Kein Freibrief für eine Heldin
Als Freundin von Sophie Scholl arbeitete die heute fast 90-Jährige Susanne Zeller-Hirzel aktiv im Widerstand der Weißen Rose gegen die Nazis mit, das fünfte Flugblatt der Gruppe warf sie Ende Januar 1942 sogar eigenhändig in Stuttgart in die Briefkästen. Susanne Zeller-Hirzel war ohne jeden Zweifel eine Heldin, wie es sie im Dritten Reich leider nur ganz wenige gab. Das verdient unser aller Respekt und Anerkennung.
Insofern fällt es mir natürlich sehr schwer, Frau Zeller-Hirzel zu kritisieren. Aber wer sich wie sie heute bereitweillig ausgerechnet vor den Karren der ultrarechten Splittergruppierung Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) spannen lässt und sich deren plumpe islamophob-fremdenfeindliche Ideologie zu eigen macht, der kann trotz aller Verdienste nicht damit rechnen, dass über dieses Engagement der gnädige Mantel des Schweigens gehängt wird. Susanne Zeller-Hirzel ist vielmehr ein trauriges Beispiel dafür, dass selbst Menschen, die es aus eigener leidvoller Erfahrung eigentlich besser wissen müssten, anfällig für die tumbe Propaganda neurechter Rattenfänger sind. Das war auch bei ihrem drei Jahre jüngeren, 2006 verstorbenen Bruder Hans nicht anders, der von 1993 bis 2001 Mitglied der damals noch vom Verfassungsschutz beobachteten Republikaner und von 1997 bis zu seinem Parteiaustritt vier Jahre später Wiesbadener Stadtverordneter war. Die Republikaner verließ Hans Hirzel aber nicht etwa, weil sie ihm zu weit rechts standen, sondern weil er den sogenannten Ruhstorfer Abgrenzungsbeschluss für falsch hielt. Mit diesem Beschluss versuchten sich die Republikaner wenigstens pro forma von anderen Parteien und Gruppierungen am äußersten rechten Rand – wie etwa NPD, DVU oder Wiking-Jugend – zu distanzieren.
Wenn man dann noch weiß, woher Frau Zeller-Hirzel ihr vermeintliches Wissen über den Islam bezieht, dann ist das auf der einen Seite zwar ein erschreckendes Zeugnis der Einfältigkeit, auf der anderen Seite aber auch fast schon wieder unfreiwillig komisch:
Mehr zu Udo Ulfkotte beim POLITBLOGGER gibt es hier nachzulesen, eine ganz typische BPE-Aktion wird dagegen hier ausführlich beleuchtet.
Vielen Dank an Farsi und Aguirre für die sachdienlichen Hinweise.

17. September 2011 um 16:38
[...] Noch so ein Feigenblatt, das bei genauerem Hinsehen heutzutage absolut nichts taugt. [...]
28. November 2011 um 22:10
[...] oder dass Zeller-Hirzels verstorbener Bruder Hans den extrem Rechten in Deutschland nach dem Krieg sehr nahe stand, beweist allerdings nur, dass Zeller-Hirzel – trotz ihrer unbestrittenen Verdienste in jungen [...]