Zementierte Diskriminierung
Dass das gegliederte deutsche Schulsystem sehr früh – in der Regel nämlich schon nach vier Jahren – den späteren Lebensweg seiner Absolventen vorzeichnet und dass es Kinder aus sozial schwachen Familien in erheblichem Maße benachteiligt, kann niemand mehr wegdiskutieren. Der schwarz-grüne Hamburger Senat unternimmt durch die beabsichtigte Einführung der sechsjährigen Einheitsschule nun einen neuen Versuch, die eklatanten Ungerechtigkeiten des alten Schulsystems zu beseitigen. Allerdings muss sich das Vorhaben einem Bürgervotum stellen, und die Chancen der Reformgegner, das zentrale Bildungsprojekt von Union und Grünen noch zu verhindern, stehen leider ziemlich gut.
Wohlgemerkt: Bei der Einheitsschule geht es mitnichten darum, den Leistungsgedanken im Bereich der Schulbildung zu verdrängen. Das ist blanker Unsinn. Gerade die Ergebnisse der PISA-Studien belegen eindeutig, dass Länder mit dem – international ohnehin vorherrschenden – Einheitsschulsystem hervorragende Ergebnisse erzielen. Die Einheitsschule soll vielmehr gleiche Bildungschancen für alle garantieren – etwas, was das bisherige Schulsytem einfach nicht schafft. Die Preußische Allgemeine Zeitung sieht das aber immer noch anders und stellt zur Verdeutlichung ihres Standpunkts einen reichlich bescheuerten Vergleich an:
Man fragt sich, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, auch beim Sport den Gleichheitsgedanken vor den Leistungsgedanken zu stellen. Nach der Logik wäre es ungerecht, dass Joachim Löw nur die besten Spieler mit zur WM genommen hat.
Merke: Die Schule ist ein Wettbewerb, bei dem gefälligst nur die Privilegierten zu gewinnen haben. Der Rest fällt eben durch den Rost und kann schauen, wo er bleibt.
Via The Wanderer.

18. Juli 2010 um 21:55
[...] sind nicht einmal 39 Prozent aller Wahlberechtigten – haben sich am Volksentscheid über die vom schwarz-grünen Senat geplante Einführung der Primarschule beteiligt. Nach Auszählung von gut 364000 Stimmen – also fast 80 Prozent – liegen die [...]