Die Lügen der selbsternannten ‘Islamkritiker’ (1)

Behauptung:

Und deswegen kann man auch – theoretisch – den Antisemitismus mit der Islamophobie vergleichen, auch wenn das eine Phänomen mindestens 2000 Jahre alt ist und das andere ein Kampfbegriff, der von Ayatollah Khomeini vor 30 Jahren kreiert wurde.

Henryk M. Broder, 13. Januar 2010

Nun, für die Broders dieser Welt wäre es in der Tat natürlich sehr praktisch, wenn man den Begriff Islamophobie dem durchgeknallten Ayatollah aus Teheran in die Schuhe schieben könnte. Dumm nur, dass das nicht funktioniert. Erstens, weil das Wort in der iranischen Landessprache Farsi gar nicht existiert. Zweitens, weil Khomeini von zed-e eslam (gegen den Islam) und zed-e enqelab (gegen die Revolution) gesprochen hat. Dabei beschrieb er aber nicht eine pauschale, unbegründete und irrationale Ablehnung des Islam und der Muslime, Khomeini ging es vielmehr darum, unverschleierte Frauen an den Pranger zu stellen – was seiner Ansicht nach weder mit dem Islam noch mit der Revolution in Einklang zu bringen war.

Der dritte und mit Abstand gewichtigste Grund, warum Islamophobie nicht mit Khomeini in Verbindung gebracht werden kann, ist allerdings ein ganz anderer, denn der Begriff war bereits in Gebrauch, als der spätere iranische Obermullah erst 10 Jahre alt war. So heißt es in der 1912 erschienenen Revue du monde musulman in Band 18/19 auf Seite 288 (Hervorhebung von mir):

[...], note que la politique francaise en Maghreb pourra devenir moins islamophobe, [...]

Im Journal of theological studies aus dem Jahr 1924 findet sich in Band 25/26 auf Seite 101 übrigens noch ein Beweis dafür, dass Khomeini nicht der Erfinder des Begriffes Islamophobie gewesen sein kann (Hervorhebung von mir):

[...] are blamed for their ‘islamophobia’. [...]

Der an und für sich schon absurde Versuch, den Begriff Islamophobie dadurch zu diskreditieren, indem man ihn zum Hirngespinst eines irren islamistischen Fanatikers erklärt, ist also entweder eine vorsätzliche Lüge – oder aber ein weiterer Beleg dafür, wie völlig ahnungslos die vermeintlichen Islamkritiker in Wahrheit doch sind.

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5 Kommentare zu “Die Lügen der selbsternannten ‘Islamkritiker’ (1)”

  1. Literaturliste Islamophobie/Islamfeindlichkeit (Stand 20.08.2011) | Serdargunes' Blog
    20. August 2011 um 23:20

    [...] Die Lügen der selbsternannten ‘Islamkritiker’ (1) (politblogger / 20.08.2011) [...]

  2. Politblogger » FOX NEWS: USA wollen Scharia einführen
    21. August 2011 um 12:52

    [...] Bolling ist zweifellos das, was man einen islamophoben Dummschwätzer nennen muss. Wie alle Vertreter seiner Gattung hat der FOX-NEWS-Moderator ein [...]

  3. Politblogger » Alle Terroristen sind Moslems!
    21. August 2011 um 21:04

    [...] Bockmist verzapfen zu können, muss man a) schon besorgniserregend ungebildet und b) krankhaft islamophob irrlichternd unterwegs [...]

  4. Politblogger » PI: Michael Stürzenberger ist ein Lügner
    8. Oktober 2011 um 23:29

    [...] dass der Begriff Islamophobie nachweislich nicht von Khomeini stammt. Ich muss mich deshalb erneut wiederholen: Erstens, weil das Wort in der iranischen Landessprache Farsi gar nicht existiert. Zweitens, weil [...]

  5. Politblogger » Alles nur erfunden!
    14. Mai 2012 um 23:21

    [...] für gewöhnlich dem iranischen Revolutionsführer Khomeini in die Schuhe. Dass diese Behauptung längst widerlegt ist, interessiert die Muslimenallergiker natürlich nicht. Insofern ist die etymologische Irrlichterei [...]