PI tritt aus Deutschland aus

Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass ich mich über die bizarren autoerotischen Feuchtträume der Schweizer Volkspartei (SVP) nicht noch einmal auslassen muss, aber die pseudopatriotische Idiotie (PI) lässt mir einfach keine andere Wahl, denn Stefan Herres Gastschwätzer Nockerl von der schon optisch dem gallopierenden Irrwitz zum Opfer gefallenen PI-Gruppe München findet die absurde Groß-Schweiz-Idee der SVP ganz toll (Screenshot):

Die Schweizerische Volkspartei fordert vom Bundesrat, den Beitritt von Regionen in der Nachbarschaft zur Schweiz vorzubereiten. Die Grundidee verlangt die Umkehrung des Beitrittsgedankens zur EU. Nicht die Schweiz soll der EU beitreten, sondern der Schweiz anliegende Gebiete sollten sich dieser anschließen. Größter ‘Nachteil’: Es sind (bislang?) mit Vorarlberg und Baden-Württemberg ‘nur’ Teilgebiete Österreichs und Deutschlands als Beitrittskandidaten vorgesehen.

Aber auch angrenzende Teile Italiens und Frankreichs wurden in die Überlegung mit eingeschlossen. Wohl nicht ganz ohne Grund überschreibt die Basler Zeitung den Artikel zu dieser an den Bundesrat gerichteten Motion mit den einleitenden Worten: ‘Kein Scherz!’ Nachdem das erste Schmunzeln abgeklungen ist, lädt der Gedanke allerdings zum Träumen ein.

[...]

Wenn es heißt, wieder demokratisch über das eigene Schicksal bestimmen zu können, anstatt von scheindemokratischen Institutionen der Europäischen Union am bürokratischen Gängelband geführt zu werden, dann ist Helvetia die weitaus schönere Braut als Europa. Zumal Europa eine ewige Versprechung für den Freier bleibt, die insbesondere von Österreich und Deutschland mit weit ausgestreckter Hand immer wieder aufs Neue Brautgeld verlangt.

Es sollte auch für die zum Beitritt zur Schweiz entschlossenen österreichischen und deutschen Gebiete möglich sein, sich zunächst für unabhängig zu erklären, um dann im zweiten Schritt der Schweiz beizutreten. Schließlich wurde auch das Kosovo nach Erklärung der Unabhängigkeit anerkannt. Wenn dies auch nicht ganz vergleichbar ist, denn das Kosovo ist von europäischer Hilfe abhängig, während Europa am deutschen und österreichischen Steuertropf hängt. Dieser entwickelt sich allerdings immer mehr zu einem reißenden Strom. Und während die Schweiz Spanien bei der Fußballweltmeisterschaft vom Platz – na ja, sagen wir – putzt, bereiten sich Deutschland und Österreich darauf vor, nun auch noch die spanischen Schulden zu bereinigen.

Und wie immer werden wir weder hierzu noch zu der Einführung des Euro, der Ratifizierung des Lissabons’vertrages’, den nicht enden wollenden Erweiterungsrunden und auch sonst bei keiner Entscheidung gefragt. Nur die Folgen sollen wir – als ‘gute Europäer’ – immer klaglos tragen, während man uns gleichzeitig die Möglichkeiten der Einflussnahme mit jedem weiteren Schritt noch umfassender beschneidet. In der Schweiz hingegen bestimmt das Volk.

Und was einst in Bezug auf das von Unfreiheit eingekreiste Berlin galt, gilt nun für die Schweiz: Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger der Schweiz, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können ‘Ich bin ein Schweizer!’ Lasst uns Schweizer sein, aber auch wirkliche Schweizer werden. Man wird ja noch träumen dürfen.


Wirklich tragisch ist, dass Nockerls Beitragsattrappe keine Satire ist. Der meint das ernst. Ohne Scheiß.

Kommentieren


 
 
 

3 Kommentare zu “PI tritt aus Deutschland aus”

  1. Tweets that mention Politblogger » PI tritt aus Deutschland aus -- Topsy.com
    17. Juni 2010 um 20:55

    [...] This post was mentioned on Twitter by Zarathustra, POLITBLOGGER. POLITBLOGGER said: PI tritt aus Deutschland aus http://bit.ly/bTM8Xx #pi [...]

  2. At Home in Europe » Blog Archive » Gute Alternative für Separatisten und Europäophoben: Die Schweiz!
    18. Juni 2010 um 15:58

    [...] aller freien Menschen in Europa (und in der Welt?) in der schweizerischen Föderation. Unser Freund Politblogger (”PI tritt aus Deutschland aus”) konnte vor Lachen kaum copy-and-paste. Aber es ist ihm doch gelungen. Nachher Volltext des [...]

  3. Politblogger » Der Schwanz will mit dem Hund wedeln
    15. Juli 2010 um 22:03

    [...] und Como/Varese (Italien) mehrheitlich gerne der Schweiz beitreten würde (siehe auch hier und hier). Einmal abgesehen davon, dass ich die Fragestellungen nicht kenne und die Datenbasis mit insgesamt [...]