Margot Käßmann: Rücktritt
Am vergangenen Samstag wurde Margot Käßmann, Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), mit einem Blutalkoholwert von 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens erwischt. Juristisch betrachtet war sie damit absolut fahruntüchtig. Auf Käßmann wartet nun ein Strafverfahren, in dem sie mit einer empfindlichen Strafe rechnen muss.
Wenn jemand wie Margot Käßmann einen solchen Fehler begeht, dann muss das aber auch persönliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wer den EKD-Ratsvorsitz inne hat, der kann nach einer Alkoholfahrt anschließend nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Und Frau Käßmann hat das offensichtlich auch nicht vor, denn nach SPIEGEL-Informationen will sie noch am Nachmittag zumindest von ihrem Amt als EKD-Ratsvorsitzende zurücktreten. Das macht das, was sie getan hat, zwar nicht ungeschehen, aber es nötigt mir trotzdem Respekt ab. Ihr bevorstehender Rücktritt zeigt, dass sie an sich selbst konsequent hohe Maßstäbe anlegt – etwas, was man nicht nur hierzulande bei Personen des öffentlichen Lebens so oft vermisst, wenn sie sich einen Skandal geleistet haben.
Bei aller Kontroversität ihrer politischen und gesellschaftlichen Standpunkte wird Margot Käßmann eine Lücke hinterlassen. Sie hat immer Klartext geredet und sich nicht aus politischem Kalkül in Allgemeinplätze geflüchtet. Das ist ebenfalls eine der Qualitäten Käßmanns, die sicherlich nicht nur ich vermissen werde.
An ihrem Rücktritt führt dennoch kein Weg vorbei, so bedauerlich man das auch finden mag.

25. Februar 2010 um 22:44
[...] Entscheidung, nach ihrer nächtlichen Alkoholfahrt mit 1,54 Promille von sämtlichen Kirchenämtern zurückzutreten, hat der evangelischen Kirche in Deutschland in einer ohnehin nicht einfachen Zeit eine quälende [...]