No drugs at all?
Unisono hallt es seit gestern durch den einheimischen Blätterwald: Die Linken wollen alle Drogen legalisieren! Jehova! Da hätten die Damen und Herren Journalisten vielleicht doch einmal in den entsprechenden Beschluss des Parteitages schauen und entsprechend objektiv darüber berichten sollen. Denn die Linkspartei will lediglich den Drogenbesitz entkriminalisieren. Der Handel mit Drogen soll auch in Zukunft strafbar sein. Das entspricht in etwa dem Weg, den Portugal schon vor 10 Jahren gegangen ist. Zwar ist dort der Besitz auch kleinerer Mengen nach wie vor nicht erlaubt, entsprechende Vergehen werden jedoch nur noch als Ordnungswidrigkeit geahndet. Die Strafen für den Besitz mittlerer Mengen beschränken sich in der Regel auf abzuleistende Sozialarbeit, Geldbußen oder – bei Einheimischen – auf den Entzug des Führerscheins. Die Bilanz der ersten fünf Jahre konnte sich durchaus sehen lassen. Die Zahl der Drogentoten sank von durchschnittlich 400 im Jahr auf 290. Die HIV-Neuinfektionen infolge des Gebrauchs verunreinigter Injektionsnadeln beim Konsum von Heroin und anderen harten Drogen sank von 1400 im Jahr 2000 auf 400 im Jahr 2006. Stattdessen nahmen Süchtige vermehrt die ausgeweiteten Beratungs- und Behandlungsangebote wahr. Im Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen hieß es dazu vor zwei Jahren:
‘Die jetzige Politik hält Drogen von denen fern, die sie nicht nehmen sollten, und setzt eher auf Behandlung, als auf die Verhaftung der Nutzer. Portugals Gesetze haben nicht zu einem Anstieg des Drogentourismus geführt. Es scheint außerdem, als hätte die Anzahl der drogenbezogenen Probleme abgenommen.’
Entgegen der im Vorfeld vielfach geäußerten Befürchtungen wurde auch ein Anstieg des Drogentourismus nach Portugal nicht beobachtet.
Zum Vergleich: In Deutschland starben zwischen 2001 und 2010 14333 (!) Menschen an den unmittelbaren und mittelbaren Folgen ihres illegalen Drogenkonsums (Quellen: siehe hier und hier). Alleine im vergangenen Jahr wurden 8577 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz geahndet, also Straftaten, die in der Regel mit dem Gebrauch verbotener Drogen in Zusammenhang stehen. Jahr für Jahr kreiert man so Tausende Kriminelle, deren Verbrechen hauptsächlich darin besteht, krank zu sein. Dass man hierzulande offenbar trotzdem immer noch glaubt, mit einer repressiven Drogenpolitik auch nur ein einziges Problem lösen zu können, ist nach wie vor ein für viele direkt und indirekt Betroffene tödlicher Irrweg. Höchste Zeit also, über mehr oder weniger neue Ansätze in der Drogenpolitik zumindest einmal sehr intensiv nachzudenken.
