Es gibt keine guten Rechtspopulisten
Es gebe keine guten Extremisten, sagte Kristina Köhler heute in ihrer ersten Rede vor dem Deutschen Bundestag als Bundesfamilienministerin, und es müsse doch selbstverständlich sein, gegen alle Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vorzugehen. Da will ihr doch niemand widersprechen, oder? Ich tue es trotzdem. Nicht etwa, weil ich anderer Meinung wäre – das bin ich nicht – sondern weil das bei ihr nur Worthülsen sind, die verbergen sollen, dass sie Rechts- und Linksextremismus eben nicht aus Liebe zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung gleichsetzt, sondern weil Köhler glaubt, der Union damit am rechten Rand neue Wählerschichten erschließen zu können. Das ist Köhlers eigentliche Motivation und wird auch der Grund dafür sein, warum Kanzlerin Merkel eine 32-Jährige zur Ministerin gemacht hat, die bisher weder durch besondere Fachkenntnisse in dem Ressort Erscheinung getreten ist, das sie nun als oberste Familienpolitikerin repräsentiert, noch auf Lebensleistungen zurückblicken kann, die ihre Ernennenung auch nur ansatzweise rechtfertigen können.
Das Einzige, womit Köhler bisher wirklich aufgefallen ist, ist der widerwärtige Rechtspopulismus, mit dem sie schon im hessischen Landtagswahlkampf vor zwei Jahren für die CDU auf Stimmenfang war. Damals hatte sie behauptet, die Gewalt von Ausländern, die sich angeblich gezielt gegen Deutsche richte, habe erheblich zugenommen. Einen stichhaltigen Beweis dafür blieb sie schuldig. Es störte sie auch nicht, dass renommierte Kriminologen und Strafverfolger ihrer absurden These energisch widersprachen. Schließlich ging es ihr ja nur darum, der schwächelnden Koch-CDU durch markige Sprüche aus der braunen Mottenkiste verbal unter die Arme zu greifen.
Das Dumme ist nur: Es gibt auch keine guten Rechtspopulisten. Wer so wie Köhler aus wenig ehrenwerten Gründen in der Extremismusbekämpfung scheinargumentiert, der betreibt ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Doch damit ist das so eine Sache, denn wie schon der Volksmund weiß, kann man darin auch umkommen.

30. Oktober 2010 um 22:58
[...] Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) Rechts- und Linksextremismus noch so vehement gleichsetzen – die Realität in diesem Land wird auch eine so merkbefreite (ursprünglich stand da ein [...]
23. Februar 2012 um 22:13
[...] Man kann sicherlich darüber streiten, ob es einer zentralen Feier in Berlin und einer Schweigeminute bedurfte, um der neun Todesopfer zu gedenken, die eine neonazistische Terrorbande zwischen 2000 und 2007 kaltblütig ermordet hat. Ich bin kein Freund solcher Gesten, so gut sie auch gemeint sein mögen, denn sie kommen immer zu spät. Viel zu spät. Wie schon mehrfach in der jüngeren deutschen Geschichte, als nach den fremdenfeindlichen Anschlägen von Mölln, Solingen, Rostock und Lübeck, bei denen 18 Menschen ihr Leben verloren, im ganzen Land Lichterketten stattfanden, um ein Zeichen gegen die braune Gewalt zu setzen. Doch was sind solche Zeichen wert, wenn sich danach nichts ändert? Wenn Ausländer und Deutsche immer wieder gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung ausgesetzt sind? Wenn staatliche Organe dem Treiben der Täter mehr oder weniger tatenlos zusehen? Wenn selbst Mitglieder der Bundesregierung rechtsextremistische Gewalt zu relativieren und verharmlosen? [...]