Die Schafsdarmkrise
Die Nürnberger Rostbratwurst ist in Gefahr. Weil sich der Iran atomar bewaffnen will. Und das geht so:
Der Iran-Konflikt könnte bald auch dem Nürnberger Bratwürstchen zu schaffen machen. Aus dem Nahen Osten stammt nämlich der Schafsdarm, in dem die Würstchen stecken. Und mit zunehmender Krise wird dieser Schafssaitling immer teurer.
Nun, dieser Unfug ist ungefähr genauso grob wie das Schweinefleisch in der Nürnberger Rostbratwurst. Denn die verwendeten Schafsdärme stammen hauptsächlich aus China, Neuseeland und Australien. Erst danach folgen einige orientalische Länder, zu denen auch der Iran zählt. Warum werden die Schafsdärme aber trotzdem teurer? Florian Hoeneß, Sohn von Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Chef der Firma Howe, dem größten Hersteller von Rostbratwürsten aus Nürnberg, kennt die eigentlichen Ursachen:
‘Die Preissteigerungen haben mehrere Gründe’, sagt Hoeneß. Zum einen werden weltweit weniger Schafe geschlachtet, während die Nachfrage jedoch steigt. Das gilt, zweitens, vor allem für China selbst, weswegen das Land weniger exportiert. Und drittens sind Spekulanten am Werk, die mit den Schafsdarm-Preisen Jojo spielen. ‘Wenn man dann noch Währungseffekte hinzu nimmt, ergibt sich ein verrückter Cocktail an Ursachen für die Verteuerung’, sagt Florian Hoeneß.
Selbstverständlich macht sich auch die politisch inkorrekte (PI) Bratwurst Michael Stürzenberger die Schafsdarmkrise zu eigen:
Durch das Iran-Embargo kam es via BILD ans Tageslicht: Nürnberger Bratwürste werden mit Schafsdärmen aus dem Iran umhüllt. Dies habe den Vorteil, dass die Würstchen dadurch beim Grillen nicht aufplatzten, da die Schafe im Allah-Staat ‘nicht nur weiches Gras’ fressen würden.
Quelle: http://www.pi-news.net/2012/02/halal-schachtung-fur-nurnberger-bratwurste
Da hat der unfähigste ‘Journalist’ der Welt wieder ein kapitalen (Schafs)bock geschossen. Wer nicht recherchieren kann, sollte sich ganz schnell einen Beruf suchen, der seinen intellektuellen Fähigkeiten entspricht. Journalist scheidet in Stürzenbergers Fall also aus. Doch den fanatischen Muslimenhasser stört noch etwas ganz anderes:
Im Iran werden die Tiere aber nach islamischen Vorschriften geschlachtet, das bedeutet barbarisches Schächten: Den bedauernswerten Tieren wird bei vollem Bewußtsein die Kehle aufgeschlitzt, so dass sie in einem langsamen und erbärmlichen Todeskampf ausbluten.
[...]
Moslems führen diese grausame Prozedur auch im Jahre 2012 n.Chr. immer noch durch, da der Koran in einem Vers den Verzehr von Blut verbietet. Millionen Tiere werden deswegen zu Tode gequält, da man fälschlicherweise davon ausgeht, das Tier müsse im lebendigen Zustand ausbluten. Und wir unterstützen diese Barbarei auch noch, indem wir derart erzeugte Lebensmittel aus islamischen Ländern importieren.
[...]
Es kann nicht sein, dass durch irgendwelche religiösen Vorschriften, die vor vielen Jahrhunderten erlassen wurden, auch heute noch Tiere gequält werden.
Es ist wie immer (!) bei PI: Die Schächtung wird ausschließlich als islamische Tradition dargestellt, die von Muslimen erfunden wurde. Dass diese Form der rituellen Tierschlachtung auf die jüdische Tora zurückgeht und von Juden bis zum heutigen Tag praktiziert wird, kommt bei PI praktisch nicht vor. Nicht ein einziges Wort hat man bei PI bisher dazu verloren. Schächtung ist also nur dann ein Skandal, wenn Muslime sie durchführen – einmal abgesehen davon, dass der Tierschutz bei PI ansonsten sowieso eher als linksgrünfaschistische Unterdrückungsmaßnahme wahrgenommen wird.
Typisch Heuchelei. Typisch PI.
Es ist übrigens keineswegs erwiesen, dass geschächtete Tiere mehr leiden als Tiere, die nicht geschächtet werden. Es existieren sogar Studien, die den Rückschluss zulassen, dass das genaue Gegenteil der Fall sein könnte.
