7/22 und die Brandstifter
Auch eine Woche nach den entsetzlichen Anschlägen von Oslo und Utøya versuchen die angeblichen Islamkritiker immer noch, ihre Hände in publizistischer Verantwortungslosigkeit zu waschen. Ich habe bewusst nicht Unschuld geschrieben, weil die tumben Demagogen nicht schuld daran sind, dass der irre Anders Behring Breivik 77 Menschen kaltblütig ermordet hat. Aber wer wissen will, auf welchem ideologischen Mist Breiviks gnadenloser Hass über Jahre hinweg gedeihen konnte, der kommt weder an Henryk M. Broder noch an dessen Gesinnungsgenossen vorbei.
Das ist der Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung.
Vor allem Broder übt sich seit dem 22. Juli in selbstherrlicher Ignoranz und unerträglicher Arroganz. Anstatt wenigstens ein einziges Mal erkennen zu lassen, dass ihn die vielen Todesopfer irgendwie berühren, tut Broder so, als gingen sie ihn überhaupt nichts an. Auch die Tatsache, dass Breivik Broder an mehreren Stellen seines Manifests zum Kronzeugen der imaginären Islamisierung des Abendlandes ernannt hat, führt bei Broder nicht etwa zu einer kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst. Im Gegenteil: Broder hält sich nach wie vor für absolut integer und unangreifbar. Die vielen hingerichteten Kinder und Jugendlichen sind ihm so egal wie seine Kritiker, für die er nur Hohn, Spott und Häme übrig hat. Das ist das Wesen des geistigen Brandstifters vom Großkaliber eines Henryk M. Broder: Mit Benzinkanister in der einen und Streichhölzern in der anderen Hand so lange mit dem Feuer spielen, bis es irgendwann tatsächlich licherloh brennt, um sich dann erbärmlich feige aus der Verantwortung zu stehlen. Kaum weniger scheinheilig sind Broders pseudojournalistische Komplizen. So behauptete Ulf Poschardt gestern in der Welt allen Ernstes:
Bei all den Attacken wurde nicht nur diese Zeitung [...] angegriffen, sondern insbesondere unser Autor Henryk M. Broder, der als Polemiker und Freigeist mit seinen Büchern, Texten und Fernsehshows wie kaum ein anderer Publizist in Deutschland der aufgeklärten Gesellschaft ihre blinden Flecken spiegelt. Als Provokateur macht er vor wenigen Tabus halt und zwingt sich auch dort zur Drastik, wo es leichter wäre, in den Schoß des veröffentlichten Mainstreams zurückzukehren. Er karikiert und überzeichnet im Dienste der Aufklärung: Das ist für jeden Leser und Rezipienten eigentlich deutlich wahrnehmbar.
Wer das mit Hetze verwechselt, tut dies aus Gründen der Selbstberuhigung. Wer in bewusster Verkennung Broders dessen anarchischen Humor und seinen kämpferischen Humanismus in den Zusammenhang mit einem Massenmord eines wohl persönlichkeitsgestörten Attentäters bringt, sortiert die Welt allzu simpel nach Gut und Böse und errichtet einen moralischen Hochsitz, von dem aus die Debatte herrschaftlich verwaltet werden soll.
Broder ist sicherlich kein Aufklärer und schon gar nicht ein Humanist, sondern ein gefährlicher Hetzer, dessen dreckiges Geschäft das Schüren von Hass ist. Dass er dieses Geschäft mit einer nicht bestreitbaren sprachlichen Eloquenz betreibt, macht das Ganze nicht besser, sondern nur gefährlicher.
• Erst Allah, dann der Prophet … und ganz weit unten Henryk M. Broder
(dontyoubelievethehype.com, 29. Juli 2011)

30. Juli 2011 um 11:38
[...] http://www.politblogger.eu/722-und-die-brandstifter/ [...]