Drum prüfe ewig, wer sich scheiden lassen will
Malta hat eine beneidenswert niedrige Scheidungsrate: Sie beträgt genau null Prozent. Sind die Ehen auf der Mittelmeerinsel etwa glücklicher als im Rest Europas? Nein, natürlich nicht, auf Malta kann man sich nur nicht scheiden lassen. Das Zivilrecht des Landes sieht diese Möglichkeit schlicht und einfach nicht vor. Die einzige Möglichkeit, den ungeliebten Partner wieder loszuwerden, ist die Annullierung der Ehe durch die alles beherrschende katholische Kirche. Allerdings werden so nur 150 bis 200 Ehen pro Jahr aufgelöst. Darüber hinaus haben die Malteser die Möglichkeit, sich im Ausland scheiden zu lassen – aber nur, wenn einer der Ehepartner seinen Wohnsitz dort hat oder die Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes besitzt.
Heute hatten die Menschen auf Malta nun jedoch die Möglichkeit, sich in einer Volksabstimmung für die zivilrechtliche Scheidung auszusprechen. Das Referendum hat für die christdemokratische Regierung und das Parlament aber keine bindende Wirkung. Und es ist alles andere als sicher, dass sich die Malteser mehrheitlich gegen die mächtige katholische Amtskirche und sich damit auch den manchmal eben alles andere als erfreulichen Realitäten des Ehelebens stellen: Letzten Umfragen zufolge war jeder zweite Stimmberechtigte noch unentschieden – und wirklich modern wäre das maltesische Scheidungsrecht so oder so nicht ausgestaltet. Die zwingend vorgeschriebene Trennungszeit beliefe sich auf mindestens vier Jahre. Zudem dürfte keine Chance auf Versöhnung mehr bestehen.
Mit dem Ergebnis der Volksabstimmung wird nicht vor morgen Nachmittag gerechnet.

29. Mai 2011 um 19:08
[...] geschafft, weil die stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger in einem Volksentscheid darüber abstimmen durften, ob zerrüttete Ehen künftig geschieden werden können. Der Ausgang des Referendums galt [...]