Schlechte Verlierer
Zu den unverzichtbaren Spielregeln einer Demokratie gehört die Bereitschaft, Abstimmungsniederlagen zu akzeptieren und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Als die Stuttgart-21-Gegner – also auch ich – beim Volksentscheid über das umstrittene Bahnprojekt am 27. November sowohl im Land als auch in Stuttgart selbst erkennen mussten, dass sie nicht mehr die Mehrheit stellen, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, die unerwartet deutliche Schlappe hinzunehmen und anzuerkennen, dass der Widerstand gegen den Bahnhofsneubau endgültig gescheitert ist. An dieser Haltung hat sich bei mir in den vergangenen knapp zwei Monaten nichts geändert. Warum auch? Das Volk hatte die Wahl – und entschied sich für den Weiterbau des unterirdischen Durchgangsbahnhofs. Man kann nicht erst einen Volksentscheid fordern und ihn dann gepflegt ignorieren, nur weil einem das Ergebnis nicht gefällt. Noch im Herbst 2010 – auf dem Höhepunkt des Widerstands gegen Stuttgart 21 – wollte auch der harte Kern der sogenannten Parkschützer diesen Volksentscheid. Die Skepsis gegenüber der Abstimmung kam erst auf, als Meinungsumfragen bereits darauf hindeuteten, dass das Resultat wohl nicht wie gewünscht ausfallen würde. Das ist die beschämende Wahrheit, die die ganz Hartnäckigen unter den Bahnhofsgegnern nach wie vor nicht hören wollen. Diese Schönwetter-Demokraten sind einfach nur schlechte Verlierer, die genauso wenig einsehen wollen, dass die baden-württembergische Landesregierung unter ihrem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann an Recht und Gesetz gebunden sind und Stuttgart 21 schon deshalb nicht mehr verhindern können. Vor allem aber ist es völlig inakzeptabel, dass eine sich zunehmend radikalisierende Minderheit allen Ernstes einbildet, eine ganze Regierung zum Spielball ihrer mittlerweile keineswegs nur gegen Stuttgart 21 gerichteten Interessen machen zu können. Die Parkschützer um ihre Führungsfigur Matthias von Herrmann haben zwar das legitime Recht, auch in Zukunft gegen Stuttgart 21 auf die Straße zu gehen, aber sie haben weder rechtlich noch moralisch das Recht, den Neubau des Bahnhofs zu verhindern.
Selbstverständlich ist es notwendig, der Bahn als Bauherr auch in Zukunft genau auf die Finger zu schauen, damit sich das überflüssige und unnütze Protzvorhaben nicht noch zur finanziellen und ökologischen Katastrophe auswächst. Das zu gewährleisten, wird schon wegen des mangelhaften Baukonzepts schwer genug sein. Für mich steht jedoch fest, dass Herrmann und Co. bei der Bewältigung dieser Mammutaufgabe nicht hilfreich sein werden.
Ganz im Gegenteil.

