Alice im Hamsterland
Margot Käßmanns Entscheidung, nach ihrer nächtlichen Alkoholfahrt mit 1,54 Promille von sämtlichen Kirchenämtern zurückzutreten, hat der evangelischen Kirche in Deutschland in einer ohnehin nicht einfachen Zeit eine quälende Moraldiskussion erspart, von der niemand etwas gehabt hätte – am allerwenigsten Käßmann selbst, die außer dem Argument, dass auch sie nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen ist, nichts zu ihrer Entlastung hätte vorbringen können. Dass die streitbare protestantische Theologin nicht nur in ihrer Kirche eine große Lücke hinterlässt, ist unbestritten. Aber diese Tatsache hätte auf keinen Fall den Verbleib Käßmanns in ihren Kirchenämtern rechtfertigen können. Die Schwere ihres Vergehens, bei dem es sich mitnichten um ein Bagatelldelikt handelt, ließ ihr gar keine andere Wahl, als so schnell wie möglich die Notbremse zu ziehen.
Auf einem ganz anderen Trip befindet sich dagegen wieder einmal Alice Schwarzer. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt die angebliche Frauenrechtlerin, die sich seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in einer phrasendreschenden Dauerschleife befindet, zum Rücktritt Käßmanns:
Sie hat einen Fehler gemacht und zieht die Konsequenzen. Aber hat Margot Käßmann mit dem Rücktritt wegen ihrer Alkoholfahrt richtig gehandelt? Nein. Einem Mann hätte man das Vergehen nachgesehen.
[...]
Zweifellos hat auch Scheinheiligkeit in ihren eigenen Reihen zum Rücktritt beigetragen. Zu vielen konservativen Kräften war dieser dritte Makel deutlich einer zu viel: Erstens Frau, zweitens geschieden, drittens ein Glas zu viel getrunken. Doch hatte ja der Rat der evangelischen Kirche ihr gleichzeitig sein Vertrauen uneingeschränkt ausgesprochen.
Es ist nicht verwegen zu behaupten: Ein Mann in der Lage wäre nicht zurückgetreten! Man hätte die Geschichte vermutlich auch gar nicht als so skandalös empfunden.
Nein, es ist nicht verwegen, sondern vielmehr dumm zu behaupten, dass ein Mann nach einem vergleichbaren persönlichen Fehltritt nicht zurückgetreten wäre. Käßmann hat sich bei ihrer Entscheidung zurecht nicht von der völlig irrelevanten Frage leiten lassen, welchem Geschlecht sie angehört. Doch Alice Schwarzer in ihrer unbelehrbaren Betonköpfigkeit würde es natürlich nur zu gerne gesehen haben, wenn sich Käßmann Schwarzers tumbe Nicht-Argumente zu eigen gemacht hätte. In diesem Fall ging es aber überhaupt nicht um die Frage, ob ein Mann genauso wie Käßmann gehandelt hätte, denn diese Frage war keine der Gleichberechtigung von Frau und Mann, sondern eine von falsch und richtig. In solchen Kategorien kann Schwarzer im Gegensatz zu sehr vielen Frauen und Männern allerdings schon lange nicht mehr denken. Wie ein Hamster im Käfig trampelt sie auf ihrem radikalfeministischen Laufrad herum und merkt gar nicht mehr dass sie damit eigentlich nur noch Mitleid erregt. Bestenfalls.
