Bibelgärtner mit ‘Gschmäckle’ (Update)
Maik Förster hat einen politisch inkorrekten (PI) Leserbrief geschrieben. Auf dessen Inhalt muss man gar nicht weiter eingehen, denn der darin gegen die Organisatoren der zigtausendfachen friedlichen Proteste gegen das Kölner Rechtsextremistentreffen vom vergangenen Wochenende erhobene Vorwurf, antijüdische Agitation betrieben zu haben, ist so absurd und aus der Luft gegriffen, dass man darüber eigentlich nur milde lächeln kann. Als einzigen vermeintlichen Beleg hat PI dann auch nur ein Foto veröffentlicht, auf dem ein Plakat zu sehen ist, das sich gegen die israelische Politik (!) richtet.
Viel interessanter ist jedoch die Person Maik Förster selbst. Der 44-Jährige ist nämlich nicht nur Geschäftsführer des von seiner Frau geleiteten Bibelgartens Oberlichtenau, sondern auch Mitglied des Bautzener Kreistages – und zwar für Henry Nitzsches Wählervereinigung Arbeit, Familie, Vaterland. Arbeit, Familie, Vaterland? Das war nicht nur der Wahlspruch der Nazi-Marionettenregierung des Vichy-Regimes in Frankreich oder das Motto von Le Pens rechtsextremistischem Front National vor sechs Jahren, nein, mit diesem Slogan zog auch die NPD 2005 in den Bundestagswahlkampf (siehe hier). Nitzsche selbst sieht sein Bündnis Arbeit, Familie, Vaterland zwar rechts von der Union, aber links von der NPD – eine Einschätzung, der man unter Zugrundelegung der Programme beider Parteien jedoch nur sehr eingeschränkt zustimmen kann. Nitzsche, der der Ansicht ist, dass Deutschland endlich vom
Schuldkult herunter kommen
muss und
nie wieder von Multikulti-Schwuchteln
regiert werden darf, trat nach massiver Kritik an seinen Äußerungen 2006 aus der CDU aus, aber nicht in die NPD ein, obwohl ihn diese ausdrücklich dazu aufforderte. Ob Nitzsche jemals darüber nachgedacht hat, warum die Nazis ausgerechnet ihn unbedingt haben wollten, bezweifle ich allerdings.
Das ist also das politische Umfeld, in dem sich Herr Förster (dessen Firma übrigens den Internetauftritt des Nietzsche -Bündnisses betreut) offensichtlich pudelwohl fühlt. Und auf der Website des bereits erwähnten Bibelgartens findet sich – welch Überraschung – auch ein empfehlender Link zu PI. Mit politischen Extremisten zu sympathisieren, scheint für Förster wohl irgendwie zum guten Ton zu gehören.
Mich erstaunt in diesem Zusammenhang eigentlich nur noch die inbrünstige Unverfrorenheit, mit der manche Leute ihre christentümelnde Frömmelei wie ein Schutzschild vor sich her tragen – als ob sie das gegen jegliche Kritik immun und über jeden Verdacht erhaben machen würde.
Update (14.12.2008): Förster hat Henry Nitzsches Wählervereinigung Arbeit, Familie, Vaterland verlassen. Grund dafür ist diese Pressemitteilung Nitzsches (vielen Dank an James L. für den sachdienlichen Hinweis), die ich nachfolgend im vollen Wortlaut zitiere (Hervorhebungen von mir):
‘In der Fremde kann niemand auf Dauer glücklich sein’
AFV-Vorsitzender Henry Nitzsche bewirbt sich um das Amt des Ausländerbeauftragten im Kreis Bautzen
Anlässlich der Wahl zum Ausländerbeauftragten des Kreises Bautzen wird in der nächsten Sitzung des Kreistages am 08. Dezember 2008 allen Kandidaten die Möglichkeit gegeben, sich persönlich vorzustellen. Davon wird auch der Vorsitzende des Bündnis ‘Arbeit, Familie, Vaterland’, Henry Nitzsche, Gebrauch machen, der als einziger Kreisrat zu den Bewerbern um das Amt gehört.
Nitzsche begründet seine Bewerbung um das Amt damit, daß ein Ausländerbeauftragter sich in erster Linie darum bemühen sollte, den hier ansässigen Ausländern bei der Organisation ihrer Heimreise behilflich zu sein, anstatt sie beim Aufbau einer dauerhaften Existenz in Deutschland zu unterstützen.
‘Daß Ausländer nicht auf Dauer bei uns leben wollen, steht für mich außer Frage. Zum einen bin ich davon überzeugt, daß kein Mensch auf Dauer in der Fremde glücklich sein kann. Zum anderen versichern Medien und Politik regelmäßig und glaubhaft, daß Sachsen und Mitteldeutschland ein Hort für Rechtsextreme ist und Ausländer hier nur in ständiger Angst leben können’, so Nitzsche.
Der Bundestagsabgeordnete und AFV-Fraktionschef macht in diesem Zusammenhang auch auf die immensen Kosten aufmerksam, die dem Kreis Bautzen allein durch Asylanten entstehen. Zwar bekomme der Kreis einen Teil der Kosten vom Freistaat zurückerstattet, in den beiden vergangenen Jahren mußte er jedoch erhebliche Summen selbst tragen (2006: 263000 €, 2007: 99000 €). Da dies so nicht hinnehmbar ist, wird die AFV-Fraktion in der ersten Kreistagssitzung im Januar einen entsprechenden Antrag in den Kreistag einbringen.
Sollte Nitzsche zum Ausländerbeauftragten gewählt werden, will er zudem auf die Aufwandsentschädigung in Höhe von 400 Euro pro Monat verzichten.
‘Gerade in der Vorweihnachtszeit ist Geben ja seliger als Nehmen. Deswegen würde ich das Geld einem Fond zur Verfügung stellen, aus dem die Rückführung der hier ansässigen Ausländer finanziell unterstützt wird.’
Bernsdorf, den 2. Dezember 2008
Wohlgemerkt: Das hat derselbe Henry Nitzsche geschrieben, der von PI quasi zum eigenen Schutzheiligen erkärt worden ist. Wenn ich nicht wüsste, dass die NPD für dieses Statement nicht verantwortlich ist, würde ich wirklich nicht glauben wollen, dass es nicht von den Nazis stammt.
