Monatsarchiv für Januar 2012

 
 

The Prof Strikes Back (2)

Mit dem US-Historiker Dr. Paul Gottfried liege ich seit einigen Tagen im Streit (siehe hier und hier). Im Kern geht es dabei um drei Fragen. Erstens: Wieviel wusste die deutsche Zivilbevölkerung vom Holocaust? Zweitens: Lässt sich daraus eine Kollektivschuld der Deutschen ableiten? Und drittens: War die Wehrmacht aktiv an den NS-Verbrechen in den besetzten Gebieten beteiligt – und wenn ja, in welchem Umfang?

Während Dr. Gottfried auf die ersten beiden Fragen offenbar nicht weiter einzugehen gedenkt, hat er mir nun über meinen amerikanischen Freund David Vickrey eine auf Deutsch verfasste Antwort zugeleitet, die ich nachfolgend schon aus Gründen der Fairness ungekürzt veröffentliche:

Obwohl es mir gründsätzlich missfällt, auf eine arge Verzerrung meiner Wörtern eine Antwort erteilen zu müssen, tue ich das hiermit, um weiterem Ärger zuvorzukommen. Von der mir beigemessenen Verharmlosung der Verbrechen des Dritten Reiches bin ich um Meilen entfernt — und umso mehr, als meine glücklosen Familienangehörigen dem Dritten Reich zum Opfer gefallen sind. Um den Kontext klarzumachen: Der Verfasser, den ich zu bewerten gedrängt wurde, untersucht einen fraglichen Befund, der sowohl der Wehrmacht wie auch deutschen Zivilisten eine übermässige Verantwortlichkeit für die Missetaten der Hitler-Diktatur anrechnet. Der Herr Professor Alfred de Zayas bemäntelt kein Nazi-Verbrechen, sondern bestätigt die Festellung der Nürnberger Prozesse in Bezug auf den Wissengsgrad des Durchschnittsdeutschen über die Judenmorde. An seinen materialreich ausgearbeiteten Schlüssen finde ich gar nichts auszusetzen. Darüber hinaus ist Zayas bewundernswert beflissen, den wahrscheinlichen Umfang der Wehrmachtbeteiligung an den Erschieβungen von Juden im Osten auszuforschen. Er erzielt den vorgesteckten Zweck, ohne die Verstrickung zu übertreiben.

Was Ernst von Manstein bezüglich der durchgeknallten Gegnerschaft der Juden amtlich verkündete, beweist keineswegs, dass Manstein oder seine Untergeordneten in der Wehrmacht die im Osten befindlichen Juden auszurotten bemüht waren. Manstein ließ einen Mahnruf mit unglimpflichen Hinweisen auf einen jüdischen Feind ergehen, weil er ihm aufgezwungen worden war. Es gibt keine Indizien, dass er selbst den Text anlegte, eine Handlung, die er leugnete. Zweimal wurde der mit dem Oberkommando betraute General einem Prozess wegen Kriegsverbrechen unterzogen, zum ersten Mal in Nürnberg und darauf in einem Sondergericht in Hamburg. Zu beiden Gelegenheiten wurde er von der Beschuldigungen an den Judenmorden Mittäter zu sein, im Ganzen freigesprochen. Man konnte damals auch nicht aufzeigen, dass Manstein um den angelegten Holocaust Weiteres einholte, geschweige denn, dass er die Auskunft geheimgehalten hat. Das ist kein zwingender Beweis, dass der General ein Schätzer Menschheit war. Es sind nur Gegenbeweise gegen den Versuch, das Schuldnetz zu weit auseinanderzubreiten.

Nebenbei bemerkt: Zwei Anklagepunkte blieben haften und veranlassten die Verurteilung von Manstein zur Strafzeit. Er nötigte Kriegsgefangenen Sklavenarbeit auf und ließ Sowjetkommissare hinrichten. Verglichen mit anderen damals verübten Greueltaten erscheinen diese Kriegsverbrechen relative Kleinigkeiten zu sein.


Dazu gibt es natürlich einiges zu sagen. Für die Bewertung der Beteiligung Erich von Mansteins an den nationalsozialistischen Massenmorden spielt es überhaupt keine Rolle, ob er den Befehl vom 20. November 1941, aus dem ich zitiert habe, widerwillig oder aus freien Stücken verfasst hat. Es ist genauso bedeutungslos, ob die Formulierungen in diesem Befehl von ihm selbst oder von jemand anderem stammen. Sein Name steht unter dem Befehl, und von Manstein hat ihn unterschrieben. Das ist eine historische Tatsache, an der es nicht das Geringste zu deuteln oder gar zu relativieren gibt.

Tatsächlich wurde Erich von Manstein in den Nürnberger Prozessen aus rein formalen Gründen nicht angeklagt. Sein Prozess – es war das letzte alliierte Kriegsverbrecherverfahren – wegen Verletzung der Kriegsgesetze und -gebräuche in insgesamt 17 Fällen fand erst 1949 vor einem britischen Militärgericht in Hamburg statt. In acht Anklagepunkten wurde er freigesprochen, in den restlichen neun wurde er für schuldig befunden, weil er Deportationen zugelassen, Erschießungen von Kriegsgefangenen geduldet und die Auslieferung von Politkommissaren an den Sicherheitsdienst (SD) erlaubt hatte. Hinsichtlich der Gräueltaten in Polen konnte man ihm zwar keine aktive Beteiligung nachweisen, seine Aufsichtspflicht als Oberbefehlshaber hatte von Manstein nach Ansicht der Richter aber trotzdem in eklatanter Weise vernachlässigt und damit den Völkermord mitverschuldet. Erich von Manstein wurde zunächst zu insgesamt 18 Jahren Haft verurteilt, die Strafe wurde wenig später aber auf 12 Jahre Freiheitsentzug reduziert. Aufgrund gesundheitlicher Probleme und wegen guter Führung wurde ihm ein Drittel dieser Strafe erlassen. Unter Anrechnung seiner Zeit in Kriegsgefangenschaft war von Manstein bereits 1953 wieder ein freier Mann. 1955 veröffentlichte er seine Autobiographie, bis 1960 war er aktiv am Aufbau der Bundeswehr beteiligt. Erich von Manstein starb 1973 in Irschenhausen in der Nähe von Bad Tölz. Der verurteilte Kriegsverbrecher wurde mit allen militärischen Ehren beigesetzt, die Trauerrede hielt der damalige Generalinsprekteur der Bundeswehr, Armin Zimmermann.

Erich von Manstein war für den Massenmord an unzähligen unschuldigen Zivilisten verantwortlich. Das kann man selbst in Relation zu den anderen Verbrechen der Nazis nicht als Kleinigkeit bezeichnen, auch nicht als relative. Erich von Manstein war einer von vielen Tätern innerhalb der Wehrmacht, ein realistisches Gesamtbild zur Schuld der Wehrmacht ergibt sich schon deshalb erst, wenn man alle Wehrmachtsmörder und ihre Taten berücksichtigt. Dr. Gottfried verweigert sich dieser Gesamtbetrachtung jedoch. Er sieht in den Verbrechen der Wehrmacht lediglich die Taten Einzelner, so wie für ihn auch der Holocaust insgesamt nur das Werk einiger weniger Nazis war. Das ist Geschichtsklitterung der übelsten Sorte, über deren Motivation ich gar nicht zu spekulieren wage.

Ein Wort noch zu dem von Dr. Gottfried so verehrten Alfred de Zayas: Der stützt seine These von der kollektiven Unschuld der Deutschen zum Beispiel darauf, dass sich Bismarck mit Juden umgeben habe und dass viele deutsche Juden im Ersten Weltkrieg für Volk und Vaterland gefallen seien. Diese von einer ergreifenden Schlichtheit geprägte Sichtweise ignoriert wissentlich die Fakten und hat mit Logik oder seriöser Geschichtsforschung allerdings nichts zu tun. Dass sich Dr. Gottfried trotzdem auf de Zayas beruft, wirft ein bezeichnendes Licht auf Gottfrieds revisionistisches Weltbild.

Dr. Gottfried bezeichnet mich in seinen E-Mails in abfälligem Ton übrigens immer als Antifaschist. Wenn damit gemeint ist, kein Faschist zu sein, dann verstehe ich das als durchaus wertschätzende Beurteilung meiner Ansichten. Aber so meint es Gottfried wohl eher doch nicht. In diesem Sinne gebe ich das Kompliment an den Faschisten Paul Gottfried gerne zurück und sehe die Auseinandersetzung mit ihm damit auch als beendet an. Alles andere wäre pure Zeitverschwendung.

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PI: Erst hetzen, dann fragen

Politically Incorrect (PI) will wieder einen unfassbaren Islamisierungsskandal aufgedeckt haben:

Im Münchener Fitness-Club ‘Fitness First Women’ (München-Pasing, Bodenseestraße) sollen seit kurzem männliche Fitnesstrainer unerwünscht sein. Auf Druck einiger muslimischer Club-Besucherinnen sei komplett auf Frauen umgestellt worden, wie uns der Freund eines weiblichen Studio-Mitglieds per email mitteilte.

Den Kopftuchdamen sei es unangenehm gewesen, sich vor einem Mann sportlich zu betätigen.

[...]

Schon vor einem Jahr soll es im selben Club einen ähnlichen Zwischenfall gegeben haben. Eine Muslimin soll sich darüber beschwert haben, dass eine Deutsche ihren Zweijährigen mit in die Umkleide genommen hatte.

Quelle: http://www.pi-news.net/2012/01/schafft-fitness-kette-mannliche-trainer-ab

Der Freund eines weiblichen Studio-Mitglieds per email. So, so. Wie originell! Und glaubwürdig!

Das ist die typische Masche eines rechtsradikalen Hass- und Hetzblogs: Fakten Fehlanzeige. Es wird völlig egal sein, was die Geschäftsführung der Fitness-Kette antwortet. Entweder wird PI die Antwort gar nicht erst veröffentlichen – oder sie solange verbiegen, bis sie ins wahrheitsresistente PI-Paralleluniversum passt.

Wer PI kennt, der weiß, dass das genauso ablaufen wird.

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Wenn der Boris mit dem Tony gut Freund sein will

Tony Xaver Fiedler, Ex-Chef der rechtsextremistischen DVU-Jugend, war doch ziemlich amused, als er kürzlich diese Facebook-Freundschaftsanfrage vorfand – handelt es sich bei Boris Rhein (CDU) doch immerhin um dem hessischen Innenminister und Kandidaten der Christdemokraten für die Nachfolge der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth. Die Frage, ob es sich bei Rheins offenkundiger Sympathie für Herrn Fiedler um eine wahnsinnig subtile Form der Beobachtung oder nur um ein, hm, Versehen handelt, konnte bisher nicht beantwortet werden. Immerhin: Auf Rheins Facebook-Freundesliste taucht Fiedler (noch) nicht auf – was natürlich auch daran liegen könnte, dass der Tony den Boris einfach nicht leiden kann.

Bevor ich es vergesse: Es ist keineswegs das erste Mal, dass Boris Rhein im Verdacht steht, gute Kontakte zu dubiosen Gestalten zu pflegen.

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Vielen Dank an Albert für den Hinweis.

The Prof Strikes Back

Mein Großvater diente in der Wehrmacht. Er fiel am 14. Oktober 1944 bei Rückzugsgefechten mit der Sowjetarmee im ostpreußischen Kornberg. Er wurde nur 32 Jahre alt. Ob er im Krieg jemals etwas getan hat, wofür er sich hätte schämen müssen, weiß ich nicht. Dass die Wehrmacht auf jeden Fall tief in die systematischen Verbrechen der Nazis verstrickt war, ist dagegen zweifelsfrei erwiesen. Sie war nicht nur vereinzelt aktiv und passiv an Massenmord und Deportation beteiligt. Dem Kommissarbefehl, der auf Druck des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) zustande kam, fielen einige Tausend Menschen zum Opfer. Der Befehl zur Auslieferung von jüdischen und politischen Kriegsgefangenen an den Sicherheitsdienst (SD) kostete mindestens 140000 Menschen das Leben, Schätzungen zufolge könnten es jedoch auch 600000 Menschen gewesen sein. Während in deutscher Kriegsgefangenschaft 57 Prozent aller sowjetischen Kriegsgefangenen – oder 3,3 Millionen Menschen – verstarben, überlebten 96,5 Prozent der amerikanischen Kriegsgefangenen ihre Internierung in deutschen Lagern. Das Massensterben der sowjetischen Soldaten in Wehrmachtsobhut verlangsamte sich etwas, als viele von ihnen zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. Erst acht Monate vor Kriegsende wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen wie die Gefangenen der westlichen Alliierten behandelt.

Bei der so genannten Endlösung der Judenfrage spielte die Wehrmacht eine genauso große Rolle. Die Wehrmacht deportierte Juden, richtete Judenghettos ein, sonderte jüdische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in deutschen Rüstungbetrieben aus – und war letztendlich auch am Massenmord selbst in erheblichem Umfang beteiligt. Generalfeldmarschall Walter von Reichenau erteilte bereits am 10. Oktober 1941 einen entsprechenden Befehl, in dem es unter anderem hieß:

Der Soldat ist im Ostraum nicht nur ein Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch ein Träger einer unerbittlichen, völkischen Idee und der Rächer für alle Bestialitäten, die deutschem und artverwandtem Volkstum zugefügt wurde. Deshalb muss der Soldat für die Notwendigkeit der harten aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben. Sie hat den weiteren Zweck, Erhebungen im Rücken der Wehrmacht, die erfahrungsgemäß stets von Juden angezettelt wurden, im Keime zu ersticken. […] Immer noch werden heimtückische, grausame Partisanen und entartete Weiber zu Kriegsgefangenen gemacht […] und wie anständige Soldaten behandelt und in die Gefangenenlager abgeführt. […] Ein solches Verhalten der Truppe ist nur noch durch völlige Gedankenlosigkeit zu erklären.

Generaloberst Erich von Manstein äußerte in einem Befehl vom 20. November 1941:

Dieser Kampf wird nicht in hergebrachter Form gegen die sowjetische Wehrmacht allein nach europäischen Kriegsregeln geführt. […] Das Judentum bildet den Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten Armee und der Roten Führung […] Das jüdisch-bolschewistische System muß ein für alle mal ausgerottet werden.

Und Generaloberst Hermann Hoth schrieb im Befehl vom 17. November 1941:

Es ist die gleiche jüdische Menschenklasse […]. Ihre Ausrottung ist ein Gebot der Selbsterhaltung.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Niemand behauptet, dass alle Wehrmachtssoldaten oder auch nur eine Mehrheit direkt am Holocaust mitgewirkt haben. Aber ohne die Wehrmacht als Organisation wäre der millionenfache Mord an den europäischen Juden sicherlich nicht im bekannten Umfang möglich gewesen. Das ist eine historische Wahrheit, die sich auch durch noch so häufiges Verdrehen und Bestreiten der Tatsachen nicht leugnen lässt. Dennoch gibt es immer wieder ideologisch motivierte Geschichtsklitterer, die die Dimension der Beteiligung der Wehrmacht an den Nazi-Verbrechen wider besseren Wissens schönreden und -rechnen wollen. Einen dieser faktenresistenten Schuldverharmloser – den ameriklanischen Historiker Dr. Paul Gottfried – habe ich vor einigen Tagen genau deshalb scharf kritisiert. Das konnte Gottfried so natürlich nicht auf sich sitzen lassen:

Ich bin viel zu gut erzogen, um auf so einen Bockmist adäquat zu reagieren. Aber Gottfrieds Antwort spricht ja auch so für sich.

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Ex-PI-Chefin Christine Dietrich: Lauwarm abgewatscht

Im September 2011 eröffnete der Synodalrat der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn ein förmliches Untersuchungsverfahren gegen die Schweizer Pfarrerin und ehemalige Strohfrau des politisch inkorrekten (PI) Hass- und Hetzblogs, Christine Dietrich. Inzwischen ist das Verfahren abgeschlossen. In einer Pressemitteilung wird die Öffentlichkeit nun über das Ergebnis der Untersuchung informiert:

Die Untersuchung über das Verhalten der Siseler Pfarrerin Christine Dietrich ist abgeschlossen und der Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn hat gestützt darauf seinen Entscheid gefällt. Demnach können der Pfarrerin keine eigenen hetzerischen Äusserungen gegen den Islam oder gar Hasspredigten vorgeworfen werden. [...] Der Synodalrat hält fest, dass die Untersuchung keinen Beweis für islamophobe Äusserungen oder Schriften von Frau Dietrich ergab, auch sind keine ‘Hasspredigten’ bekannt geworden. Die ihr angelasteten hetzerischen Ausdrücke stammen nicht von ihr.


Ach nein? Wirklich gründlich wurde da aber nicht hingeschaut. In diesem Video (ab 3:00) zum Beispiel sagte Dietrich bereits im August 2009 wörtlich unter anderem:

Islam opresses women, abuses children for hatred education, kills homosexuals and is persecuting Jews.

Der Islam unterdrückt Frauen, missbraucht Kinder durch Erziehung zum Hass, ermordet Homosexuelle und verfolgt Juden.

Wohlgemerkt: Dietrich sprach hier nicht etwa von radikalen islamistischen Fundamentalisten, sondern von dem Islam. Nicht weniger pauschal hetzend hatte sich Dietrich im Dezember 2007 über die Palästinenser geäußert:

Auf der anderen Seite, in der anderen Welt wurden wir vom Paten von Bethlehem in Empfang genommen. Bethlehem ist – man kann es nicht anders sagen – hochgradig maffiös. Korruption ist alles! Die Christen will man in Bethlehem nicht haben, höchstens wenn sie als Touristen in die Geburtskirche(n) kommen – wo die Geburtstätte Jesu und sogar die Krippe den Neugierigen präsentiert wird – und wenn man den Leuten geschnitzte Rosenholzsachen andrehen kann. Angeblich werden mit dem Erlös die palästinensischen Familien unterstützt: Wenn man aber sieht, in welch desolatem Zustand sich in der Westbank alles befindet, wird das zahlreich eingenommene Geld wohl doch nicht in Schulen und Krankenhäuser investiert sondern in andere weit weniger friedliche ‘Dinge’ …

Auffallend ist die riesige Anzahl arbeitsloser junger Männer ohne Perspektive, die aggressive Stimmung – keine Frauen auf der Straße – Polizisten mit einträglichen ‘Geschäftsbeziehungen’. Nach dem Zwangsbesuch im Touristenladen, bei dem ich mich, um die Korruption nicht auch noch weiter anzukurbeln, strikt weigere, etwas einzukaufen, [...].

Quelle: http://www.pi-news.net/2007/10/israel-ist-nicht-palaestina

Merke: Bei den Palästinensern handelt es sich ausnahmslos um arbeitsscheues, hochgradig korruptes und potentiell gefährliches Gewalttätergesindel. Genau das war die Botschaft, die Dietrich damals vermitteln wollte.

Aber ihre Kirche will davon trotzdem immer noch nichts wissen. Scheuklappenmentalität. Was nicht sein darf, kann einfach nicht sein. Man wusste wohl einen Grund (er)finden, um Dietrich weiterbeschäftigen zu können, denn in einem anderen Punkt fällt der Bericht ein vernichtendes Urteil über sie:

Als unvereinbar mit der Stellung als bernische Pfarrerin wird ihre leitende Tätigkeit beim Internetblog ‘Politically Incorrect’ bewertet, weil dieser zumindest in Teilen eine Islamhetze betreibt. Obwohl Frau Dietrich im Spätsommer 2011 ausgeschieden ist, erteilt ihr der Synodalrat diesbezüglich die klare Weisung, sich von derartigen kompromittierenden Tätigkeiten fernzuhalten. [...] Auf Grund des Untersuchungsberichts steht fest, dass Frau Dietrich beim islamfeindlichen Blog ‘Politically Incorrect’ eine mitbestimmend-verantwortliche Funktion wahrgenommen hat, wenngleich Hauptverantwortlicher offenbar Stefan Herre war. Weil auf diesem Blog herabwürdigende und hetzerische Artikel publiziert wurden, ist eine solche Beteiligung in leitender Stellung nicht mit der Stellung als Pfarrerin im bernischen Kirchendienst zu vereinbaren. Der Synodalrat sieht darin einen Verstoss gegen die Kirchenordnung und die Dienstanweisung für Pfarrpersonen. Er erteilt Frau Dietrich deshalb formell verschiedene Weisungen, namentlich sich von solchen Blogs fernzuhalten. Frau Dietrich hat zugesichert, sich an die Weisungen zu halten, sie anerkennt auch ausdrücklich die Bestimmungen der Kirchenordnung und der Dienstanweisung für Pfarrpersonen.

Kirchlicher Berichterstatter war übrigens der Berner Rechtsanwalt und frühere Regierungsstatthalter Andreas Hubacher. Der Mann gehört der fremdenfeindlichen Schweizer Volkspartei (SVP) an. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

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Vielen Dank an Mungo für den Hinweis.

Wie aus Sarwat A. Sabatina James wurde

Sabatina James befindet sich auf einer Mission. Und wie jede wahnhaft sendungsbewusste religiöse Fanatikerin hat natürlich auch Frau James ein Einfachstweltbild parat, das sie den Menschen – auch in des Wortes engerer Bedeutung – verkaufen will: Islam? Mächtig böse! Christentum? Hosianna! Höchste Zeit also, Frau James einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

1982 im pakistanischen Dhedar geboren, siedelt Sarwat A. – wie Sabatina James eigentlich heißt – mit ihrer Familie im Alter von 10 Jahren nach Linz über. Sie lebt sich schnell im fremden Land ein, obwohl die Eltern Österreich nur als vorübergehende Heimat betrachten. Es kommt zu Konflikten, die darin gipfeln, dass Sabatina in Lahore mit ihrem Cousin zwangsverheiratet werden soll. James weigert sich jedoch und wird von ihrer Familie in Pakistan zurückgelassen. Sie muss eine Koranschule besuchen, will aber nur eins: nach Österreich zurückkehren. Zum Schein willigt sie in die Heirat ein und darf schließlich ausreisen. Zurück in Linz, kommt es zum endgültigen Bruch mit der Familie. Sabatina konvertiert zum Christentum. Der Vater droht Sabatina mit dem Tod. Sie taucht unter.

Soweit in groben Zügen die Version ihrer Lebensgeschichte, wie sie von Sabatina James selbst erzählt wird. Ob sie die Wahrheit sagt, weiß keiner. Nachgehakt hat in letzter Zeit auf jeden Fall niemand mehr. Aber vor neun Jahren. Damals recherchierte das österreichische Nachrichtenmagazin News – und stieß dabei auf einige Ungereimtheiten, die so gar nicht zu Sabatinas herzzerreißender Story passen wollten. Da wurde zum Beispiel der ehemalige Ghostwriter ihres ersten Buches (Vom Islam zum Christentum – ein Todesurteil) mit den Worten zitiert:

‘Die Geschichte ist total geschönt – Sabatina gefiel sich als Nacktmodell und hat keinen einzigen Tag als U-Boot leben müssen. Ihr ‘Exil’ war eine 140-Quadratmeter-Wohnung ihres Verlegers in Wien-Favoriten.’

Sabatinas Nacktfotos – angeblich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und eigenen Angaben zufolge nur gemacht, um ihre Chancen als Model auszuloten – hatte News damals ebenfalls veröffentlicht. Sabatina setzte sich erfolgreich gegen die Publikation der Bilder zur Wehr, konnte gegen die Enthüllungen in der Sache aber nichts ausrichten. Und diese Enthüllungen hatten es wirklich in in sich: James wurde vorgeworfen, am 7. August 2002 in Kairo gegen Bares einen ägyptischen Moslem geheiratet zu haben, damit der in Österreich eine Aufenthaltsbewilligung erhält. Auf die Frage nach ihrer Religion soll Sabatina Islam angegeben haben, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits Christin gewesen sein will.

Trotzdem spielt das Model Gottes – wie SPIEGEL-Autor Matthias Matussek sie erst kürzlich nannte – die Rolle der verfolgten Unschuld vom Lande seit fast einem Jahrzehnt höchst erfolgreich. Islambashing ist halt ein ziemlich lukratives Geschäft. Ganz nach dem schlechten Vorbild anderer selbsternannter Frauenrechtlerinnen wie etwa Necla Kelek oder Ayaan Hirsi Ali will sich möglicherweise auch Sabatina James nur ein möglichst großes Stück vom islamophoben Kuchen sichern.

Niemand fragt nach, ob das, was sie über sich erzählt, überhaupt stimmen kann, denn Sabatina James ist ja Opfer. Und Opfer lügen schließlich nicht. Oder etwa doch?

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Der unfähigste ‘Journalist’ der Welt

Als Beruf gibt der politisch inkorrekte (PI) Chefideologe Michael Stürzenberger Journalist an. Was genau ihn zur Ausübung dieses Berufes befähigen soll, ist unklar. Er verfügt auf jeden Fall nicht über die grundlegenden journalistischen Kernkompetenzen. Ein Beispiel dafür ist Stürzenbergers aktuelle PI-Artikelattrappe Das gefährlichste Buch der Welt:

Die Aggression im Namen des Islam kostete in den 1400 Jahren seiner Existenz laut Schätzungen des Shoebat-Institutes circa 270 Millionen Menschen das Leben.

Quelle: http://www.pi-news.net/2012/01/das-gefahrlichste-buch-der-welt

Wer eine solche Behauptung in die Welt setzt, der sollte sie auch seriös belegen können. Stürzenbergers so genanntes Institut entpuppt sich jedoch schnell als Stiftung eines überführten notorischen Lügners, denn die Shoebat Foundation gehört dem aus der Nähe von Bethlehem stammenden Walid Shoebat. Der zum evangelikalen Christentum konvertierte Ex-Muslim will als früherer angeblicher PLO-Terrorist ein Bombenattentat auf die israelische Leumi-Bank verübt haben. Dumm nur, dass die Bank erklärt hat, dass ein solches Attentat nie stattgefunden hat. Auf Nachfrage konnte sich Shoebat auch an keinerlei Details des angeblichen Anschlags erinnern. Und nicht einmal Shoebats eigene Verwandtschaft schenkt seinen Terrormärchen Glauben (mehr dazu bei CNN).

Die Shoebat Foundation ist im rechtlichen Sinn auch keine Stiftung. Es handelt sich hierbei lediglich um Shoebats Website, deren eigentlicher – wenn nicht sogar einziger – Zweck darin zu bestehen scheint, Shoebats Lebensunterhalt zu bestreiten.

Das ist die Quelle, auf die sich Michael Stürzenberger, diese erbärmliche Karikatur eines Journalisten, bezieht.

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Vielen Dank an Vigilance für den Hinweis.

PI-Partei: Lost in Secession

Das heillose Chaos in der Parteileiche Die Freiheit geht munter weiter: Hatte es vor einigen Tagen noch geheißen, dass sich deren Nachwuchsorganisation Generation Freiheit von der Hauptpartei abspalten will, behauptet das inoffizielle Parteiorgan Politically Incorrect (PI) heute plötzlich, dass das nur ein Gerücht sei. Die Generation Freiheit habe sich nicht von der Partei getrennt. Die Fakten sprechen allerdings gegen Darstellung von Partei und PI. Zum einen sind auf der Website der Generation Freiheit derzeit keinerlei Aktivitäten feststellbar, zum anderen finden sich dort auch keine Hinweise auf verantwortlich handelnde Personen. Mit anderen Worten: Innerhalb der Partei ist die Generation Freiheit schlicht und einfach nicht mehr existent. Dagegen scheint der Facebook-Auftritt der Generation Freiheit nach wie vor gepflegt zu werden – und zwar von Christopher von Mengersen, der am vergangenen Donnerstag die Abspaltung von der Partei angekündigt hatte.

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Was wussten die Deutschen vom Holocaust?

Als ich mich vor einigen Jahren in Stuttgart auf Nazi-Spurensuche begab, führte mich das auch auf jenen Weg, der mitten durch ein Wohngebiet verlief und den Tausende Juden vom Sammellager auf dem Killesberg gehen mussten, bevor sie am Nordbahnhof in Züge gepfercht und in die Konzentrationslager deportiert wurden. Diese Märsche fanden keineswegs im Geheimen oder gar unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Man musste schon gewollt wegschauen, um davon nichts mitzubekommen. Und sehr viele taten das leider auch. An der Martinskirche in der Nähe des ehemaligen Deportationsgeländes erinnert eine Gedenktafel seit über 20 Jahren an diese beschämenden Tatsache:



Dass während der 12 Jahre dauernden NS-Gewaltherrschaft fast alle Stuttgarter Juden systematisch entrechtet, verfolgt, verschleppt und ermordet wurden – bei Kriegsende lebten nur noch 124 von ursprünglich fast 5000 Juden in Stuttgart – ist allerdings nur ein Beispiel dafür, dass die Deutschen ganz genau wussten oder zumindest wissen konnten, was die Nazis mit den Juden anstellten. Um nicht missverstanden zu werden: Es geht mir nicht un die Zuweisung von Schuld, sondern lediglich um die Feststellung einer historischen Wahrheit. Einen neuen Versuch, diese Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen, hat nun der amerikanische Historiker Dr. Paul Gottfried unternommen. In seinem Essay The Eternal German Guilt Trip bezeichnet Gottfried die schonungslose Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen als von Linken inszenierte politisch korrekte

Selbstgeißelung

und zitiert in diesem Zusammenhang Ex-Außenminister Joschka Fischer, der den Holocaust einmal den Gründungsmythos der Bundesrepublik genannt hatte. Die Bevölkerung – so Gottfried weiter – müsse nicht nur daran glauben, dass im so genannten Dritten Reich Millionen Juden ermordet wurden – was es da zu glauben (!) gibt, erschließt sich mir wirklich nicht – sondern auch, dass die Deutschen bereitwillig kooperiert hätten. Die vielfach belegte tiefe Verstrickung der Wehrmacht in die Verbrechen der Nazis ist für Gottfried ebenso eine linke Erfindung. Schließlich hätte die Armee doch nur einen Krieg für Volk und Vaterland geführt. Der Holocaust ist für Gottfried ausschließlich das Werk einiger weniger SS-Schergen gewesen. Da kann es kaum noch erstaunen, dass Gottfried auch einen Albert Speer nicht für einen Kriegsvebrecher hält. Fehlt eigentlich nur noch, dass Gottfried Adolf Hitler die Absolution erteilt. Wenn der Führer das gewusst hätte!

Rudolf Höß, der Lagerkommandant von Auschwitz, hat in seinem umfangreichen Geständnis etwas gesagt, was ich einfach nicht mehr aus meinem Kopf heraus kriege:

Wir sollten diese Vernichtungen im Geheimen ausführen, aber der faule und Übelkeit erregende Gestank, der von der ununterbrochenen Körperverbrennung ausging, durchdrang die ganze Gegend, und alle Leute, die in den umliegenden Gemeinden lebten, wussten, dass in Auschwitz Vernichtungen im Gange waren.

Die These von der Kollektivschuld der Deutschen im Sinne einer aktiven Mittäterschaft mag in den allermeisten Fällen falsch sein. Für die kollektive Mitverantwortung gilt das jedoch nicht.

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Via David Vickrey.

Ready for Polizeichef

Jason Todd J.T. Ready will Sheriff im Pinal County werden. Das ist insofern ein reichlich skurriles Unterfangen, weil der mehrfach vorbestrafte 38-jährige Ex-Marine der bekannteste Neonazi des US-Bundesstaates Arizona ist. Bis zum 4. Juli 2010 gehörte er dem National Socialist Movement (NSM), das auch international in die Schlagzeilen geriet, nachdem der 10-jährige Sohn des NSM-Führers Jeff Hall im Mai 2011 seinen Vater erschossen hatte. Auch wenn Ready inzwischen also keine Mitgliedsbeiträge mehr an die Neonazi-Organisation überweist, bestehen an seiner braunen Gesinnung dennoch nach wie vor keinerlei Zweifel. Man würde über Readys Kandidatur wahrscheinlich auch gar nicht berichten, wäre da nicht ein kleines Detail: Im Pinal County geht J.T. Ready als registrierter Demokrat ins Rennen. Ein demokratischer Neonazi? Für Ready ist das kein Widerspruch in sich, denn:

‘Das ist die Partei von Jim Crow, Robert Byrd und George Wallace.’




J.T. Ready aktuell (oben) und 2009 als Hitler-Groupie (unten)

Das lässt tief blicken. Jim Crow ist nämlich keine reale Person, sondern verkörpert in den USA das rassistische Klischee des tanzenden, singenden, mit sich und der Welt zufriedenen, aber dummen Schwarzen. Der vor gut eineinhalb Jahren verstorbene demokratische Senator Robert Byrd hatte seine politische Laufbahn dagegen sehr real beim Ku-Klux-Klan begonnen. Später distanzierte sich Byrd davon und stimmte im US-Senat regelmäßig für Gesetzesvorlagen, von denen Afroamerikaner profitierten, aber das scheint J.T. Ready genauso zu verdrängen wie George Wallace’ späte Läuterung vom überzeugten Rassisten zum Freund der Bürgerrechtsbewegung in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Und dass mit Barack Obama ein schwarzer Demokrat Präsident der Vereinigten Staaten ist, will Ready offenbar auch nicht zur Kenntnis nehmen.

Aber Neonazis nehmen ja ohnehin nur sehr selektiv wahr.

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Vielen Dank an David Vickrey für den Hinweis.