Winnenden ein Jahr danach

Heute vor einem Jahr ermordete Tim K. 15 Menschen. Um 9.33 Uhr betrat der 17-Jährige die Albertville-Realschule in Winnenden – die Schule, die er früher selbst besucht hatte – und erschoss acht Mädchen, einen Jungen und drei Lehrerinnen. Auf seiner Flucht tötete er drei weitere Menschen. In Wendlingen wurde K. von der Polizei zunächst verletzt, bevor er sich schließlich selbst richtete.

Winnenden vor einem Jahr

Seit dem schrechlichen Amoklauf wurde in der Schule nicht mehr unterrichtet. Die Renovierung des Schulgebäudes soll bis Herbst 2011 abgeschlossen sein. Wichtiger scheint mir jedoch zu sein, welche Lehren die Politik aus dem grausamen Geschehen ziehen will. Gestern hat der Sonderausschuss Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen – Jugendgefährdung und Jugendgewalt des baden-württembergischen Landtags seinen 880 Seiten dicken Abschlussbericht vorgelegt. Der enthält zwar nur wenig Substanzielles, dafür aber einen Vorschlag, bei dem ich fast die Fassung verloren hätte:

Nach Einschätzung des Sonderausschusses machen die baden-württembergischen Schützenverbände wie auch alle anderen Sportvereine eine gute Jugendarbeit, die auch den Aspekt der Gewaltprävention berücksichtigt.

Der Sonderausschuss Winnenden möchte die erfolgreiche Jugendarbeit in den Sportschützenvereinen stärken, indem insbesondere der Gewaltpräventionsgedanke noch intensiver betont wird. Ein projekthaftes Angebot in einer Sportart scheint dabei zielführend. Besonders geeignet ist aus Sicht des Sonderausschusses die Sportart Biathlon, da neben den Schützenverbänden des Landes auch die baden-württembergischen Skiverbände (Winterbiathlon) sowie die Leichtathletikverbände (Sommerbiathlon) in das Projektvorhaben einzubinden sind.


Genau: Gewaltprävention durch noch mehr Waffen in den Händen von Jugendlichen. Mir scheint, dass die 18 Ausschussmitglieder buchstäblich den Schuss immer noch nicht gehört haben. Hardy Schober, Mitbegründer des Aktionsbündnisse Amoklauf Winnenden, der bei dem Amoklauf seine Tochter verlor, empfindet das als Affront. Schober weiter:

Unvorstellbar, dass die Landesregierung sich dafür einsetzt, Jugendliche an Waffen auszubilden und das als Gewaltprävention hinstellt.

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Ein Kommentar zu “Winnenden ein Jahr danach”

  1. Internetblogger » :: R.I.P. :: *11. März 2009* – Zum Gedenken aller Opfer von Winnenden
    11. März 2010 um 14:35

    [...] ein Jahr danach [...]