Obacht, der ‘Musel-Neger’ kommt!

Am Donnerstag wird der designierte demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama seine mit Spannung erwartete Rede vor der Berliner Siegessäule halten. Dass er bei seiner Wahlkampftour in den Nahen Osten und nach Europa in Berlin Station macht und dabei neben Gesprächen mit Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier auch seinen einzigen öffentlichen Auftritt hat, darf durchaus als Zeichen gewertet werden, welchen Stellenwert ein möglicher Präsident Obama den deutsch-amerikanischen Beziehungen einräumen würde. Sein republikanischer Kontrahent John McCain hatte für einen Zwischenstop in Deutschland auf jedenfall keine Zeit, als er im März kurz nach seiner feststehenden Nominierung auf Wahlkampfreise war.
Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Herre-Gang an Dummdreistigkeiten in den nächsten Tagen zu dem Thema sicherlich noch abliefern wird, können wir heute schon bei Plemplem Inc. (PI) nachlesen:
Sicher wird er aber wieder dabei sein, wenn der muslimische Präsidentschaftskandidat Obama am Donnerstag seine Wahlkampfveranstaltung in Berlin abhält. Während die Bevölkerung bei einem Gelöbnis der Bundeswehr wegen der organisierten Störungen der Ex-SED von der Teilnahme ausgeschlossen bleibt, gilt für die Wahlkampfshow: ‘Jeder kann kommen!’. Besondere Absperrungen sind nicht nötig. Die Pazifisten haben den Auftritt genehmigt!
Dass die frei erfunde Story vom Muslim Obama schon lange keine Wurst mehr vom Teller zieht – und zwar weder in den USA, noch sonst irgendwo auf der Welt – will PI natürlich nach wie vor nicht einfach so hinnehmen. Schließlich sind Dämlichkeiten wie diese die einzigen, äh, Argumente, die PI gegen Obama bis jetzt vorgebracht hat. Substantiell hat Bush-Groupie Herre wirklich noch gar nichts ins Feld geführt, was man auch nur im Ansatz ernst nehmen müsste. Und ausgerechnet dieser freche Musel-Neger erdreistet sich jetzt, in Berlin eine wahrscheinlich ziemlich gut besuchte Rede zu halten, die – falls er sich keine groben Schnitzer leistet – auch in der Heimat ihre Wirkung nicht verfehlen wird. Beim durchschnittlichen PI-Anhänger leiden da gleich zwei Herzen unter heftigsten Rhythmusstörungen: das des Islamhassers und das des Rassisten. Sollte Obama im November die Wahl tatsächlich gewinnen, kann ein kollektiver PI-Massensuizid keineswegs ausgeschlossen werden. Sowas kennt man ja auch von anderen fanatischen Sekten.
P.S.: Der Vergleich zwischen dem öffentlichen Gelöbnis am Sonntag und Obamas Rede am Donnerstag ist natürlich genauso blödsinnig wie der Rest des Beitrags. Bei dem von PI in dieser Form ausdrücklich so gewollten Gelöbnis vor dem Reichstag war von Anfang an klar, dass die Kapazitäten begrenzt sein würden (Platz war nur für rund 2000 Gäste). Und ist es nicht das Herre-Blog selbst gewesen, das lauthals krakeelt hat, dass zu wenig Vertreter aus der Politik vor Ort waren? Andererseits: Mit Logik ist man bei PI noch nie weit gekommen. Aber das ist ja nicht neu. Genauso wenig wie die Tatsache, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändern wird.

10. Juni 2010 um 21:11
[...] soll er nicht alles sein, der Barack Obama: Muslim, Antichrist, Sozialist, KGB-Spion – und jetzt auch noch Statist in einem Hip-Hop-Video (bei [...]
2. Oktober 2011 um 16:43
[...] Barack Obama jede Menge längst widerlegten Konspirationsunfug verzapfen (siehe unter anderem hier, hier, hier, hier, hier und [...]