Ein Mörder für das Weiße Haus?

Cameron Todd Willingham wurde am 16. Februar 2004 im Todestrakt des Hochsicherheitsgefängnisses von Huntsville im US-Bundesstaat Texas hingerichtet. 12 Jahre zuvor war der damals 24 Jahre alte Familienvater wegen dreifachen Mordes an seiner Tochter Amber (2) und den einjährigen Zwillingen Karmon und Kameron zum Tode verurteilt worden. Die Kinder waren während eines Brandes im Haus der Willinghams ums Leben gekommen. Dem angeblichen Täter wurde vorgeworfen, das Feuer absichtlich gelegt zu haben, um zu vertuschen, dass er seine Kinder missbraucht habe. Außerdem hätten sie Willingham beim Biertrinken und Dartwerfen gestört.

Einen Beweis für diese selbst nach Ansicht der Kindsmutter absurden Motivbehauptungen blieb die Staatsanwaltschaft jedoch schuldig. Stattdessen beauftragte Chefermittler John Jackson einen Gerichtspsychologen, der Willingham zwar nie persönlich traf, dafür aber spekulierte, dass die in der Wohnung des arbeitslosen und vorbestraften Automechanikers aufgehängten Poster von Heavy-Metal-Bands, auf denen gefallene Engel und menschliche Schädel abgebildet waren, Willingham durchaus zu satanischen Aktivitäten angeregt haben könnten. Als dann auch noch der örtliche Feuerwehrchef aussagte, dass der Brand absichtlich von menschlicher Hand verursacht worden sei, war Willinghams Schicksal besiegelt. Der Todesstrafe hätte er zu diesem Zeitpunkt nur noch dadurch entgehen können, wenn er ein Geständnis abgelegt hätte. Doch das wollte Willingsham nicht – wofür es einen sehr guten Grund gab: Der Mann hatte seine Kinder nämlich nicht getötet.

Als die Kriminaltechnische Kommission des Staates Texas den Fall vor zwei Jahren neu aufrollte, kam der mit der Untersuchung beauftragte Brandexperte Craig Beyler zu dem Schluss, dass die damaligen Brandermittler anstelle der Ergebnisse einer wissenschaftlich basierten Untersuchung lediglich eine Sammlung persönlicher Ansichten zusammengetragen hatten. Beyler warf den offenbar voreingenommenen Ermittlern außerdem vor, dass ihnen jedes Verständnis für Feuer und für durch Feuer verursachte Verletzungen gefehlt habe. Sie hätten Esoterik betrieben, aber keine solide Wissenschaft. Tatsächlich sei der Brand durch einen defekten elektrischen Heizofen oder eine fehlerhafte Stromleitung ausgelöst worden. Erhebliche Zweifel an den offiziellen Untersuchungsergebnissen waren allerdings schon vor Willinghams Exekution aufgetaucht: Der renommierte Pyrowissenschaftler Gerald Hurst hatte nach dem Studium der Emittlungsunterlagen und zahlreicher Fotos ebenfalls Unverständnis für die abenteuerlichen Schlussfolgerungen seiner Kollegen geäußert. Genau hier wird der Fall heute aber wieder aktuell, denn der republikanische Gouverneur von Texas, Rick Perry, der vor zweieinhalb Wochen erklärt hat, in knapp eineinhalb Jahren ins Weiße Haus einziehen zu wollen, kannte Hursts Bericht, als er sich weigerte, Willinghams Hinrichtung aufzuschieben.

Wer einen Menschen trotz des Vorliegens entlastender Erkenntnisse töten lässt, ist nichts anderes als ein ganz gewöhnlicher Mörder. Und das trifft leider auch auf Rick Perry zu.

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Vielen Dank an Antikraut für den Hinweis.


 
 
 

2 Kommentare zu “Ein Mörder für das Weiße Haus?”

  1. Politblogger » Erderwärmungsleugnerlogik
    31. August 2011 um 23:46

    [...] having our own brain room look at this right now that any of Perry’s [Rick Perry, siehe auch hier] comments don’t seem to hold a lot of water. It doesn’t matter. What’s resonating [...]

  2. Politblogger » Jesus versus Rick
    11. Dezember 2011 um 12:40

    [...] religiösen Rechten in den Vereinigten Staaten gehören. In diesem Fall geht es allerdings um Rick Perry, einen der armseligen republikanischen Präsidentschaftsbewerber, der im kommenden November gegen [...]