Kicker-Gate (Update)

Für einen echten Brüller haben die PIpifanten heute Mittag mit diesem Beitrag gesorgt (Screenshot), in dem allen Ernstes behauptet wird, die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft sei bereit, in einem Länderspiel gegen den Iran in Deutschland

[...] in islamischer Kleidung zu spielen.

Dabei zeigt schon ein flüchtiger Blick auf die Quelle dieses Unfugs, dass man die Meldung wohl nur dann für bare Münze nehmen kann, wenn man als peinlich inkompetente (PI), äh, Spürnase sein bescheidenes virtuelles Dasein fristet – denn der kurze Artikel findet sich im deutschsprachigen Angebot der staatlichen iranischen Rundfunkgesellschaft IRIB (Islamic Republic of Iran Broadcasting). Zitat:

IRIBs Berichterstattung zeichnet sich deshalb durch eine stark islamisch (schiitisch) geprägte Sichtweise des Weltgeschehens aus. Dem Sender wird vorgeworfen, dass die Berichte häufig mit antiamerikanischen und antizionistischen Kommentaren durchzogen seien. Ferner wird durch die staatliche Kontrolle der Opposition des Iran kaum Gehör geschenkt. Deswegen gilt der Sender nach westlichen Standards nicht als freies und unabhängiges Medium.

Alleine das hätte Herre eigentlich schon stutzig machen müssen. Aber schauen wir uns die angebliche Nachricht doch einmal etwas genauer an:

Laut dem Leiter des deutschen Fußballbundes ist die Damenfußball-Nationalmannschaft des Landes bereit, in einem Freundschaftsspiel dem iranischen Damenteam mit islamischer Bekleidung entgegenzutreten. Theodor Zwanziger, der auf einer Konferenz in Berlin über den Damenfußball in Iran sprach, sagte: Der deutsche Fußballbund ist interessiert daran, in diesem Zusammenhang ein Spiel in Deutschland zu organisieren.

Richtig ist, dass Theo Zwanziger am 26. Februar in Berlin an einer Podiumsdiskussion (!) zum Thema Fußball als Motor für Interkulturalität und Integration? teilgenommen hat. Falsch ist dagegen, dass Zwanziger dabei etwas gesagt hat, was auch nur annähernd dem entspricht, was sich die IRIB zusammenfantasiert hat.

In der IRIB-Meldung heißt es dann weiter:

Zuvor hatte die Berliner Mannschaft BSV Al Dersimspor bei einem Freundschaftsspiel in Teheran mit der iranischen Nationalmannschaft ein 2:2 Unentschieden erreicht.

Nun, zuvor ist in diesem Fall eine reichlich irreführende Formulierung, denn das Spiel, von dem hier die Rede ist (und über das es einen Dokumentarfilm gibt, der im Rahmen der Diskussion ausschnittsweise gezeigt wurde), fand schon vor fast drei Jahren in Teheran statt. Bei der IRIB hört sich das allerdings so an, als hätte das Spiel am gleichen Nachmittag stattgefunden. Genauso frei erfunden ist auch der abschließende Satz:

Laut dem DFB-Präsident ist diese Berliner Mannschaft bereit, Gastgeber des Rückspiels zu sein.

Richtig müsste es jedoch heißen:

Zu den etwa 200 Besuchern der Veranstaltung zählten auch Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV), BFV-Vizepräsident Hans-Jürgen Bartsch und der BFV-Integrationsbeauftragte Mehmet Matur.

BFV-Präsident Bernd Schultz ergänzte im Hinblick auf den Filminhalt: ‘Nicht nur aus Berliner Sicht würde es uns sehr freuen, wenn es eines hoffentlich nicht allzu fernen Tages doch noch zum Rückspiel der beiden Frauenteams kommen könnte.’

Dass Herre einmal mehr nicht in der Lage war, wenigstens fünf Minuten Recherche in einen Beitrag zu stecken und stattdessen lieber ungeprüft Mullah-Propaganda verbreitet, spricht nicht gerade für die Intelligenz des angeblichen Sportlehrers aus Bergisch Gladbach – vorsichtig ausgedrückt.

Mehr zum Thema bei POLITISCH KORREKT:

PI geht staatlichem iranischem Nachrichtensender auf den Leim
Fußball mal ganz anders

Update (9. März 2009): Wer nicht hören recherchieren will (oder kann), muss eben fühlen (Screenshot). Zitat:

Nachdem PI gestern aufgrund einer Meldung der iranischen Nachrichtenagentur IRNA darüber berichtete, dass das DFB Damennationalteam ein Länderspiel in Deutschland gegen den Iran im islamischen Outfit bestreiten wollte, erreicht uns heute eine Email vom DFB. Darin weist die Pressestelle ‘mit Entschiedenheit’ die Meldung zurück. Sie entspreche nicht den Tatsachen, so DFB-Präsident Zwanziger.

Das Dementi im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit Entschiedenheit hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Meldung der iranischen Nachrichten-Agentur IRNA zurückgewiesen, nach der DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger bei einer Veranstaltung in Berlin erklärt haben soll, die Frauen-Nationalmannschaft des DFB sei bereit, die iranische Auswahl zu einem Freundschaftsspiel in Deutschland zu empfangen und in iranischer Bekleidung anzutreten. Dies, so Dr. Zwanziger, entspreche nicht den Tatsachen.

Der DFB-Präsident betont, dass bei einer Veranstaltung der Böll-Stiftung in Berlin über ein eventuelles Rückspiel einer iranischen Auswahl gegen eine Berliner Vereinsmannschaft gesprochen worden sei. Im Hinspiel im Iran seien die Berliner Spielerinnen den Gesetzen des Landes gefolgt und mit Schleier angetreten. Beim Rückspiel in Berlin, das von privater Seite und nicht vom DFB organisiert wird, müssten die Spielerinnen selbst entscheiden, mit welcher Bekleidung sie antreten wollen.

Wir bitten Sie zeitnah um Richtigstellung auf Ihrer Homepage.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre DFB-Pressestelle

Herre, da fehlt aber noch ein Satz:

Wir entschuldigen uns hiermit ausdrücklich beim DFB, seinem Präsidenten und bei den PI-Lesern für unsere unfassbare Inkompetenz.

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Vielen Dank an Erdbeerbaum für den sachdienlichen Hinweis.


 
 
 

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