Nicht mal knapp vorbei

Einmal abgesehen von den vielen anderen inhaltlichen Fehlern, vor denen der phaktisch inkorrekte (PI) Gastbeitrag von Markus Müller, 32 Jahre (PI-Autorenhiwis haben ja oft so, hm, seltene Namen) nur so strotzt, stechen einem die beiden folgenden Absätze besonders ins Auge. Motto: Ich weiß zwar gar nichts, das aber ganz genau (Hervorhebungen von mir).

Die sture und teilweise arrogante Haltung des Bauträgers, die türkische Religionsbehörde DITIB, die besondere Verkehrsproblematik an dieser Stelle, die Tatsache, dass das Bauwerk stark orientalisch anmutet und die Minarette höher als der Kirchturm geplant sind, schließlich die zunehmende Türkisierung des dortigen Viertels und die höchst bedenkliche Kommunkationsunfähigkeit der politischen Entscheidungsträger – all dies führte und führt zu einer Situation, in der die Bürgerbewegung Pro Köln mit ihren deutlichen Worten gegen Moschee und Islamisierung einen durchaus hohen Zuspruch in der Bevölkerung fand.

Pro Köln erklärte bei jeder Gelegenheit, man sei nicht rechtsradikal – was der Verfassungsschutz im großen und Ganzen ähnlich sieht. Die Bewegung ist recht überschaubar und man muss, sieht man sich die teilweise älteren und durchaus freundlichen Damen und Herren des Vereins in freier Natur einmal selbst an, eher schmunzeln als das man die Bewegung für eine Gefahr für Ausländer und die Religionsfreiheit halten könnte. Rechtsextreme wurden dort bislang auch nie gesichtet und zu Parteien wie der NPD hält Pro Köln deutlich Abstand.

1. Die türkische Religionsbehörde ist nach wie vor das Präsidium für religiöse Angelegenheiten mit Sitz in Ankara. Die DITIB (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) untersteht diesem zwar, ist in Deutschland allerdings nur ein eingetragener Verein.

2. Die beiden Minarette der geplanten Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld sollen 55 Meter hoch gebaut werden. Von welchen niedrigeren Kölner Kirchtürmen spricht Markus Müller also eigentlich? Etwa von denen des Kölner Doms?

3. Pro Köln hatte zu keinem Zeitpunkt ein ernsthaftes Interesse daran, sich sachlich und konstruktiv in die politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse einzubringen, sondern hat von Anfang an auf billigste Hetze gesetzt.

4. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz stuft Pro Köln nach wie vor als rechtsextremistisch ein, auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht (Seite 77 ff.). Wieso Markus Müller die Dreistigkeit besitzt, das genaue Gegenteil zu behaupten, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

5. Schon die Pro-Köln-Führungsetage ist durchsetzt mit ehemaligen Funktionären neonazistischer beziehungsweise rechtsextremistischer Parteien und Gruppierungen (NPD, Republikaner, Deutsche Liga für Volk und Heimat, und, und, und). Im NRW-Verfassungsschutzbericht (siehe oben) heißt es auf Seite 79 außerdem:

Im September 2007 gab es ein Treffen in Straßburg, an dem neben dem Vorsitzenden von ‘pro Köln’ und seinem Stellvertreter auch der Vorsitzende der NPD, Udo Voigt sowie weitere NPD-Funktionäre und der Vorsitzende der DVU, Dr. Gerhard Frey, teilgenommen haben.

Zumindest Stefan Herre sind all diese Fakten natürlich bekannt. Dass er trotzdem ein solches von vorne bis hinten verlogenes Pamphlet veröffentlicht, ist deshalb nur ein weiterer Beleg dafür, womit wir es bei PI zu tun haben – nämlich um ein ganz ordinäres Hass- und Hetzblog, dessen Inhalte niemand ernst nehmen kann, der sich seriös informieren will.

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