadtverwaltung sowie die Behörden in Erfurt haben die beantragten Protest- und Infostände noch nicht genehmigt.


Ich meine, das muss man schon verstehen. Der Papst könnte sich ja unwohl fühlen. Da muss die grundgesetzlich garantierte Versammlungsfreiheit einfach mal ein bisschen zurückstehen. Basta.

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Der Nazi, der keiner sein will

Manfred Rouhs ist Vorsitzender der rechtsextremistischen Bürgerbewegung Pro Deutschland. In dieser Eigenschaft war Rouhs am Wochenende natürlich auch in Berlin vor Ort, als die Neuauflage des Anti-Islamisierungslonkresses wieder einmal auf ganzer Linie scheiterte. Nachdem Rouhs’ am Rande der Veranstaltung erneut kritische Fragen zu seiner wenig vorzeigbaren politischen Vergangenheit beantworten musste, sah sich Biedermanni zu der folgenden Behauptung genötigt (Hervorhebung von mir):

Ein Dutzend NPDler mit ‘Sarrazin hat Recht’-Transparent versucht sich zu ‘Pro Deutschland’ zu gesellen. ‘Mit denen haben wir nichts zu tun’, sagt Rouhs. Die Polizei hält die Neonazis fern. ‘Dabei haben wir doch die gleiche Position zu Fremden’, sagt NPD-Landeschef Uwe Meenen. Er kenne Rouhs noch von früher, man sei ‘per du’. Rouhs winkt ab. Seine NPD-Zeit bis 1987 sei vor der ‘Nazifizierung’ der Partei gewesen.


Fakt ist: Der heute 45-jährige Rouhs war 16 Jahre alt, als er 1981 der NPD-Nachwuchsorganisatisation Junge Nationaldemokraten (JN) beitrat, vier Jahre später wurde er deren Vorsitzender. Für die Bundestagswahl 1987 wurde Rouhs von der NPD als Krefelder Direktkandidat nominiert. Ende Januar 1987 trennte sich die Partei jedoch von ihm. Um beurteilen zu können, wie nazistisch die NPD bereits während der Mitgliedschaft Rouhs’ war, müssen wir uns also mit der Zeit zwischen 1981 und 1987 beschäftigen. Der NPD-Chef hieß damals Martin Mußgnug. Mußgnug gehörte 1956 zu den Mitbegründern des Bundes Nationaler Studenten (BNS), nachdem die Sozialistische Reichspartei Deutschlands (SRP) – die sich offen zum Nationalsozialismus bekannt hatte – vier Jahre zuvor verboten worden war. Der BNS, der sich mit der während der NS-Gewaltherrschaft von der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgsdivision Prinz Eugen und der Hitler-Jugend (HJ) sowie vom Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA) verwendeten Odalrune schmückte, vertrat ein elitär völkisch-nationalistisches Gesellschaftsbild und verstand sich als Vorläufer einer völkischen Großpartei, deren Hauptziel die Wiederbelebung der Deutschen Reichs sein sollte. Zentrales Vortragsthema des BNS war die Frage nach der deutschen Kriegsschuld, die vom BNS vehement geleuget wurde. Nachdem sich Mitglieder des Berliner BNS-Landesverbandes 1960 an einer Sonnwendfeier mit Hakenkreuzen beteiligt hatten, wurden erste Verbotsforderungen laut. Das bundesweite Verbot des BNS erfolgte ein Jahr später. Ehemalige BNS-Funtionäre – darunter auch Mußgnug – spielten eine Schlüsselrolle bei der Gründung der NPD im Jahr 1964.

Wenn Rouhs heute also behauptet, die NPD sei erst nach seinem unfreiwilligen Abgang zur Nazi-Partei geworden, dann ist das natürlich nichts anderes als eine von Grund auf verlogene Schutzbehauptung.

Rouhs und Mußgnug trafen sich bei der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH) später übrigens wieder. Die erregte 1993 vor allem dadurch Aufsehen, dass Mitglieder der Partei auf eine von Abschiebung bedrohte Roma-Frau ein Kopfgeld in Höhe von 5000 Mark ausgesetzt hatten.

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