Bei Politically Incorrect (PI) hat man es keineswegs nur mit Nazis und anderen rechtsextremen Hetzern zu tun. Nein, PI ist genauso ein Sammelbecken für radikalfundamentalistische Pseudochristenspinner, für die selbst Kindesmisshandlung immer noch ein probates Erziehungsmittel ist. Wer jetzt glaubt, dass ich mir das aus den Fingern sauge, der hat den prügelgeilen Beitrag des Frankfurter Rechtsanwalts (!) Michael C. Schneider noch nicht gelesen. Zitat:
Christliche Erziehung verboten und strafbar
[...] Die jüdisch-christliche Erziehungstradition geht seit etwa dreitausend Jahren davon aus, dass es keine völlig gewaltfreie Erziehung gibt, sondern dass eine maßvolle körperliche Züchtigung legitimer Teil der Kindererziehung ist.
[...]
Die Menschen sind ex ante nicht fit für den Himmel, also muss erst Gottes Züchtigung sie dafür fit machen, etwa so, wie erst das Feuer und der Schmiedehammer Metall gebrauchsfertig bearbeiten. [...] Und Kinder und Jugendliche sind ex ante nicht fit für ein anständiges und brauchbares Leben auf Erden, also muss erst die – auch körperliche – Züchtigung durch ihre Eltern dafür fit machen. [...] Jedenfalls fällt auf, dass die christliche Tradition das Erfordernis körperlicher Züchtigung von Kindern und Jugendlichen gerade um der Liebe zu ihnen willen bis vor etwa fünfzig Jahren nie ernsthaft in Frage gestellt hat, und dass die Gesetzgebung und Rechtsprechung in Deutschland dieser Tradition bis vor elf Jahren zwar recht kritisch, aber nicht widerstrebend gefolgt ist. [...] Und dann kam das Jahr 1968, es kam die neue Pädagogik und es wurden plötzlich Erkenntnisse über das Gute und Richtige geschöpft, welche die Menschheit mindestens drei Jahrtausende lang verpasst hatte. Züchtigung: niemals. Streicheln: immer (Man denke an die Odenwaldschule und den Segen, den sie als linke Experimentieranstalt über Kinder und Jugendliche gebracht hat). [Anmerkung: Schneider hat die katholischen Einrichtungen, in denen Kinder systematisch sexuell missbraucht wurden, sicherlich nur, äh, vergessen zu erwähnen.]
Es wäre freilich wünschenswert, wenn es zu dieser Problematik auch objektive, neurologische Forschung gäbe, denn möglicherweise lassen sich bestimmte ethische Minimalanforderungen überhaupt nur im Menschen verankern, wenn sie bereits unbewusst mit einer körperlichen Schmerzempfindung assoziiert werden. [...] Sie könnte außerdem die Jahrtausende alte Weisheit der zitierten jüdischen und christlichen Schriften und die Redensart ‘man lernt nur durch Schmerz’ bestätigen und damit die mögliche Einsicht, dass eine körperliche Züchtigung in der Erziehung ein späteres (und biographisch weit schmerzhafteres Scheitern) als Erwachsener vorwegnimmt und dem Kind damit erspart, etwa indem es durch Schläge lernt, dass Diebstahl etc. nicht die angemessene Antwort auf die Problematik der ungleichen Verteilung des Eigentums ist, bevor es sich zu einem Verbrecher entwickeln kann. [...] Bei ihrem ideologischen Kampf gegen die jüdisch-christliche Tradition haben die Linken sich indes nicht von naturwissenschaftlichen oder sonst rationalen Überlegungen leiten lassen, sondern von dem Dogma der Frankfurter Schule, dass Autorität und Gewalt prima vista dem Nazismusverdacht unterliegen, und sie haben daher immer die absolut ‘gewaltfreie Erziehung’ gefordert. Als sie 1998 an die Macht kamen, haben sie (im Jahr 2000) ihre Vorstellungen in einem Gesetz umgesetzt.
[...]
Christliche Erziehung ist nicht länger erlaubt, sondern verboten.
[...]
Und wer würde schon dafür auf die Straße gehen, sein Kind züchtigen zu dürfen, und sich dann als perverses Monster in der Regenbogenpresse wiederfinden?
Quelle: http://www.pi-news.net/2011/12/christliche-erziehung-verboten-und-strafbar
Nun, ein Michael C. Schneider würde für sein eingebildetes biblisches Recht auf Kindesmisshandlung vielleicht doch auf die Straße gehen. Hoffentlich hat der Mann keine Kinder. Damit wir uns nicht missverstehen: Schneider spricht in diesem Zusammenhang ausdrücklich nicht vom harmlosen Klaps auf den Po, sondern von schmerzhaften Schlägen. Und das ist Kindesmisshandlung, die völlig zurecht unter Strafe steht. Da kann Zuchtmeister Schneider noch so sehr scheinjuristisch herumschwurbeln.
Erziehung kommt ohne Gewalt aus, wenn Mama und Papa ihren Sprösslingen ein gutes Beispiel geben. Gewaltverzicht bedeutet allerdings nicht der Verzicht auf Strafe, wenn sie einmal notwendig sein sollte. Eltern haben heutzutage weitaus mehr Möglichkeiten, kindliches Fehlverhalten nachhaltig zu korrigieren als früher. Neben den altbekannten Maßregelungen wie etwa Stubenarrest oder Fernsehverbot bewirkt in der Regel auch der zeitweilige Entzug von Handy oder Spielekonsole wahre Erziehungswunder. Es kann ziemlich einfach sein – wenn man konsequent ist.
Ach ja – ich habe während meiner durchaus stürmischen Kinder- und Jugendzeit keine nennenswerten Prügel bezogen. Trotzdem habe ich mich nicht zum Dieb, Mörder oder gar PI-Anhänger entwickelt. Und meine Eltern – beide Baujahr 1938 – waren ganz bestimmt keine 68er. Sowas aber auch.
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Vielen Dank an Oliver für den Hinweis.