Ein “Christenmensch” im humanitären Elchtest
Manche Menschen glauben wirklich, den Rest der Welt permanent für dumm verkaufen zu können. Das hässliche Paradebeispiel für einen solchen Menschen ist eine evangelisch-refomierte Pfarrerin, kommt aus dem schweizerischen Altdorf, heißt Christine Dietrich und hat aufgrund ihrer 50-Prozent-Stelle offenbar viel zu viel Freizeit, in der sie sich bei Politically Incorrect (PI) aktiv an der verbalen Hetzjagd auf Muslime und jeden, der das eindimensionale PI-Weltbild nicht teilt, beteiligt. Dieses verabscheuungswürdige Engagement wird sogar von ihrer eigenen Kirche als Problem empfunden, auch wenn diese sich bisher noch nicht zu der einzigen folgerichtigen Konsequenz durchringen konnte.
Davon unbeeindruckt zeichnet Dietrich heute in einem bei PI vorab veröffentlichen Beitrag für das Urner Wochenblatt von PI und sich selbst natürlich ein ganz anderes Bild, das an widerwärtiger Scheinheiligkeit kaum noch zu überbieten ist. Auszüge:
Alle Menschen sind vor Gott gleich, egal ob sie braun, weiß, schwarz oder farbig sind. Gerade als Christenmenschen haben wir die Freiheit und die Pflicht unsere Nächsten zu lieben, selbst wenn dies bedeutet, normalerweise Unerträgliches zu ertragen – denn dies bedeutet im ursprünglichen Sinn ‘tolerant sein’.
[...]
Ganz anders ist heute unsere Haltung gegenüber dem Islam: Hier wird alles getragen – ertragen – toleriert.
[...]
Woher kommt diese bis zur Selbstaufopferung gehende plötzliche Feindesliebe? Aus echtem Mitgefühl oder doch eher aus Angst vor möglichen terroristischen Anschlägen? Toleranz aus vorauseilendem Gehorsam? Natürlich ist es wichtig, mit Andersdenkenden zu reden, auf sie zuzugehen, aber nicht bis hin zur Selbstaufgabe – um Versöhntheit in der Verschiedenheit müsste es dabei gehen.
Wie aber, kann Versöhntheit in der Verschiedenheit erreicht werden mit einem Gegenüber, das unsere Andersartigkeit nicht ertragen kann, uns nicht als gleichwertig ansehen kann, uns nicht toleriert – [...]
Solange in saudischen Schulbüchern steht, dass nur Muslime vollwertige Menschen seien, und dass man alle anderen hassen soll, solange Erstklässlern Höllenängste eingejagt werden, solange Frauen geschlagen und gesteinigt werden, solange die Menschenrechte mit Füssen getreten werden und solange zur Ermordung der ‘Ungläubigen’ aufgerufen wird, können wir keinen echten Dialog auf Augenhöhe zwischen gleichberechtigten Partnern führen, weil die anderen uns gar nicht als gleichberechtigte Partner akzeptieren.
Den Namenlosen, den Leidenden, den Unterdrückten muss eine Stimme gegeben werden – dies ist unsere Pflicht als Christenmenschen.
Einmal abgesehen davon, dass Dietrichs christenmenschliche PI-Realität ganz anders aussieht – darauf komme ich später noch zu sprechen – stellt sich zu allererst natürlich die Frage, auf welcher Grundlage sie sich eigentlich das Recht herausnimmt, sämtliche Muslime – und nichts anderes tut sie ja – über einen Kamm zu scheren. Was kann ein in der Schweiz oder in Deutschland lebender Muslime denn dafür, dass in streng islamisch geprägten Ländern die Menschenrechte nur einen sehr niedrigen Stellenwert besitzen? Was kann derselbe Muslime dafür, wenn eine kleine Minderheit seiner radikalen Glaubensbrüder meint, sich im Rest der Welt nicht in dem Maße integrieren zu müssen, wie das zu Recht erwartet werden darf? Mit all dem hat der durchschnittliche, unter und mit uns lebende Muslime nämlich nichts zu tun. Und doch wird er von Dietrich für alles verantwortlich gemacht, was andere tun oder lassen.
Diese ausschließlich auf das Schüren von irrationalen Ängsten und Hass angelegte Hetze geht über den Generalverdacht, unter den sie alle Muslime stellt, jedoch weit hinaus. Denn selbst, wenn sich die Muslime vorbildlich in die westlichen Gesellschaften eingegliedert haben, nimmt sie ihnen das nicht als ehrliches Bekenntnis zu den Ländern, in denen sie leben, ab. Genauso ergeht es Muslimen, die durch interreligiösen und -kulturellen Dialog (bei PI Dialüg genannt) die Annäherung suchen. All das läuft am Ende doch nur darauf hinaus, dass uns die Muslime über ihre eigentlichen verwerflichen Absichten – die vollständige, notfalls auch gewaltsame Islamisierung der Welt – hinweg täuschen wollen. Stichwort: Taqiya. Da stört es Dietrich dann auch nicht, dass es die Erlaubnis zur Notlüge aus Glaubensgründen eigentlich nur bei den Schiiten, die weltweit gerade einmal 15 Prozent aller Muslime ausmachen, gibt – selbst wenn man für einen kurzen Moment annehmen würde, dass der Untergang des christlichen Abendlandes deshalb tatsächlich unmittelbar bevorstünde.
Wie versprochen will ich abschließend noch ein paar Beispiele aufzählen, die ohne jeden begründeten Zweifel den Schluss zulassen, dass die Kluft, die bei Dietrich zwischen ihrer weichgespülten Selbstwahrnehmung und der erschreckenden Realität klafft, besonders tief ist:
• Folter und illegale Inhaftierungen? Stimmt doch gar nicht!
• Gewalttätige israelische Siedler? Stimmt doch gar nicht!
• Radikale Christen? Stimmt doch gar nicht!
• Palästinenser werden diskriminiert? Stimmt doch gar nicht!
• Islamistische Terroristen sind nur eine kleine Minderheit? Stimmt doch gar nicht!
• Ein gemäßigter Imam? Gibt’s doch gar nicht!
• Mafiöse Palästinenser? Gibt’s jede Menge!
Und so weiter, und so fort.
Übrigens: Ich bin Christ und Mensch, aber kein Christenmensch. Ich brauche keinen religiösen Glauben, um zu erkennen, was richtig und was falsch ist. Dazu bedarf es nur meiner Existenz als aufgeklärter Bewohner unserer komplexen Welt. Dass ich den christlichen Glauben trotzdem als Bereicherung meines Lebens und deshalb unter keinen Umständen missen möchte, steht auf einem ganz anderen Blatt.

24. September 2011 um 00:13
[...] Zweifel an Dietrichs stramm islamfeindlicher Gesinnung aufkommen ließen – von ihren anderen Entgleisungen gar nicht erst zu reden. Nein, in Wahrheit ist es doch so, dass Dietrich jetzt nur das tut, was [...]
29. September 2011 um 22:20
[...] die angebliche Israelfreundin keinerlei Berührungsängste mit einer bekennenden Antisemitin hat. Und, und, und. Aber soviel kritische Distanz gehört offensichtlich nicht zu Guts Berufsethos. Stattdessen [...]