Wie man Facebook die Hosen runterlässt
Steht hier. Have fun.
Steht hier. Have fun.
Nehmen wir einmal an, ich würde aus einem professionellen Bild- und Fotoarchiv nach Herzenslust urheberrechtlich geschütze Dateien verwenden und diesen rechtswidrigen Gebrauch fremden geistigen Eigentums damit rechtfertigen, indem ich in den POLITBLOGGER-Disclaimer diese Passage einfüge:
POLITBLOGGER ist berechtigt, Texte, Fotos und Bilder, an denen POLITBLOGGER keinerlei Rechte ungefragt und kostenfrei zu benutzen. Wenn die jeweiligen Rechteinhaber mit dieser Nutzung nicht einverstanden sind, können Sie dem widersprechen. Der Widerspruch ist schriftlich einzulegen und muss eine mindestens achtseitige notariell beglaubigte Begründung enthalten.
Natürlich wäre das völliger Quatsch. Nur bei Facebook sieht man das wieder einmal ganz anders, denn in drei Tagen wird das asoziale Privatsphäremissachtungsnetzwerk damit beginnen, die privaten Fotos und Bilder seiner Mitglieder in Werbeanzeigen Dritter zu integrieren – und zwar, ohne sich diesen Diebstahl ausdrücklich genehmigen zu lassen oder dafür zu bezahlen. Man mag es zwar kaum glauben, aber das ist sogar legal, weil Facebooker dieser Regelung bei der Registrierung zwangsweise zustimmen müssen.
Allerdings kann man dem Facebook-Knebelvertrag einen wirksamen Riegel vorschieben, indem man in den Kontoeinstellungen (über den Button Konto oben rechts) den Link Facebook-Werbeanzeigen aktiviert. Dann muss man die beiden im Erklärtext enthaltenen Links Einstellungen für Werbeanzeigen von Drittanbietern bearbeiten beziehungsweise Einstellungen für soziale Werbeanzeigen bearbeiten anklicken und die angebotenen Auswahlmenus auf Niemand setzen. Abschließend müssen die neuen Einstellungen noch gespeichert werden.
Selbstverständlich kann man seinen Account auch löschen und einfach zu Google+ wechseln. Nicht, dass ich dieser Datenkrake mehr vertrauen würde, aber im Moment wird die Privatsphäre dort noch in deutlich größerem Umfang respektiert (vom Klarnamenzwang einmal abgesehen). Zudem ist das Portal ungleich benutzerfreundlicher und so gut wie pannenfrei. Wer Google+ testen möchte, kann sich bei mir eine Einladung abholen.
Nach der geplanten Wiedereinführung des Blockwartunwesens in Deutschland entpuppt sich der der 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag noch durch eine weitere Regelung als unbegrenzte Lizenz zum Schnüffeln im Privatleben der Bevölkerung. Wer umzieht oder sein Auto verkauft, kann von der zuständigen Landesrundfunkanstalt künftig nämlich gezwungen werden, den Grund dafür offenzulegen. So heißt es in § 9 Absatz 5 Nummer 2 des Vertrags (Hervorhebungen von mir):

Dabei kommt es auf den Begriff Lebenssachverhalt an – und der beinhaltet im juristischen Sinne sämtliche Umstände, die zu einer bestimmten Handlung geführt haben. Im Klartext bedeutet das, dass man beispielsweise einen Umzug nicht nur anzuzeigen, sondern nach entsprechender Aufforderung auch zu begründen (!) hat.
Stasi 2.0 ist für diesen vorsätzlich betriebenen Ausverkauf der Bürgerrechte wohl doch eine durchaus treffende Umschreibung.
Vielen Dank an Jonas für den Hinweis. Via.
Neben Mord, Totschlag und anderen der Gesundheit nicht zuträglichen Verbrechen gehört der unberechtigte Empfang kostenpflichtiger öffentlich-rechtlicher Fernseh- und Radiosendungen zweifellos zu den ruchlosesten Untaten, die ein Mensch hierzulande begehen kann. Zwar ließe sich das Problem des unpatriotischen Schwarzsehens und -hörens auch technisch lösen, aber das entspricht einfach nicht dem deutschen Wesen. Da müssen schon schärfere Geschütze aufgefahren werden, um die schwerstkriminellen Zwangsgebührenverweigerer dingfest zu machen. Deshalb greifen die Bundesländer im 2013 in Kraft tretenden 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag mit der Wiedereinführung der Blockwarte auf eine bewährte Methode zurück, die in der ruhmreichen Historie unseres Volkes schon einmal für Recht und Ordnung auf Bodensatzebene gesorgt hat. So heißt es in § 9 Absatz 1 des Staatsvertrags:
Kann die zuständige Landesrundfunkanstalt den Inhaber einer Wohnung oder einer Betriebsstätte nicht feststellen, ist der Eigentümer [...] der Wohnung oder des Grundstücks verpflichtet, der Landesrundfunkanstalt Auskunft über den tatsächlichen Inhaber [...] zu erteilen.
Kommen die Vermieter-Blockwarte ihren vaterländischen Pflichten nicht nach, droht ihnen zwar nicht die standrechtliche Erschießung – wir haben aus unserer Geschichte ja gelernt – aber immerhin die Verhängung empfindlich hoher Geldbußen. Für die Gebühreneinzugsparteizentrale (GEZ) lohnt sich die umfassende Neuordnung der öffentlich-rechtlichen Wegelagerei also auf jeden Fall: Kommt der Beitrag nicht vom Pflichtigen, muss eben der Spitzel bluten.
Ein Kommentar zum Umgang mit Terrorwarnungen von Rainald Becker (SWR) in den ARD-Tagesthemen vom 18. November:
Und nein, Fefe, an diesem Geschwätz ist nichts ironisch. Und das keineswegs nur deshalb, weil Becker in Zusammenhang mit den USA ausdrücklich nicht von Vorratsdatenspeicherung, sondern ganz allgemein von Datenspeicherung sprach (obwohl die USA sehr wohl die Vorratsdatenspeicherungen in anderen Ländern nutzen), oder weil es in den Vereinigten Staaten keinen Personalausweis gibt (als ob man nur im Personalausweis Fingerabdrücke speichern kann). Es ist auch nicht so, dass die USA weniger Wert auf Fingerabdrücke als der Rest der Welt legen, genau das Gegenteil ist der Fall: So ist zum Beispiel die Einreise nach Amerika auch aus Deutschland nur mit Fingerabdruck möglich.
Viel schwerer wiegt jedoch, dass Becker ein einziges Plädoyer für weniger Bürgerrechte hält. Das ist der Grundtenor – und der zieht sich durch den ganzen Kommentar.
Vielen Dank an realstar für den sachdienlichen Hinweis.
Rein rechnerisch betrachtet wird jeder Quadratkilometer Großbritanniens von 20 (!) Überwachungskameras kontrolliert. Ebenfalls nur ein Rechenexempel ist, dass auf 13 Inselbewohner eine Überwachungskamera kommt. Tatsächlich dürften diese Zahlen das wahre Ausmaß des gar nicht amüsierenden britischen Überwachungswahns aber eher noch verschleiern, denn in den eng besiedelten britischen dürfte die Kameradichte weitaus höher sein. Dabei sind die Resultate der Rund-um-die-Uhr-Bespitzelung äußerst dürftig: Die Kriminalität ist mit die höchste in ganz Europa. Einer Studie des European Crime and Safety Survey (EU ICS) aus dem Jahr 2007 zufolge ist Großbritannien hinter Irland das unsicherste Land in Europa – und London die kriminellste Metropole des Kontinents.
Diese Bilanz ein bisschen aufzupolieren, ist das erklärte Ziel eines Unternehmens, dass sich Internet Eyes nennt. Das Geschäftsmodell der Firma klingt plausibel: Volljährige Internetnutzer können sich für umgerechnet gut 15 Euro Jahresgebühr anmelden und haben anschließend Zugriff auf vier Kamera-Livestreams. Die kommen aus registrierten Geschäften, die für den Service nicht ganz 88 Euro im Monat investieren müssen. Angesichts der hohen Zahl an Ladendiebstählen könnte sich das schnell bezahlt machen. Doch auch die Möchtegern-Hilfspolizisten im Netz werden belohnt, wenn auch in äußerst bescheidenem Umfang: Für 60 Onlinestunden gibt es gerade einmal 1,75 Euro. Zwar kassieren die Gaffer für jeden in Echtzeit übermittelten erfolgreichen SMS-Alarm Bonuspunkte, doch nur der beste der virtuellen Detektive erhält den monatlich ausgesetzten Hauptpreis in Höhe von rund 1170 Euro.
Dass das Ganze unter Datenschutzaspekten höchst bedenklich ist, scheint in Großbritannien nur wenige zu stören. Wer erst einmal daran gewöhnt wurde, dass er nahezu lückenlos 24 Stunden am Tag unter ständiger Beobachtung steht, der stumpft wohl irgendwann so weit ab, dass es ihm völlig normal vorkommt, außer in den eigenen vier Wänden keinerlei Privatsphäre mehr zu haben. Das Argument der Kriminalitätsbekämpfung scheint die Briten mittlerweile so sehr eingelullt zu haben, dass sie gar nicht merken, dass die flächendeckende Überwachung der Bevölkerung keinen messbaren Einfluss auf die Anzahl der Verbrechen hat.
George Orwell lässt hübsch hässlich grüßen.
Salida (pb) – Der weltbekannte Verpackungskünstler Christo hat den Gegnern von Google Street View in Deutschland überraschend seine Hilfe angeboten. Sie können gegen die fotografische Veröffentlichung Ihrer Bruchbude im Internet natürlich direkt bei Google Widerspruch einlegen, aber schneller und vor allem viel schöner verhindern Sie Street View durch unsere Aktion ‘Hausburka – Was wir alle vom Islam lernen können’, heißt es dazu in einem Werbeprospekt, den Christo am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Salida im US-Bundesstaat Colorado vorgestellt hat. Der gebürtige Bulgare hält sich in Amerika auf, um den Arkansas River auf einer Länge von knapp 65 Kilometern zu überdachen.
Interessierte Hauseigentümer und Mieter können ihr Heim von Christo gegen eine angemessene Aufwandsentschädigung plus Material- und Reisekosten verhüllen lassen. So kostet ein Einfamilienhaus in der günstigsten Variante beispielsweise rund 20000 Euro exklusive Mehrwertsteuer, für eine Mietwohnung fallen aber nur etwa 10000 Euro an. Die Preise hängen allerdings stark vom verwendeten Material ab. Am billigsten ist die Stoffverpackung in der Farbe tschadorschwarz, richtig teuer ist dagegen die Unkenntlichmachung des Eigenheims in blickdichtem Satin mit aufwändigen 24-Karat-Feingoldverblendungen. Einzelpersonen und vor der Tür geparkte Fahrzeuge könnten auf Wunsch zwar ebenfalls verhüllt werden, aber das ist für mich natürlich keine echte Herausforderung, antwortete der 75-jährige Künstler auf die besorgte Nachfrage eines vollbärtigen Vertreters des Verbandes Islamistischer Vollschleierer (VIV).

Musterhaus in Berlin (aus Datenschutzgründen verpixelt)
Bestellungen können ab sofort auf der Christos Homepage aufgegeben werden. Aufgrund des zu erwartenden großen Andrangs können Wartezeiten von mehreren Jahren jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Lieber Kunde der Deutschen Post!
Falls sie sich wundern, dass der Briefumschlag, den Sie gerade in Händen halten, irgendwie geöffnet und dann wieder zugeklebt aussieht:
Wir haben den Brief geöffnet und dann wieder zugeklebt.
Das muss so sein und lässt sich aus technischen Gründen leider nicht vermeiden. Wir haben den Brief aber nicht gelesen. Und sonst auch niemand. Darauf haben Sie unser Wort. Ehrlich. Wir schwören.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Deutsche Post
P.S.: Wieso kriegen Sie eigentlich schon wieder eine Mahnung?
Dieser Hinweis wird Ihnen mit freundlicher Unterstützung der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) präsentiert.
Absurd? Ja. Aber undenkbar? Nein, zumindest bei der elektronischen Variante des Briefes nicht:
Die von der Bundesregierung als besonders sicher konzipierte elektronische Post weist offenbar deutliche Sicherheitslücken auf. Der Grund: Die Daten werden nicht durchgängig verschlüsselt.
[...]
Zwar werden die De-Mails von den Nutzern verschlüsselt an die zentralen Server der De-Mail-Anbieter verschickt. Für diesen Teil des Weges gibt es keine Sorgen um die Sicherheit. Auf den Servern jedoch werden die Mails aus technischen Gründen kurz entschlüsselt und sofort wieder verschlüsselt.
Wird eine De-Mail an einen anderen Anbieter verschickt als den eigenen, muss die Mail auf ihrem Weg sogar zweimal aufgemacht werden. In diesen Momenten wäre es theoretisch möglich, die De-Mail zu kopieren oder zu manipulieren, wenn es gelingt, die Server der Anbieter zu hacken – das ist in der Vergangenheit schon gelungen. Auch für Geheimdienste und Ermittlungsbehörden könnte diese Schwachstelle interessant sein.
[...]
Die Deutsche Telekom bestätigt, dass die De-Mails kurz geöffnet werden. Gert Metternich, Projektleiter der Telekom, sagte der FR: ‘Im De-Mail-System werden die Mails für den Bruchteil einer Sekunde auf den Servern der Provider entschlüsselt und sofort wieder verschlüsselt und dann weitergeschickt.’ Dies geschehe auf Servern, die staatlich überprüften Sicherheitsstandards entsprächen und abgeschottet seien. ‘Insofern haben wir überhaupt keine Bedenken, dass die De-Mails nicht sicher sind.’
Auch im Bundesinnenministerium weiß man um die kurzzeitig fehlende Verschlüsselung, sieht darin jedoch kein Problem, da die Anbieter überprüft würden. Thomas Lapp von der Anwaltskammer erblickt dennoch eine gravierende Lücke. Das System funktioniere wie ein Brief, der bis zu zweimal unterwegs geöffnet und in ein neues Kuvert gesteckt wird. ‘Das Versprechen, so sicher wie ein Brief zu sein, wird damit nicht eingehalten.’