Irgendwie tragisch

Aus manchen der E-Mails, die ich täglich in meinem virteullen Briefkasten vorfinde, kann ich hier nicht zitieren, weil ich mich damit selbst unter Hinweis auf den reinen Dokumentationszweck der Veröffentlichung der Strafverfolgung aussetzen würde. Andere Zuschriften sind einfach nur unfassbar dämlich – wie die, die ich gestern von einem angeblichen Ludwig Baumann erhielt:

Als ich vor wenigen Monaten mit meiner Familie aus Amerika zurückkam, fiel ich buchstäblich aus allen Wolken. Ich hatte nicht den Eindruck, dass wir nach Deutschland gelangt wären, sondern in ein orientalisches Gebiet irgendwo im asiatischen Teil der Türkei. Die meisten Geschäfte verkauften türkische Waren, türkische Kaffeestuben waren überall entstanden, in den Parks hörte man kein Deutsch, sondern Türkisch, und die Türkenkinder hatten wie die Ameisen die öffentlichen Orte überschwemmt. Minarette und Moscheen anstelle von christlichen Symbolen, islamische Kopftücher, welche die Straßen füllten und den Anblick einer asiatischen islamischen Gesellschaft boten, Kioske mit allen türkischen Zeitungen und Zeitschriften, während charakteristische Plakate damals die Ankunft eines türkischen Ministerpräsidenten verkündeten. Mir schien es nicht, als ob ich in meine Heimat zurückgekehrt wäre, in die Stadt, in der ich geboren wurde, in der meine Eltern geboren worden waren und lebten, in der ich aufgewachsen war und mir zum ersten Mal meiner Identität bewusst wurde. Was war denn nur geschehen? Eine Invasion von tausenden Türken hatte meine Stadt und die Straßen überschwemmt, durch die ich als kleiner Junge geschlendert bin, um in die nahe Schule zu gelangen. Wie sind wir zu diesem Zustand gekommen? Wer hatte es erlaubt, dass diese Leute alle massenweise einströmten und unsere Viertel besetzten und darüber hinaus sogar noch uns ihre eigenen kulturellen Regeln aufzwingen wollen? Was sollte ich meinen Kindern zeigen, die glaubten, dass sie in die Heimat ihrer Eltern, nach Deutschland, kämen, und sich plötzlich in einer türkischen Kleinstadt wiederfanden, wo ein ungezügelter türkischer Islam überall vorzuherrschen schien?


Einmal abgesehen davon, dass Ludwig Baumann höchstwahrscheinlich nicht Ludwig Baumann heißt und die große weite Welt auch nur vom entfernten Hörensagen kennen dürfte, versuche ich mir in solchen Fällen immer vorzustellen, was das für armselige Gestalten sind, die solch gehirnamputierte Traktate verfassen. Vermutlich sind das oft völlig verkorkste Gewohnheitsautisten, die vom wirklichen Leben selbstverschuldet irgendwie unter die Räder genommen wurden und deren einzige nennenswerte soziale Aktivität im zwangsverordneten Besuch des örtlichen Jobcenters bestehen. Familie und Freunde haben sich schon vor langer Zeit aus dem Staub gemacht, weil sie das ständige menschenhassende Dummgeschwätz einfach nicht mehr ertragen konnten.

Auch so scheitern hierzulande Existenzen. Irgendwie tragisch, nicht?

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