Mumia Abu-Jamal darf nicht sterben

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Ich erlaube mir kein Urteil darüber, ob der schwarze Bürgerrechtler Mumia Abu-Jamal am 9. Dezember 1981 in Philadelphia den weißen Polizisten David Faulkner erschossen hat. Der ganze Fall ist auf beiden Seiten des Verfahrens so voller Widersprüche und Ungereimtheiten, dass es für Außenstehende eigentlich nicht möglich ist, etwas über die Schuld oder Unschuld des mittlerweile 55-Jährigen zu sagen. Sicher ist nur, dass Mumia Abu-Jamal für den Mord an Faulkner zum Tode verurteilt wurde und seit seit fast 28 Jahren auf seine Hinrichtung wartet. Doch nun neigt sich die juristische Auseinandersetzung um das Verbrechen seinem unweigerlichen Ende zu: Wahrscheinlich noch in diesem Monat wird der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika darüber entscheiden, ob das ursprüngliche Strafmaß bestehen bleibt – oder ob Mumia Abu-Jamal leben darf.

Mumia Abu-Jamal hat in den letzten drei Jahrzehnten weltweit für viele Schlagzeilen gesorgt. Er ist zu einer Ikone der Todesstrafengegner geworden. Doch das ist es nicht, warum ich nicht will, dass Mumia Abu-Jamal stirbt. Wie gesagt: Ich weiß nicht, ob Mumia Abu-Jamal den Mord begangen hat, für den er verurteilt wurde. Vielleicht war es es, vielleicht war er es nicht. Die Wahrheit werden wir vermutlich nie erfahren. Für mich ist nach wie vor aber so oder so entscheidend, dass die Todesstrafe grundsätzlich falsch ist. Sie ist barbarisch, unmenschlich und eines Rechtsstaates unwürdig. Das biblische Prinzip Auge um Auge sorgt nur dafür, dass am Ende alle blind sind. Mit Gerechtigkeit hat das wenig bis gar nichts zu tun. Deshalb muss Mumia Abu-Jamal leben dürfen.

Während Mumia Abu-Jamal noch nicht weiß, ob er dieses Jahr überleben wird, wurden am Donnerstag in den US-Bundesstaaten Ohio, Texas und Louisiana die ersten drei Todesurteile des Jahres 2010 vollstreckt. In Louisiana war es die erste Hinrichtung seit acht Jahren.

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Wikipedia-Eintrag von Mumia Abu-Jamal
Der Fall Mumia Abu-Jamal bei SPIEGEL ONLINE

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