Wahnsinnig ‘tiefgründig’

Eines kann man Necla Kelek ganz bestimmt nicht vorwerfen: Nämlich, dass sie in ihrem Buch Die verlorenen Söhne auch nur ein einziges antimuslimisches Klischee auslässt. Ich meine, wer seit vielen Jahren so unbelehrbar völlig undifferenzierte Werturteile über den Islam abgibt, der befriedigt zwar seine Anhänger aus der rechtsradikal-islamophoben Szene (von der es sich zweifellos auch ganz prima leben lässt), kann natürlich aber nicht ernsthaft erwarten, als seriöser Diskussionspartner akzeptiert zu werden. Ein paar Kostproben aus Keleks von hohlen Phrasen und tumben Plattitüden dominierten kleinen Welt:

Söhne sind für eine türkisch-muslimische Frau die Erfüllung ihrer Existenz. Erst wenn sie einen Sohn geboren hat, hat sie ihre Pflicht erfüllt, ihren Brautpreis zurückgezahlt.

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Söhne gehören in der türkisch-muslimischen Familie nicht der Mutter, sondern der Familie.

Mit einem Sohn kann der Vater seine Macht nach außen, in der Öffentlichkeit, und nach innen, durch die Aufsicht über die Frauen, festigen.

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Sie fühlen sich diskriminiert, diskriminieren andere und grenzen sich selbst aus. Sie wissen nicht, wie die deutsche Gesellschaft funktioniert, weil sie und ihre Eltern sich nie dafür interessiert haben. Sie sind die Verlierer.

[...]

Im Haus herrscht seine Frau oder Mutter, aber über das Haus hat er die Macht. Und die verteidigt er mithilfe seiner Söhne.

[...]

Statt sich eine ‚eigene’ Geschichte zu erarbeiten, imitieren die Söhne den Vater, sie borgen sich dessen Macht oder was sie dafür halten. Sie lernen Macht nicht als geistige oder argumentative Überlegenheit kennen, sondern als dumpfe Gewalt. Schläge sind Macht, eine Pistole, ein Messer ist Macht. ‚Respekt’ ist die Angst der anderen, ‚Schande’ ist die eigene Schwäche, wenn man dem anderen nicht die Stirn bieten kann.

Die ‚Kumpels’ sind die wichtigste Bezugsgruppe. Mit ihnen kann man Stärke zeigen, Respekt von den ungläubigen Deutschen einfordern und die Demütigungen des Unterworfenseins verdrängen.

[...]

Muslimische Jungen wachsen ohne Liebe auf.

[...]

Eine Moschee ist kein Gotteshaus, sondern ein Ort, an dem man sich niederwirft.

[...]

Der Gott der Muslime ist in erster Linie ein Gott, den man fürchten muss, dem man ausgeliefert ist, dem man zu dienen hat und der beim Jüngsten Gericht darüber richten wird, ob das, was man getan hat, die Hölle rechtfertigt oder aber für das Paradies reicht.

Inwiefern unterschiedet sich das eigentlich vom christlich geprägten Gottesbild? Aber egal, auf solche Fragen würde Frau Kelek sowieso nie antworten. Genauso wenig wie Weatherman, der die pauschal islamverurteilende (PI), äh, Rezension zu Keleks Buch geschrieben hat und sich dabei selbstverständlich auch selbst als islamhassender Phrasendrescher betätigt:

In Schulklassen ist es inzwischen so, dass viele muslimische Mädchen nicht mehr am Schwimmunterricht teilnehmen.

Ach ja? Komisch, dass die Behörden davon eigentlich so gar nichts wissen.

Der Geschlechtsakt wird als unrein angesehen. Viele Muslime sprechen darum während des Aktes ein Gebet und führen nachher eine Waschung durch.

Viele Muslime? Woher will Weatherman das eigentlich so genau wissen?

Ganz ehrlich: Das wiederum will ich gar nicht so genau wissen.

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Ein Kommentar zu “Wahnsinnig ‘tiefgründig’”

  1. Tweets that mention Politblogger » Wahnsinnig ‘tiefgründig’ -- Topsy.com
    30. März 2010 um 22:56

    [...] This post was mentioned on Twitter by POLITBLOGGER. POLITBLOGGER said: Wahnsinnig 'tiefgründig' http://bit.ly/cuNE8K [...]