Der gefälschte Heine

Text:
Ein höchst unkorrektes Gedicht. Wer mag der Dichter sein – oder muss man angesichts des fremdenfeindlichen und ein Stück weit islamophoben Inhalts vielleicht schon von einem ‘Schmierfinken’ sprechen – der uns das folgende Verslein hinterlassen hat?
[...]
Oder sollte es etwa der linke jüdische Dichter Heinrich Heine ausgedacht haben, auf den Düsseldorf so stolz ist? Ja tatsächlich, der war’s:
Inder, Türken, Hottentotten, sind sympathisch alle drei,
wenn sie leben, lieben, lachen, fern von hier in der Türkei.
Doch wenn sie in hellen Scharen, wie die Maden in dem Speck,
in Europa nisten wollen, ist die Sympathie schnell weg!Erstaunlich: Es gibt eine Zeitung im deutschsprachigen Raum, die ihre Lesern die Rubrik ‘Das freie Wort’ einräumt. In der österreichischen Krone fanden wir das Heine-Zitat, mit einem passsenden Kommentar:
Heine hatte keine Ahnung davon, was die, vom Ergebnis her, nahezu kriminelle Zuwanderungs- und Asylpolitik der Politiker der letzten 60 Jahre den von ihnen regierten Völkern antun würde! Von den politisch Korrekten unter uns müsste dieser Dichter allerdings posthum als ‘Rechter’ und als ‘Rassist’ an den Pranger!
Ob Düsseldorf seinen alten Ehrenbürger, nachdem auch besonders gerne Gesamtschulen benannt werden (Foto), aus Rücksicht auf die Ehre vieler Neubürger jetzt in Schanden entlassen muss?
Quelle: Ein sehr unkorrektes Gedicht (PI | 30. Juli 2009)
Keine Sorge, Phaktisch Inkorrekt (PI): Heinrich Heine bleibt vollkommen unangetastet. Warum? Ganz einfach: Das Gedicht stammt nicht von ihm. Es ist eine plumpe Fälschung. Es taucht in keiner Werkausgabe Heines auf, wohl aber auf braunen Hetzseiten wie Altermedia oder in der Sprüchesammlung der NPD Göttingen – was allerdings nicht mal ein schlechter Witz ist, denn Heines Werke waren im Dritten Reich verboten und fielen auch den Bücherverbrennungen im Jahr 1933 zum Opfer.
Spätestens mit diesem Beitrag ist das Blog von Stefan Herre endgültig in der Nazi-Ecke angekommen. Dabei hätte der peinlichste Sportlehrer südlich des Nordpols auch ganz ohne Recherche darauf kommen können, dass das Gedicht auf keinen Fall Heinrich Heine zugeordnet kann, denn zu Lebzeiten des Dichters gab es weder eine Türkei, noch Inder, Türken und Hottentotten, die in hellen Scharen in Europa nisten wollten.
Solch naheliegende Gedankengänge setzen jedoch ein Mindestmaß an Bildung und Intelligenz voraus.
