Silvana macht den Karl-Theodor

Nun ist sie ihn also los: Die Universität Heidelberg hat die Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin bestätigt und ihr den Doktortitel entzogen. Doch anstatt in Sack und Asche zu gehen, reagierte die entpromovierte Abschreiberin mit einer reichlich dreisten Erklärung:

Dass meine Doktorarbeit kein Meisterstück ist, weiß ich bereits seit elf Jahren. Ich habe deswegen dafür auch nur eine mittelmäßige Note bekommen: ‘cum laude’. Ein einfaches Lob, wohl eher für den Fleiß als für die Sorgfalt.

Meine Doktorarbeit ist nicht frei von Schwächen, nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft. Es wäre auch zu wünschen gewesen, dass ich deutlich gemacht hätte, auf welche Literatur ich mich jeweils stütze. Es werden Aussagen gemacht, ohne dass auch nur ein einziger Beleg genannt würde.

Dies alles ist aber auch der Universität Heidelberg seit elf Jahren bekannt.

Denn alle diese Worte finden sich im Erstgutachten meines Doktorvaters. Seinen hochkritischen Ausführungen hat sich der Zweitgutachter ausdrücklich angeschlossen.

Die Gutachten, in denen handfeste Kritik an meiner Arbeit geübt wurde, waren die Entscheidungsgrundlage für den Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg dafür, mir im Jahr 2000 den Doktorgrad zu erteilen oder nicht.

Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört es, in einer Doktorarbeit ordentlich zu zitieren.

Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört es aber sicher auch, eine vorgelegte Arbeit ordentlich zu prüfen.

Wenn in den beiden Gutachten zu einer vorgelegten Doktorarbeit derart massive Kritik geäußert wird, dann ist ganz sicher davon auszugehen, dass bei den Mitgliedern des Promotionsausschusses im Jahr 2000 alle Alarmglocken geklingelt haben und meine Arbeit einer besonders kritischen Untersuchung unterzogen wurde.

Der Promotionsausschuss hat mir im Jahr 2000 in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen.

Heute sieht der Promotionsausschuss das anders.

Diese Entscheidung bedauere ich außerordentlich und umso mehr, als dass mir über mehr als zwei Monate weder im schriftlichen Anhörungsverfahren noch während meiner eineinhalbstündigen mündlichen Anhörung in Heidelberg am Dienstag, dem 14. Juni 2011, jemals der Vorwurf der Täuschung gemacht worden ist.

Im Gegenteil: die wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Arbeit sind bis heute unstrittig und beruhen auf meiner eigenen wissenschaftlichen Leistung.

Die Entscheidung kommt auch überraschend, weil ich bisher keine Akteneinsicht hatte.

Ich werde prüfen lassen, ob sie rechtswidrig ist.


Ich übersetze das jetzt mal:

Meine Arbeit war so lausig, dass mir ehrlich gesagt noch nie klar war, warum mir für diesen Bockmist auch noch ein akademischer Grad verliehen wurde. Aber die Universität hat es trotzdem getan. Das kann man jetzt doch nicht einfach wieder rückgängig machen. Wiederholen ist gestohlen! Menno!

Werte Frau Koch-Mehrin, Sie werden es vielleicht nicht einsehen wollen, aber die Tatsache, dass die Heidelberger Uni die unzähligen Plagiate in Ihrer Dissertation vor 10 Jahren nicht entdeckt hat, mag zwar ärgerlich sein, rechtfertigt jedoch nicht, dass Sie sich weiterhin mit einem Doktortitel schmücken, den sie ganz offensichtlich nicht verdienen. Und mal ganz ehrlich: Wer so hübsch ist wie Sie, der braucht doch keinen Doktortitel. Gründen Sie mit Ihrem Leidensgenossen zu Guttenberg einfach eine neue, echt gutaussehende Partei! Ich hätte da auch schon einen Vorschlag für Sie – die Ex-Doktoren-Partei (EDP):


Creative-Commons-Lizenz (CC BY-NC-ND 2.0)

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5 Kommentare zu “Silvana macht den Karl-Theodor”

  1. Blog - start-trading.de
    16. Juni 2011 um 14:02

    Das Maß ist verloren gegangen…

    Wir leben in einer Welt, in der das Maß verloren gegangen ist. In einer Welt, in der schamlos Doktortitel erschlichen werden, indem die Leistung anderer einfach kopiert wird. Wir reden hier nicht von Herrn zu Guttenberg, nein, auch Frau (Dr.) Sil…

  2. No Abilities - Ratgeber für Schule, Abitur, Studium, Ausbildung, Weiterbildung und Job
    16. Juni 2011 um 17:13

    Universität Heidelberg entzieht Silvana Koch-Mehrin den Doktortitel…

    Die Abgeordnete des Europaparlamentes, Silvana Koch-Mehrin darf den akademischen Grad des Doktors nicht mehr führen. Diese Entscheidung fällte am gestrigen Mittwoch die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, da ihre Dissertation mit dem Titel Historisc…

  3. Politblogger » Die Geiß zur Gärtnerin gemacht
    22. Juni 2011 um 21:19

    [...] Ihren Doktortitel ist sie los, die Silvana Koch-Mehrin, aber Karriere macht die des Abschreibens mächtige FDP-Politikerin trotzdem. Zwar schließt das eine das andere nicht zwangsläufig aus, im ganz speziellen Fall der wissenschaftlich gescheiterten liberalen Ex-Vorzeigefrau ist es aber trotzdem ein ziemlich schlechter Witz, dass Koch-Mehrin heute ausgerechnet zum Vollmitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europaparlaments befördert wurde. Dieses Gremium kümmert sich nämlich um die – Zitat – [...] Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse [...]. [...]

  4. Politblogger » Koch-Mehrin schon wieder kalt erwischt
    26. Juni 2011 um 12:04

    [...] die Silvana Koch-Mehrin. Erst wird der ertappten Plagiatorin der Doktortitel verdientermaßen entzogen, und jetzt muss sie auch noch die Belohnung dafür – einen Sitz als Vollmitglied im Ausschuss [...]

  5. Politblogger » Silvanas Doktorspiele
    18. Dezember 2011 um 13:24

    [...] Klage vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe eingereicht. Ich kann mich deshalb leider nur wiederholen: Werte Frau Koch-Mehrin, Sie werden es vielleicht nicht einsehen wollen, aber die Tatsache, dass [...]