Le Pen: ‘Pro Köln’ lügt

Wie bereits mehrfach berichtet, wird Frankreichs prominentester Rechtsaußen Jean-Marie Le Pen definitiv nicht beim Rassistentreffen in Köln am Wochenende dabei sein. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Le Pens Sprecher, dass sein Chef die Teilnahme am so genannten Anti-Islamisierungs-Kongress nie zugesagt habe. Le Pen werde am Samstag ein neues Büro des Front National in Nizza einweihen, und auch am Abend und am Sonntag habe er keine Zeit. Den Organisatoren des Kölner Treffens warf Le Pens Sprecher vor, dessen Namen nur benutzt zu haben, um damit die eigene Werbetrommel zu rühren.

Dass auch FPÖ-Chef Heinz-Christian (HC) Strache nicht nach Köln kommen wird, hat Pro Köln inzwischen zwar bestätigt, trotzdem stehen sein und der Name von Le Pen immer noch in der Kongresszeitung beziehungsweise im Teilnahemaufruf.

Ohne Le Pen und Strache ist die Rednerliste zwar um einiges weniger medienwirksam, das bedeutet aber nicht, dass die anderen teilnehmenden Hinterbänkler aus halb Europa nichts auf dem Kerbholz hätten. So ist Mario Borghezio von der rechtspopulistischen italienischen Lega Nord zum Beispiel unter anderem wegen vorsätzlicher Brandstiftung vorbestraft, weil er vor acht Jahren an Anschlägen auf Einwandererlager in Turin maßgeblich beteiligt war. 1993 wurde Borghezio wegen der Nötigung eines 12-jährigen marokkanischen Kindes verurteilt. Außerdem wurde Borghezio bekannt, als er im Zug von Turin nach Mailand Sitze säuberte, auf denen zuvor angeblich nigerianische Prostituierte gesessen haben sollen. Aufsehen erregte er auch mit rassistischen Äußerungen über Süditaliener während der olympischen Sommerspiele in Peking, als er von einer ethnischen Überlegenheit der Padanier sprach.

Aus Deutschland gesellt sich dazu nicht nur das wegen ihrer neonazostischen Vergangenheit in der Kritik stehende Führungsduo von Pro Köln – die Herren Beisicht und Rouhs – sondern auch so skurrile Gestalten wie das aus der CDU ausgetretene Noch-Mitglied des Deutschen Bundestages, Henry Nitzsche:

Erstmals in die Schlagzeilen kam er 2003 im Zuge der Diskussion über die als antisemitisch kritisierte Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten Hohmann. Seine Aussage, eher werde einem Muslim ‘die Hand abfaulen’, als dass er CDU wähle, wurde auch von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel scharf kritisiert.

Auf einem Plakat für die Bundestagswahl 2005 warb Nitzsche mit der Parole ‘Arbeit, Familie, Vaterland’, die als ‘Travail, Famille, Patrie’ Wahlspruch des französischen Vichy-Regimes unter Marschall Pétain während der deutschen Okkupation im zweiten Weltkrieg gewesen war und einen Gegenentwurf zu den Werten ‘Liberté, Égalité, Fraternité’ (französisch ‘Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit’) der französischen Revolution darstellen sollte. Im Jahr 2002 hatte der Präsidentschaftskandidat des rechtsradikalen französischen Front National, Jean-Marie Le Pen, die Parole im französischen Präsidentschaftswahlkampf aufgegriffen, anschließend wurde sie 2004 in Deutschland von der rechtsextremen Partei NPD verwendet. Dennoch unterstützte der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen und CDU-Generalsekretär, Kurt Biedenkopf, Nitzsches Wahlkampfmotto.

Erneute Kritik zog Nitzsche mit einem Grußwort zu einer CDU-Veranstaltung zum Thema Patriotismus im Juni 2006 in Lieske auf sich, dessen Inhalte allerdings erst im November 2006 bekannt wurden. Nach Angabe von Ohrenzeugen soll Nitzsche die Notwendigkeit von Patriotismus damit begründet haben, man brauche ihn, ‘um endlich vom Schuldkult runterzukommen’ und damit ‘Deutschland nie wieder von Multikultischwuchteln in Berlin regiert’ werde.

Wohlgemerkt: Für solche Leute wirbt auch das Herre-Blog nach wie vor. Gleich und gleich gesellt sich eben gern.

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Vielen Dank an Tim für den sachdienlichen Hinweis.


 
 
 

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