PI wird es nie kapieren
Am letzten Samstag berichtete Permanent Inkorrekt (PI) unter Berufung auf einen Artikel im FPÖ-Hausblatt Kronen-Zeitung über einen vermeintlichen Justizskandal in der Alpenrepublik:
Warum wird ein unbescholtener 63-jähriger Pensionist, der beim Rasenmähen vor sich hin gejodelt hat, zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt werden, werden Sie jetzt fragen? Richtig: Moslems empfanden das Gejodel von Helmut G. [...] als Verletzung ihrer religiösen Gefühle, klagten vor Gericht – und bekamen Recht.
Die österreichische Krone berichtet über den unglaublichen Justizskandal:
[...]
Tja, so ist das eben im Europa des 21. Jahrhunderts – da müssen sich auch jodelnde Pensionisten allmählich dran gewöhnen.
Doch wie so oft ist auch an diesem Märchen so gut wie nichts dran:
Nicht nur einmal, wie die ‘Kronen Zeitung’ schrieb, sondern ‘regelmäßig am Freitag’ habe ein Pensionist beim Rasenmähen gejodelt und so das Gebet seiner muslimischen Nachbarn gestört, erfuhr der Medienblog kobuk.at bei Gericht.
Und:
Herr G. dürfte ein überaus fleißiger Rasenmäher und Jodler gewesen sein, deutet man unter Verweis auf die Unschuldsvermutung bei jenem Grazer Gericht an, das den Fall verhandelt hat.
Fast ein ganzes Jahr lang, von 2009 bis Sommer 2010 habe er regelmäßig an Freitagen, immer zur Gebetszeit seiner Nachbarn, den Rasen gemäht und dabei ‘fröhlich’ gejodelt. Oder auf andere kreative Art das Gebet seiner Nachbarn lautstark gestört und verhöhnt, heißt es sinngemäß in den erhobenen Vorwürfen. Auch nachdem die Lautsprecherübertragungen der Gebete in den Garten längst eingestellt waren, soll er sein Treiben noch monatelang fortgesetzt haben.
[...]
Die Anklage erfolgte nicht auf Betreiben der Muslime. Nachdem die Polizei auf ihre Bitte mehrmals eingeschritten war, hielt sie es aber für nötig, die Vorfälle an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. Da es sich um ein Offizialdelikt handelt, musste diese dann von sich aus ein Verfahren einleiten. Aus den Akten gehe laut Gericht hervor, dass die Muslime stets auf eine einvernehmliche Lösung gedrängt hätten.
[...]
Das Strafverfahren wurde nach Diversion, gegen Zahlung einer Geldbuße, eingestellt.
Vielen Dank an Frank und die vielen anderen sachdienlichen Hinweisgeber.
