Der wissentlich falsch etikettierte Gauck
Für den Stern ist er ein Freiheitskämpfer. Und die Süddeutsche Zeitung erhebt ihn gar zum Freiheitsapostel. Das sind nur zwei der vielen Nebentitel, die sich Joachim Gauck in diesen Tagen bereitwillig verleihen lässt. Doch womit hat der Bundespräsident in spe das eigentlich verdient? Hat er es überhaupt verdient?
Um die Antwort vorweg zu nehmen: Nein. In DDR tauchte er in der Bürgerrechtsszene erst auf, als der Zusammenbruch der ostdeutschen Diktatur bereits unmittelbar bevor stand: im Oktober 1989. Davor war Joachim Gauck in der DDR bestenfalls ein unzufriedener Mitläufer, genau wie die Pfarrerstochter und ehemalige FDJ-Funktionärin Angela Merkel. Gerhard Rein hat im WDR-Hörfunkmagazin Politikum am 21. Februar genau darauf hingewiesen. Zu Gauck heißt es in dem bemerkenswerten Kommentar unter anderem (via):
Nun, was man im heutigen Sprachgebrauch Bürgerrechtler nennt, hat man früher als DDR-Opposition bezeichnet. Zur DDR-Opposition hat Gauck niemals gehört. Er trat auch nicht in den systemkritischen Friedens- und Umweltgruppen im Umfeld der Evangelischen Kirchen je in Erscheinung. In den Publikationen, die in der DDR von kritischen Gruppen illegal herausgegeben wurden, taucht der Name Gauck als Verfasser nicht auf.
Joachim Gauck hat sich im Oktober 1989 in Rostock dem ‘Neuen Forum’ angeschlossen. Vorher ist ein politischen Engagement gegen den repressiven Staat nicht auszumachen.
Einen Vorwurf kann man Gauck aus seinem Mitläufertun zwar nicht machen, aber noch weniger eignet sich der Mann für die Rolle des Freiheitskämpfers und -apostels. Das war zu keinem Zeitpunkt in seiner mitllerweile immerhin 72-jährigen Biographie. Doch weil Gauck von einer selten so geschlossen auftretenden Allianz aus Parteien und Medien nun einmal dazu auserkoren wurde, das von seinem Vorgänger schwer beschädigte Amt des Bundespräsidenten zu entwulffen, wird fleißig an Gaucks frei erfundener Legende des mutigen Kämpfers für Demokratie und Freiheit weitergestrickt. Und Joachim Gauck sonnt sich selbstzufrieden in dem ungerechtfertigten Lobeshymnen, die auf ihn angestimmt werden. Dabei bedürfte es keineswegs eines mehr oder weniger selbsternannten Demokratielehrers, um Würde und Ansehen des Präsidentenamtes wiederherzustellen. Allerdings scheinen die Heinemanns, von Weizsäckers und Herzogs als oberste Repräsentanten unseres Staates aktuell nicht mehr gefragt zu sein. Stattdessen setzt man jetzt auf einen stets mit arrogant erhobenem Zeigefinger agierenden Schaumschläger, der keinerlei Skrupel hat, sich die von anderen unter großen persönlichen Opfern hart erkämpften Verdienste als glänzendes Etikett anheften zu lassen. Dass eine solche Person in wenigen Wochen Bundespräsident werden wird, ist im Grunde genommen ein viel größerer Skandal als alles, was sich Christian Wulff jemals geleistet hat.
Das unmissverständlich anzuprangern, entspricht in den Augen anderer jedoch nur dem – Zitat -
Absolutheitsanspruch schmallippiger Gemütsterroristen.
